Warum die Historizität des Sündenfalls entscheidend ist

„Many have questioned the historicity of the fall, but it is important for us to maintain that it actually happened. (…) There are two possibilities: either sin is a component of human nature (as some have said, „Adam is everyman“) or it began after God had already established human nature, in a historical event. The first possibility leaves us without hope. For we can never escape our nature, and if sin is part of that nature, we can never escape sin or its consequences. But if sin came into the world through a historical event, it is possible for other events to reverse the first.

John N. Frame, Systematic Theology: An Introduction to Christian Belief, Phillipsburg: P&R, 2013, 853.

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Das Gebet der Nähe

„Jesus hat die Bedingungen des Bundes erfüllt, damit wir Zugang zu der bedingungslosen Liebe Gottes haben. Durch das Kreuz – und nur durch das Kreuz – kann Gott beides sein: gerecht gegenüber der Sünde und barmherzig rechtfertigend gegenüber den Sündern.“ (226) 

 „Gott wäre ungerecht und würde seinen Bund mit uns brechen, wenn er sich die gleiche Schuld zwei Mal bezahlen ließe; nach dem, was Jesus für uns am Kreuz getan hat, wäre er ungerecht, wenn er uns nicht vergeben würde. Diese tiefe Gewissheit verändert das Wesen der Buße vollkommen; Buße ist jetzt nicht mehr ein Mittel, selber unsere Sünden zu sühnen, sondern ein Mittel, Gott die Ehre zu geben und unser Leben neu auf ihn auszurichten.“ (229) 

„Buße auf dieser gesetzlichen Basis wird uns nie die ungeheure Befreiung und Erleichterung bringen, die der erlebt, der sich in Jesu Vergebung fallen lässt, denn wir können ja nie sicher sein, ob wir zerknirscht genug waren, um uns Gottes Gunst zu verdienen.“ (229) 

„Wenn wir wissen, dass Gott uns trotz unserer Sünden liebt und annimmt, fällt es uns viel leichter, unsere Fehler und unser Versagen zuzugeben. (…) Vor allem aber können wir zeitiger und häufiger mit unseren Sünden zu Gott gehen, sie bekennen, uns Jesu Sühnetod am Kreuz ins Gedächtnis rufen und ein klein wenig von der Freude über unsere Erlösung neu erleben. Ganz ohne Traurigkeit und bitteren Beigeschmack wird kein Akt der Buße sein, aber die vertiefte Erkenntnis meiner Sünde führt mich zu einer größeren Gewissheit der Gnade Gottes.“ (230) 

„Es gibt eine Scheinbuße, die in Wirklichkeit Selbstmitleid ist. Ich gebe meine Sünde zu, aber was mir leidtut, ist eigentlich nicht die Sünde selber, sondern sind die schmerzlichen Folgen, die sie für mich hat.“ (232) 

„Es geht tatsächlich darum, der Sünde den Garaus zu machen, und dies geschieht dadurch, dass wir über Gottes Heiligkeit und seine Liebe in Christus sowie über andere biblische Lehren meditieren und dann unsere konkrete Sünde in ihrem Licht betrachten. Wir erkennen so, was alles an Dummheit und Bösem hinter ihr steckt, und sie wird uns immer hässlicher und unattraktiver. Ihr Reiz wird schwächer und unsere Fähigkeit, ihr Widerstand zu leisten, steigt.“ (235)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.

„Reich werden wollen“ – die dreifache Gefahr

In diesem Beitrag hatten wir begonnen auf 1Tim 6 zu schauen, wo Paulus davor warnt, „reich sein zu wollen“ und als Alternative die Genügsamkeit aufzeigt, die aus einem lebendigen Glauben an Christus erwächst.

Jetzt wollen wir noch mal einen Blick auf die Gefahren werfen, die Paulus wirklich drastisch beschreibt, wenn wir die Zufriedenheit und Genügsamkeit verlieren und in uns dieser Wunsch nach „mehr“ Raum bekommt: 9 Denn die reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Verstrickung und in viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis.  10 Denn Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelüstet, und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen. Der Wunsch reich zu sein, der Wunsch nach immer mehr ist tatsächlich sehr gefährlich – wohlgemerkt Paulus spricht hier nicht von den tatsächlich Reichen, sondern von denjenigen, deren Wunsch es ist, reich zu werden!

Interessant ist, dass wir es hier mit drei verschiedenen Stufen, die aufeinander aufbauen – eine schlimmer als die andere – zu tun haben.

Der Wunsch reich zu sein führt erstens zu Versuchungen.

Der Wunsch reich zu sein führt zweitens zu konkreten Sünden.

Und drittens führt der Wunsch reich zu sein zum Abfall vom Glauben.

Der Wunsch reich zu sein, führt zu Versuchungen vieler Art. Das liegt auf der Hand, weil wir andere Entscheidungen treffen – Entscheidungen, die dem Wort Gottes häufig widersprechen – wenn wir bewusst oder unbewusst danach entscheiden, was eine Sache finanziell für uns bedeutet. Da verursacht einer einen größeren Schaden und schneller als man denkt, keimt in einem der verführerische Gedanke, ob man das nicht einfach über die Haftpflichtversicherung eines Bekannten lösen könnte… Denn würde man – wie es richtig wäre – selbst für den Schaden aufkommen, wären doch sofort alle Ersparnisse weg, die man sich über Jahre mühsam aufgebaut hat…. Wir manövrieren uns also mit dieser Haltung „reich sein zu wollen“, „am Besitz zu hängen“ in ganz schwierige Situationen, in denen uns Versuchungen wie diese hart angreifen können.

Und schneller als man denkt, ist man bei der nächsten Stufe angelangt: Der Wunsch reich zu sein, führt zu konkreten Sünden. Was eben noch ein Gedanke war, wird im nächsten Moment schon in die Tat umgesetzt. Eine falsche Schadensanzeige wird geschrieben und man hofft, dass niemand auf den Betrug reinfällt.

Und letztendlich sagt Paulus, gefährdet der Wunsch reich zu sein, sogar unseren Glauben: „einige sind von Glauben abgeirrt“, heißt es in V. 10. Ja, wieso denn das? Oder ist das nicht ein bisschen übertrieben? Nein! Denn der Wunsch reich zu sein, offenbart, dass wir in Wirklichkeit nicht an Gott glauben, sondern an uns selbst. Warum auf Gott vertrauen, wenn man alles unter Kontrolle hat? Warum um das tägliche Brot bitten, wenn man die Bäckerei besitzt? Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist ein großer Feind des Glaubens. Wir sind womöglich stolz auf unsere „finanzielle Unabhängigkeit“, aber wo wären wir ohne Gott, dessen Gabe jeder einzelne unserer Atemzüge ist? Reichtum, und besonders das Streben danach, kann uns ganz schnell von unseren Bedürfnissen isolieren, bzw. er isoliert uns davon, die wahre Tiefe unserer Bedürfnisse zu erkennen. Wir sehen dann nicht mehr, wo und wie wir eigentlich noch Gott brauchen. Und unser Glaube beginnt an Tiefe zu verlieren und womöglich irgendwann ganz zu verschwinden.

Wozu das Gesetz gegeben wurde

„So ist es das wahre Amt und der hauptsächliche und eigentliche Gebrauch des Gesetzes, daß es dem Menschen seine Sünde, Blindheit, Elend, Gottlosigkeit, Unwissenheit, Haß, Gottesverachtung, Tod, Hölle, Gericht und verdienten Gotteszorn offenbar macht. (…) Gott will niedertreten und zermalmen jene Ungeheuer und jene wütende wilde Tier, nämlich die Meinung, sich Gerechtigkeit verdienen zu können, und da ist er gezwungen auf dem Berg Sinai ein neues Gesetz mit solchem Aufwand an schrecklicher Herrlichkeit zu geben, daß das ganze Volk vor Schrecken niedergeworfen worden ist. Weil die menschliche Vernunft in ihrer Einbildung eigener Gerechtigkeit übermütig wird und sich mit ihrer eigenen Gerechtigkeit bei Gott einen Platz einbildet, muß Gott einen schicken, der ein Herkules ist, das Gesetz also, das gegen das Ungeheuer menschlicher Einbildung anstürmt, es niederwirft und erledigt. Daher hat es das Gesetz auf diese Bestie allein abgesehen, auf nichts anderes. (…) Solange die Einbildung eigener Gerechtigkeit im Menschen bleibt, bleibt auch bestehen unbegreiflicher Hochmut, Anmaßung, Sicherheit, Gotteshaß, Verachtung der Gnade und des Erbarmens, Unwissenheit der Verheißungen und Christi. Und in ein solches eigengerechtes Herz dringt keine Predigt von der geschenkten Gnade und von der Sündenvergebung; der gewaltige Fels, die eisenharte Mauer der menschlichen Eigengerechtigkeit, mit der das Menschenherz gegürtet ist, hinderts. Wenn das Gesetz anklagt und das Gewissen erschreckt: das hättest du tun sollen und hast es nicht getan, darum bist du schuldig des Zornes Gottes und des ewigen Todes!, dann ist es in seinem eigentlichen Werk und Amt. Da wird das Herz bis zur Verzweiflung gebracht. Daher ist das Gesetz der Hammer, der Felsen zerschmeißt, das Feuer und jenes große und starke Beben, das die Berge umstürzt.“

Martin Luther zu Galater 3,19: „Was soll nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt – bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt -, angeordnet durch Engel in der Hand eines Mittlers.“

„Lauf zu Christus!“

„Es ist unmöglich, Bruder, daß du in diesem Leben so vollkommen wirst, daß dein Leib hell leuchte ohne Makel wie die Sonne, nein, du behältst Runzeln und Fehler und bist dennoch ein Heiliger. Aber du sagst: Wie kann ich da ein Heiliger sein, wenn ich Sünde habe und fühle? Daß du deine Sünde fühlst und erkennst, ist gut, sage Gott Dank und verzweifle nicht. Es ist der eine Schritt zur Gesundheit, wenn der Kranke seine Krankheit erkennt und bekennt. Aber wie werde ich befreit werden von der Sünde? Lauf zu Christus, glaube; wenn du glaubst, bist du gerecht, weil du Gott die Ehre gibst, daß er sei allmächtig, barmherzig, wahrhaftig etc. Du rechtfertigst und lobst Gott, Summa: du gibst ihm die Gottheit und alles. Was in dir an Sünde übrig ist, wird nicht zugerechnet, sondern dir wegen Christus geschenkt, an den du glaubst, der völlig und vollkommen gerecht ist: seine Gerechtigkeit ist dann deine und deine Sünde ist seine.“

Martin Luther zu Galater 3,6: „So hat doch »Abraham Gott geglaubt, und es wurde ihm gerechnet zur Gerechtigkeit« (1. Mose 15,6).

„Weil der Mittler Jesus für uns eintritt, müssen alle Sünden keine Sünde sein.“

„Die Sünde ist wirklich da und die Frommen fühlen sie, aber sie wird von Gott übersehen und ist bei Gott verdeckt, weil der Mittler Jesus Christus für uns eintritt; weil wir ihn im Glauben ergreifen, müssen alle Sünden keine Sünde sein. Wo aber Christus und der Glaube nicht ist, da ist keine Vergebung der Sünden, keine Erbarmung, da ist lauter Zurechnung der Sünde und Verwerfung. So will Gott seinen Sohn verherrlichen und will selbst verherrlicht werden an uns durch den Sohn.

Nachdem wir den Glauben an Christus gelehrt haben, lehren wir auch von den guten Werken. Weil du im Glauben Jesus Christus angenommen hast, durch den du gerecht wirst, so gehe hin und liebe Gott und den Nächsten, rufe ihn an, sage Dank, predige, lobe, bekenne Gott, tue wohl und diene dem Nächsten, tue deine Pflicht. Das sind wahrhaft gute Werke, die aus diesem Glauben und aus der empfangenen Heiterkeit des Herzens fließen, da wir umsonst die Vergebung der Sünden durch Christus haben.“

Martin Luther zu Galater 2,16: „Doch weil wir wissen, daß der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.“