Gott fordert nicht mehr als er gibt

„Wir müssen eingestehen, dass Gott im Gnadenbund die Wahrheit der Gnade fordert und nicht nur ein gewisses Maß. Ein Funke Feuer ist genauso Feuer wie das ganze Element. Daher müssen wir die Gnade genau in dem Funken wie in der Flamme erkennen. Alle haben zwar nicht die gleiche Stärke, aber „den gleichen kostbaren Glauben“ (2Petr 1,1) durch den sie die vollkommene Gerechtigkeit Christi ergreifen und anziehen. Eine schwache Hand kann ein wertvolles Juwel hateln. Ein paar Weintrauben werden zeigen, dass die Pflanze ein Weinstock und kein Dornenstrauch ist. Es ist eine Sache, in der Gnade unzulänglich zu sein; eine andere ist es, ganz und gar der Gnade zu ermangeln. Gott weiß, dass wir nichts von uns selbst haben. Deswegen fordert er auch im Gnadenbund nicht mehr ein als er gibt. Aber er gibt, was er einfordert und nimmt an, was er gibt: „Kann sie aber den Preis eines Schafes nicht aufbringen, so nehme sie zwei Turteltauben“ (3Mose 12,8). Was ist das Evangelium anderes als eine barmherzige Entlastung, in welchem der Gehorsam Christi als der unsrige angesehen wird und unsere Sünden auf ihn gelegt werden, ja, worin Gott von einem Richter zum Vater wird, der uns unsere Sünden vergibt und unseren Gehorsam trotz Schwäce und Befleckung anerkennt!“

Richard Sibbes, Geborgen in Ihm, Friedberg: 3L, 2007, 60.

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Über die Kraft der Gnade

„Nichts ist zuerst so gering wie die Gnade und nichts ist so herrlich danach. Dinge höchster Vollendung brauchen für das Wachstum am längsten. (…) Eine „neue Schöpfung“ ist die hervorragendste aller Kreaturen in der ganzen Welt. Daher wächst sie schrittweise. Wir sehen es in der Natur, dass z.B. aus einer kleinen Eichel eine mächtige Eiche heranwächst. Es verhält sich mit dem Christen so, wie es sich auch mit Christus verhielt. Dieser sollte wie „ein Zweig [als er am Geringsten war] hervorgehen aus dem Stumpf Isais“ (Jes 11,1), aus dem Geschlecht Davids, aber er wuchs empor, höher als die Himmel. (…) Lasst uns daher nicht wegen der geringen Anfänge in der Gnade entmutigt sein, sondern lasst uns auf uns selbst schauen als Auserwählte, „damit wir heilig und tadellos vor ihm seien.“ (Eph 1,4). (…) Nichts in der Welt ist von solchem Nutzen wie das letzte Quäntchen Gnade.“

Richard Sibbes, Geborgen in Ihm, Friedberg: 3L, 2007, 41f.

Neue Predigtreihe: JAKOB

Nachdem ich in diesem Jahr in meiner Gemeinde schon durch den Galaterbrief gepredigt habe, sowie meine Reihe durch das Markusevangelium fortgesetzt habe (hier bin ich noch lange nicht am Ende), beginne ich am kommenden Sonntag nun eine neue Predigtserie. Es ist mal wieder das Alte Testament dran und so werde ich mich dem Leben Jakobs (1Mose 25-35) widmen. In den vergangenen Wochen habe ich mich mit diesen Kapiteln schon beschäftigt und je intensiver ich mit diesen Texten gearbeitet habe, desto größer ist meine Vorfreude auf diese Reihe geworden.

Ich freue mich auf diese Reihe, weil Jakob so eine spannende Figur ist. Er ist nicht unbedingt ein Glaubensheld und doch wählt Gott ihn in seiner Gnade als denjenigen aus, über den seine Verheißungslinie weiterlaufen soll. In Jakob begegnet uns also ein Patriach, bei dem wir neben Licht auch eine Menge Schatten sehen. Das macht ihn so sympathisch. Und es ist so mutmachend, dass Gott Menschen wie Jakob – und darum auch dich und mich – gebraucht. Jakob ist auf der anderen Seite zeitlebens ein Kämpfer. Das fängt bei der Geburt der Zwillinge Jakob und Esau an, setzt sich fort in der schwierigen Beziehung zu seinem Onkel Laban und erreicht seinen Höhepunkt als er in 1Mose 32 mit Gott kämpft. Jakob meint, sich den Segen erkämpfen zu müssen. Und doch sehen wir wiederholt in diesen Erzählungen, dass das, was Jakob meint sich erkämpft zu haben, ihm letztendlich von Gott geschenkt wurde. Mit Jakob sind auch wir aufgerufen, das Wesen von Gottes Gnade wirklich zu verstehen. Etwas, was wirklich schwerer ist, als man zunächst denkt…

Wer mag, ist eingeladen, in den kommenden Wochen mal reinzuhören. Die Predigten werden – wie eigentlich immer – hier im Predigtarchiv meiner Gemeinde zum Download angeboten. Und hier ist die Übersicht, was ich bisher geplant habe:

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Von Calvin beten lernen

Tim Keller nimmt in seinem fantastischen Buch über das Gebet auch in den Blick, was der Reformator Calvin über das Gebet in seiner Institutio geschrieben hat. Keller fasst Calvins „Gebetsregeln“ wie folgt zusammen:

  1. Ehrfurcht vor Gott, d.h. sich vergegenwärtigen, was für etwas Großes und Ernstes Gebet ist: „Wer dagegen an das Evangelium glaubt – also davon überzeugt ist, eine Gnade empfangen zu haben, die ebenso unverdient wie unerschütterlich ist – hat eine immer größere Freude und Liebe, die sich in einer immer stärkeren Ehrfurcht äußert. Weil wir eine unaussprechlich tiefe Liebe zu Gott verspüren, zittern wir, wenn wir daran denken, dass wir das Vorrecht haben, vor ihn treten zu dürfen, und wollen ihm um nichts in der Welt Unehre machen.“ (110)

  2. Der eigenen Unzulänglichkeit bewusst sein: „Wir müssen uns mit rücksichtsloser Ehrlichkeit unseren Fehlern und Schwächen, unseren Zweifeln und Ängsten und unserer innerer Lehre stellen.“ (111)

  3. Gott in demütigem Vertrauen gegenübertreten

  4. Mit zuversichtlicher Hoffnung beten

  5. Gnade: „Absolut nichts, was wir sagen oder tun, kann uns die Tür zu Gott öffnen. Das kann nur die Gnade – Gottes Gnade, die nicht auf unserer Leistung beruht, sondern auf dem Erlösungswerk Christi.“ (115)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.

Gott durch Christus begegnen

„Weil Gott in Jesus Mensch wurde, ist er nicht nur der Gott auf der anderen Seite des Abgrunds, er ist auch die Brücke über den Abgrund. Damit ist er zum Mittler eines neuen Bundes mit Gott geworden – eines Bundes, der unzerbrechlich ist, da er nicht in unserer Treue gründet, sondern in seiner (Hebr 9,14-16).“ (85f)

„Ich habe Gott erst dann wirklich als meinen Erlöser erkannt, wenn ich mich danach sehne, ihn kennenzulernen und ihm zu dienen.“ (89)

„Das biblische Gebet geschieht auf der Basis der unverdienten Gnade und Erlösung Gottes und seiner beständigen, ewigen Vaterliebe. Wenn Gott unser himmlischer Vater ist, braucht es keine Magie oder Opfer mehr.“ (90)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.

Sola Gratia – Warum die Erlösung allein durch die Gnade kommt

Vor ein paar Wochen schrieb ich hier im Nachgang der Evangelium 21 Konferenz, wie  eindrücklich es für mich war, „wie Ligon Duncan am Beginn seiner Predigt über Eph 2,1-10 den Predigttext vorlas. Mit großer Leidenschaft, respektvoll, nicht gehetzt und ganz deutlich.“ Wer verstehen will, was ich meine, sollte sich die Predigt ansehen, die jetzt endlich auch als Video verfügbar ist.

Davon mal abgesehen, bringt Duncan das zentrale Thema des christlichen Glaubens exakt auf den Punkt. Selbst wenn wir das schon alles wissen, ist es diese Botschaft, die wir immer wieder hören müssen.

Der Römerbrief wurde für DICH geschrieben!

Ich hab mich in den letzten Tagen ein wenig mit dem Römerbrief beschäftigt. Dabei stieß ich auf diese interessanten Zeilen von Walter Lüthi, einem schweizer Pfarrer, der in den 30er bis 60er Jahren in Basel und Bern wirkte:

„Der Römerbrief steht im Gerücht, für die Gemeinde besonders schwer zugänglich zu sein und sich aus diesem Grunde nicht besonders für den Predigtgottesdienst zu eignen. Dieser üblen Nachrede stehen zwei Tatsachen entgegen: Wie aus dem letzten Briefkapitel hervorgeht, dachte Paulus nicht entfernt daran, hier eine Vorlesung für Akademiker zu schreiben. Die allerersten Leser dieses Briefes sind Leute, die in ihrer überwiegenden Mehrheit aus dem Volke stammten, darunter auffällig viele Frauen, Freigelassene und Sklaven. So hat es gleich von Anfang an unter den Lesern des Römerbriefs „nicht viel Weise nach dem Fleisch“ gegeben. Die seltsame Theorie, daß eine Predigt so niveau-arm, so billig und so angepaßt wie möglich sein müsse, stimmt eben hinten und vorn nicht, auch nicht im Blick auf die heutige Christengemeinde. (…) Übrigens auch das Theater, wenigstens da, wo es nicht nur die undiskutierbaren klassischen Platten abspielt, sondern sich ernsthaft aufs Glatteis der Zeitprobleme hinausbegibt, verlangt vom Besucher ein Stück nachdenkender Mitarbeit. Es ist nicht einzusehen, warum das ausgerechnet in der Kirche nicht so sein soll. In christlichen Gottesdiensten treffen wir zur Zeit des Paulus wie heute zwar nicht immer gelehrte, aber doch nachdenkliche Menschen. (…)

Die eigentlichte Schwierigkeit des Verständnisses liegt aber beim Brief an die Römer nicht in der Form, sondern in der Sache. Die Sache des Römerbriefes selber, die Gnade ist es, die sowohl bei „Juden wie Griechen“ nicht ohne weiteres Anklang und Eingang findet. Anders lägen die Dinge bei der Gesetzes- oder gar Moral-Predigt.“

(Walter Lüthi, Der Römerbrief, aus dem Vorwort.)

Also nur Mut, sich mit dem angeblich so schweren Römerbrief zu beschäftigen! Sehr schön, wie Lüthi das schreibt, dass er eigentlich nicht ein Brief an die Theologen ist, sondern an die ganze Gemeinde, an alle, die an Jesus glauben. Der Römerbrief wurde für dich geschrieben!

Trotzdem kann eine Einführung in diesen langen und wichtigen Brief, die einem einen guten Überblick gibt, nur hilfreich sein. In diesem Zusammenhang passt es sehr gut, dass das Bibelprojekt genau in diesen Tagen auch das zweite Video zum Römerbrief fertiggestellt hat. In beiden etwa 8-minütigen Videos werden Aufbau und die großen Themen des Briefes gut und unterhaltsam erklärt. Sehr zu empfehlen…..!