Brauchen wir biblisches Wissen?

Ist es für Christen wichtig oder gar notwendig, biblisches Wissen zu haben? Sollten Christen beispielsweise wissen, was die Bedeutung des Passahfestes ist, in welcher Zeit Jesaja ungefähr gelebt hat, wieviele Missionsreisen der Apostel Paulus machte oder gar in welcher Reihenfolge wir die neutestamentlichen Briefe in der Bibel finden?

„Kopfwissen“ vs. praktischer Glaube

Immer wieder begegnet mir die Haltung – teils ausgesprochen, teils unausgesprochen – dass diese Art Bibelkenntnis doch eigentlich nicht wirklich wichtig sei. Nicht auf theoretisches „Kopfwissen“ käme es an, sondern auf den praktischen Glauben im Alltag.

Und in der Tat gibt es diese Gefahr! Es gab und gibt immer wieder Menschen, die zwar erstaunlich viel über Gott, Bibel und Theologie wissen und doch keinen lebendigen Glauben leben. Denken wir nur an die Pharisäer und Schriftgelehrten aus Jesu Zeit: in Bibelkenntnis von den meisten (damals und erst recht heute) sicherlich unerreicht und doch bleiben die meisten blind für das Entscheidende, dass nämlich Jesus Christus – der verheißene Retter – vor ihnen steht.

Auf der anderen Seite – da bin ich überzeugt – geht es aber auch ohne biblisches Wissen nicht. Warum ist es also wichtig, dass Christen über biblische Zusammenhänge Bescheid wissen, die – wie die oben genannten Beispiele – nicht ganz unmittelbar mit der eigenen Glaubenspraxis zusammenhängen?

Damit wir die Bibel besser verstehen

Es ist es wichtig, damit wir die Bibel besser verstehen. Die manchmal rätselhaft erscheinenden Texte des Propheten Jesaja beispielsweise, kann ich leichter verstehen, wenn ich um Zeit und Umstände weiß, in die sie ursprünglich hineingehörten. Das Sühneopfer Jesu werd ich tiefer begreifen, wenn ich um die Bedeutung des Passahfestes weiß usw. Die Bibel aber sollten wir als Christen gut verstehen wollen, ist sie doch Gottes lebendiges Wort an uns. Und hier kommt jetzt auch der Praxisbezug: einen lebendigen und praktischen Glauben in den Herausforderungen des Alltags werde ich nur dann leben können, wenn ich mich diesem lebendigen Wort regelmäßig aussetze. Denn nur dann werden wir ganzheitlich erneuert (vgl. Röm 12,2: „Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ ), so dass wir im Alltag zu Gottes Ehre leben können (vgl. Röm 12,1: „Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“). Zuviele Christen – zwar mit aufrichtigem Herzen – probieren es, ihren Glauben praktisch im Alltag zu leben ohne die regelmäßige Speise des nahrhaften Wortes Gottes. Das kann auf Dauer gar nicht gut gehen.

Ich will Mut machen, sich biblisches Wissen anzueignen. Auch Dinge, die ich nicht unmittelbar praktisch umsetzen kann, sind wichtig. Wir sollten dabei uns stets der Falle bewusst sein, in die die Pharisäer tappten und doch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Biblisches Wissen ist wichtig, damit ich die Bibel besser verstehe. Und gutes Bibelverständnis ist wichtig, damit mich dieses lebendige Wort Gottes erneuert und mich zu einem Leben zu Gottes Ehre anleitet.

Wer begeistert ist, will mehr…

Übrigens: Menschen, die von einer Sache so richtig begeistert sind, wenden regelmäßig und ganz natürlich größte Mühe auf, um sich in diese Materie zu vertiefen. Den richtig hartgesottenen Fußballfans reicht es nicht aus, ihrer Mannschaft beim Sieg zuzujubeln. Nein, sie beginnen Bücher über Taktik zu verschlingen oder lesen sich darin ein, wie moderne Transferkonstrukte rechtlich funktionieren. Alles Dinge, die man nicht wissen muss, um der Mannschaft beim Sieg zuzujubeln, die der begeisterte Vollblut-Fan aber von sich aus tut. Einfach weil er mehr über das wissen will, was ihn am meisten interessiert. Als Christen sollte es uns auch nicht genug sein, Jesus nur zuzujubeln. Nein, es sollte selbstverständlich sein, dass wir stets mehr von ihm und seinem Wort verstehen wollen!

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Prüfsteine des Gebets

Timothy Keller stellt in seinem Buch über das Beten einige „Prüfsteine“ vor, „mit denen wir testen können, inwieweit unsere Gebete Gott ehren und uns in seine Nähe bringen.“ (134). Hier die wichtigsten Aussagen:

Was Beten ist

„Beim Beten ist Beharrlichkeit angesagt. Paulus bittet die Christen in Rom, „dass ihr mir kämpfen helft durch eure Gebete für mich zu Gott“ (Röm 15,30). Beten ist eine Arbeit, die wir tun, egal, wie gut oder schlecht wir uns gerade fühlen.“ (135)

Was Beten erfordert

„Unser Beten muss in dem klaren, dankbaren Wissen darum erfolgen, dass unser Zugang zu Gott, dem Vater, ein reines Gnadengeschenk ist, das Jesus, der wahre Sohn Gottes, uns durch sein Opfer am Kreuz erkauft hat und das der Heilige Geist in uns lebendig macht, indem er uns die innere Gewissheit schenkt, dass wir Gottes Kinder sind.“ (138)

 Was Beten uns gibt

„Wir wird all das, was wir glauben und was Christus uns erworben hat, zu der großen Kraft in unserem Leben? Durch das Gebet! Das Gebet ist das Mittel, durch das Gottes Wahrheit in unserem Herzen Wurzel fasst und neue Instinkte, Reflexe und Neigungen schafft.“ (146)

 Wohin Beten uns führt

„Beten erfordert nicht nur das Bekenntnis konkreter Sünden und Fehlhandlungen, sondern auch das Offenlegen der inneren Einstellungen, Sichtweisen und Begierden, die hinter unseren kleinen und großen Sünden liegen. Tatsache ist: Je mehr wir uns der höchsten Schönheit, Weisheit und Reinheit nähern, umso mehr werden wir uns unserer eigenen Hässlichkeit, Trägheit und Unreinheit bewusst. (…) Wer Gott besser kennenlernen will, kommt nicht daran vorbei, sich selbst besser kennenzulernen. Und auch das Umgekehrte gilt: Wenn ich die Augen vor meiner Schwachheit und Sünde verschließe, kann ich auch die Größe und Herrlichkeit Gottes nicht sehen.“ (148f)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.

Psalm 118: Danket dem Herrn, denn er hat wunderbar eingegriffen

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

2 Es sage nun Israel: Seine Güte währet ewiglich. 3 Es sage nun das Haus Aaron: Seine Güte währet ewiglich. 4 Es sagen nun, die den HERRN fürchten: Seine Güte währet ewiglich.

5 In der Angst rief ich den HERRN an; und der HERR erhörte mich und tröstete mich. 6 Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun? 7 Der HERR ist mit mir, mir zu helfen; und ich werde herabsehen auf meine Feinde.

8 Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Menschen. 9 Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Fürsten.

10 Alle Heiden umgeben mich; aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren. 11 Sie umgeben mich von allen Seiten; aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren. 12 Sie umgeben mich wie Bienen, sie entbrennen wie ein Feuer in Dornen; aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren.

13 Man stößt mich, daß ich fallen soll; aber der HERR hilft mir. 14 Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

15 Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg! 16 Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg! 17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. 18 Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

19 Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, daß ich durch sie einziehe und dem HERRN danke. 20 Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen. 21 Ich danke dir, daß du mich erhört hast und hast mir geholfen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. 23 Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen. 24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; laßt uns freuen und fröhlich an ihm sein. 25 O HERR, hilf! O HERR, laß wohlgelingen! 26 Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch, die ihr vom Hause des HERRN seid. 27 Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars! 28 Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen. 29 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.  (Psalm 118)

Ps 118 gehört zu den sogenannten Hallel-Psalmen (Lobpsalmen), genauer gesagt zum Ägyptischen Hallel. Diese Psalmen wurden zu den großen Festen gesungen und hatten besonders beim Passah ihren festen Platz. Ps 113 und 114 sang man vor dem Mahl, Ps 115-118 nach dem Mahl.

Der Psalm beginnt mit einem Aufruf zum gemeinsamen Dank: Israel (V. 2), die Priester (V. 3), ja alle, die den Herrn fürchten (V. 4) haben seine Freundlichkeit und Güte erlebt (V. 1) und darum Grund zum Dank.

In V. 5-21 finden wir das Zeugnis eines Einzelnen, der berichtet, wie der Herr ihn errettet hat. Er dankt dem Herrn, weil er ihn in seiner Angst gehört hat (V. 5). Er weiß darum, dass der Herr in allen Lebensumständen mit ihm ist. Darum braucht er sich nicht zu fürchten (V. 6) und dadurch bekommt er eine neue, positive Perspektive auf die Zukunft (V. 7). V. 8-9 betonen, wie gut es ist, sich so fest auf Gott und nicht andere Menschen zu verlassen. In V. 10-12 wirft der Beter einen Blick auf seine Feinde, die groß und gefährlich sind. Doch der Name des Herrn ist in jedem Fall stark und mächtig genug, um gegen sie zu bestehen. In V. 13 beschreibt der Beter erneut, wie sehr er die Hilfe Gottes brauchte und in V. 14 setzt er die von Gott persönlich erfahrene Hilfe in Beziehung zu Gottes machtvollem Eingreifen im Exodusgeschehen (vgl. die Bezugnahme zu 2Mose 15,2, dem Lobgesang Moses). Gottes Eingreifen ist auch jetzt Anlass zum gemeinsamen Lob (V. 15-16) und Grund gewiss in die eigene Zukunft zu blicken (V. 17-18). Voller Zuversicht will der Beter nun in die Gegenwart Gottes treten. Dazu muss er die Tore der Gerechtigkeit durchschreiten (V. 19), durch die nur die Gerechten eintreten dürfen (V. 20). Dem Beter wird Zutritt gewährt, da er sein Vertrauen auf Gott fest bekannt hat. Als Christen denken wir daran, dass wir stets Zugang zu Gott haben – nicht wegen unserer Gerechtigkeit – sondern wegen Christi Gerechtigkeit, der stets Gottes Willen vollkommen tut (vgl. Joh 4,34).

Im Rest des Psalms stimmt offenbar wieder die ganze Gemeinschaft in den Dank mit ein. V. 22-23 betont die wundersamen Wege Gottes: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.“ (V. 23). Gott hat das Elend des Beters wunderbar gewendet und dadurch seine Herrlichkeit demonstriert. Ganz genauso ist es bei Jesus gewesen: Er litt, wurde von den Menschen verworfen und gekreuzigt. Aber Gott hat den Sohn angenommen und gerade durch sein Leiden und vermeintliches Scheitern das Größte mit ihm vollbracht. Die restlichen Verse feiern diesen besonderen Tag und loben Gott für sein wunderbares Handeln.

  1. Wie hast du die Freundlichkeit und Güte des Herrn erlebt – heute, letzte Woche, im letzten Jahr?
  2. Wie kann der Blick auf Gott uns helfen, Ängste zu überwinden und eine neue positive Perspektive zu bekommen? Welche Rolle spielen dabei Gottes Taten in der Vergangenheit, wie sie uns die Hl. Schrift überliefert?
  3. Zinzendorf dichtete „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid“. In welchem Bezug stehen diese Worte zu dem, was der Psalmist in V. 19-21 zum Ausdruck bringt?
  4. Wie kann Gottes Handeln am und durch den gekreuzigten Christus auch uns in jeder Situation Mut machen (vgl. auch Röm 8,32)?

Psalm 117: Freut euch alle über Gott!

Lobet den HERRN, alle Heiden! Preiset ihn, alle Völker!

2 Denn seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit. Halleluja! (Psalm 117)

Ps 117 gehört zu den sogenannten Hallel-Psalmen (Lobpsalmen), genauer gesagt zum Ägyptischen Hallel. Diese Psalmen wurden zu den großen Festen gesungen und hatten besonders beim Passah ihren festen Platz. Ps 113 und 114 sang man vor dem Mahl, Ps 115-118 nach dem Mahl.

In dem kürzesten Psalm der Bibel, ruft der Beter in seiner überschwänglichen Freude erstaunlicherweise nicht nur die Glaubenden, sondern auch alle Heiden auf, Gott zu loben. Der Grund dafür liegt in Gottes Handeln mit seinem Bundesvolk. In der Beziehung zu Israel hat Gott seine Gnade und Wahrheit immer und immer wieder erwiesen. In Christus schließlich hat Gott seine Liebe noch deutlicher allen Menschen – Juden wie Heiden – erwiesen, so dass letztendlich alle ihn preisen sollten (vgl. Röm 15,8-9).

  1. Inwiefern zeigt Gottes Geschichte mit Israel, wie sie uns das AT zeigt, sein beständiges Handeln in Gnade und Wahrheit?
  2. Prägt mich diese überschwängliche Freude über den Glauben, dass ich auch andere versuche damit anzustecken? Ist mein Reden über den Glauben von Freude geprägt – und wenn nicht, warum eigentlich nicht?

Psalm 116: Gott rettet aus der größten Not

Ich liebe den HERRN, denn er hört die Stimme meines Flehens. 2 Er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

3 Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not.

4 Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach, HERR, errette mich! 5 Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig. 6 Der HERR behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir. 7 Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.

8 Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten. 9 Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen. 10 Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt. 11 Ich sprach in meinem Zagen: Alle Menschen sind Lügner.

12 Wie soll ich dem HERRN vergelten all seine Wohltat, die er an mir tut? 13 Ich will den Kelch des Heils nehmen UND DES HERRN NAMEN ANRUFEN. 14 ICH WILL MEINE GELÜBDE DEM HERRN ERFÜLLEN VOR ALL SEINEM VOLK.

15 Der Tod seiner Heiligen wiegt schwer vor dem HERRN. 16 Ach, HERR, ich bin dein Knecht, ich bin dein Knecht, der Sohn deiner Magd; du hast meine Bande zerrissen.

17 Dir will ich Dank opfern UND DES HERRN NAMEN ANRUFEN. 18 ICH WILL MEINE GELÜBDE DEM HERRN ERFÜLLEN VOR ALL SEINEM VOLK 19 in den Vorhöfen am Hause des HERRN, in dir, Jerusalem. Halleluja! (Psalm 116)

Ps 116 gehört zu den sogenannten Hallel-Psalmen (Lobpsalmen), genauer gesagt zum Ägyptischen Hallel. Diese Psalmen wurden zu den großen Festen gesungen und hatten besonders beim Passah ihren festen Platz. Ps 113 und 114 sang man vor dem Mahl, Ps 115-118 nach dem Mahl. 

Der Beter beginnt mit einem ausdrucksstarken Liebesbekenntnisses zu Gott, weil dieser sein Gebet in Not erhört hat (V. 1-2). Die Notlage wird als äußerst dramatisch und angsteinflößend, weil lebensgefährdend beschrieben (V. 3). Umso dankbarer ist der Beter, dass Gott – der seine einzige Hoffnung war – ihn gerettet hat. Gott hat sich als gnädig, gerecht und barmherzig (V. 5) erwiesen. Aufgrund dieser Gutheit Gottes kann sich der Beter selbst Trost zusprechen (V. 7). Der Christ wird nicht nur an irdische Notlagen denken, in denen Gott geholfen hat, sondern zuallererst an seine eigene geistliche Notlage denken: Der Mensch ohne Gott droht nicht lediglich zu sterben, er ist bereits geistlich tot (Vgl. Eph 2,1). Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,  5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden” (Eph 2,4-5) Einen Gott, der so mit uns umgeht, kann man nur seine Liebe bekennen!

In V. 8-9 reflektiert der Beter erneut seine Notsituation, die durch Gottes Eingreifen vollständig verkehrt wurde (Leben statt Tod). In dieser Notlage konnte der Beter wahren Glauben an Gott lernen, der die Grenzen der Menschen („Alle Menschen sind Lügner“, V. 11) überwindet. Die Schrift lehrt uns, dass Gott auch heute noch Notlagen nutzt, um uns im Glauben zu stärken (z.B. Röm 5,3-4).

Aus der Freude über Gottes Hilfe erwächst dem Beter das tiefe Bedürfnis dem Herrn seine Wohltaten zu vergelten (V. 12). Er will dies durch Opfer (V. 13a, Kelch des Heils), Anbetung (V. 13b) und Zeugnis (V. 14, Gelübde erfüllen) tun.

In V. 15 bringt der Beter Gottes große Liebe zu den Seinen allgemeingültig zum Ausdruck. Die Reaktion darauf ist Hingabe (V. 16) an diesen errettenden Gott.  Der Psalm schließt mit erneutem Dank für Gottes Rettung (V. 17-19).

  1. In welchen Notlagen hat Gott mir schon geholfen? Empfinde ich meine Erlösung wirklich als die Rettung aus der größten Notlage? Warum oder warum nicht?
  2. Wie kann ich auf Notlagen und schwierige Situationen so reagieren, dass ich durch sie im Glauben wachse?
  3. Kenne ich diese große Freude und dieses tiefe Verlangen Gott seine Wohltaten zu vergelten? Wenn nicht: Bin ich wirklich gerettet?

Warum ich nicht für die „Ehe für alle“ bin

Nachdem in den letzten Tagen nach SPD und Grünen auch die FDP erklärt hat, die Einführung der sogenannten „Ehe für alle“ zur Koalitionsbedingung zu machen, scheint es jetzt auf einmal sehr schnell zu gehen. Wie man der aktuellen Berichterstattung entnehmen kann, soll der Deutsche Bundestag wohl noch in dieser Woche ein entsprechendes Gesetz zur Einführung der sogenannten „Ehe für alle“ verabschieden.

Doch was ist aus christlicher Sicht dazu zu sagen? Sollten Christen – auch wenn sie gelebte Homosexualität entsprechend dem biblischen Befund als Sünde verstehen – nicht auch für die „Ehe für alle“ sein? Schließlich wollen wir doch unsere Glaubensüberzeugungen nicht anderen aufzwängen oder? Und außerdem, so hört man oft, würde traditionellen Ehen und Familien doch nichts weggenommen werden, wenn der Ehebegriff auch auf homosexuelle Partnerschaften erweitert wird.

Die Bibel sieht die Ehe als Schöpfungsordnung Gottes (1Mose 1-2). Sie ist allen Menschen aller Kulturen und Religionen gegeben (und nebenbei bemerkt: ist es nicht interessant, dass es die Ehe in fast allen Kulturen gibt?) In aller Kürze drei Aspekte die für ein biblisches Eheverständnis grundlegend sind:

  1. Die bipolare Ergänzung von Mann und Frau

Man beachte in 1Mose 2,18 die Feststellung: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sein.“ Danach führt Gott Adam zunächst die ganzen Tiere vor, damit er sie benennen würde. Viele, viele Tiere unterschiedlichster Art ziehen an Adam vorüber, aber das Fazit in V. 20 ist eindeutig: „aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden, die um ihn wäre.“ Erst danach überkommt Adam ein tiefer Schlaf und Gott erschafft die Frau. Als Adam sie das erste Mal erblickt, bricht die Begeisterung aus ihm heraus: „Das ist doch Bein und Fleisch von meinem Fleisch!“ (V. 23) Wir halten fest: die bipolare Ergänzung von Mann und Frau ist ganz wesentlich für ein biblisches Eheverständnis.

  1. Sexualität

In 1Mose 2,24 heißt es „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein ein Fleisch“. Zum biblischen Eheverständnis gehört auch die Sexualität grundlegend hinzu. Für die Ehe hat Gott Sexualität geschaffen, hier soll sie gelebt werden.

  1. Fortpflanzung

In 1Mose 1,28 lesen wir das erste Gebot der Bibel. Gott spricht zu den Menschen: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde.“ Die Ehe ist prinzipiell auf Fortpflanzung angelegt. Dass nicht jede einzelne Ehe Kinder hervorbringt, tut dieser grundsätzlichen Tatsache keinen Abbruch.

Es wird deutlich, dass auf die sogenannte „Ehe für alle“ längst nicht alle Punkte zutreffen. Aber warum sollte sich staatliches Handeln am biblischen Eheverständnis orientieren?

Nun, nach der Schrift ist die staatliche Obrigkeit, als „Gottes Dienerin“, dazu verpflichtet, das Gute zu fördern und das Böse zu bekämpfen (Röm 13,1-4). Weil sie in Ehe und Familie etwas Gutes und Wertvolles erkannten, haben die Väter des Grundgesetzes diese zu Recht unter besonderen Schutz gestellt (Art. 6). Schließlich sind Ehe und Familie Keimzelle der Gesellschaft und als solche Voraussetzung für ein gesunde Gesellschaft. Andererseits ergibt sich daraus auf der anderen Seite eben dann auch, dass der Staat schöpfungswidriges Verhalten in keiner Weise fördern oder aufwerten sollte.

Letzteres trifft eben auch auf die sogenannte „Ehe für alle“ zu. Gleichgeschlechtliche Sexualität kann eben grundsätzlich nicht dem Leben schaffenden Schöpferwillen Gottes gerecht werden, wie ihn 1Mose 1,28 zum Ausdruck bringt. Stellen wir uns nur mal vor, dass das in unserer Gesellschaft vorherrschende heterosexuelle Verhalten durch homosexuelles Verhalten vollständig ersetzt würde. Unsere Gesellschaft verlöre ihre Zukunftsfähigkeit und genau diese aufrechtzuerhalten, ist die Pflicht und auch im Interesse des Staates. Andererseits sollte man auch bedenken, dass die Ergänzung von Mann und Frau eine wichtige Voraussetzung für eine normale Entwicklung und Erziehung von Kindern ist. Es ist bezeichnend und traurig, dass die Frage nach dem Kindeswohl in der Debatte um die sogenannte „Ehe für alle“ kaum vorkommt. Stattdessen wird von Gleichberechtigung und angeblicher Diskriminierung schwadroniert.

Aus Christ lehne ich aus diesen Gründen die sogenannte „Ehe für alle“ ab. Im Endeffekt wird die Ehe selbst mit diesem Vorhaben abgeschafft. „Ehe für alle“ ist letztendlich Ehe für keinen, wie auch ein FAZ-Journalist treffend kommentiert.

Aber ich mache mir keine Illusionen. Die „Ehe für alle“ wird kommen. Für mich ein deutliches Beispiel, dass Christen, die der Schrift treu bleiben wollen, in zunehmendem Maße zu gesellschaftlichen Außenseitern werden. Können wir damit umgehen?

Der Römerbrief wurde für DICH geschrieben!

Ich hab mich in den letzten Tagen ein wenig mit dem Römerbrief beschäftigt. Dabei stieß ich auf diese interessanten Zeilen von Walter Lüthi, einem schweizer Pfarrer, der in den 30er bis 60er Jahren in Basel und Bern wirkte:

„Der Römerbrief steht im Gerücht, für die Gemeinde besonders schwer zugänglich zu sein und sich aus diesem Grunde nicht besonders für den Predigtgottesdienst zu eignen. Dieser üblen Nachrede stehen zwei Tatsachen entgegen: Wie aus dem letzten Briefkapitel hervorgeht, dachte Paulus nicht entfernt daran, hier eine Vorlesung für Akademiker zu schreiben. Die allerersten Leser dieses Briefes sind Leute, die in ihrer überwiegenden Mehrheit aus dem Volke stammten, darunter auffällig viele Frauen, Freigelassene und Sklaven. So hat es gleich von Anfang an unter den Lesern des Römerbriefs „nicht viel Weise nach dem Fleisch“ gegeben. Die seltsame Theorie, daß eine Predigt so niveau-arm, so billig und so angepaßt wie möglich sein müsse, stimmt eben hinten und vorn nicht, auch nicht im Blick auf die heutige Christengemeinde. (…) Übrigens auch das Theater, wenigstens da, wo es nicht nur die undiskutierbaren klassischen Platten abspielt, sondern sich ernsthaft aufs Glatteis der Zeitprobleme hinausbegibt, verlangt vom Besucher ein Stück nachdenkender Mitarbeit. Es ist nicht einzusehen, warum das ausgerechnet in der Kirche nicht so sein soll. In christlichen Gottesdiensten treffen wir zur Zeit des Paulus wie heute zwar nicht immer gelehrte, aber doch nachdenkliche Menschen. (…)

Die eigentlichte Schwierigkeit des Verständnisses liegt aber beim Brief an die Römer nicht in der Form, sondern in der Sache. Die Sache des Römerbriefes selber, die Gnade ist es, die sowohl bei „Juden wie Griechen“ nicht ohne weiteres Anklang und Eingang findet. Anders lägen die Dinge bei der Gesetzes- oder gar Moral-Predigt.“

(Walter Lüthi, Der Römerbrief, aus dem Vorwort.)

Also nur Mut, sich mit dem angeblich so schweren Römerbrief zu beschäftigen! Sehr schön, wie Lüthi das schreibt, dass er eigentlich nicht ein Brief an die Theologen ist, sondern an die ganze Gemeinde, an alle, die an Jesus glauben. Der Römerbrief wurde für dich geschrieben!

Trotzdem kann eine Einführung in diesen langen und wichtigen Brief, die einem einen guten Überblick gibt, nur hilfreich sein. In diesem Zusammenhang passt es sehr gut, dass das Bibelprojekt genau in diesen Tagen auch das zweite Video zum Römerbrief fertiggestellt hat. In beiden etwa 8-minütigen Videos werden Aufbau und die großen Themen des Briefes gut und unterhaltsam erklärt. Sehr zu empfehlen…..!