Jesus wandelt auf dem Wasser

„Und er sah, daß sie sich abplagten beim Rudern, denn der Wind stand ihnen entgegen. Um die vierte Nachtwache kam er zu ihnen und ging auf dem See und wollte an ihnen vorübergehen.“ (Mk 6,48)

Hans Bayer schreibt in seinem Kommentar zu diesem Vers:

„Warum vermittelt Jesus den Anschein, an ihnen vorbeigehen zu wollen, wenn er doch (schon seit geraumer Zeit?) ihre Not sieht? Nach V. 48a beabsichtigt Jesus zumindest, seinen Jüngern in ihrer Not entgegenzugehen. Die Formulierung „er will an ihnen vorbeigehen“ kann wohl nicht im Sinn von Lk 24,28 („er tat, als ob er weitergehen wollte“) verstanden werden. Vielmehr ist sie im Sinne einer alttestamentlichen Theophanie zu fassen (Ex 33,19 oder Ex 33,22): er erweckte den Anschein, an ihnen vorbeizugehen. Die markinische Formulierung besagt, dass Jesus seinen Jüngern so „erscheint“, wie Gott dem Mose. Dies wird durch die göttliche Beschwichtigungsaussage in V. 50 (nur Mut, ich bin es; hört auf, euch zu fürchten) bestärkt. Unabhängig davon, ob „ego eimi“ hierbei als christologische Hoheitsaussage (vgl. Ex 3,14) zu verstehen ist oder nicht, vermittel das Verhalten und Rede Jesu eindeutig göttlichen Hoheitsanspruch (vgl. Hiob 9,8).“

Hans F. Bayer, Das Evangelium des Markus, Historisch-Theologische Auslegung, Witten: R. Brockhaus, 2008, S. 264.

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Die Priorität des Wortes

Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. 39 Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. 40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, daß mich meine Schwester läßt allein dienen? Sage ihr doch, daß sie mir helfen soll! 41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. 42 Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden. (Lukas 10,38-42)

Als Jesus sich mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem befindet, kommen sie eines Tages nach Betanien. Marta, eine offenbar wohlhabende und tatkräftige Frau, lädt Jesus und seine Jüngergruppe in ihr Haus ein. Sofort beginnt sie mit der Arbeit. Sie will eine gute Gastgeberin sein und so kümmert sie sich mit großem Einsatz um die Bewirtung ihrer Gäste. Es ist ein sehr gutes Ziel, dass Marta verfolgt: Sie will Jesus und seinen Jüngern dienen. Es braucht doch solche Menschen wie Marta! Menschen, die einsatzbereit sind, die keine Mühe scheuen, die sich gerne engagieren. Auch Gemeinden leben davon!

Und dennoch ist Marta hier nicht ganz auf der richtigen Spur. Das wird deutlich, als Marta Jesus auf ihre Schwester Maria anspricht: „Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt alleine dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!“ (Lk 10,40). Wie gut kann man das Ansinnen Martas verstehen. Würden beide Schwestern mitanpacken, wäre die Arbeit doch schneller erledigt. Und wäre es nicht sowieso angemessen, dass Maria ihrer – vermutlich älteren – Schwester in deren Haus sie wohnt, hilft?

Jesus ist nicht dieser Meinung. Im Gegenteil: Der Herr weist Marta liebevoll, aber doch deutlich, zurecht: „Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.“ (Lk 10,41). Ihrer Unruhe und ihren vielen Sorgen stellt Jesus, das Eine gegenüber. Das Eine, das wirklich notwendig ist, das Eine, das Maria erwählt hat. Das Eine, nämlich auf das Wort Jesu, also auf das Wort Gottes, zu hören. Dies ist das Eine, „das soll nicht von ihr genommen werden“ (Lk 10,42).

Jesus stellt in dieser kurzen Episode die Priorität des Wortes vor der Tat heraus. Auf das Wort Gottes zu hören, hat für Jesus immer Vorrang – auch vor jeder guten Tat.

Ist die gute Tat dann unwichtig? Oder ist es falsch, wie Marta die eigenen Gäste gut bewirten zu wollen? – Nein, natürlich nicht! Gute Taten und aufopferungsvoller Dienst sind positive Dinge. Es sind auch Dinge, zu denen uns die Bibel und Jesus selbst immer wieder aufruft. Jesus geht es also nicht darum, die gute Tat oder den Dienst schlechtzumachen. Aber es geht ihm um die Priorität, darum, deutlich zu machen, was das Wichtigste ist und was darum stets zuerst kommen soll. Und da ist Jesus eindeutig: Auf Gottes Wort zu hören hat in jedem Fall die höchste Priorität. Alles andere – auch die besten Taten oder der liebevollste Dienst – kommt danach.

Warum ist das so? Weil für Jesus und die ganze Schrift das Hören und dann Glauben von Gottes Wort die Wurzel des Tuns ist. Oder anders gesagt: Das Eine ist die Wurzel des Vielen. So erwächst erst aus dem Hören und Glauben von Gottes Wort ein wirklich verändertes Handeln.

Ich wünsche uns allen den Mut, dem Hören und Lesen von Gottes Wort die höchste Priorität zu geben. Und ich wünsche uns die nötige Zielstrebigkeit diesen Entschluss im Trubel des Alltags auch durchzuziehen!

Warum man Gottes Wort vertrauen kann

Welche Erfahrungen hast du so gemacht, wenn du mit anderen Menschen, die nicht an Jesus Christus glauben, über deinen Glauben gesprochen hast?

Manche finden das interessant, sie sind offen und stellen Fragen. Andere wiederum nehmen das mehr oder weniger gleichgültig zur Kenntnis. Aber es gibt auch Leute, die da sehr kritisch sind, den Glauben ablehnen und sich vielleicht sogar drüber lustig machen. Ich erinnere mich an eine Person, mit der ich schon vor vielen Jahren relativ häufig über Glauben gesprochen habe. Diese Person war da sehr kritisch und glaubte überhaupt nicht an die Existenz Gottes.

Ich wurde dann mit solchen Fragen getriezt, wie z.B. „Kann Gott, der doch allmächtig ist, einen so schweren Stein erschaffen, dass er ihn selbst nicht heben kann?“ Viele werden diese Frage wohl kennen. Heute könnte ich sicher eine bessere Antwort geben als früher, aber darum geht es mir an dieser Stelle nicht. Oft ist es ja auch so, dass die Leute den Gedanken, dass es einen Gott gibt, noch irgendwie mitgehen können – an so ein höheres Wesen glauben ja viele, aber wenn es dann um Jesus Christus geht, um seinen Tod am Kreuz zur Vergebung unserer Schuld, oder um seine Auferstehung oder um seinen Wiederkunft in Herrlichkeit, dann wird es oft schwierig und man stößt auf Widerstand. Denn viele Menschen halten diese Glaubensinhalte schlicht für nicht glaubhaft, ja für nicht wahr, sondern – ja – für Märchen und Erfindungen von Menschen.

Aber das ist nichts Neues, schon vor ca. 2000 Jahren war das so. Zur Zeit des 2Petr – geschrieben vermutlich Mitte der 60er des 1. Jahrhunderts, also über 30 Jahre nach dem Jesus gekreuzigt wurde, auferstand und zum Himmel gefahren ist – machten sich die Leute auch schon über die Christen lustig und fragten sie: „Ja wo bleibt denn nun euer Herr? Wo bleibt Jesus Christus, von dem ihr doch glaubt, dass er in Herrlichkeit wiederkommt? Jetzt ist das schon über 30 Jahre her und ihr wartet immer noch. Der hat euch wohl vergessen…“ Eine Frage, die sich heute natürlich noch viel dringender stellt.

Der Apostel Petrus schreibt in dieser Situation dann Folgendes:

16 Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.  17 Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.  18 Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.  19 Um so fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, daß ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.  20 Und das sollt ihr vor allem wissen, daß keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist.  21 Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet. (2Petrus 1,16-21)

Drei Punkte, die Petrus uns hier sagt über die Vertrauenswürdigkeit des Evangeliums, über der Vertrauenswürdigkeit von Gottes Wort.

Drei Punkte, die uns Mut machen sollen, diesem Wort unseres Gottes ganz zu vertrauen – und zwar nicht nur, indem wir verstandesmäßig zustimmen, sondern indem wir es praktisch tun.

  1. Gottes Wort ist wahr … weil es bezeugt durch die Apostel ist (V. 16-18)

Zur Zeit des 2Petr gab es also Leute, die die Wiederkunft Jesu in Herrlichkeit in Frage gestellt haben: „Jetzt wartet ihr schon so lange, wo bleibt der denn? Der kommt ja wohl gar nicht wieder. “

Und auch Christen hatten längst begonnen, daran zu zweifeln und haben sich gefragt: „Vielleicht kommt er wirklich nicht wieder, vielleicht haben wir uns tatsächlich getäuscht?“

Aber Petrus reagiert da ganz entschlossen drauf – er weiß, dass er bald sterben wird – und ihm ist wichtig, die Zuverlässigkeit dieser Botschaft nochmal glasklar deutlich zu machen. Und so sagt er ihnen: „Dass Jesus Christus in Herrlichkeit wiederkommt, das haben wir uns nicht selbst ausgedacht. Nein, wir als Apostel, wir waren Augenzeugen seiner Herrlichkeit – wir haben diese Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen. Wir können Jesu Wiederkunft in Herrlichkeit bezeugen!“

Petrus denkt hier an die sogenannte Verklärung Jesu, nachzulesen z.B. in Lk 9. Da nimmt Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit auf einen Berg und sie beten und es verändert sich dann das Aussehen Jesu, er strahlt voller Herrlichkeit und dann erscheinen noch Elia und Mose als die großen Glaubenshelden aus dem AT und schließlich spricht Gott: Das ist mein geliebter Sohn! Und Petrus ist so begeistert von diesem Ereignis, dass er gleich dableiben will! Er will Hütten bauen für Mose, Elia und Jesus – er will in dieser Herrlichkeit bleiben. Die Apostel haben in diesem Moment die ganze Herrlichkeit Jesu gesehen, sie waren Augenzeugen, sie waren live dabei.

Wir sehen hier einen ganz wichtigen Unterschied zwischen dem christlichen Glauben und irgendwelchen religiösen Mythen und Legenden: unser christlicher Glaube basiert auf Geschichte und realen Ereignissen. Er basiert auf Ereignissen, die sich tatsächlich von Menschen, von Augenzeugen beobachten ließen.

Auch Paulus sieht das so: „Wenn Christus nicht auferstanden ist, ist es sinnlos, dass wir das Evangelium verkünden, und sinnlos, dass ihr daran glaubt.“ (1Kor 15,14)

Christlicher Glaube ist an geschichtliche Ereignisse gebunden, an Tatsachen, die passiert sind, die sich von Augenzeugen beobachten ließen.

Nur warum ist ausgerechnet die Verklärung Jesu, die diese drei Apostel auf diesem Berg erlebt haben, ein Garant dafür, dass Jesus auch tatsächlich in Herrlichkeit wiederkommen wird? Warum meint Petrus, dass dieses Ereignis die Wiederkunft Jesu garantieren würde?

Petrus versteht diese Verklärung Jesu so, dass Gott seinen Sohn in diesem Moment als König eingesetzt hat, als König der am Ende der Zeit über die ganze Welt herrschen wird. Es passiert das, was in Psalm 2 verheißen wird. Dort heißt es: „´Gott spricht`: »Ich selbst habe meinen König eingesetzt hier auf dem Zion, meinem heiligen Berg“. Auch hier ist also davon die Rede, dass ein König eingesetzt wird. Und weiter spricht Gott auch in diesem Psalm zu dem eingesetzten König: „Du bist mein Sohn!“ Das läuft also parallel – Psalm 2 sagt voraus, was dann in der Verklärung Jesu geschieht: Gott setzt seinen Sohn als König über die Welt ein. Aber dann geht’s ja weiter noch in Psalm 2: „Ich gebe dir ´alle` Nationen zum Erbe, die Erde bis an ihr äußerstes Ende soll dein Besitz sein!“ – Gott verheißt seinem Sohn, den er als König eingesetzt hat, die sichtbare Herrschaft über die ganze Welt. Und das ist der Punkt: diese sichtbare Herrschaft ist ja noch nicht da – Jesus herrscht noch nicht sichtbar über die ganze Welt, sondern erst dann wenn er wiederkommt.

Petrus meint also: wenn ein Teil dieses Psalms schon erfüllt wurde, als nämlich der Sohn Gottes von Gott in diese Rolle als König über die ganze Welt eingesetzt wurde bei der Verklärung auf dem Berge wo auch die Apostel anwesend waren, dann wird auch garantiert der Rest dieser Voraussage erfüllt werden. Dann wird Jesus Christus auch garantiert diese Rolle, in die er schon eingesetzt wurde, auch ausüben, dann wird er ganz sicher auch in Herrlichkeit wiederkommen und seine sichtbare Herrschaft über die ganze Welt ausüben.

In diesem Ereignis auf dem Berg, bei der Verklärung Jesu, da hat etwas begonnen, dass eine Fortsetzung nötig macht: von dem was da begonnen hat, steht noch etwas aus.

Und darum ist es so gut und wichtig und Mut machend, dass es Augenzeugen gab von diesem Ereignis. Gott hat das nicht einfach irgendwo in den himmlischen Sphären gemacht, wo das kein Mensch mitkriegt, sondern in der Gegenwart von drei menschlichen Augenzeugen.

Gott, der Schöpfer von Himmel und Erde, handelt in der Gegenwart von Augenzeugen – er lässt sich dabei beobachten, er lässt sein Handeln von Menschen bestätigen. Das ist ein Prinzip, das wir ja aus dem alltäglichen Leben kennen. Auch dort haben Augenzeugen eine ganz wichtige Funktion: Bei der Aufklärung von Verbrechen, von Katastrophen oder Unfällen. Stets werden Augenzeugen gesucht, Leute die beschreiben können, was sie gesehen haben und was passiert ist. Und wenn man dann mehrere Augenzeugen hat und die übereinstimmen in ihrer Beschreibung, dann kann man davon ausgehen, dass das wirklich stimmt, dass das wirklich so passiert ist, wie sie es beschrieben haben.

Deshalb ist es so gut für uns, so ermutigend für uns, dass es auch Augenzeugen für die Ereignisse gibt, auf denen unser Glaube ruht

Das wird übrigens auch an anderen Stellen der Bibel erzählt: z.B. am Anfang vom Lk schreibt Lukas, wie er methodisch gearbeitet hat, wie er sein Evangelium zusammengetragen hat und er erwähnt, dass er Augenzeugen befragt hat: sie befragt hat, was sie von Jesu Leben gesehen haben, was er getan hat, was er gesagt hat

Oder Paulus schreibt in 1Kor, dass Jesus nach seiner Auferstehung von über 500 Menschen gesehen wurde. Auch für Jesu Auferstehung gibt es also jede Menge Augenzeugen.

Darum haben wir gute Gründe auf das zu vertrauen, was wir in der Bibel lesen. Es sind keine Märchen, die dort aufgeschrieben sind. Das haben sich nicht clevere Theologen ausgedacht, sondern es gibt Augenzeugen! Gerade für die Schlüsselereignisse vom Leben Jesu – da stützen sich die Evangelisten auf Augenzeugen oder waren sogar selbst welche. Und darum möchte ich uns herausfordern, dem Wort Gottes, der Schrift zu vertrauen – in allen ihren Aussagen. Man kann natürlich sagen: Ja, ich glaube, was in der Bibel steht, ich halte für das richtig, ich vertraue Gottes Wort – und dieser Entschluss der ist auf jeden Fall wichtig und notwendig. Aber echtes Vertrauen zeigt sich nicht, in dem ich nur mit meinem Verstand irgendwelchen Aussagen zustimme, sondern erst in der Praxis.

Es zeigt sich dann, wenn ich Gottes Wort auch umsetze. Wenn ich das tue, was da drin steht und vor allem wenn ich dann auch das tue, was meinem normalen Menschenverstand widerspricht oder was mich zunächst einschränkt oder was mir nicht gefällt. Wenn ich dann trotzdem so handle, wie es Gottes Wort mir sagt, dann zeig ich echtes Vertrauen, weil ich mich darauf verlasse, dass das gut für mich ist, was Gottes Wort von mir fordert. Z.B. dann wenn Gottes Wort Verzicht von mir fordert: Verzicht auf Rache z.B., oder Verzicht auf einen Teil meines Geldes, Verzicht darauf sich manchen Wunsch zu erfüllen, manchem Verlangen nachzugeben usw. In der Praxis der konkreten Umsetzung von Gottes Wort, da zeigt sich echtes Vertrauen!

Und dazu möchte ich herausfordern: Denn Gottes Wort ist zuverlässig, Gottes Wort ist wahr: was es uns lehrt, ist bezeugt durch die Apostel, durch richtige Augenzeugen!

  1. Gottes Wort ist wahr … weil es sichere Voraussagen macht (V. 19)

Dadurch wissen wir nun erst recht, dass die Botschaft des prophetischen Wortes zuverlässig ist.“

Mit dem prophetischen Wort ist an dieser Stelle das ganze Alte Testament gemeint, es ist einfach ein anderer Ausdruck für die „Schrift“, weil nach damaligem Verständnis die ganze Schrift eben auch prophetischen Charakter hat. Gerade haben wir gesehen, dass bei der Verklärung Jesu ein Teil von Psalm 2, also ein Teil der Schrift, ein Teil des prophetischen Wortes, Realität wurde. Wenn schon ein Teil erfüllt wurde – so läuft das Argument hier – dann können wir umso sicherer sein, dass auch der Rest erfüllt werden wird.

Es gibt ja so Menschen, die sind sehr zuverlässig – wenn die sagen, dass sie zu einem Termin kommen oder dass sie dies und das machen, dann weiß man, dass man sich darauf hundertprozentig verlassen kann. Andererseits gibt es auch Menschen bei denen ist das ganz anders: sie sagen zwar oft zu Terminen zu, aber man wartet dann vergeblich – sie halten die Termin nicht ein, sie sind eben unzuverlässig. Jetzt nehmen wir mal an, dass wir uns verabredet haben mit einem dieser sehr zuverlässigen Menschen und einem sehr unzuverlässigen Menschen. Doch dann – fünf Minuten später als verabredet ist noch keiner von beiden da. Was denken wir nun über beide?

Über den unzuverlässigen Menschen denken wir vermutlich: „Der kommt eh nicht, der hat es wieder vergessen, das ist ja typisch, kein Verlass!“ Über den zuverlässigen Menschen werden wir sicher ganz anders denken: „Der kommt noch. Da ist bestimmt was passiert, was dazwischengekommen, der ist sicher gleich da.“ Und auch nach 20 Minuten, wenn der zuverlässige Mensch noch immer nicht da ist, bin ich mir doch sicher, dass wir noch immer fest damit rechnen, dass er jeden Moment da sein wird…

Und warum? Ganz einfach, weil wir es erlebt haben! Weil wir sooft die Erfahrung gemacht haben: dieser Mensch ist zuverlässig! Was der sagt, das hält er auch ein!

Und so ist es eben auch mit Gottes Wort: Gottes Wort ist wahr, es ist zuverlässig. Und woher wissen wird das? Eben weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass es sichere Voraussagen macht. Dass das eintrifft, was Gottes Wort sagt – so wie eben bei der Verklärung Jesu schon ein Teil erfüllt wurde. Und wenn da schon ein Teil erfüllt wurde, dann können wir umso sicherer sein, dass auch der Rest erfüllt werden wird.

Darum sollen wir Gottes Wort leben, ausleben, es soll unser Herz, das dunkel ist erleuchten. Denn unser Herz ist von Natur aus dunkel, es ist finster darin. Jesus sagt das einmal so: „aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Aussagen, Verleumdungen. 20 Das ist es, was den Menschen in Gottes Augen unrein macht“ (Mt 15,19)

Das ist es, was dunkel ist in unserem Herzen und darum brauchen wir Licht. Und das Wort Gottes gibt uns Licht, es zeigt uns, was verkehrt läuft bei uns und wie wir damit umgehen sollen. Und das Wort Gottes sagt uns, dass wir mit unserer Sünde, mit unseren Bösen Gedanken nicht vor einem heiligen, gerechten Gott bestehen können – wir sind dann vor ihm unrein, dreckig, schmutzig – und er ist absolut rein und das beißt sich total und geht nicht zusammen. Und dann sagt uns Gottes Wort, dass Jesus Christus es ist, der uns rein macht, wenn wir zu ihm umkehren und ihm unsere Schuld bekennen.

Und wenn wir das machen, wenn hier an die Botschaft der Bibel glauben – und Petrus zeigt uns ja, dass wir gute Gründe dafür haben, dann wird uns zugesagt, dass wir Jesus Christus in seiner ganzen Herrlichkeit sehen werden – genau wie die Apostel bei der Verklärung: „Haltet euch an diese Botschaft, bis der Tag anbricht und das Licht des Morgensterns – damit ist Jesus Christus gemeint – es in euren Herzen hell werden lässt.“

Wenn du darauf vertraust, was die Bibel über Jesus Christus sagt und du dein Vertrauen selbst auf Jesus setzt – dann wirst du seine Wiederkunft in Herrlichkeit erleben, du wirst ihn selbst in Herrlichkeit sehen und es wird dich verändern, es wird in deinem dunklen Herzen hell werden!

  1. Gottes Wort ist wahr … weil es durch den Heiligen Geist inspiriert ist (V. 20-21)

Petrus muss sich noch mit einem anderen Vorwurf auseinandersetzen, mit einem Vorwurf, der überhaupt nichts an Aktualität verloren hat und den wir auch heute noch kennen. „Das, was in der Bibel steht, das haben sich doch nur Menschen ausgedacht. Das ist noch nur das Produkt ihrer Fantasie und einer gewissen religiösen Erfahrung. “Und das ist eine Ansicht, die heutzutage sehr verbreitet ist, die auch viele Theologen und auch manche Christen so oder ähnlich vertreten – aber sie ist nicht biblisch! Petrus schreibt hier: „In diesem Zusammenhang ist es von größter Wichtigkeit, dass ihr Folgendes bedenkt: Keine einzige prophetische Aussage der Schrift ist das Ergebnis eigenmächtiger Überlegungen des jeweiligen Propheten. Anders gesagt: Keine Prophetie hat je ihren Ursprung im Willen eines Menschen gehabt. Vielmehr haben Menschen, vom Heiligen Geist geleitet, im Auftrag Gottes geredet. Das was in der Schrift steht, alles was in diesem Buch hier steht, ist im Auftrag Gottes geschrieben, es ist vom Heiligen Geist offenbart worden. Die Menschen, die diese Schriften verfasst haben, sind vom Heiligen Geist inspiriert worden. Wohlgemerkt nicht so, dass Gott ihre Persönlichkeit ausgeschaltet hätte und ihnen mechanisch Wort für Wort diktiert hätte. Nein, Gott hat durch seinen Heiligen Geist die Verfasser der Bibel dazu befähigt, dass sie unter Verwendung ihrer eigenen Persönlichkeit seine Offenbarung, Gottes Offenbarung zuverlässig und fehlerfrei aufschreiben konnten. Bei der Bibel haben wir es also immer mit einem menschlichen Autor, aber natürlich auch immer mit Gott selbst als Autor zu tun. Beides gehört zusammen und darf nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Weil das so ist können wir Gottes Wort bedingungslos vertrauen. Wir können dem Glauben schenken was darin steht. Unser christlicher Glaube basiert eben nicht auf Märchen, nicht auf frommen Legenden, nicht auf klugen Gedankengebäuden. Nein, wir haben hier gesehen: es gab Augenzeugen, die Jesu Herrlichkeit selbst gesehen haben, die selbst gesehen haben, wie er in diese Rolle als König, der über die ganze Welt herrschen soll eingesetzt wurde. Und wir haben verstanden, wie damit ein Teil des AT erfüllt wurde, so dass wir sicher sein können, dass auch der Rest der Schrift erfüllt wird und Jesus ganz sicher in Herrlichkeit wiederkommt und seine Rolle als König über die ganze Welt dann auch ausfüllt.

Und Petrus sagt auch ganz deutlich: Das, was wir in der Schrift lesen, sind auch keine Erfindungen von Menschen, sondern Menschen haben unter der Inspiration von Gottes Geist die Bibel verfasst, so dass die Bibel zurecht als Gottes Wort bezeichnet wird.

Ich wünsche mir, dass uns das Mut macht und dass das unser Vertrauen stärkt. Dass wir neuen Mut bekommen, unser ganzes Leben, alle Bereiche unseres Lebens, dem Jesus Christus anzuvertrauen, von dem die Bibel berichtet. Und dass wir dann auch Mut haben, echtes Vertrauen zur Schrift zu leben, in dem wir das, was Gottes Wort von uns fordert auch umsetzen. Dass wir es auch dann umsetzen, wenn es uns unangenehm ist, wenn wir von unserem menschlichen Denken her, meinen, dass es anders besser sein müsste. Denn dann, wenn ich dann trotzdem so handle, wie Gottes Wort es sagt, dann praktiziere ich echtes Vertrauen!

Und dazu möchte ich dich herausfordern: Gibt es etwas, was du aus der Bibel weißt, was du tun solltest oder nicht tun solltest – aber wo du trotzdem anders handelst, weil du es einfach nicht tun willst oder nicht wirklich glaubst, dass es gut so wäre, wie Gottes Wort es sagt?

Denk darüber mal und dann tu es am besten trotzdem mal! Auch wenn sich bei dir selbst da einiges gegen sträubt – tu es trotzdem im Vertrauen darauf, dass Gottes Wort wahr ist!

Geld strategisch einsetzen

Eins der schwierigsten Gleichnisse, die Jesus erzählt, finden wir in Lukas 16,1-8. Es ist das Gleichnis vom „unehrlichen Verwalter“. Und auch dieses Gleichnis lehrt uns etwas Wichtiges darüber, wie wir als Christen mit Geld umgehen sollen. Kurzgesagt: wir sollen uns nicht davon einfach fernhalten, sondern es strategisch und durchdacht einsetzen.

Aber schauen wir zunächst näher auf das Gleichnis. Jesus erzählt hier von einem Verwalter, quasi einem Manager, der für einen reichen Mann einen Teil seines Besitzes verwaltete. Vermutlich wohnte dieser einfach zu weit weg oder hatte andere Dinge zu tun. Solche Verwalter hatten damals große Freiheiten: sie konnten mit dem Besitz wirtschaften, Geld verleihen, Land verpachten uvm. Und natürlich konnten sie auch selbst gut daran verdienen. Solange sie das treu und erfolgreich machen und der Profit für den Eigentümer stimmte, war alles in Ordnung.

Eines Tages bekommt der reiche Mann im Gleichnis Informationen darüber, dass sein Verwalter in irgendeiner Form – das wird hier offen gelassen – untreu gehandelt hat. Er lässt ihn rufen, stellt ihn zur Rede, der Verwalter kann die Vorwürfe offensichtlich nicht ausräumen, er ist wahrscheinlich tatsächlich schuldig und so wird der Verwalter gefeuert. Er hat allerdings noch einige Tage Zeit, bis die Kündigung wirksam wird. Und der Verwalter fragt sich: „Was soll ich tun? In wenigen Tagen bin ich arbeitslos, ich weiß nicht mehr wovon ich leben soll, ich will keine harte Arbeit annehmen und betteln will ich auch nicht. Womit soll ich dann in Zukunft meinen Lebensunterhalt verdienen?“ Ziemlich schnell hatte der durchtriebene Verwalter einen raffinierten Plan: „Ich weiß, was ich tun werde: ich muss meine jetzige Stellung noch ausnutzen und mir Freunde verschaffen, die mich aufnehmen, sobald ich meinen Schreibtisch hier endgültig räumen muss!“

Nacheinander ruft er nun alle Schuldner zu sich und erkauft mit seiner Großzügigkeit ihre Dankbarkeit. Er fragt sie nach ihrer Schuld, und wenn sie dann kleinlaut die immense Summe nannten, dann erließ er ihnen willkürlich und überhaupt nicht nachvollziehbar einen erheblichen Teil davon.

Aber passiert hier wirklich das, was man auf den ersten Blick denkt? Reduziert hier der Verwalter tatsächlich die Schulden der Schuldner, um sich beliebt zu machen? Tut er das einfach so – obwohl es zum Schaden seines Herrn ist, für den er ja nur noch kurze Zeit tätig ist? Das nennt man doch Betrug! Passiert hier also wirklich ein Betrug und wie kann das sein, dass Jesus dann dieses Verhalten lobt? Oder müssen wir das irgendwie anders verstehen?

In der Auslegungsgeschichte dieses Gleichnisses sind tatsächlich immer wieder auch andere Erklärungsmöglichkeiten vorgeschlagen worden, um dem Gleichnis diese Anstößigkeit zu nehmen, dass Jesus hier ein betrügerisches Verhalten lobt. Manche haben vorgeschlagen, dass der Verwalter ursprünglich einen viel zu hohen Zinssatz genommen hat und dass er diesen nun auf ein faires Maß reduziert. Andere haben angenommen, dass der Verwalter die Schulden hier reduzieren kann, weil er auf seinen Anteil, der ihm als Provision sozusagen zustand, verzichtete. Mich überzeugt das alles nicht. Nein, dieser Verwalter tut genau das, wonach es aussieht: Er betrügt seinen Herrn, der ihn entlassen hat, indem er die Schulden der Schuldner drastisch reduziert, damit er deren Wohlwollen gewinnt! Er tut das, weil er sich für die Zukunft erhofft, dass sie ihm dankbar sind, dass sie sich bei ihm revanchieren, wenn er ohne Arbeit ist. Und Jesus lobt dieses Verhalten auch noch!

Warum? Wie kann das sein?

Wir müssen bedenken, dass Gleichnisse immer einen Vergleichspunkt haben. Nicht aus jeder Kleinigkeit so einer Beispielgeschichte darf man eine Anwendung für uns ableiten wollen. Nein, es gibt immer einen Vergleichspunkt, eine Sache also, die Jesus ganz deutlich machen will. Und das ist hier nicht der Betrug, sondern das ist die kluge Vorausschau des Verwalters. Er wusste, dass er bald seinen Job verlieren würde und dann mittellos dastehen würde. Deshalb verwendet er solange es geht die Ressourcen seines Herrn um sich Freunde zu machen, die ihn später mit Freuden in ihre Häuser „aufnehmen“ würden.

Jesus verdeutlicht das durch seine Worte in V. 8b: „Die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.“ Jesus stellt die Ungläubigen (die Kinder dieser Welt) den Christen (Kinder des Lichts) gegenüber. Und er sagt quasi: „wenn’s ums liebe Geld geht, dann stellen sich die Ungläubigen, die die gar keine moralischen Maßstäbe kennen, wirklich sehr geschickt an – von denen könnt ihr euch noch eine Scheibe abschneiden und viel von ihnen lernen!“ Wohlgemerkt: natürlich nicht von ihrem Sinn für Betrügereien, wohl aber von ihren klaren Sicht auf die eigene Zukunft und ihrem großen Einsatz für ihre eigene Zukunft. Dass sie nämlich ganz entschlossen ist – koste es, was es wolle – das Beste für sich rauszuholen! Jesus meint also: Wenn’s ums Geld geht, wenn’s um den eigenen Vorteil geht, haben die Ungläubigen ihre Zukunft fest im Blick und geben alles dafür, um ihre Zukunft positiv zu gestalten. Und Jesus wählt dieses drastische Beispiel, was aufhorchen lässt, auch gerade deshalb um die Lektion für uns als Jünger Jesu umso deutlicher zu machen: Auch ihr als Christen sollt eure Zukunft im Blick haben, ihr sollt die Ewigkeit im Blick haben.

Jesus fordert also nicht dazu auf, dass sich Christen vom Geld („dem ungerechten Mammon“) fernhalten sollen (das geht auch sowieso nicht), sondern dass wir es strategisch einsetzen können. Oder anders formuliert: Geld kann für Christen ein nützliches Werkzeug sein. Und Jesus möchte, dass wir das Geld das uns anvertraut ist, als solches klug benutzen – quasi bevor unsere Dienstzeit auf Erden zu Ende ist.

Daraus ergeben sich einige persönliche Fragen:

  • Habe ich meine Zukunft – und Jesus meint damit nicht unser Rentenalter, sondern die Ewigkeit – klar im Blick?
  • Was könnte mir helfen, damit ich meinen Alltag mit einer stärker ausgeprägten Ewigkeitsperspektive lebe?
  • Machst du dir Gedanken darüber, wie du deine finanziellen Mittel nutzt – und wenn ja, kommen Gott, Glaube und Ewigkeit in deinen Überlegungen vor?
  • Wie kann ich das, was Gott mir finanziell anvertraut hat, strategisch (im Hinblick auf die Ewigkeit) nutzen?
  • „Freunde machen mit dem ungerechten Mammon“ heißt es in V. 9. Was kann das praktisch bedeuten?
  • Und zum Weiterdenken: Was bedeutet es eigentlich, dass vor dem Gleichnis vom „unehrlichen Verwalter“ das berühmte Gleichnis vom „verlorenen Sohn“ steht?

Anmerkung: Dies ist der dritte Beitrag zum Thema „Geld und Glaube“. Hier findest du den einführenen Beitrag und hier den zweiten Beitrag zum Thema „Klug investieren.“