Es braucht Gottes souveränes Eingreifen!

Isaak und Rebekka können keine Kinder bekommen. Das ist nicht nur eine persönliche Tragödie. Nein, es zieht auch Gottes Verheißung in Zweifel. Denn er hatte doch Abraham versprochen, dass er ihm durch Isaak eine unzählbare Nachkommenschaft schenken würde. In meiner ersten Predigt über das Leben Jakobs bin ich auf die Frage eingegangen, darum Rebekka und Isaak erst nach Gebet und Gottes Eingreifen, Kinder geschenkt wurden:

Dadurch wird eins mehr als deutlich: Um Gottes Segenslinie fortzuschreiben, reicht Menschliches nicht aus! Um diesen Empfänger der Verheißung, diesen Nachkommen, ins Leben zu rufen, reicht es nicht aus, dass Isaak und Rebekka wie Mann und Frau zusammenkommen. Nein, Gott selbst muss souverän eingreifen, um seine Segenslinie fortzuschreiben. Gott selbst muss etwas tun, um den Empfänger seiner Verheißung ins Leben zu rufen! Es bedarf Gottes souveränen Eingreifens – das wird hier deutlich!

Und übrigens: Das ist das Muster, das bis auf den heutigen Tag gilt. Wir alle, die wir an Christus glauben, sind ja – so sagt es das NT – weil wir glauben, geistliche Nachkommen Abrahams. Und so wie damals Abrahams Nachkommen – hier sein Enkel – nicht „natürlich“ zustande kam, sondern erst durch das übernatürliche Eingreifen Gottes, genauso ist es auch noch heute. Darum schreibt Petrus: Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt. (1Petr 1,23) Damit ein Mensch zum Glauben kommt, muss er wiedergeboren werden. Gott selbst muss also in sein Leben treten, der Allmächtige selbst muss eingreifen, der Schöpfer von Himmel und Erde muss einen Geistlich Toten neues Leben einhauchen. Gott muss eingreifen, damit ein Mensch zum Glauben kommt und er darin ein Nachkomme Abrahams wird. Auch unsere Erfahrung bestätigt das ja, dass wir es nicht machen können, dass jemand zum Glauben kommt. Du kannst jemandem immer wieder von Jesus erzählen, ihm die besten Argumente vorbringen, von deinen größten Gebetserhörungen berichten – und trotzdem – wenn Gott nicht eingreift, passiert da gar nichts. Nein, es bedarf Gottes souveränen Eingreifens.

Meine ganze Predigt über 1Mose 25,19-26 „Gefährdete Verheißung – oder: wie Gott seine Pläne souverän verwirklicht“, kannst du hier nachhören.

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Warum Jesus in Nazareth keine Wunder tat

„Und er konnte dort nicht eine einzige Tat tun, außer daß er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte.“ (Mk 6,5)

Hans Bayer schreibt in seinem Kommentar zu diesem Vers:

„Jesus wird durch diese ablehnende und verwerfende Haltung „gehindert“, Notleidende zu heilen. Bedarf es des Glaubens (als Bereitschaft Jesu gegenüber) als Anstoß und Grund, um geheilt zu werden? Oder widerspricht es vielmehr dem Charakter und Willen Jesu, dort zu heilen, wo prinzipielle Ablehnung (als Reaktion auf ihn) trotz der Kenntnis seiner Vollmacht herrscht? Mit anderen Worten: Liegt das Ausbleiben der Heilungen primär im (resistenten) Willen der Menschen oder vor allem in der souveränen Grundhaltung Jesu, nur dort zu heilen, wo glaubende Offenheit ihm gegenüber besteht? Beides hängt zusammen; Letzteres ist jedoch ausschlaggebend. Das heißt, Jesus vermochte dort keinerlei Wundertaten zu verrichten, weil er nur dort heilen will, wo ihm zumindestens Offenheit (als Reaktion) entgegengebracht wird, wo der einzelne Mensch zumindest damit rechnet, von Jesus geheilt werden zu können. Jesus setzt sich somit willentlich keineswegs über die abweisende Haltung der Menschen, etwa durch „kalte“ (sprich: magische) Wundertaten hinweg.“

Hans F. Bayer, Das Evangelium des Markus, Historisch-Theologische Auslegung, Witten: R. Brockhaus, 2008, S. 238f.

Die Priorität des Wortes

Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. 39 Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. 40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, daß mich meine Schwester läßt allein dienen? Sage ihr doch, daß sie mir helfen soll! 41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. 42 Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden. (Lukas 10,38-42)

Als Jesus sich mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem befindet, kommen sie eines Tages nach Betanien. Marta, eine offenbar wohlhabende und tatkräftige Frau, lädt Jesus und seine Jüngergruppe in ihr Haus ein. Sofort beginnt sie mit der Arbeit. Sie will eine gute Gastgeberin sein und so kümmert sie sich mit großem Einsatz um die Bewirtung ihrer Gäste. Es ist ein sehr gutes Ziel, dass Marta verfolgt: Sie will Jesus und seinen Jüngern dienen. Es braucht doch solche Menschen wie Marta! Menschen, die einsatzbereit sind, die keine Mühe scheuen, die sich gerne engagieren. Auch Gemeinden leben davon!

Und dennoch ist Marta hier nicht ganz auf der richtigen Spur. Das wird deutlich, als Marta Jesus auf ihre Schwester Maria anspricht: „Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt alleine dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!“ (Lk 10,40). Wie gut kann man das Ansinnen Martas verstehen. Würden beide Schwestern mitanpacken, wäre die Arbeit doch schneller erledigt. Und wäre es nicht sowieso angemessen, dass Maria ihrer – vermutlich älteren – Schwester in deren Haus sie wohnt, hilft?

Jesus ist nicht dieser Meinung. Im Gegenteil: Der Herr weist Marta liebevoll, aber doch deutlich, zurecht: „Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.“ (Lk 10,41). Ihrer Unruhe und ihren vielen Sorgen stellt Jesus, das Eine gegenüber. Das Eine, das wirklich notwendig ist, das Eine, das Maria erwählt hat. Das Eine, nämlich auf das Wort Jesu, also auf das Wort Gottes, zu hören. Dies ist das Eine, „das soll nicht von ihr genommen werden“ (Lk 10,42).

Jesus stellt in dieser kurzen Episode die Priorität des Wortes vor der Tat heraus. Auf das Wort Gottes zu hören, hat für Jesus immer Vorrang – auch vor jeder guten Tat.

Ist die gute Tat dann unwichtig? Oder ist es falsch, wie Marta die eigenen Gäste gut bewirten zu wollen? – Nein, natürlich nicht! Gute Taten und aufopferungsvoller Dienst sind positive Dinge. Es sind auch Dinge, zu denen uns die Bibel und Jesus selbst immer wieder aufruft. Jesus geht es also nicht darum, die gute Tat oder den Dienst schlechtzumachen. Aber es geht ihm um die Priorität, darum, deutlich zu machen, was das Wichtigste ist und was darum stets zuerst kommen soll. Und da ist Jesus eindeutig: Auf Gottes Wort zu hören hat in jedem Fall die höchste Priorität. Alles andere – auch die besten Taten oder der liebevollste Dienst – kommt danach.

Warum ist das so? Weil für Jesus und die ganze Schrift das Hören und dann Glauben von Gottes Wort die Wurzel des Tuns ist. Oder anders gesagt: Das Eine ist die Wurzel des Vielen. So erwächst erst aus dem Hören und Glauben von Gottes Wort ein wirklich verändertes Handeln.

Ich wünsche uns allen den Mut, dem Hören und Lesen von Gottes Wort die höchste Priorität zu geben. Und ich wünsche uns die nötige Zielstrebigkeit diesen Entschluss im Trubel des Alltags auch durchzuziehen!

„Reich werden wollen“ – die dreifache Gefahr

In diesem Beitrag hatten wir begonnen auf 1Tim 6 zu schauen, wo Paulus davor warnt, „reich sein zu wollen“ und als Alternative die Genügsamkeit aufzeigt, die aus einem lebendigen Glauben an Christus erwächst.

Jetzt wollen wir noch mal einen Blick auf die Gefahren werfen, die Paulus wirklich drastisch beschreibt, wenn wir die Zufriedenheit und Genügsamkeit verlieren und in uns dieser Wunsch nach „mehr“ Raum bekommt: 9 Denn die reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Verstrickung und in viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis.  10 Denn Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelüstet, und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen. Der Wunsch reich zu sein, der Wunsch nach immer mehr ist tatsächlich sehr gefährlich – wohlgemerkt Paulus spricht hier nicht von den tatsächlich Reichen, sondern von denjenigen, deren Wunsch es ist, reich zu werden!

Interessant ist, dass wir es hier mit drei verschiedenen Stufen, die aufeinander aufbauen – eine schlimmer als die andere – zu tun haben.

Der Wunsch reich zu sein führt erstens zu Versuchungen.

Der Wunsch reich zu sein führt zweitens zu konkreten Sünden.

Und drittens führt der Wunsch reich zu sein zum Abfall vom Glauben.

Der Wunsch reich zu sein, führt zu Versuchungen vieler Art. Das liegt auf der Hand, weil wir andere Entscheidungen treffen – Entscheidungen, die dem Wort Gottes häufig widersprechen – wenn wir bewusst oder unbewusst danach entscheiden, was eine Sache finanziell für uns bedeutet. Da verursacht einer einen größeren Schaden und schneller als man denkt, keimt in einem der verführerische Gedanke, ob man das nicht einfach über die Haftpflichtversicherung eines Bekannten lösen könnte… Denn würde man – wie es richtig wäre – selbst für den Schaden aufkommen, wären doch sofort alle Ersparnisse weg, die man sich über Jahre mühsam aufgebaut hat…. Wir manövrieren uns also mit dieser Haltung „reich sein zu wollen“, „am Besitz zu hängen“ in ganz schwierige Situationen, in denen uns Versuchungen wie diese hart angreifen können.

Und schneller als man denkt, ist man bei der nächsten Stufe angelangt: Der Wunsch reich zu sein, führt zu konkreten Sünden. Was eben noch ein Gedanke war, wird im nächsten Moment schon in die Tat umgesetzt. Eine falsche Schadensanzeige wird geschrieben und man hofft, dass niemand auf den Betrug reinfällt.

Und letztendlich sagt Paulus, gefährdet der Wunsch reich zu sein, sogar unseren Glauben: „einige sind von Glauben abgeirrt“, heißt es in V. 10. Ja, wieso denn das? Oder ist das nicht ein bisschen übertrieben? Nein! Denn der Wunsch reich zu sein, offenbart, dass wir in Wirklichkeit nicht an Gott glauben, sondern an uns selbst. Warum auf Gott vertrauen, wenn man alles unter Kontrolle hat? Warum um das tägliche Brot bitten, wenn man die Bäckerei besitzt? Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist ein großer Feind des Glaubens. Wir sind womöglich stolz auf unsere „finanzielle Unabhängigkeit“, aber wo wären wir ohne Gott, dessen Gabe jeder einzelne unserer Atemzüge ist? Reichtum, und besonders das Streben danach, kann uns ganz schnell von unseren Bedürfnissen isolieren, bzw. er isoliert uns davon, die wahre Tiefe unserer Bedürfnisse zu erkennen. Wir sehen dann nicht mehr, wo und wie wir eigentlich noch Gott brauchen. Und unser Glaube beginnt an Tiefe zu verlieren und womöglich irgendwann ganz zu verschwinden.

Geld strategisch einsetzen

Eins der schwierigsten Gleichnisse, die Jesus erzählt, finden wir in Lukas 16,1-8. Es ist das Gleichnis vom „unehrlichen Verwalter“. Und auch dieses Gleichnis lehrt uns etwas Wichtiges darüber, wie wir als Christen mit Geld umgehen sollen. Kurzgesagt: wir sollen uns nicht davon einfach fernhalten, sondern es strategisch und durchdacht einsetzen.

Aber schauen wir zunächst näher auf das Gleichnis. Jesus erzählt hier von einem Verwalter, quasi einem Manager, der für einen reichen Mann einen Teil seines Besitzes verwaltete. Vermutlich wohnte dieser einfach zu weit weg oder hatte andere Dinge zu tun. Solche Verwalter hatten damals große Freiheiten: sie konnten mit dem Besitz wirtschaften, Geld verleihen, Land verpachten uvm. Und natürlich konnten sie auch selbst gut daran verdienen. Solange sie das treu und erfolgreich machen und der Profit für den Eigentümer stimmte, war alles in Ordnung.

Eines Tages bekommt der reiche Mann im Gleichnis Informationen darüber, dass sein Verwalter in irgendeiner Form – das wird hier offen gelassen – untreu gehandelt hat. Er lässt ihn rufen, stellt ihn zur Rede, der Verwalter kann die Vorwürfe offensichtlich nicht ausräumen, er ist wahrscheinlich tatsächlich schuldig und so wird der Verwalter gefeuert. Er hat allerdings noch einige Tage Zeit, bis die Kündigung wirksam wird. Und der Verwalter fragt sich: „Was soll ich tun? In wenigen Tagen bin ich arbeitslos, ich weiß nicht mehr wovon ich leben soll, ich will keine harte Arbeit annehmen und betteln will ich auch nicht. Womit soll ich dann in Zukunft meinen Lebensunterhalt verdienen?“ Ziemlich schnell hatte der durchtriebene Verwalter einen raffinierten Plan: „Ich weiß, was ich tun werde: ich muss meine jetzige Stellung noch ausnutzen und mir Freunde verschaffen, die mich aufnehmen, sobald ich meinen Schreibtisch hier endgültig räumen muss!“

Nacheinander ruft er nun alle Schuldner zu sich und erkauft mit seiner Großzügigkeit ihre Dankbarkeit. Er fragt sie nach ihrer Schuld, und wenn sie dann kleinlaut die immense Summe nannten, dann erließ er ihnen willkürlich und überhaupt nicht nachvollziehbar einen erheblichen Teil davon.

Aber passiert hier wirklich das, was man auf den ersten Blick denkt? Reduziert hier der Verwalter tatsächlich die Schulden der Schuldner, um sich beliebt zu machen? Tut er das einfach so – obwohl es zum Schaden seines Herrn ist, für den er ja nur noch kurze Zeit tätig ist? Das nennt man doch Betrug! Passiert hier also wirklich ein Betrug und wie kann das sein, dass Jesus dann dieses Verhalten lobt? Oder müssen wir das irgendwie anders verstehen?

In der Auslegungsgeschichte dieses Gleichnisses sind tatsächlich immer wieder auch andere Erklärungsmöglichkeiten vorgeschlagen worden, um dem Gleichnis diese Anstößigkeit zu nehmen, dass Jesus hier ein betrügerisches Verhalten lobt. Manche haben vorgeschlagen, dass der Verwalter ursprünglich einen viel zu hohen Zinssatz genommen hat und dass er diesen nun auf ein faires Maß reduziert. Andere haben angenommen, dass der Verwalter die Schulden hier reduzieren kann, weil er auf seinen Anteil, der ihm als Provision sozusagen zustand, verzichtete. Mich überzeugt das alles nicht. Nein, dieser Verwalter tut genau das, wonach es aussieht: Er betrügt seinen Herrn, der ihn entlassen hat, indem er die Schulden der Schuldner drastisch reduziert, damit er deren Wohlwollen gewinnt! Er tut das, weil er sich für die Zukunft erhofft, dass sie ihm dankbar sind, dass sie sich bei ihm revanchieren, wenn er ohne Arbeit ist. Und Jesus lobt dieses Verhalten auch noch!

Warum? Wie kann das sein?

Wir müssen bedenken, dass Gleichnisse immer einen Vergleichspunkt haben. Nicht aus jeder Kleinigkeit so einer Beispielgeschichte darf man eine Anwendung für uns ableiten wollen. Nein, es gibt immer einen Vergleichspunkt, eine Sache also, die Jesus ganz deutlich machen will. Und das ist hier nicht der Betrug, sondern das ist die kluge Vorausschau des Verwalters. Er wusste, dass er bald seinen Job verlieren würde und dann mittellos dastehen würde. Deshalb verwendet er solange es geht die Ressourcen seines Herrn um sich Freunde zu machen, die ihn später mit Freuden in ihre Häuser „aufnehmen“ würden.

Jesus verdeutlicht das durch seine Worte in V. 8b: „Die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.“ Jesus stellt die Ungläubigen (die Kinder dieser Welt) den Christen (Kinder des Lichts) gegenüber. Und er sagt quasi: „wenn’s ums liebe Geld geht, dann stellen sich die Ungläubigen, die die gar keine moralischen Maßstäbe kennen, wirklich sehr geschickt an – von denen könnt ihr euch noch eine Scheibe abschneiden und viel von ihnen lernen!“ Wohlgemerkt: natürlich nicht von ihrem Sinn für Betrügereien, wohl aber von ihren klaren Sicht auf die eigene Zukunft und ihrem großen Einsatz für ihre eigene Zukunft. Dass sie nämlich ganz entschlossen ist – koste es, was es wolle – das Beste für sich rauszuholen! Jesus meint also: Wenn’s ums Geld geht, wenn’s um den eigenen Vorteil geht, haben die Ungläubigen ihre Zukunft fest im Blick und geben alles dafür, um ihre Zukunft positiv zu gestalten. Und Jesus wählt dieses drastische Beispiel, was aufhorchen lässt, auch gerade deshalb um die Lektion für uns als Jünger Jesu umso deutlicher zu machen: Auch ihr als Christen sollt eure Zukunft im Blick haben, ihr sollt die Ewigkeit im Blick haben.

Jesus fordert also nicht dazu auf, dass sich Christen vom Geld („dem ungerechten Mammon“) fernhalten sollen (das geht auch sowieso nicht), sondern dass wir es strategisch einsetzen können. Oder anders formuliert: Geld kann für Christen ein nützliches Werkzeug sein. Und Jesus möchte, dass wir das Geld das uns anvertraut ist, als solches klug benutzen – quasi bevor unsere Dienstzeit auf Erden zu Ende ist.

Daraus ergeben sich einige persönliche Fragen:

  • Habe ich meine Zukunft – und Jesus meint damit nicht unser Rentenalter, sondern die Ewigkeit – klar im Blick?
  • Was könnte mir helfen, damit ich meinen Alltag mit einer stärker ausgeprägten Ewigkeitsperspektive lebe?
  • Machst du dir Gedanken darüber, wie du deine finanziellen Mittel nutzt – und wenn ja, kommen Gott, Glaube und Ewigkeit in deinen Überlegungen vor?
  • Wie kann ich das, was Gott mir finanziell anvertraut hat, strategisch (im Hinblick auf die Ewigkeit) nutzen?
  • „Freunde machen mit dem ungerechten Mammon“ heißt es in V. 9. Was kann das praktisch bedeuten?
  • Und zum Weiterdenken: Was bedeutet es eigentlich, dass vor dem Gleichnis vom „unehrlichen Verwalter“ das berühmte Gleichnis vom „verlorenen Sohn“ steht?

Anmerkung: Dies ist der dritte Beitrag zum Thema „Geld und Glaube“. Hier findest du den einführenen Beitrag und hier den zweiten Beitrag zum Thema „Klug investieren.“

„Lauf zu Christus!“

„Es ist unmöglich, Bruder, daß du in diesem Leben so vollkommen wirst, daß dein Leib hell leuchte ohne Makel wie die Sonne, nein, du behältst Runzeln und Fehler und bist dennoch ein Heiliger. Aber du sagst: Wie kann ich da ein Heiliger sein, wenn ich Sünde habe und fühle? Daß du deine Sünde fühlst und erkennst, ist gut, sage Gott Dank und verzweifle nicht. Es ist der eine Schritt zur Gesundheit, wenn der Kranke seine Krankheit erkennt und bekennt. Aber wie werde ich befreit werden von der Sünde? Lauf zu Christus, glaube; wenn du glaubst, bist du gerecht, weil du Gott die Ehre gibst, daß er sei allmächtig, barmherzig, wahrhaftig etc. Du rechtfertigst und lobst Gott, Summa: du gibst ihm die Gottheit und alles. Was in dir an Sünde übrig ist, wird nicht zugerechnet, sondern dir wegen Christus geschenkt, an den du glaubst, der völlig und vollkommen gerecht ist: seine Gerechtigkeit ist dann deine und deine Sünde ist seine.“

Martin Luther zu Galater 3,6: „So hat doch »Abraham Gott geglaubt, und es wurde ihm gerechnet zur Gerechtigkeit« (1. Mose 15,6).

Klug investieren

In Zeiten von Niedrig- und Negativzinsen fragt sich so mancher, wo er überhaupt noch sein Geld investieren soll. Interessant ist, dass auch Jesus darüber spricht, was eine kluge Investition ist. So heißt es in Mt 6,19-20: 19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.  20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.

Eins vorneweg: Jesus redet hier nicht über unseren Umgang mit den lebensnotwendigen Dingen, die wir brauchen, sondern es geht eben um unseren Umgang mit den materiellen Dingen, die wir über das Lebensnotwendige hinaus haben.

Hier gibt es nach Jesus nur zwei Möglichkeiten: entweder sammelt man Schätze auf Erden oder man sammelt sie im Himmel. Entweder ich suche nach einer Investitionsmöglichkeit im irdischen oder im himmlischen Bereich. Übersehen wir folgendes nicht: Jesus fordert hier nicht dazu auf, gar keine Schätze zu sammeln. Nein, das Gegenteil ist richtig: er befiehlt es sogar! Jesus sagt bloß: Hört auf, sie am falschen Ort zu sammeln und fangt endlich an, sie an der richtigen Stelle zu sammeln.

Jesus sagt also nicht, dass das Anhäufen von Reichtum unmoralisch ist. Reichtum an sich wird überhaupt in der Bibel nicht so negativ bewertet, wie es häufig in unserer Gesellschaft üblich ist. Auch viele fromme Menschen der Bibel waren sehr reich (man denke nur an Abraham oder Hiob). Also Jesus verurteilt den Reichtum nicht als unmoralisch.

Jesus erinnert uns vielmehr daran, dass materielle Dinge auf Dauer nicht bestehen werden, weil sie vergänglich sind: Der Neuwagen, der schon in dem Moment die Hälfte seines Wertes verliert, wenn ich vom Parkplatz des Händlers fahre und spätestens 20 Jahre später nur noch Schrottwert hat oder das neue Iphone, bei dem dieser Prozess noch viel schneller geht. Und selbst die Dinge die wirklich wertbeständig sind (meinetwegen Gold) muss ich spätestens beim Tod zurücklassen. Der Herr gibt uns hier also den guten Rat, nicht falsch zu investieren, d.h. nicht in die vergänglichen Dinge zu investieren, die ihren Wert verlieren oder die wir verlieren!

Stattdessen können wir „Schätze im Himmel“ sammeln. Für den Umgang mit unserem Geld bedeutet das also, dass wir die Möglichkeit haben, dieses vergängliche Gut (was auch noch der Inflation unterliegt) in Ewiges zu investieren, man könnte auch sagen einzutauschen. Das ist Schätze-Sammeln im Himmel!

Wenn wir das wirklich glauben – und wir sollten es glauben, weil es die zuverlässigen Worte unseres Herrn Jesus Christus sind – dann ist es kein scheußlicher Zwang mehr, etwas von meinem Geld abgeben zu müssen. Ich verliere dadurch ja nichts! Vielmehr ist eine attraktive Gelegenheit, etwas Unvergängliches zu sammeln, d.h. etwas von ganz großem Wert zu gewinnen. Wir bekommen dann auch einen ganz anderen Blick auf das Geld und eine andere Perspektive dafür, was Geben bedeutet. Ich frage mich dann nicht mehr: Was muss ich abgeben, um ein gehorsamer Christ zu sein, sondern: Was kann ich investieren in meinen ewigen Schatz im Himmel?

Machen wir’s nochmal konkret. Angenommen, du erlebst morgen einen unerwarteten Geldsegen (z.B. eine Steuerrückzahlung): Eine Summe, mit der du nicht gerechnet hast und die du auch nicht benötigst, um deine laufenden Kosten zu bestreiten. Normalerweise ist unser erster Gedanke in solchen Situationen: „Was gönne ich mir jetzt davon? Soll ich mir ein neues Handy kaufen? Oder lieber diese schicke Couch, die ich neulich im Katalog gesehen habe? Oder sollten wir einfach mal einen Kurzurlaub am Wochenende machen?“

Wenn wir aber Jesu Lehre aus diesen Versen bedenken, stellen wir uns hoffentlich eine andere Frage: „Was ist jetzt eigentlich die klügste Investition für diese Summe?“

Nun, ich denke nicht, dass die Antwort hier immer sein muss, das Geld wegzugeben und in das Reich Gottes zu investieren. Es kann sein, dass es in diesem Moment tatsächlich klüger ist, das Geld in einen erholsamen Kurzurlaub zu stecken. Ich kann dann ausruhen und auftanken und in meinen alltäglichen Arbeiten und Pflichten dem Herrn wieder mehr die Ehre geben. Es wird aber auch tatsächlich oft der Fall sein, dass die klügere Investition nicht das neue Smartphone oder irgendein anderer Luxusgegenstand ist. Sondern, dass es klüger ist, beispielsweise in die theologische Ausbildung in Südamerika zu investieren, in Gemeindegründungsarbeit in Frankreich oder die eigene Ortsgemeinde. Wenn ich hier investiere, bekomm ich schließlich etwas Ewiges und Unverlierbares!

Anmerkung: Dies ist der zweite Beitrag zum Thema „Geld und Glaube“. Den ersten Beitrag findest du hier.