Warum wir uns über Gottes Wort freuen können

„Wir können uns deshalb über das geschriebene Wort Gottes und sein Gesetz freuen, weil das Fleisch gewordene Wort Gottes in die Welt kam und für uns starb und uns durch diesen Tod die Vergebung unserer Sünden vor Gottes Gesetz erkaufte. Es ist unmöglich, ‚Lust am Gesetz des Herrn‘ zu haben (Ps 1,2), solange ich nicht begriffen habe, warum Jesus in die Welt gekommen ist. Ohne ihn ist das Gesetz Gottes nichts als ein Fluch und Verdammungsurteil, der gegen uns aussagt (Gal 3,10-11). Aber Jesus hat das ganze Gesetz für uns gehalten (vgl. 2Kor 5,21) und deswegen ist es jetzt eine Quelle der Freude und nicht der ewigen Verzweiflung.“ (178f)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016, S. 178f.

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PREDIGT: „Was soll dann das Gesetz?“

Ansich würde (hoffentlich) jeder Christ zustimmen, dass wir Menschen allein aufgrund von Gottes Gnade durch Glauben vor Gott gerecht werden. Dass es nicht die Werke, die guten Taten, das vorbildliche Verhalten ist, das vor Gott zählt. Sondern, dass er uns allein durch den Glauben an Jesus Christus erlöst. Das ist das einzigartige am Evangelium! Das ist, was den christlichen Glauben – richtig verstanden – ausmacht! Er, Gott, tut alles – wir tun nichts, nehmen seine Gnade nur noch dankbar im Glauben an.

Und doch regt sich häufig wenn man darüber spricht, eine gewisse Skepsis oder echter Widerstand. Gerade auch im Gespräch mit frommen Leuten ist das so…: Kann das wirklich so sein? Ist das tatsächlich wahr, dass Gott uns allein aus Gnade und Glauben annimmt? Ist das nicht zu einfach, zu billig? Sind nicht gute Taten auch wichtig? Heißt das jetzt, dass wir Gottes Geboten – seinem Gesetz – gar nicht gehorchen brauchen? Dass wir einfach tun und lassen können, was wir wollen? Und wenn meine Errettung einzig und allein daran hängt, was Christus für mich getan hat, warum sollte ich dann überhaupt noch danach streben ein heiliges Leben zu führen?

Kurz gesagt: Sind wir als Christen Gottes Gesetz eigentlich noch in irgendeiner Form verpflichtet? Über dieses spannende und wichtige Thema habe ich am letzten Sonntag gepredigt und wer möchte, darf sich meine Predigt gern anhören: Nur das Evangelium bringt das Gesetz zur rechten Geltung (Gal 3,15-25).

Auch die Predigt von der Woche zuvor ist online und kann nachgehört werden: Nur das Evangelium stets vor Augen halten (Galater 3,1-14) oder wie man auf Abrahams Spuren wandeln kann 😉

Wozu das Gesetz gegeben wurde

„So ist es das wahre Amt und der hauptsächliche und eigentliche Gebrauch des Gesetzes, daß es dem Menschen seine Sünde, Blindheit, Elend, Gottlosigkeit, Unwissenheit, Haß, Gottesverachtung, Tod, Hölle, Gericht und verdienten Gotteszorn offenbar macht. (…) Gott will niedertreten und zermalmen jene Ungeheuer und jene wütende wilde Tier, nämlich die Meinung, sich Gerechtigkeit verdienen zu können, und da ist er gezwungen auf dem Berg Sinai ein neues Gesetz mit solchem Aufwand an schrecklicher Herrlichkeit zu geben, daß das ganze Volk vor Schrecken niedergeworfen worden ist. Weil die menschliche Vernunft in ihrer Einbildung eigener Gerechtigkeit übermütig wird und sich mit ihrer eigenen Gerechtigkeit bei Gott einen Platz einbildet, muß Gott einen schicken, der ein Herkules ist, das Gesetz also, das gegen das Ungeheuer menschlicher Einbildung anstürmt, es niederwirft und erledigt. Daher hat es das Gesetz auf diese Bestie allein abgesehen, auf nichts anderes. (…) Solange die Einbildung eigener Gerechtigkeit im Menschen bleibt, bleibt auch bestehen unbegreiflicher Hochmut, Anmaßung, Sicherheit, Gotteshaß, Verachtung der Gnade und des Erbarmens, Unwissenheit der Verheißungen und Christi. Und in ein solches eigengerechtes Herz dringt keine Predigt von der geschenkten Gnade und von der Sündenvergebung; der gewaltige Fels, die eisenharte Mauer der menschlichen Eigengerechtigkeit, mit der das Menschenherz gegürtet ist, hinderts. Wenn das Gesetz anklagt und das Gewissen erschreckt: das hättest du tun sollen und hast es nicht getan, darum bist du schuldig des Zornes Gottes und des ewigen Todes!, dann ist es in seinem eigentlichen Werk und Amt. Da wird das Herz bis zur Verzweiflung gebracht. Daher ist das Gesetz der Hammer, der Felsen zerschmeißt, das Feuer und jenes große und starke Beben, das die Berge umstürzt.“

Martin Luther zu Galater 3,19: „Was soll nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt – bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt -, angeordnet durch Engel in der Hand eines Mittlers.“

PREDIGTEN: Am Evangelium ausrichten…

In christlichen Gemeinden ist es manchmal gar nicht so einfach. Denn hier treffen ganz unterschiedliche Menschen aufeinander. Menschen, die sich sonst gar nicht unbedingt begegnen würden: Alte und Junge, Akademiker und Arbeiter, kreative und eher bodenständige Menschen, Verheiratete und Singles, Angehörige unterschiedlicher Nationen usw… Das ist gut und soll so sein!

Aber unterschiedliche Menschen bringen natürlich auch unterschiedliche Vorstellungen darüber mit, wie Gemeinde sein sollte. Das kann bereichernd sein, aber häufig ist es auch anstrengend und manchmal kommt es sogar zum Streit. Gal 2,11-14 berichtet uns eine ziemlich heftige Auseinandersetzung zwischen den zwei Aposteln Paulus und Petrus. Paulus ist über das Verhalten des Petrus so erbost, dass er ihn in aller Öffentlichkeit zur Rede stellt (übrigens zu Recht). Nichts wird hier unter den Tisch gekehrt, nein, es gibt einen großen Knall. Streit in Gemeinden und unter Christen ist also nichts Neues…

Wie geht man nun aber um mit solchen Unterschieden oder gar mit zerstörerischen Uneinigkeiten? Wie kann man in einer Gemeinde echte Einheit leben?

Als Menschen versuchen wir das meistens durch Kompromisse, ein aufeinander-zugehen, vermitteln, wir schauen, dass möglichst alle zu ihrem Recht kommen (und das ist sicherlich auch richtig).

Im ganzen zweiten Kapitel des Galaterbriefs macht Paulus nun aber deutlich, dass die tiefste Ursache für Uneinigkeiten, die zu Spaltungen führen, ein mangelndes Verständnis des Evangeliums ist. Wir werden solche zerstörerischen Uneinigkeiten nicht überwinden können, wenn wir uns als Gemeinden und Einzelne nicht konsequent am Evangelium ausrichten. Wir brauchen also nicht zuallererst mehr Arbeitskreise, in denen wir uns darüber austauschen, wie der eine oder andere dies oder jenes sieht (obwohl es gut ist, miteinander zu reden). Wir brauchen auch nicht in erster Linie mehr Menschen, die in Gemeinden geschickt zwischen den verschiedenen Interessen vermitteln können (obwohl auch das positiv sein kann). Nein, in erster Linie müssen wir das Evangelium besser verstehen und auf unser persönliches Leben anwenden.

Man könnte noch viel mehr dazu schreiben…, aber ich verweise einfach mal auf die letzten beiden Predigten, die ich über Galater 2 gehalten habe:

Nur das Evangelium stiftet echte Einheit (Galater 2,1-10)

Nur das Evangelium soll unser ganzes Leben prägen (Galater 2,11-21)

PREDIGT-Tipp: Das Evangelium in 4. Mose

Wer noch ein bisschen Zeit hat und was für sein geistliches Leben tun will, dem sei diese lange, aber sehr sehr gute, Predigt von Ligon Duncan wärmstens empfohlen. Er spricht über 4. Mose 5,1-4. Klingt erstmal überhaupt nicht spannend oder relevant… Aber die Predigt hat es wirklich in sich!!

Ligon Duncan wird übrigens auch einer der Redner auf der nächsten Evangelium21-Konferenz in Hamburg sein.

Der Glaube achtet allein auf Jesus Christus

„Die menschliche Vernunft hat als Gegenstand das Gesetz: Das habe ich getan, das habe ich nicht getan. Der Glaube aber, wenn er in seinem eigentlichen Werk ist, hat keinen anderen Gegenstand als Jesus Christus, den Sohn Gottes, hingegeben für die Sünde der Welt. Der Glaube achtet nicht auf die Liebe, sagt nicht: was habe ich getan, was habe ich gesündigt, was habe ich verdient?, sondern was hat Christus getan, was hat er verdient? Da sagt die Wahrheit des Evangeliums: Er hat dich von der Sünde erkauft, vom Teufel, von dem ewigen Tod. Der Glaube erkennt an, daß er an der Person Jesu Christi Vergebung der Sünden und ewiges Leben habe. Wer diesem Gegenstand ausweicht, hat nicht den wahren Glauben, sondern den geschminkten Glauben und eigene Meinung und wendet die Augen von der Verheißung zum Gesetz, das ihn erschreckt und in die Verzweiflung bringt.“

Martin Luther zu Galater 2,4f:Es hatten sich aber einige falsche Brüder eingedrängt und eingeschlichen, um auszukundschaften unsere Freiheit, die wir in Christus Jesus haben, und uns so zu knechten. Denen wichen wir auch nicht eine Stunde und unterwarfen uns ihnen nicht, auf dass die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe.“