Der Kolosserbrief: Jesus Christus ist einzigartig!

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Der Kolosserbrief gehört ebenso zu den Briefen, die Paulus aus der Gefangenschaft schrieb. Wer mehr zur Zeit und den näheren Umständen der Entstehung des Kolosserbriefs wissen möchte, sollte die entsprechenden Ausführungen zum Epheserbrief konsultieren. Die Gemeinde in Kolossä gehörte nicht zu den von Paulus gegründeten Gemeinden – ja er hatte von ihrem Glauben nur gehört (1,4) und kannte die meisten Gemeindemitglieder nicht persönlich (2,1). In Kolossä wirkte Ephahras (4,12-13), den Paulus als „lieben Mitknecht“ und „treuen Diener“ (1,7) bezeichnet. Er hatte vermutlich Paulus auch über die Irrlehre in Kenntnis gesetzt, die sich in der dortigen Gemeinde breitgemacht hatte.

Paulus verfasste daraufhin den Kolosserbrief, um vor dieser Irrlehre zu warnen. Er betont in seinem Brief die Erhabenheit und Einzigartigkeit Jesu Christi. Die Kolosser sollen verstehen, dass sie als Gläubige an Jesus Christus schon die „ganze Fülle“ haben (2,9-10). Der Glaube an Jesus allein ist vollkommen ausreichend. Es ist nicht nötig nach zusätzlicher Erkenntnis oder weiteren Glaubenserfahrungen zu streben. Tatsächlich ist es sogar gefährlich, sich den verführerischen zusätzlichen Glaubensinhalten dieser Irrlehre zuzuwenden. Wie nur wenige andere Schriften des NT betont der Kolosserbrief die Erhabenheit Jesu Christi und seine herausragende Stellung für den christlichen Glauben. Christen sollen „Jesus-Leute“ sein, d.h. sie sollen von ihm alles erwarten und in ihrer Nachfolge allein in ihm fest verwurzelt bleiben.

Der Kolosserbrief lässt sich in drei große Abschnitte gliedern:

  1. Der Briefeingang: Paulus führt die Überlegenheit Jesu Christi vor Augen (1,1-2,5)
    1. Gruß, Dank und Fürbitte für die Gemeinde (1,1-14)
    2. Jesus Christus – der Erste in Schöpfung und Erlösung (1,15-23)
    3. Jesus Christus, das Geheimnis Gottes, in Paulus Dienst und dem Glaubensleben der Christen (1,24-3,5)
  2. Der Hauptteil: Paulus fordert auf, den Glauben an Christi weiter zu leben (2,6-4,6)
    1. Das Hauptanliegen: Bleibt in Christus verwurzelt! (2,6-7)
    2. Lasst euch von Irrlehren nicht vom Weg abbringen (2,8-23)
    3. Lebt ein Leben, das auf Christus konzentriert ist (3,1-4,6)
  3. Der Briefschluss: Grüße, Pläne…. (4,7-18)

Bei der Lektüre des Kolosserbriefs können wir uns mit folgenden Fragen beschäftigen:

  1. Wie beschreibt, begründet und erläutert Paulus die Überlegenheit Jesu Christi? Wie kann man – vielleicht ausgehend vom Kolosserbrief – einem Nichtchristen verdeutlich, warum Jesus für uns Christen so eine zentrale Rolle spielt?
  2. In welchen Situationen sind wir heutzutage in einer ähnlichen Gefahr wie die Kolosser – nämlich dem Glauben an die Person Jesu etwas hinzuzufügen?

Schlüsselvers: Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und an dieser Fülle habt ihr teil in ihm, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist.“ (Kol 2,9-10)


Dieser Text wurde anlässlich der 5x5x5-Bibelleseaktion meiner Gemeinde, der EFG Borken, verfasst. Er soll den Lesern eine kurze Einführung in den Kolosserbrief geben. Mehr zur Aktion 5x5x5 und wie auch du mit dabei sein kannst, findest du hier.

Der Philipperbrief: Freude am Herrn!

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Ebenso wie der Epheserbrief ist auch der Philipperbrief einer der Gefangenschaftsbriefe des Apostels Paulus. Im Gegensatz zum Epheserbrief wurde der Philipperbrief aber eher am Ende von Paulus Gefangenschaft in Rom – d.h. vermutlich 62 n. Chr. – verfasst. Denn im Brief finden sich mehrere Hinweise, dass das Urteil über Paulus demnächst fallen wird (Phil 1,18bff). Auch wenn noch offen ist, ob Paulus hingerichtet oder freigelassen wird, so rechnet Paulus eher mit Letzterem (Phil 1,25) – und so sollte es dann auch kommen.

Das Thema des Briefes – das man eigentlich nicht überlesen kann – ist die Freude! Paulus kann sich freuen, obwohl er in persönlich schwierigen Umständen lebt. So macht ihm nicht nur seine Gefangenschaft Kummer, sondern auch, dass seine Abwesenheit in den Gemeinden von einigen fragwürdigen Leuten zur Selbstdarstellung genutzt wird (Phil 1,15-17). Warum kann sich Paulus dennoch so freuen? Wie kann das sein? Paulus entfaltet im Verlauf des Briefes und warum und wie er dennoch Freude empfindet:

  1. Freude, indem man die Welt aus Gottes Perspektive sieht 1,1-11
  2. Freude, weil man für das lebt, was wirklich zählt 1,12-26
  3. Freude, wenn man auch in Widerständen authentisch als Christ lebt 1,27-30
  4. Freude, indem man sich an Jesu Demut und Selbstlosigkeit erfreut 2,1-11
  5. Freude, indem wir uns schön für Gott machen 2,12-18
  6. Freude über den Dienst anderer 2,19-30
  7. Freude an der Gerechtigkeit die Christus schenkt 3,1-11
  8. Freude, weil wir das Ziel im Blick behalten 3,12-4,1
  9. Freude im Alltag bewahren und fördern 4,2-9
  10. Freude, weil wir zufrieden sein können 4,10-20

Der Philipperbrief fordert uns also heraus, unser Leben – mit allen seinen Schwierigkeiten und Herausforderungen – aus der richtigen Perspektive zu sehen. Wir sollen lernen, dass in Christus echte Freude zu finden ist, die unabhängig von irdischen Umständen ist.

Folgende Fragen können wir bei der Lektüre bedenken:

  1. Inwiefern weckt das in diesem Abschnitt Gelesene Freude in mir?
  2. Zu welchem Perspektivwechsel bin ich aufgefordert, wenn ich noch keine Freude spüre?
  3. Was an Jesus Christus und seinem Evangelium ist so wunderbar, dass ich mich freuen kann?

Schlüsselvers: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ (Phil 4,4)


Dieser Text wurde anlässlich der 5x5x5-Bibelleseaktion meiner Gemeinde, der EFG Borken, verfasst. Er soll den Lesern eine kurze Einführung in den Philipperbrief geben. Mehr zur Aktion 5x5x5 und wie auch du mit dabei sein kannst, findest du hier.

Der Epheserbrief: Die Gemeinde – eine Idee Gottes

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Der Epheserbrief ist einer der Briefe, die Paulus aus der Gefangenschaft – vermutlich aus Rom – heraus schrieb (vgl. Eph 6,20). In Rom war der Apostel zwar in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt (vgl. Apg 28,30-31), jedoch war er nicht unmittelbar vom Tod bedroht und hatte Möglichkeiten seinen Dienst fortzusetzen. Gut möglich, dass Paulus zur gleichen Zeit auch den Kolosser- und Philemonbrief schrieb und diese zusammen mit dem Epheserbrief durch Onesimus und Tychikus zu ihren Empfängern bringen ließ (Eph 6,21 und Kol 4,7 erwähnen Tychikus als Briefüberbringer und Kol 4,9 erwähnt, dass auch Onesimus dabei gewesen ist).

Das Thema des Epheserbriefs ist: Die Gemeinde – eine Idee Gottes. So schildert Paulus in diesem Brief, dass Gott die Gemeinde schon vor Grundlegung der Welt geplant hat, und wie er sich die Gemeinde vorstellt. Er schreibt, dass Christus das Haupt der Gemeinde ist und die Gemeinde der Leib Christi (1,21-22). Durch diesen Vergleich wird deutlich, wie wichtig Gott die christliche Gemeinde ist. Paulus macht deutlich, durch welche große Gnade Gott die Gemeinde aus ihren Sünden errettet hat (2,4-5) und dass Gott nun mit der Gemeinde ein Ziel hat (2,10; 4,15). Des Weiteren legt Paulus großen Wert darauf, dass in der christlichen Gemeinde im Geist Einheit herrschen soll (4,3), obwohl Gott einem jeden Gläubigen in einem verschiedenen Maße Gaben gegeben hat (4,7-8). Zahlreiche praktische Anweisungen für das Leben der Gläubigen in der Gemeinde runden diesen Brief ab (4,17-6,20). So ist der Epheserbrief ein wichtiges Lehrfundament für den Bau der neutestamentlichen Gemeinde.

Der Epheserbrief ist leicht zu gliedern: So gibt es zunächst einen lehrhaften Teil (Kap. 1-3) über Gottes Absicht mit seiner Gemeinde. Dieser zerfällt in fünf Einzelabschnitte:

  1. Paulus preist Gott für die Erlösung durch Christus und sein Wirken unter den Ephesern (1,1-23)
  2. Gott hat uns durch Gnade vom Tod zum Leben errettet (2,1-10)
  3. Christus hat Einheit zwischen Juden und Heiden gestiftet (2,11-22)
  4. Gott hat Paulus zum Apostel eingesetzt (3,1-13)
  5. Das Gebet des Apostels für die Gemeinde (3,14-21)

Dem folgt ein zweiter, eher praktisch ausgerichteter Teil (Kap. 4-6) über Gottes Plan für das Leben in der Gemeinde und ihrer Glieder. Dieser lässt sich in vier Einzelabschnitte unterteilen:

  1. Paulus mahnt zur Einheit im Geist trotz der Vielfalt, die Gott in die Gemeinde gelegt hat (4,1-16)
  2. Paulus beschreibt den neuen Lebensstil von Gläubigen (4,17-5,20)
  3. Paulus erklärt die „christliche Hausordnung“ (5,21-6,9)
  4. Paulus fordert zum Anlegen der geistlichen Waffenrüstung auf (6,10-24)

Der Epheserbrief spricht zahlreiche aktuelle Themen des Glaubens an, so dass seine aufmerksame Lektüre wie von selbst praxisbezogen wird. Dennoch kann man beim Lesen folgende Fragen im Hinterkopf behalten:

  1. Worin besteht aus Paulus Sicht das Besondere an der christlichen Gemeinde? Sehe ich das auch?
  2. In welchem Lebensbereich bin ich herausgefordert von „Gottes Plan für das Leben der Gemeinde und ihrer Glieder“?

Schlüsselvers: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen.“ (Eph 2,8-10)


Dieser Text wurde anlässlich der 5x5x5-Bibelleseaktion meiner Gemeinde, der EFG Borken, verfasst. Er soll den Lesern eine kurze Einführung in den Epheserbrief geben. Mehr zur Aktion 5x5x5 und wie auch du mit dabei sein kannst, findest du hier.

Der Römerbrief: Das Evangelium von der Gerechtigkeit Gottes

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Der Römerbrief ist der längste und bedeutendste Brief des Neuen Testaments. In ihm legt der Apostel Paulus eine relativ systematische Darstellung „seines Evangeliums“ vor. Aus diesem Grund hat der Römerbrief in der Kirchengeschichte eine beeindruckende Wirkung erzielt. Für zahlreiche Theologen wie Augustinus, Martin Luther, Johannes Calvin oder auch John Wesley war dieses Brief von zentraler Bedeutung. So erkannte z.B. Martin Luther durch das Studium von Röm 1,16-17, dass allein Gottes Gnade und nicht die guten Werke den Menschen vor Gott gerecht sein lässt – der wesentliche Gedanke, der zum Anstoß für die ganze Reformation wurde.

Der Apostel Paulus verfasste diesen Brief vermutlich während seiner dritten Missionsreise aus der Hafenstadt Korinth im Jahr 57/58 aus. Dafür spricht die Erwähnung der Phöbe, die zusammen mit dem Brief unterwegs war (Röm 16,1-2) und im Dienst der Gemeinde in Kenchreä stand, der Hafenstadt bei Korinth. Mit dem Römerbrief wollte sich Paulus mitsamt seiner Lehre der Gemeinde in der Welthauptstadt Rom vorstellen. Er wollte ihnen erklären, warum er bisher noch nicht ihre Gemeinde besucht hatte (Röm 15,20-22), ihnen mitteilen, dass er dies vorhabe (Röm 15,23-24) und dass er auf ihre Unterstützung für eine Weiterreise nach Spanien hoffe (Röm 15,24).

Der Römerbrief lässt sich in sechs Teile gliedern:

  1. Der Briefanfang (Röm 1,1-17), in dem Paulus eine Einführung in das Thema seines Briefes gibt, mit dem markanten und programmatischen Abschluss in 1,16-17.
  2. Der Kern des Evangeliums: Rechtfertigung durch Glauben (Röm 1,18-4,25). Paulus verdeutlicht zunächst die universelle Herrschaft der Sünde über alle Menschen (1,18-3,20) und erklärt danach, wie Gott den Sünder durch Glauben rechtfertigt (3,21-31) und veranschaulicht dies dann am Beispiel Abrahams (4,1-25).
  3. Die Folgen des Evangeliums: Wachstum in der von Gott geschenkten Gerechtigkeit (Röm 5,1-8,39). Paulus erklärt, dass durch Jesus Christus echter Friede mit Gott möglich ist (Röm 5,1-21). Er verdeutlicht ferner, wie der Gläubige durch die Rechtfertigung aus der Gefangenschaft der Sünde befreit ist (Röm 6,1-23) und dass er nicht länger an das Gesetz gebunden ist (Röm 7,1-25). Dieser Hauptteil schließt damit ab, dass es nun gilt „im Geist“ zu leben (Röm 8,1-39), der neues Leben geschenkt hat und ebenso der Unterpfand für das zukünftige ewige Leben in Herrlichkeit ist.
  4. Das Evangelium und seine Beziehung zu Israel (Röm 9,1-11,36). Paulus erörtert die schwierige Frage, wie Gottes Geschichte mit Israel weitergehen wird, da er Israel einerseits Verheißungen gegeben hat, der Großteil Israels aber andererseits das Evangelium bisher abgelehnt hat.
  5. Die Veränderungen durch das Evangelium (Röm 12,1-15,13). In den letzten Kapiteln gibt Paulus – wie in allen seinen Briefen üblich – eine Vielzahl konkreter, praktischer Anweisungen. Hier im Römerbrief liegt der Schwerpunkt darauf, zu zeigen, wie das Evangelium das Verhalten des gläubigen Christen total erneuert (Röm 12,1-2!) – z.B. im Hinblick auf den Dienst aneinander (Röm 12,3-8), gegenüber den weltlichen Herrschern (Röm 13,1-7) oder in der Bereitschaft der gegenseitigen Rücksichtnahme (Röm 14,1-15,13).
  6. Der Briefschluss (Röm 15,14-16,27). Paulus schließt seinen Brief ab, indem er seine Reisepläne mitteilt (Röm 15,14-33) und zahlreiche Grüße übermittelt (Röm 16).

Aus dem Römerbrief kann man unendlich viel lernen. Als Anregung mal nur zwei eher allgemeine Fragen, die man auf jeden Abschnitt anwenden kann:

  1. Was lerne ich in diesem Abschnitt über das Evangelium der Gerechtigkeit Gottes?
  2. Was folgt daraus für mich praktisch, wenn ich diese Sicht mir zu Eigen mache?

Schlüsselvers: Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.  Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«“ (Röm 1,16-17)


Dieser Text wurde anlässlich der 5x5x5-Bibelleseaktion meiner Gemeinde, der EFG Borken, verfasst. Er soll den Lesern eine kurze Einführung in die Apostelgeschichte geben. Mehr zur Aktion 5x5x5 und wie auch du mit dabei sein kannst, findest du hier.

Das Matthäusevangelium: Jesus, der verheißene Messias

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Das Matthäusevangelium wurde vermutlich von Matthäus, dem Jünger Jesu, Ende der 60er Jahre verfasst. Vor seiner Berufung (vgl. Mt 9,9-13) war Matthäus ein Zöllner gewesen. Das Ziel des Mt ist es – besonders einer Leserschaft jüdischen Hintergrunds – Jesus als den verheißenen Messias darzustellen. Dies wird an den zahlreichen Zitaten aus dem AT deutlich. Die Leser sollen begreifen, dass Jesus von Nazareth tatsächlich derjenige ist, der vollkommen erfüllt, was die alttestamentlichen Schriften über den Messias vorausgesagt haben. (Bemerkenswert ist z.B. die immer wiederkehrende Formulierung „damit erfüllt würde“, vgl. Mt 1,22, 2,15, 2,23, 4,14, 8,17, 12,17, 13,35, 21,4, 26,56.)

Das Mt lässt sich wie folgt gliedern: Kap. 1-4 berichten von der Vorgeschichte des Messias: seine Herkunft, die Vorbereitung auf ihn und seine persönliche Vorbereitung. Im nächsten Teil in Kap. 5-7, der sogenannten Bergpredigt, predigt der Messias die von ihm verlangte „bessere“ Gerechtigkeit (vgl. Mt 5,20). Jesus verschärft im Folgenden in mehreren Antithesen die Forderung des Gesetzes, das nicht nur äußerlich, sondern vom Herzen her erfüllt werden soll. Am Ende steht die radikale Folgerung: Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Mt 5,48). In Kap. 8-10 stellt der Verfasser durch Heilungen und andere Wunder die überragende Autorität des Messias dar. Jesus ist nicht nur der Messias des Wortes, sondern auch der Tat. Danach, in Kap. 11-23, wird uns berichtet wie sich die Stimmung im Volk langsam dreht und Jesus, der Messias, von weiten Teilen des Volkes abgelehnt wird. Es beginnt in Kap. 11 mit der vorsichtigen Nachfrage Johannes des Täufers, den leise Zweifel an Jesus beschleichen, der aber offen ist, sich überzeugen zu lassen. Und es gipfelt nach vielen Diskussionen am Ende in Jesu Klage über Jerusalem: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!“ (Mt 23,37) In Kap. 24-25 steht sodann die zukünftige Rückkehr des Messias im Mittelpunkt, auf die man stets vorbereitet sein sollte, da sie unerwartet sein würde. Schließlich wird in Kap. 26-27 das stellvertretende Leiden und Opfer des Messias berichtet, der sein Leben willentlich zur Erlösung aller Gläubigen hingibt. In Mt 28 wird schließlich von der sieghaften Auferstehung des Messias berichtet. Im sogenannten Missionsbefehl (Mt 28,16ff) werden noch einmal die wichtigsten Themen gebündelt: Jesus von Nazareth ist tatsächlich derjenige, dem Gott die Vollmacht über das ganze Universum gegeben hat. In dieser Vollmacht beauftragt er die die Gemeinde, alle Völker zu Jüngern zu machen, indem sie getauft und in Jesu Lehre unterwiesen werden.

Charakteristisch für Mt sind sechs große Reden Jesu, die vor allem seine Tätigkeit als Lehrer hervorheben. So finden wir in Kap. 5-7 mit der Bergpredigt die wohl bekannteste Rede Jesu überhaupt. Ferner gibt es in Kap. 10 die sogenannte Aussendungsrede, in Kap. 13 die Gleichnisrede, in Kap. 18 die Gemeinderede, in Kap. 23 die Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer und schließlich in Kap. 24-25 die Endzeitrede. Der Evangelist betont diese Reden zudem noch zusätzlich, indem er sie stets mit einer ähnlich lautenden Wendung abschließt (Mt 7,28, 11,1, 13,53, 19,1, 26,1).

Bei der Lektüre des Matthäusevangeliums sollten wir folgende Fragen im Hinterkopf haben:

  1. Inwiefern erfüllt Jesus Verheißungen des Alten Testaments?
  2. Welcher Aspekt von Jesu Lehre fordert mich persönlich besonders heraus?
  3. Wie stehe ich persönlich zu Jesu, der im Matthäusevangelium, als der verheißene Messias beschrieben wird?

Schlüsselvers:Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ (Mt 6,33)


Dieser Text wurde anlässlich der 5x5x5-Bibelleseaktion meiner Gemeinde, der EFG Borken, verfasst. Er soll den Lesern eine kurze Einführung in die Apostelgeschichte geben. Mehr zur Aktion 5x5x5 und wie auch du mit dabei sein kannst, findest du hier.

Der Jakobusbrief: Sei ein Täter des Wortes!

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Es ist kein Zufall, dass in unserem Bibelleseplan auf den Galaterbrief der Jakobusbrief folgt. Während im erstgenannten Brief die Erlösung allein durch den Glauben an Jesus Christus durch Gottes Gnade betont wird, setzt der Jakobusbrief einen anderen Schwerpunkt. Dieser Brief will uns deutlich machen, dass echter Glaube sich im persönlichen Leben durch gute Taten erweist. Aufgrund dieser unterschiedlichen Schwerpunkte haben manchmal Menschen einen Widerspruch zwischen beiden Briefen konstruiert. Dies ist allerdings nur ein scheinbarer Widerspruch, denn auch Paulus betont im Galaterbrief, dass dem Glauben gute Werken nachfolgen werden (Gal 5,22ff) und auch der Autor des Jakobusbriefs setzt Gottes gnädiges Wirken in der Erlösung voraus (Jak 1,18). Die Wahrheit ist also, dass wir Menschen die Botschaft beider Briefe brauchen. Wir brauchen den Galaterbrief, der uns so entschlossen zuruft, dass die Rettung allein durch Gnade kommt, damit wir nicht der Illusion verfallen, uns selbst retten zu können. Und wir brauchen die Botschaft des Jakobusbriefs, dass echter Glaube auch Früchte hervorbringt (so übrigens schon Jesus in Mt 7,16), damit wir nicht dem Irrtum der „billigen Gnade“ auf den Leim gehen. Es gibt eben immer zwei Gefahren: Gesetzlichkeit („Das Heil hängt an meinen guten Taten) und Gesetzlosigkeit („Mein Handeln spielt keine Rolle“).

Als Verfasser des Jakobusbriefs wird „Jakobus, ein Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus“ (Jak 1,1a) genannt. Nun war Jakobus ein häufiger Name und kommt auch im NT mehrfach vor. Viel spricht dafür, dass wir es hier mit Jakobus, dem Halbbruder Jesu (vgl. Mt 13,55) zu tun haben. Er war zunächst ungläubig (Joh 7,5), ist aber offenbar nach der Auferstehung Jesu gläubig geworden und wurde nach Gal 1,19 sogar zu den Aposteln gerechnet. Ferner war er mit Johannes und Petrus einer der Leiter der Jerusalemer Urgemeinde (Gal 2,9) geworden. Jakobus schreibt seinen Brief „an die zwölf Stämme in der Zerstreuung“ (Jak 1,1b). Mit dieser Formulierung sind Christen jüdischer Herkunft gemeint, die fern vom heiligen Land lebten. Man möge auch bedenken, dass zu Pfingsten als Petrus die erste große christliche Predigt hielt, zahlreiche Juden aus allen möglichen Ländern (Apg 2,9-11) zugegen waren. Manche, die Petrus Predigt hörten, kamen durch sie zum Glauben und nahmen diesen neuen Glauben nun auch mit in ihre Heimatorte. Die Christen an die Jakobus schreibt, könnten möglicherweise so von Jesus erfahren haben. Der Jakobusbrief ist vermutlich sehr früh – Mitte der 40er Jahre – entstanden und wahrscheinlich damit das älteste Buch im NT überhaupt. Wir sehen das daran, dass der Brief keine Probleme behandelt, die erst im Zuge der später angelaufenen Heidenmission (Apg 15) entstanden. Viel mehr dreht sich der Brief um grundlegende Dinge des christlichen Lebens, wie z.B. Freude in Anfechtung, Demut, Gebetserhörung, Barmherzigkeit, das Problem des Zorns uvm. Da diese Themen so allgemein und grundlegend sind, ist der Jakobusbrief für Christen aller Zeiten und Orte im höchsten Maße relevant!

Der Aufbau des Jakobusbriefs ist relativ simpel: In Kapitel 1 dreht sich alles rund um das Thema Anfechtung. Es folgen in Kapitel 2,1-13 Gedanken darüber, dass Christen die Person nicht ansehen sollten. Schließlich geht es in 2,14-26 um die Werke der Gerechtigkeit, in Kapitel 3 um die Kontrolle der Zunge und in Kapitel 4 um den Sieg über Götzendienst. Im letzten Kapitel 5 fordert der Autor zu Geduld – auch im Leiden – auf.

Bei der Lektüre des Jakobusbriefs sollten wir folgende Fragen im Hinterkopf haben:

  1. Welche der im Jakobusbrief genannten konkreten Probleme betreffen mich besonders?
  2. Welchen Rat gibt der Brief mir in Bezug auf diese Probleme? Wie will ich diesen Rat in meinem Alltag umsetzen?

Schlüsselvers:Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot. (Jak 2,26)


Dieser Text wurde anlässlich der 5x5x5-Bibelleseaktion meiner Gemeinde, der EFG Borken, verfasst. Er soll den Lesern eine kurze Einführung in die Apostelgeschichte geben. Mehr zur Aktion 5x5x5 und wie auch du mit dabei sein kannst, findest du hier.

 

Der Galaterbrief: Kein anderes Evangelium!

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Der Galaterbrief war Martin Luthers Lieblingsbrief. Von ihm sagte er: „Der Brief an die Galater ist mein Epistelchen (d.h. Brief), dem ich mich anvertraut habe; er ist meine Käthe von Bora“ Dieser Brief war ihm so lieb und so ans Herz gewachsen wie seine Frau Käthe von Bora. Warum? Nun, weil in diesem Brief der Apostel Paulus voller Leidenschaft davon schreibt und dafür kämpft, was Luthers Kernanliegen war: das eine Evangelium von Jesus Christus, dass allein durch Gnade rettet.

Die Gemeinde in Galatien wurde durch den Apostel Paulus gegründet (Apg 13,13ff – ein zweiter Besuch des Apostels wird in Apg 15,36ff geschildert). Neben einigen Judenchristen bestand die Gemeinde vor allen Dingen auch aus Heidenchristen. Nur wenige Jahre nach der Gründung dieser Gemeinde, sah sich Paulus veranlasst, den Geschwistern dort einen warnenden und im Tonfall recht scharfen Brief zu senden. Vermutlich verfasste Paulus diesen Brief ca. 53 n. Chr. während er sich auf der 3. Missionsreise in Ephesus befand. Damit gehört der Galaterbrief zu den ältesten Paulusbriefen.

Welches Problem hatte Paulus nun zur Abfassung dieses Briefes getrieben? Anscheinend hatten sich einige Personen in die Gemeinde eingeschlichen, die den Galatern sagten, dass sich Gläubige beschneiden und an das Gesetz des Mose halten sollten. Paulus antwortet unmissverständlich: O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte?  2 Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?  3 Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr’s denn nun im Fleisch vollenden?“ (Gal 3,1-3) Für Paulus war eine solche Lehre nicht nur ein kleiner, nebensächlicher Irrtum. Nein, er sah darin den Kern des Evangeliums gefährdet! Dass nämlich die Erlösung, aber auch die Heiligung, allein durch den Glauben an Jesus Christus durch Gottes Gnade geschenkt wird. Paulus wird deutlich: „Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: »Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, daß er’s tue!«  11 Daß aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn »der Gerechte wird aus Glauben leben«“ (Gal 3,10f). Weil Paulus das Heil seiner Leser ernsthaft gefährdet sieht, darum also fordert er sie so entschieden auf, von dieser Lehre wieder Abstand zu nehmen und zum einen, wahren Evangelium (Gal 1,6ff) zurückzukehren.

Wie viele Paulusbriefe, so besteht auch der Galaterbrief aus zwei Hauptteilen. Im ersten lehrhaften Teil (Kap. 1-4) betont Paulus die Einzigartigkeit des wahren Evangeliums (1,1-10), gibt Einblick in seine Biographie und seinen Dienst (1,11-2,21) und legt scharfsinnig dar, auf welche Abwege derjenige gerät, der sich der Lehre der falschen Lehrer (3,1-4,32) anschließt. Der zweite Hauptteil (Kap. 5-6) ist praktisch orientiert. Paulus erklärt, welche Freiheit das Evangelium schenkt (5,1-15) und was es bedeutet „im Geist“ zu leben (5,16-26). Abschließend gibt er Hinweise für ein von der Liebe geprägtes Miteinander (6,1-18).

Bei der Lektüre des Galaterbriefes sollten wir folgende Fragen im Hinterkopf haben:

  1. Was lerne ich hier über die Einzigartigkeit des Evangeliums?
  2. Warum hat das Evangelium – durch die Gnade gerettet zu sein – eigentlich echte Kraft uns zu verändern? Und wie kann ich das noch mehr erleben, ohne in eine neue Gesetzlichkeit zurückzufallen?

Schlüsselvers:Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! (Gal 5,1)


Dieser Text wurde anlässlich der 5x5x5-Bibelleseaktion meiner Gemeinde, der EFG Borken, verfasst. Er soll den Lesern eine kurze Einführung in die Apostelgeschichte geben. Mehr zur Aktion 5x5x5 und wie auch du mit dabei sein kannst, findest du hier.

Der Hebräerbrief: Jesus Christus ist einzigartig!

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Der Hebräerbrief ist das einzige Buch des Neuen Testaments, dessen Autor uns unbekannt ist. (Obwohl es in der Kirchengeschichte nicht an Vorschlägen gemangelt hat. So wurden z.B. Paulus, Barnabas, Lukas oder Apollos als Autoren vermutet). Dass der Hebräerbrief sich ganz eindeutig an eine überwiegend judenchristliche Leserschaft richtet, merkt man schon beim flüchtigen Lesen an den vielen Bezügen zum Alten Testament. So werden nicht nur wichtige Personen wie Mose, Aaron, Abraham, Josua, Gideon und viele andere genannt, auch der mosaische Bund und das alttestamentliche Opfersystem spielen für den Inhalt des Briefes eine bedeutende Rolle. Vermutlich wurde der Hebräerbrief ungefähr in den 60er Jahren des ersten Jahrhunderts geschrieben. Zum Abfassungszeitpunkt gab es jedenfalls noch den Tempel in Jerusalem (vgl. Hebr 10,11; 13,10-11) der 70 n. Chr. zerstört wurde, auf der anderen Seite nahm die Verfolgung der christlichen Gemeinde inzwischen zu.

Der Hebräerbrief ist in zwei große Teile zu gliedern: Im ersten Hauptteil (Hebr 1,1-10,18) macht der Verfasser die Größe, Erhabenheit und Einzigartigkeit von Jesus Christus deutlich. Er tut das, indem er Jesus Christus einerseits mit den Engeln vergleicht (Hebr 1,5-2,18) und ihn andererseits mit dem irdischen Opfersystem (Hebr 4,14-10,18) in Beziehung setzt. Beides übertrifft Jesus Christus bei weitem! Während der erste Hauptteil eher erklärenden bzw. lehrenden Charakter hat, zielt der zweite Hauptteil (Hebr 10,19-13,25) auf die Umsetzung ab. Um seine Leser zur ermutigen, führt der Autor in diesem Hauptteil das positive Beispiel der alttestamentlichen Gläubigen an (Hebr 11), erinnert daran, wie Jesus treu blieb (Hebr 12,1-2) und gibt auch zahlreiche praktische Hinweise (Hebr 12,28-13,19).

Das große Anliegen des Hebräerbriefes ist es, seine Leser davon abzubringen Jesus Christus zu verlassen und wieder in die alte Ordnung des Mose-Bundes zurückzukehren. Aus diesem Grund wird immer wieder betont, wie viel besser/erhabener Christus doch ist (Hebr 1,4; 6,9; 7,7.19.22; 8,6; 9,23; 10,34; 11,16.35.40; 12,24). Aus demselben Grund gibt es im Brief aber auch an mehreren Stelle ernste Warnungen (Hebr 2,1-4; 4,11-13; 6,4-8; 10,26-31; 12,25-27). Bei der Lektüre des Hebräerbriefes lohnt es zu fragen:

  1. Was lerne ich hier über die Einzigartigkeit Jesu Christi?
  2. Wie hilft mir das, was ich über Jesus gelernt und erkannte habe, treu an meinem Glauben an ihn festzuhalten? Wie kann ich andere ermutigen, das ebenso zu tun?

Schlüsselvers: Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so laßt uns festhalten an dem Bekenntnis.“ (Hebr 4,14)


Dieser Text wurde anlässlich der 5x5x5-Bibelleseaktion meiner Gemeinde, der EFG Borken, verfasst. Er soll den Lesern eine kurze Einführung in die Apostelgeschichte geben. Mehr zur Aktion 5x5x5 und wie auch du mit dabei sein kannst, findest du hier.

Die Apostelgeschichte: Zeugnis für Jesus bis in alle Welt

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Die Apostelgeschichte schildert die Entstehung der Gemeinde Jesu, sowie ihr Zeugnis gegenüber ihrer Umwelt und ihr erstaunliches Wachstum. Dieses Buch macht die Kontinuität und Verbindung vom Leben und Dienst Jesu einerseits zum Leben und Dienst der Gemeinde andererseits deutlich. Dass die Sache Jesu in der Form der christlichen Gemeinde weiterlebt, ist kein historischer Zufall oder gar Irrweg, sondern von Gott so geführt. Insofern baut die Apostelgeschichte auch eine Brücke zwischen den Evangelien und den Briefen des Neuen Testaments. Durch die Apostelgeschichten sollen Gemeinden (bis zum heutigen Tage) ermutigt werden, in der Kraft des Heiligen Geistes, Zeugnis für Jesus abzulegen.

Die Apostelgeschichte ist der zweite Teil des sogenannten lukanischen (d.h. von Lukas geschriebenen) Doppelwerks. Woher wissen wir das? Sowohl das Lukasevangelium als auch die Apostelgeschichte ist an Theophilus adressiert (vgl. Lk 1,3 + Apg 1,1). Beide Bücher müssen also von demselben Autor stammen. Aufgrund der sogenannten „Wir“-Stellen in der Apostelgeschichte (Apg 16,10-16, 20,5-21,18, 27,1-28,16) können wir schließen, dass der Verfasser ein enger Mitarbeiter von Paulus war. Dafür kommt am ehesten Lukas, „der geliebte Arzt“ (Kol 4,14) infrage, der bei Paulus war als dieser den Kolosserbrief schrieb und später seinen Märtyrertod erwartete (2Tim 4,6-8.11). Auch die altkirchliche Überlieferung nennt seit frühesten Zeiten diesen Lukas als den Autor der Apostelgeschichte.

Vom Aufbau lässt sich die Apostelgeschichte in drei Teile gliedern: Apg 1,1-8,3 beschreibt das Zeugnis der Urgemeinde Jerusalem. Hier lesen wir von Geburt und Wachstum der Gemeinde Jesu, aber auch schon von Verfolgungen und Anfechtungen. Apg 8,4-12,25 schildert das Zeugnis der Urgemeinde zu Judäa, Samarien und Syrien. In diesen Kapiteln lesen wir, wie sich der christliche Glaube weiter ausbreitet. U.a. wird uns der Dienst von Philppus und Petrus nähergebracht, aber auch die Bekehrung des Paulus. Im dritten großen Hauptteil in Apg 13,1-28,31 wird uns das Zeugnis der Urgemeinde zu Kleinasien, Griechenland und bis Rom berichtet. Die Botschaft von Jesus zieht also weiter Kreise, die organisierte Missionsarbeit beginnt (vor allem durch Paulus und seine drei Missionsreisen). Die Apostelgeschichte endet in der damaligen Weltstadt Rom. Gott hat durch Paulus – der zwar unter Hausarrest steht – das Evangelium bis ins Herz des Römischen Reiches gebracht. Entsprechend schließt die Apostelgeschichte mit den Worten: 30 Paulus aber blieb zwei volle Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen,  31 predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert.“ (Apg 28,30-31)

Neben Gemeinde und Mission gibt es noch andere Themen, die in der Apostelgeschichte stark betont werden: So spricht Lukas 54 Mal vom Heiligen Geist. Es fällt ferner auf, wie zentral die Auferstehung Jesu im Mittelpunkt der Verkündigung in der Apostelgeschichte stet und welch entscheidende Rolle auch dem Thema Gebet gewidmet wird. Entsprechend können wir uns bei der Lektüre der Apostelgeschichte fragen:

  1. Was lernen wir hier über Gemeinde und Mission?
  2. Welche Rolle spielt hier der Heilige Geist?
  3. Was bewirkt an dieser Stelle eigentlich das Gebet?

Schlüsselvers: „Aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“ (Apg 1,8)


Dieser Text wurde anlässlich der 5x5x5-Bibelleseaktion meiner Gemeinde, der EFG Borken, verfasst. Er soll den Lesern eine kurze Einführung in die Apostelgeschichte geben. Mehr zur Aktion 5x5x5 und wie auch du mit dabei sein kannst, findest du hier.

Rede, denn dein Knecht hört

„Und zu der Zeit, als der Knabe Samuel dem HERRN diente unter Eli, war des HERRN Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarung. 2 Und es begab sich zur selben Zeit, daß Eli lag an seinem Ort, und seine Augen hatten angefangen, schwach zu werden, so daß er nicht mehr sehen konnte. 3 Die Lampe Gottes war noch nicht verloschen. Und Samuel hatte sich gelegt im Heiligtum des HERRN, wo die Lade Gottes war. 4 Und der HERR rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich! 5 und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen; geh wieder hin und lege dich schlafen. Und er ging hin und legte sich schlafen. 6 Der HERR rief abermals: Samuel! Und Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen, mein Sohn; geh wieder hin und lege dich schlafen. 7 Aber Samuel hatte den HERRN noch nicht erkannt, und des HERRN Wort war ihm noch nicht offenbart. 8 Und der HERR rief Samuel wieder, zum drittenmal. Und er stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Da merkte Eli, daß der HERR den Knaben rief, 9 und sprach zu ihm: Geh wieder hin und lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede, HERR, denn dein Knecht hört. Samuel ging hin und legte sich an seinen Ort. 10 Da kam der HERR und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel! Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört. 11 Und der HERR sprach zu Samuel: Siehe, ich werde etwas tun in Israel, wovon jedem, der es hören wird, beide Ohren gellen werden. 12 An dem Tage will ich über Eli kommen lassen, was ich gegen sein Haus geredet habe; ich will es anfangen und vollenden. 13 Denn ich hab’s ihm angesagt, daß ich sein Haus für immer richten will um der Schuld willen, daß er wußte, wie sich seine Söhne schändlich verhielten, und ihnen nicht gewehrt hat. 14 Darum habe ich dem Hause Eli geschworen, daß die Schuld des Hauses Eli nicht gesühnt werden solle, weder mit Schlachtopfern noch mit Speisopfern immerdar. 15 Und Samuel lag bis an den Morgen und tat dann die Türen auf am Hause des HERRN. Samuel aber fürchtete sich, Eli anzusagen, was ihm offenbart worden war. 16 Da rief ihn Eli und sprach: Samuel, mein Sohn! Er antwortete: Siehe, hier bin ich! 17 Er sprach: Was war das für ein Wort, das er dir gesagt hat? Verschweige mir nichts. Gott tue dir dies und das, wenn du mir etwas verschweigst von all den Worten, die er dir gesagt hat. 18 Da sagte ihm Samuel alles und verschwieg ihm nichts. Er aber sprach: Es ist der HERR; er tue, was ihm wohlgefällt. 19 Samuel aber wuchs heran, und der HERR war mit ihm und ließ keines von allen seinen Worten zur Erde fallen. 20 Und ganz Israel von Dan bis Beerscheba erkannte, daß Samuel damit betraut war, Prophet des HERRN zu sein. 21 Und der HERR erschien weiter zu Silo, denn der HERR offenbarte sich Samuel zu Silo durch sein Wort. Und Samuels Wort erging an ganz Israel.“ (1Sam 3,1-21)

woman-977020_1280.jpgZur Zeit als Samuel aufwuchs „war des Herrn Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarungen“ (1Sam 3,1b).  Gott hatte sich aufgrund des Ungehorsams der damaligen Priester weitgehend zurückgezogen. Es war geistlich gesehen eine ziemlich düstere Zeit, denn Gottes Reden war kaum noch zu vernehmen. So mancher denkt, dass unsere Zeit heute doch ziemlich ähnlich ist: „Ist es nicht aus heute so, dass das Wort des Herrn ‚selten‘ geworden ist?“ Wäre es nicht wünschenswert, Gottes klares Reden häufiger zu vernehmen? Und mancher fragt sich: „Warum sagt Gott nichts dazu, welche Entscheidungen ich treffen soll oder wie ich ein bestimmtes Problem meines Alltags lösen kann?“

Aber ist die Zeit als Samuel aufwuchs tatsächlich mit unserer Zeit zu vergleichen? Ist das Wort des Herrn heute wirklich selten? Die berühmten Worte Samuels zeigen uns, dass das eigentliche Problem heute an ganz anderer Stelle liegt: „Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört.” 

Das Problem in unserer Zeit ist nämlich nicht, dass des Herrn Wort selten ist. Ganz im Gegenteil: Gott hat bereits auf deutlichste Weise zu uns gesprochen, indem er seinen Sohn Jesus Christus in die Welt sandte und indem er uns sein Wort, die Bibel, gegeben hat (vgl. Hebr 1,1-2). Gottes Wort ist alles andere als selten und wir müssen nicht erst auf sein Reden sehnsüchtig warten. Nein, Gott hat bereits gesprochen – und wir sollten hören! Nochmal anders gesagt: Gott will uns mit dieser Geschichte von Samuel nicht deutlich machen, dass wir das Reden Gottes in dieser Weise erwarten sollen, wie es Samuel erlebte (nämlich akustisch vernehmbar im Schlaf). Was wir begreifen sollen, ist etwas anderes: Dass Gott gesprochen hat und wir hörbereit sein sollten: „Rede, denn dein Knecht hört.“

 Wenn Gottes Wort heute in unserem Leben ‚selten‘ ist, dann nicht weil Gott schweigen würde. Nein, dann liegt es vielmehr daran, dass wir nicht hörbereit sind oder gar auf andere Botschaften (vgl. 2Tim 4,3-4) als das Wort Gottes achten. Widmen wir uns also wieder neu dem Wort Gottes, der Bibel, weil Gott hier längst zu uns gesprochen hat! Schlagen wir dieses Buch auf mit der erwartungsvollen Haltung, die in Samuels Worten zum Ausdruck kommt: „Rede, denn dein Knecht hört.“

Aus diesem Grund haben wir in unserer Gemeinde am 1. September auch die Bibelleseaktion 5x5x5 (hier mehr dazu) begonnen. Wir wollen in einem Jahr gemeinsam das ganze Neue Testament lesen! Dazu nehmen wir uns noch bis zum 31. August 2020 an 5 Tagen der Woche jeweils 5 Minuten Zeit für ein Kapitel. Zur Vertiefung gibt es 5 Wege, sich mit dem gelesenen Text auseinanderzusetzen. Liest du auch regelmäßig die Bibel? Wenn ja,  dann bleibe auch dabei und erwarte Gottes Reden, wenn du in der Bibel liest: „Rede, denn dein Knecht hört.“ Wenn du bisher noch nicht in der Bibel liest, dann wärs vielleicht was für dich, in die Aktion unserer Gemeinde miteinzusteigen: Besorg dir einen Bibelleseplan (hier zum Download) und leg einfach los! Denn bedenken wir: Gottes Wort ist heutzutage nicht selten. Im Gegenteil: Gott hat bereits reichlich zu uns gesprochen. Nehmen wir also die Bibel mit erwartungsvoller Haltung zur Hand: „Rede, denn dein Knecht hört.“