Warum ich fortlaufende Bibeltexte predige

Wer mich kennt, weiß, dass ich vorwiegend fortlaufend ganze Bibelbücher oder größere Bibelabschnitte predige. So habe ich das in Vergangenheit u.a. mit Kolosser, Markus, Maleachi, Philipper, Judas, Elia (1Könige 17-21) oder Galater getan. Aktuell befinde ich mich gerade in einer Reihe über das Leben Jakobs (1Mose 25-35 – über die Weihnachtszeit pausiere ich allerdings).

Jeder Bibeltext ist wichtig

Es gibt viele Gründe, warum ich mich an diesem sehr alten Brauch (man nennt das lectio continua) orientiere. Z.B. wird durch dieses Vorgehen verdeutlicht, dass jeder Bibeltext wichtig ist. Es werden nicht nur die populären Lieblingsstellen herausgepickt, sondern es kommen auch die weniger bekannten Texte zwangsläufig zur Sprache.

Das Beispiel des Philipperbriefs

Ich will das mal am Beispiel des Philipperbriefs verdeutlichen: Ich bin mir sicher, dass ein Prediger, der in den Paulusbriefen zu Hause ist und sie liebt (so wie ich die Paulusbriefe liebe), bestimmt über kurz oder lang über folgende Texte predigen würde: Phil 1,12-26 (mit dem Spitzensatz: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn“), Phil 2,1-11 (der berühmte Christushymnus) oder Phil 3,12ff („Ich vergesse, was dahinten ist….“) Würde man aber auch über Phil 2,19-30 predigen (die Lutherbibel hat als Überschrift: Sendung des Timotheus und Rückkehr des Epaphroditus)? Klingt auf den ersten Blick jetzt nicht so super-spannend, von dem schwierigen Namen mal ganz abgesehen… Und doch entgeht uns viel, wenn wir diese Texte nie ausgelegt bekommen. Vor allen Dingen ist es ein Problem, wenn wir gar meinen, diese Texte seien nicht so wichtig.

Und nebenbei bemerkt: in anderen biblischen Büchern ist der Anteil der Texte die auf den ersten Blick nicht sehr zugänglich oder relevant erscheinen, noch viel viel größer als im Philipperbrief. Ist das wirklich alles unnützer Ballast? Hätte uns gar eine Bibel gereicht, die nur 1/4 Umfang hat? Mit Sicherheit nicht! Gott hat uns die ganze Bibel mit ihren 66 Büchern und 1189 Kapiteln gegeben, weil jeder Text wichtig ist. Ich predige vorwiegend fortlaufend durch Bibelbücher oder längere Abschnitte, um genau das meinen Hörern deutlich zu machen!

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Die wichtigste U-Bahn-Fahrt meines Lebens

Ich bin am Stadtrand von Hamburg aufgewachsen und war in meiner Jugendzeit häufig und oft lang mit der Hamburger U-Bahn unterwegs. Schon früh hatte ich es mir angewöhnt immer etwas zu Lesen zur Hand zu nehmen: meistens gute Bücher oder die Bibel selbst. Die wichtigste von allen meinen U-Bahnfahrten war nun nicht wichtig wegen eines bestimmten Ziels oder Anlasses (daran erinnere ich mich überhaupt nicht mehr), sondern wegen der Lektüre die ich dabei las.

An diesem Tag las ich ein kleines Büchlein vom Charles Spurgeon, dem bekannten britischen Baptistenprediger, der im 19. Jahrhundert lebte. Es war das bekannte Buch Es steht geschrieben, in welchem zwei kämpferische Predigten Spurgeons über die Autorität der Bibel abgedruckt sind. Er zeigt dort auf mitreißende Art und Weise, warum es so entscheidend ist, an der absoluten Autorität der Bibel festzuhalten und hier nicht einen Deut abzuweichen. Die absolute Verbindlichkeit der Heiligen Schrift war für Spurgeon unaufgebbar und er zeigt, warum sie auch für uns eine unaufgebbare Grundüberzeugung sein sollte.

Als ich diese Predigten las, spürte ich, wie Gott selbst durch den Hl. Geist in mir wirkte und mir diese Wahrheit wichtig machte. Nun, ich war auch schon zuvor überzeugt davon, dass die Bibel Gottes Wort ist. Dennoch war dieser Moment für mich ganz entscheidend. Denn mir wurde klar, dass ich vor die Entscheidung gestellt bin: Entweder die Autorität und Wahrheit der Bibel in allen Fragen nicht nur zu hinzunehmen, sondern für sie zu kämpfen, was es auch kosten mag. Oder bei dieser Frage etwas vage zu bleiben, was dazu führen würde, dass ich früher oder später hier auch Kompromisse machen würde.

Ich habe an diesem Tag in der U-Bahn des festen Entschluss gefasst – und ihn auch vor den allmächtigen Gott gebracht –, dass ich Zeit meines Lebens an der absoluten Autorität und Wahrheit der Hl. Schrift kompromisslos festhalten will. Das ist, was ich glaube und wofür ich einstehen will.

Hier kannst du das kleine Büchlein von C. H. Spurgeon bestellen und hier sogar kostenlos als PDF downloaden.

Sechs Gründe für die Auslegungspredigt

D. A. Carson nennt in einem bei Evangelium 21 veröffentlichten Beitrag sechs Vorteile, die das Prinzip der Auslegungspredigt mit sich bringt:

  • Sie ist die Methode, die uns am ehesten davor bewahrt, von der Heiligen Schrift abzuweichen. 
  • Sie erklärt den Zuhörern, wie sie selbst ihre Bibeln recht studieren können.
  • Sie erfüllt den Prediger mit Zuversicht und verleiht seiner Botschaft Autorität.
  • Sie bietet eine lebensnahe Botschaft, ohne sich vom Aufschrei nach praktischer Relevanz diktieren zu lassen. 
  • Sie fordert den Prediger dazu heraus, auch die ernsthaften Fragen anzugehen.
  • Das Prinzip der Auslegungspredigt befähigt den Prediger dazu, systematisch den ganzen Ratschluss Gottes zu entfalten.

Den ganzen – für Prediger als auch Predigthörer – lesenswerten Artikel findet man hier.

Was ist Gottesdienst?

Was ist eigentlich Gottesdienst?

Ein fester Termin Sonntag morgens? Wenn wir Gott dienen? Wenn wir Gottes Wort hören und Lobpreislieder singen? Einfach die christliche Veranstaltung schlechthin? Oder wie würdest du Gottesdienst definieren bzw. was macht einen Gottesdienst aus deiner Sicht aus?

1544 wurde die erste evangelische Kirche eingeweiht, die auch als evangelische Kirche gebaut wurde, nämlich die Schlosskapelle in Torgau. Martin Luther predigte zu diesem Anlass, und erklärte in später berühmt gewordenen Worten, als was er Gottesdienst versteht. Er sagte:

Meine lieben Freunde, wir wollen jetzt dieses neue Haus einsegnen und unserem Herrn Jesus Christus weihen. Das gebührt nicht mir allein, sondern ihr sollt auch zugleich mit angreifen, auf dass dieses neue Haus dahin gerichtet werde, dass nichts anderes darin geschehe, als dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir umgekehrt mit ihm reden durch unser Gebet und Lobgesang

Luther versteht Gottesdienst also als Kommunikation, als ein Wechselspiel zwischen Gott und Mensch. Gott spricht durch sein heiliges Wort. Wir reagieren und antworten darauf. Deshalb ist in evangelischen Gottesdiensten (hoffentlich) bis heute einerseits die Bibel zentral (und deshalb ist gerade die Predigt Mitte des Gottesdiensted und nimmt alleine schon zeitlich einen großen Raum ein). Andererseits gilt es auch Raum zu schaffen, dass wir in Gebet und geeigneten Liedern auf das Gehörte antworten.

Weil jeder fehlt, der nicht geboren wird

Am vergangenen Sonntag hatten wir in unserer Gemeinde ein Ehepaar zu Gast, das uns die Arbeit des Projektes 1000plus vorgestellt hat. Diese Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, jedes Jahr mindestens 1000 Frauen die ungewollt schwanger geworden sind, so zu helfen, dass sie sich für ihr Kind entscheiden. In den letzten Jahren wurde dieses Ziel schon um ein Vielfaches übertroffen und die Nachfrage nach Hilfsangeboten ist ungebrochen groß…

Eine ganz wichtige Arbeit, die einen Beitrag dazu leistet, dass die erschreckend hohe Zahl an Abtreibungen (rund 100.000 pro Jahr in Deutschland), hoffentlich sinkt. Für uns als Gemeinde war es auch eine gute Sache, weil wir so für dieses wichtige Thema wieder sensibilisiert wurden. Oft ist es ja, dass man zwar um die Problematik weiß, aber in der Gefahr steht, sich ein Stück weit daran zu gewöhnen. Denn außer uns Christen nimmt ja sonst in unserer Gesellschaft niemand Anstoß daran – im Gegenteil, Abtreibung wird als normal angesehen und mancher meint, es gäbe ein Recht darauf… Dass Lebensschutz ein relevantes politisches Thema ist, diese Zeiten sind jedenfalls lange vorbei.

Ich habe die Gelegenheit genutzt und auch zu diesem Thema gepredigt. Wer mag, kann sich die Predigt mit dem Titel „Weil jeder fehlt, der nicht geboren wird“ hier anhören.

Der Sieg des Königs

8 Die Erde bebte und wankte, und die Grundfesten der Berge bewegten sich und bebten, da er zornig war.  9 Rauch stieg auf von seiner Nase und verzehrend Feuer aus seinem Munde; Flammen sprühten von ihm aus.  10 Er neigte den Himmel und fuhr herab, und Dunkel war unter seinen Füßen.  11 Und er fuhr auf dem Cherub und flog daher, er schwebte auf den Fittichen des Windes.  12 Er machte Finsternis ringsum zu seinem Zelt; in schwarzen, dicken Wolken war er verborgen.  13 Aus dem Glanz vor ihm zogen seine Wolken dahin mit Hagel und Blitzen.  14 Der HERR donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seine Stimme erschallen mit Hagel und Blitzen.  15 Er schoß seine Pfeile und streute sie aus, sandte Blitze in Menge und jagte sie dahin.  16 Da sah man die Tiefen der Wasser, und des Erdbodens Grund ward aufgedeckt vor deinem Schelten, HERR, vor dem Odem und Schnauben deines Zornes. (Psalm 18,8-16)

Was David hier in markigen, bildhaften Worten beschreibt ist das Gericht Gottes über Davids Feinde. Das ist, was David erlebte. Dass der Herr gegen seine Feinde gewaltsam vorging und ihn selbst so rettete.

Bei Jesus dagegen ist es etwas Entscheidendes ganz anders! Als Jesus am Kreuz stirbt, wird es auf einmal dunkel – gegen 12 Uhr – mitten am Tag also. Ein Zeichen für das Gericht Gottes. Als Jesus stirbt, übt Gott Gericht für alle Grausamkeiten, alle Schuld, jedes Verbrechen – soweit die Gemeinsamkeiten mit David.

Aber über wen kommt das Gericht Gottes in diesem Moment? Kommt Gott in seiner Gewalt und Macht und tilgt sie alle davon, die Feinde Jesu? Die römischen Soldaten, die ihn verlacht und ans Kreuz geschlagen hatten? Die Pharisäer und Schriftgelehrten, die Hohenpriester, die sich so für seine Kreuzigung eingesetzt hatten? Die große Menschenmenge, die sich hat aufstacheln lassen und „Kreuzige ihn“ schrien? Kommt Gott in seiner Gewalt und tilgt sie davon, die Feinde Jesu?

Gott übt Gericht auch bei Jesus, auch an Karfreitag. Aber Gott übt das Gericht nicht an den Feinden, um so den Unschuldigen – Jesus – zu retten. Gottes Gericht kommt über das unschuldige Opfer – über Jesus – er trägt das Gericht! Gottes Gericht geht an Karfreitag auf Jesus herab – nicht auf die Feinde Jesu – um die Feinde, um uns, zu retten. Was für ein wunderbarer Gegensatz zu David. Er war das Opfer und Gott richtete seine Feinde. Später war Jesus, der Sohn Gottes, das Opfer und wir seine Feinde – und Gott richtet seinen Sohn, um uns, die Feinde zu retten.

In V. 17-20 lesen wir, wie David, der unschuldig Verfolgte, diese wunderbare Rettung aus der Not empfand: 17 Er streckte seine Hand aus von der Höhe und faßte mich und zog mich aus großen Wassern. 18 Er errettete mich von meinen starken Feinden, von meinen Hassern, die mir zu mächtig waren;  19 sie überwältigten mich zur Zeit meines Unglücks; aber der HERR ward meine Zuversicht.  20 Er führte mich hinaus ins Weite, er riß mich heraus; denn er hatte Lust zu mir. Jesus war derjenige, der überhaupt keine Schuld hatte – nicht mal ein bisschen. Er ist das unschuldige Opfer schlechthin. Und doch gilt, was wir eben gelesen haben, nicht mehr dem unschuldigen Opfer, sondern es gilt jetzt uns, den schuldigen Feinden, den Verfolgern Jesu. Wir werden gerettet! Die schuldigen Verfolger werden gerettet! Denn ja, wir sind schuld am Tode Jesu – auch wenn wir nicht direkt beteiligt waren. Auch wenn andere die direkte Verantwortung tragen. Aber es war deine und meine Schuld, die Christus ans Kreuz gebracht hat. Es war das Gericht, das du und ich hätten erleben müssen, was Christus durchlitten hat. Der Sieg des Königs am Kreuz, besiegelt durch seine Auferstehung, bewahrt uns vor dem Gericht und schenkt uns – den Feinden – die Rettung. Jesus Christus spricht: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.” (Joh 5,24)

Meine ganze Predigt, die ich an Ostersonntag über Psalm 18 gehalten habe, findest du hier: Der Sieg des Königs

Worüber an Ostern predigen?

Feiertage wie Karfreitag und Ostern (aber natürlich auch Weihnachten) sind für jeden regelmäßigen Prediger eine besondere Herausforderung. Denn es gilt Jahr für Jahr dasselbe Thema, also die gleiche Hauptbotschaft, zu verkündigen. Natürlich mit verschiedenen Schwerpunkten, Akzentuierungen usw. – und dennoch bleibt es stets die gleiche Hauptbotschaft. Dazu kommt, dass annähernd jeder Predigthörer meint, diese Hauptbotschaft schon gut zu kennen.

Als Auslegungsprediger, der ich der festen Überzeugung bin, dass der Inhalt der Predigt stets einem konkreten Bibeltext entstammen sollte, beginnt die Themensuche also auch für Feiertage mit der Predigttextsuche. Welche Bibeltexte sind also passend für Karfreitag und Ostern? Natürlich denkt man zunächst an die Evangelientexte, die Jesu Sterben und Auferstehung berichten. Aber darüber hinaus gibt es noch jede Menge mehr… Ich denke, wenn man bei der Textwahl etwas Abwechslung hineinbringt, kann man auch den oben geschildertern Herausforderungen besser begegnen.

Karfreitag und Ostern – kurze persönliche Bilanz

Ich bin inzwischen in meinem sechsten Dienstjahr und habe mal eine Übersicht erstellt, worüber ich bisher Karfreitag und Ostern gepredigt habe:

  Karfreitag Ostern  
2012 Hebr 9,15-28 (PO IV) 1Kor 15,12-19 (PO II, Ostermontag)  
2013 Joh 11,1-53 Kol 3,1-4 (PO II, Osternacht)  
2014 1Petr 2,21-25 1Kor 15,1-7 (PO II)  
2015 Lk 23,26-49 (PO III) Lk 24,13-35 (PO I, Ostermontag) Abschluss einer Predigtreihe in der Passionszeit über ausgewählte Texte des Lk
2016 Kol 1,19-20 1Petr 3,1-5

Hinweis: PO steht für die Perikopenordnung der Evangelischen Kirchen. Ich greife äußerst selten auf Textvorschläge dieser Ordnung zurück. An Feiertagen allerdings – wie man oben sieht – schon etwas häufiger als sonst 😉

Einige Beobachtungen

Mir fällt auf, dass ich bisher relativ häufig über Brieftexte gepredigt haben (3x Karfreitag, 4x Ostern), die das Geschehene reflektieren und theologisch deuten.

Mir fällt weiter auf, dass ich nur 2015 im Rahmen einer Predigtreihe über Evangelientexte gepredigt habe, die das Geschehene von Karfreitag und Ostern direkt berichten.

Außerdem fällt mir auf, dass ich noch über keinen einzigen AT-Text gepredigt habe.

Mir fällt auf, dass die Texte von Karfreitag und Ostern im Regelfall nicht aufeinander abgestimmt sind und aufeinander aufbauen (Ausnahme 2015).

Und schließlich fällt mir auf, dass es bisher noch keine Doppelung gab (was ich auch bewusst zu vermeiden suche).

Einige Überlegungen

Ich könnte mehr Abwechslung in meine Predigten bringen, indem ich mehr Evangelientexte und vor allen Dingen auch mal AT-Texte zu Karfreitag und Ostern wähle. Letzteres bewegte mich schon vor einigen Monaten. Ich werde damit dieses Jahr beginnen und zu Karfreitag über Psalm 22, der als der Psalm des Gekreuzigten gilt, predigen. Für Ostern habe ich Psalm 18 gewählt. Es ist spannend zu überlegen, welche AT-Texte noch geeignet wären… Denn besonders Ostern und AT – das scheint ja auf den ersten Blick nicht so richtig zusammenzupassen 😉

Es stellt sich mir die Frage, ob ich in Zukunft die Texte für Karfreitag und Ostern aufeinander bezogen auswählen sollte oder gleich in eine längere oder kürze Predigtreihe einbauen sollte. 2015 habe ich das durchaus positiv in Erinnerung. Vielleicht werde ich das im nächsten Jahr wieder mal so machen…

Zum Schluss eine Frage: Über welchen (ungewöhnlichen) Text ließe es sich noch gut an Karfreitag oder Ostern predigen? Vielleicht hat ja der eine oder andere Vorschläge – solche Anregungen find ich immer sehr spannend!