„Diesem Gott verschreib ich mich mit Haut und Haaren!“

In Bethel macht Jakob ein eindrucksvolle Gottesbegegnung (1Mose). Er sieht im Traum eine Leiter (vermutlich war es eher eine Treppe), auf der die Engel zwischen Himmel und Erde auf- und niedersteigen. Ja, oben an der Treppe steht sogar der Herr selbst, der ihn anspricht und sich ihm als der Bundesgott offenbart und die Verheißungen an Jakob erneuert. Eine Gotteserfahrung, die eindrucksvoller kaum sein könnte. Und ein Erlebnis, das Jakobs Leben stark verändern sollte:

Jakob gibt diesem Gott, der ihm so gnädig begegnet ist, nicht nur ein einmaliges Opfer, nein, er gibt ihm sein ganzes Leben hin. Nein, in V. 20-21 heißt es: „Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen 21 und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der HERR mein Gott sein.“ Man kann hier den Eindruck bekommen, dass Jakob einen Kuhhandel mit Gott abzuschließen versucht. „Behütest du mich und sorgst du für mich, dann bin ich auch bereit, dich als meinen Gott anzunehmen“ Aber ich glaube nicht, dass wir den Text so richtig verstehen. Denn bedenken wir, was Gott dem Jakob im Traum in der Nacht – aber auch durch den Segen seines Vaters Isaak – versprochen hatte. Das waren doch genau diese Dinge: Schutz auf dem Wege, Versorgung – ja einfach seinen guten Segen! Jakob versucht also hier nicht in einem Kuhhandel Gott irgendetwas abzuluchsen. Nein, Jakob macht seinen Eid gerade auf Grundlage der Dinge, die Gott ihm zugesprochen hatte ganz sicher tun – denn es hieß ja in V. 15 „Ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.“ Jakob nimmt Gott also beim Wort und bindet sich selbst und sein ganzes Leben daran: „Weil du so wunderbar mit mir umgehst, darum will ich dir mein ganzes Leben hingeben“ Das ist hier die Reihenfolge, das ist hier der Gedanke, der da hintersteht! Gott verspricht ohne Vorbedingungen seinen Segen, gibt Jakob diesen „Blanko-Scheck“ und Jakob ist so überwältigt, dass er aus tiefstem Herzen sagt: „Ja, diesem Gott verschreibe ich mich mit Haut und Haaren. Er soll mein Gott sein!

Ich kann nicht anders, als jetzt sofort an Jesus Christus zu denken und das, was er uns im Evangelium geschenkt hat. Sind wir nicht ebenso beschenkt und gesegnet wie Jakob es war? Sind wir nicht eigentlich noch viel mehr beschenkt und gesegnet als er es war? Vergebung, Gotteskindschaft, ewiges Leben, den Herrn als unseren Fürsprecher auf unserer Seite, immer zur Stelle… Sollten wir nicht ebenso sagen: „Ja, diesem Gott verschreibe ich mich mit Haut und Haaren. Er soll mein Gott sein! Komme was da wolle, nichts will ich ihm vorenthalten?“

Meine ganze Predigt „Unerwartete Begegnung – oder: wie Gott sich Jakob offenbart“, kannst du hier nachhören.

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Christsein entdecken!

Bei uns in der Gemeinde haben wir kürzlich begonnen, das vierte Mal den evangelistischen Glaubenskurs Christsein entdecken anzubieten. Nun gibt es viele dieser Kurse, so dass sich die Frage stellt, welchen man wählt. Auch ich habe mir vor einigen Jahre eine ganze Reihe davon angesehen und mich schließlich für Christsein entdecken entschieden. Aus meiner Sicht sprechen einige gute Gründe für diesen Kurs:

Der Kurs hat eine hohe inhaltliche Qualität

Alle Materialien sind ganz hervorragend ausgearbeitet und aufeinander abgestimmt. Vorträge, Gesprächseinheiten, Schulungsmaterial sind sowohl inhaltlich-theologisch sehr gut als auch wunderbar aufbereitet. Alle Materialien kann man ohne großen Aufwand für die eigene Durchführung verwenden.

Der Kurs legt einen Schwerpunkt auf Gespräch

Für jeden Termin sind zwei sogenannte Gruppengespräche vorgesehen. Hier können Fragen gestellt werde und es wird über das Gelesene und Gehörte diskutiert. Wir erleben es immer wieder, dass diese Gespräche auch auf eine persönliche Ebene kommen, Mitarbeiter ihr Zeugnis erzählen etc. Das alles ist sehr wertvoll, denn es hilft dabei, dass die Inhalte auch auf das persönliche Leben bezogen werden.

Welche Themen sollte ein Glaubenskurs unbedingt beinhalten? Oder anders gefragt: was sollte man unbedingt über den christlichen Glauben vermitteln? Gar nicht so einfach zu beantworten und eine Frage, über die die Meinungen sicher auseinandergehen… Christsein entdecken schlägt hier den Weg ein, sich auf die wenigen absolut entscheidenden Themen zu konzentrieren, diese aber sehr intensiv zu behandeln. So dreht sich der Kurs im Großen und Ganzen um drei Fragen: 1. Wer war Jesus?, 2. Warum ist Jesus gekommen? und 3. Was bedeutet es, ihm nachzufolgen? Es gibt sicherlich Kurse, die thematisch breiter aufgestellt sind, aber Christsein entdecken geht bei diesen Grundfragen des christlichen Glaubens dafür deutlich stärker in die Tiefe. Das finde ich sehr wertvoll!

Der Kurs führt die Teilnehmer in das fortlaufende Bibellesen ein

Während man in vielen Glaubenskursen zwischen einer Vielzahl verschiedener Bibelstellen hin- und herspringt, was gerade den in der Bibel Nichtkundigen verwirren dürfte, konzentriert sich Christsein entdecken auf das Markusevangelium. Die Teilnehmer lesen zu Hause selbstständig (mit einigen Hilfen) dieses kurze Evangelium durch, und auch Gruppengespräche und Vorträge basieren auf Texten aus Markus. Der Vorteil ist, dass die Teilnehmer einen guten Überblick über ein biblisches Buch bekommen. Außerdem werden sie von Anfang an damit vertraut gemacht, was es bedeutet fortlaufende Bibeltexte zu lesen.

Der Kurs verschweigt die schwierigen Themen nicht

Bei Christsein entdecken werden auch die schwierigen und unangenehmen Stellen nicht übergangen (was man bei fortlaufender Bibellese ja auch nicht kann – ein Riesenvorteil!!). Es geht um Hölle, Strafe und Gericht. Natürlich nicht ständig und an erster Stelle. Aber diese Themen werden eben nicht verschwiegen. Mancher Teilnehmer muss auch mal schlucken, aber er spürt, dass er nicht auf einer Verkaufsveranstaltung gelandet ist, in der die Vorzüge der Sache ins beste Licht gerückt werden, sondern das hier offen und ehrlich das ganze Bild gezeigt wird. Christsein entdecken vermittelt also kein Kuschelevangelium, sondern die Botschaft vom gekreuzigten Christus – manchen ein Ärgernis und manchen eine Torheit, uns aber Gottes Kraft und Weisheit (nach 1Kor 1,23-24).

Die deutschsprachige Version von Christsein entdecken ist im 3L-Verlag erschienen. Alle Materialien können direkt dort bezogen werden.

Warum wir uns über Gottes Wort freuen können

„Wir können uns deshalb über das geschriebene Wort Gottes und sein Gesetz freuen, weil das Fleisch gewordene Wort Gottes in die Welt kam und für uns starb und uns durch diesen Tod die Vergebung unserer Sünden vor Gottes Gesetz erkaufte. Es ist unmöglich, ‚Lust am Gesetz des Herrn‘ zu haben (Ps 1,2), solange ich nicht begriffen habe, warum Jesus in die Welt gekommen ist. Ohne ihn ist das Gesetz Gottes nichts als ein Fluch und Verdammungsurteil, der gegen uns aussagt (Gal 3,10-11). Aber Jesus hat das ganze Gesetz für uns gehalten (vgl. 2Kor 5,21) und deswegen ist es jetzt eine Quelle der Freude und nicht der ewigen Verzweiflung.“ (178f)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016, S. 178f.

Prüfsteine des Gebets

Timothy Keller stellt in seinem Buch über das Beten einige „Prüfsteine“ vor, „mit denen wir testen können, inwieweit unsere Gebete Gott ehren und uns in seine Nähe bringen.“ (134). Hier die wichtigsten Aussagen:

Was Beten ist

„Beim Beten ist Beharrlichkeit angesagt. Paulus bittet die Christen in Rom, „dass ihr mir kämpfen helft durch eure Gebete für mich zu Gott“ (Röm 15,30). Beten ist eine Arbeit, die wir tun, egal, wie gut oder schlecht wir uns gerade fühlen.“ (135)

Was Beten erfordert

„Unser Beten muss in dem klaren, dankbaren Wissen darum erfolgen, dass unser Zugang zu Gott, dem Vater, ein reines Gnadengeschenk ist, das Jesus, der wahre Sohn Gottes, uns durch sein Opfer am Kreuz erkauft hat und das der Heilige Geist in uns lebendig macht, indem er uns die innere Gewissheit schenkt, dass wir Gottes Kinder sind.“ (138)

 Was Beten uns gibt

„Wir wird all das, was wir glauben und was Christus uns erworben hat, zu der großen Kraft in unserem Leben? Durch das Gebet! Das Gebet ist das Mittel, durch das Gottes Wahrheit in unserem Herzen Wurzel fasst und neue Instinkte, Reflexe und Neigungen schafft.“ (146)

 Wohin Beten uns führt

„Beten erfordert nicht nur das Bekenntnis konkreter Sünden und Fehlhandlungen, sondern auch das Offenlegen der inneren Einstellungen, Sichtweisen und Begierden, die hinter unseren kleinen und großen Sünden liegen. Tatsache ist: Je mehr wir uns der höchsten Schönheit, Weisheit und Reinheit nähern, umso mehr werden wir uns unserer eigenen Hässlichkeit, Trägheit und Unreinheit bewusst. (…) Wer Gott besser kennenlernen will, kommt nicht daran vorbei, sich selbst besser kennenzulernen. Und auch das Umgekehrte gilt: Wenn ich die Augen vor meiner Schwachheit und Sünde verschließe, kann ich auch die Größe und Herrlichkeit Gottes nicht sehen.“ (148f)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.

Von Calvin beten lernen

Tim Keller nimmt in seinem fantastischen Buch über das Gebet auch in den Blick, was der Reformator Calvin über das Gebet in seiner Institutio geschrieben hat. Keller fasst Calvins „Gebetsregeln“ wie folgt zusammen:

  1. Ehrfurcht vor Gott, d.h. sich vergegenwärtigen, was für etwas Großes und Ernstes Gebet ist: „Wer dagegen an das Evangelium glaubt – also davon überzeugt ist, eine Gnade empfangen zu haben, die ebenso unverdient wie unerschütterlich ist – hat eine immer größere Freude und Liebe, die sich in einer immer stärkeren Ehrfurcht äußert. Weil wir eine unaussprechlich tiefe Liebe zu Gott verspüren, zittern wir, wenn wir daran denken, dass wir das Vorrecht haben, vor ihn treten zu dürfen, und wollen ihm um nichts in der Welt Unehre machen.“ (110)

  2. Der eigenen Unzulänglichkeit bewusst sein: „Wir müssen uns mit rücksichtsloser Ehrlichkeit unseren Fehlern und Schwächen, unseren Zweifeln und Ängsten und unserer innerer Lehre stellen.“ (111)

  3. Gott in demütigem Vertrauen gegenübertreten

  4. Mit zuversichtlicher Hoffnung beten

  5. Gnade: „Absolut nichts, was wir sagen oder tun, kann uns die Tür zu Gott öffnen. Das kann nur die Gnade – Gottes Gnade, die nicht auf unserer Leistung beruht, sondern auf dem Erlösungswerk Christi.“ (115)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.

Psalm 116: Gott rettet aus der größten Not

Ich liebe den HERRN, denn er hört die Stimme meines Flehens. 2 Er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

3 Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not.

4 Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach, HERR, errette mich! 5 Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig. 6 Der HERR behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir. 7 Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.

8 Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten. 9 Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen. 10 Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt. 11 Ich sprach in meinem Zagen: Alle Menschen sind Lügner.

12 Wie soll ich dem HERRN vergelten all seine Wohltat, die er an mir tut? 13 Ich will den Kelch des Heils nehmen UND DES HERRN NAMEN ANRUFEN. 14 ICH WILL MEINE GELÜBDE DEM HERRN ERFÜLLEN VOR ALL SEINEM VOLK.

15 Der Tod seiner Heiligen wiegt schwer vor dem HERRN. 16 Ach, HERR, ich bin dein Knecht, ich bin dein Knecht, der Sohn deiner Magd; du hast meine Bande zerrissen.

17 Dir will ich Dank opfern UND DES HERRN NAMEN ANRUFEN. 18 ICH WILL MEINE GELÜBDE DEM HERRN ERFÜLLEN VOR ALL SEINEM VOLK 19 in den Vorhöfen am Hause des HERRN, in dir, Jerusalem. Halleluja! (Psalm 116)

Ps 116 gehört zu den sogenannten Hallel-Psalmen (Lobpsalmen), genauer gesagt zum Ägyptischen Hallel. Diese Psalmen wurden zu den großen Festen gesungen und hatten besonders beim Passah ihren festen Platz. Ps 113 und 114 sang man vor dem Mahl, Ps 115-118 nach dem Mahl. 

Der Beter beginnt mit einem ausdrucksstarken Liebesbekenntnisses zu Gott, weil dieser sein Gebet in Not erhört hat (V. 1-2). Die Notlage wird als äußerst dramatisch und angsteinflößend, weil lebensgefährdend beschrieben (V. 3). Umso dankbarer ist der Beter, dass Gott – der seine einzige Hoffnung war – ihn gerettet hat. Gott hat sich als gnädig, gerecht und barmherzig (V. 5) erwiesen. Aufgrund dieser Gutheit Gottes kann sich der Beter selbst Trost zusprechen (V. 7). Der Christ wird nicht nur an irdische Notlagen denken, in denen Gott geholfen hat, sondern zuallererst an seine eigene geistliche Notlage denken: Der Mensch ohne Gott droht nicht lediglich zu sterben, er ist bereits geistlich tot (Vgl. Eph 2,1). Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,  5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden” (Eph 2,4-5) Einen Gott, der so mit uns umgeht, kann man nur seine Liebe bekennen!

In V. 8-9 reflektiert der Beter erneut seine Notsituation, die durch Gottes Eingreifen vollständig verkehrt wurde (Leben statt Tod). In dieser Notlage konnte der Beter wahren Glauben an Gott lernen, der die Grenzen der Menschen („Alle Menschen sind Lügner“, V. 11) überwindet. Die Schrift lehrt uns, dass Gott auch heute noch Notlagen nutzt, um uns im Glauben zu stärken (z.B. Röm 5,3-4).

Aus der Freude über Gottes Hilfe erwächst dem Beter das tiefe Bedürfnis dem Herrn seine Wohltaten zu vergelten (V. 12). Er will dies durch Opfer (V. 13a, Kelch des Heils), Anbetung (V. 13b) und Zeugnis (V. 14, Gelübde erfüllen) tun.

In V. 15 bringt der Beter Gottes große Liebe zu den Seinen allgemeingültig zum Ausdruck. Die Reaktion darauf ist Hingabe (V. 16) an diesen errettenden Gott.  Der Psalm schließt mit erneutem Dank für Gottes Rettung (V. 17-19).

  1. In welchen Notlagen hat Gott mir schon geholfen? Empfinde ich meine Erlösung wirklich als die Rettung aus der größten Notlage? Warum oder warum nicht?
  2. Wie kann ich auf Notlagen und schwierige Situationen so reagieren, dass ich durch sie im Glauben wachse?
  3. Kenne ich diese große Freude und dieses tiefe Verlangen Gott seine Wohltaten zu vergelten? Wenn nicht: Bin ich wirklich gerettet?

Sola Gratia – Warum die Erlösung allein durch die Gnade kommt

Vor ein paar Wochen schrieb ich hier im Nachgang der Evangelium 21 Konferenz, wie  eindrücklich es für mich war, „wie Ligon Duncan am Beginn seiner Predigt über Eph 2,1-10 den Predigttext vorlas. Mit großer Leidenschaft, respektvoll, nicht gehetzt und ganz deutlich.“ Wer verstehen will, was ich meine, sollte sich die Predigt ansehen, die jetzt endlich auch als Video verfügbar ist.

Davon mal abgesehen, bringt Duncan das zentrale Thema des christlichen Glaubens exakt auf den Punkt. Selbst wenn wir das schon alles wissen, ist es diese Botschaft, die wir immer wieder hören müssen.