Predigt: Zum Lob Gottes bestimmt

„In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt, nach dem Ratschluss seines Willens, damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit leben, die wir zuvor auf Christus gehofft haben. In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist,  welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.“ (Eph 1,11-14)

Warum hat Gott uns eigentlich zu seinem Erbteil und Eigentum gemacht? Was hat er sich dabei gedacht? Was war seine Motivation?

Weil wir im Lob Gottes unserer Bestimmung folgen. Schauen wir z.B. auf Eph 1,5-6: „Er hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein (…), zum Lob seiner herrlichen Gnade. Ganz ähnlich in Eph 1,12, wo es heißt, dass er uns zu seinem Erbteil gemacht – und zwar „zum Lob seiner Herrlichkeit“ Und abschließend in Eph 1,14 heißt es, dass Gott das Volk, das sein Besitz ist, eines Tages „zum Lob seiner Herrlichkeit“ endgültig erlösen wird. Der Gedanke ist also, dass Gott alles mögliche zu unserer Erlösung tut, alles mögliche Gute für uns tut, damit wir Grund haben, Gott zu loben. Aber nicht, weil Gott das Lob bräuchte und ohne unser Lob nicht glücklich wäre oder so. Sondern weil wir als Menschen zum Lob Gottes, zu seiner Ehre, geschaffen sind. Das ist der ultimative Grund, warum ein Leben zum Lob Gottes so erstrebenswert ist. Eben nicht nur, weil Lob die angemessene Reaktion auf Gottes gute Gaben sind. Sondern, weil wir im Lob Gottes unserer Bestimmung folgen, für die wir geschaffen, ja konstruiert sind.

Um Sinn und Erfüllung im Leben zu finden, suchen die meisten Menschen am falschen Ende – nämlich bei sich selbst. Sie stellen sich Fragen, die sich um sie selbst drehen. Was will ich werden? Was soll ich aus meinem Leben machen? Wie sehen meine Ziele und Träume aus? Aber solange wir nur um uns selbst kreisen, werden wir Sinn und Erfüllung nie finden. Es ist wie mit jemanden, der sich den Bergen verirrt und sich nach dem Weg zum Ort seiner Ferienwohnung erkundigt. Ihm wird man sagen: „Sie kommen da von hier aus nicht hin – Sie müssen auf der anderen Seite des Berges anfangen!“ Genauso wenig können wir Sinn und Erfüllung in unserem Leben finden, wenn wir uns nur auf uns selbst und unsere Dinge konzentrieren. Denn wir sind für etwas anderes geschaffen, wir sind zum Lob Gottes bestimmt. Gott hat uns erlöst – damit wir seine Güte und Liebe erkennen – und in das Lob Gottes hineinfinden und darin Sinn und Erfüllung für uns finden – ist das nicht großartig? Aber genau so ist es: Gott hat uns erlöst – damit wir seine Güte und Liebe erkennen – und in das Lob Gottes hineinfinden und darin Sinn und Erfüllung für uns finden. Er handelt, damit wir zu unserem Wohl, in das Lob für ihn hineinfinden.

Hier kannst du die ganze Predigt „Zum Lob Gottes bestimmt“ nachhören.

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Predigt: Durch sein Blut erlöst

„In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade (Eph 1,7)

„Nach dem Reichtum seiner Gnade“ – was heißt das? Denken wir an einen Multimillionär, einen sympathischen, spendablen Multimillionär mit einem großen Herz. Immer wieder kommen Leute zu ihm, die in Not sind und er hilft ihnen gerne und gibt ihnen Geld, um ihre Notlage zu beseitigen. Dem einen vielleicht 100 Euro, manchem auch 2.000 Euro – je nach dem. Gewiss eine echte Hilfe und doch für diesen reichen Mann zu verschmerzen. Er gibt diesen bedürftigen Menschen ja lediglich einen kleinen Teil von dem Reichtum seines Vermögens.

Was würde es aber bedeuten, wenn er diesen nach dem Reichtum seines Vermögens geben würde? Nach seinem Reichtum? Gemäß seines Reichtums? Entsprechend seines Reichtums? Es würde vielleicht bedeuten, dass er jemandem nicht nur mit 500 Euro aus der gröbsten Not heraushilft, sondern ihm eine große Villa schenkt – etwas was seinem Reichtum wirklich entspricht und damit er leben kann wie er. Das ist der Unterschied!

Wenn es hier also heißt, dass Gott uns nach dem Reichtum seiner Gnade beschenkt, dann bedeutet das, dass er uns mit dem grenzenlosen Reichtum seiner Gnade beschenkt. Erlösung heißt nicht also nur, dass wir losgekauft sind aus der Macht der Finsternis. Erlösung bedeutet auch nicht nur, dass uns volle Sündenvergebung geschenkt ist. Es bedeutet, dass wir Gott uns nun auf ewig hin freundlich zugewandt ist, uns seine Gunst gilt. Es heißt, dass er uns mit Güte und Liebe behandelt und seine Gnade überreich überaus ausschüttet. Denn Gott gibt uns nicht nur eine Kleinigkeit von dem Reichtum seiner Gnade“, sondern nach dem Reichtum seiner Gnade“

Das alles gilt dir, wenn du persönlich zu Jesus Christus gehörst. Ist das so bei dir? Gehörst du zu ihm?

Wir gehören ja nicht einfach zu Christus, nur weil wir dem Namen nach Christen sind. Weil wir getauft, gefirmt, christlich erzogen sind.Weil wir im [noch] christlichen Abendland leben, weil wir manchmal den Gottesdienst besuchen. Nein!

Die entscheidende Frage ist: Hast du diesen persönlichen Glauben an Jesus Christus? Glaubst du, dass er der Sohn Gottes ist, der dich durch seinen Tod mit Gott versöhnt hat? Glaubst du, dass er auferweckt wurde und jetzt der Herr der Welt ist? Und willst du dein Leben ganz unter seine Herrschaft stellen?

Hier kannst du die ganze Predigt „Durch sein Blut erlöst“ nachhören.

Predigt: Vor Beginn der Welt geliebt

Ich habe am vergangenen Sonntag eine neue Predigtreihe in meiner Gemeinde begonnen. Was ich mir schon lange mal vorgenommen hatte, setze ich nun endlich mal um: ich predige über das wunderbare Kapitel 1 des Epheserbriefs.

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Hier haben wir einmal ein gewaltiges Lob Gottes (1,3-14) und sogleich ein Gebet von Paulus für seine Leser (1,15-23). Dabei beleuchtet Paulus tiefgehende, schwerwiegende Themen, wie z.B. die Erwählung. Was mich an diesem Text aber vor allem gefällt, ist diese Begeisterung des Paulus über Gottes große Taten, die einem aus jeder Zeile entgegenspringt. Ja, Paulus, der bei Abfassung des Epheserbriefs wohl im Gefängnis saß, ist außer sich vor Freude, wenn er darüber nachsinnt, wie Gott uns in Christus reich gesegnet hat.

In der ersten Predigt unter dem Titel „Vor Beginn der Welt geliebt“ über Eph 1,3-6 ging es gleich um das Thema Erwählung:

Wie sollen wir uns diese Erwählung Gottes vorstellen?

Zunächst als eine bewusste Wahl. Es war eine Wahl, die von Gott nicht ins Ungewisse hinein getroffen wurde, so wie z.B. jemand seine Hand in einen Beutel steckt, um ohne etwas zu sehen oder zu wissen, ein Los zu ziehen. Es ist auch keine Zufallswahl gewesen, so wie ein Zufallsgenerator zufällig, ohne jedes persönliche Interesse, einfach irgendeine Wahl trifft. Nein, als Gott Menschen erwählte, hatte er jeden einzelnen Menschen vor Augen, er kannte und wusste schon alles. Als Gott Menschen erwählte, war es für ihn eine bewusste Wahl mit echtem persönlichem Interesse.

Dann war es außerdem eine definitive Wahl, d.h. eine bindende Entscheidung. Gott hat in seiner Wahl also etwas entschieden, was definitive, klare Auswirkungen hat. Das ist zwar schwer vorstellbar – ja es sprengt unser Hirn – aber doch das, was die Bibel deutlich aussagt.

Und außerdem – und das ist wohl das Wichtigste – die Erwählung durch Gott ist eine unverdiente Wahl aus Liebe. Es ist eine unveränderliche Entscheidung, die gänzlich der Gnade und Liebe Gottes entsprang. Gott erwählte uns nämlich, „dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten“, was bedeutet, dass wir, als er uns erwählte, unheilig und tadelnswert waren. Das bedeutet, dass Gott in keiner Weise verpflichtet war, überhaupt irgendeinen Menschen zu erwählen und dadurch zu retten. Für uns ist dieser Gedanke, dass Gott gnädig ist und sich unserer erbarmt, dass er uns vergibt, rettet etc. manchmal schon so selbstverständlich geworden, dass wir uns darüber gar nicht mehr wundern. Möglicherweise denken wir sogar, dass es selbstverständlich oder gar eine Pflicht Gottes ist, so gnädig mit uns umzugehen. Nein, Gott war in keiner Weise verpflichtet auch nur einen einzigen Menschen zum Heil zu erwählen, das war alles überhaupt nicht zwingend. Dass er es dennoch tat, unterstreicht seine große Gnade und Liebe. Wenn Gott hier nicht die Initiative ergriffen hätte, würde niemand ewiges Leben zuteil. Und so ist im Grunde die schwierige Frage nicht die, die viele bei diesem Thema stellen „Warum erwählte Gott manche Menschen nicht?“, sondern vielmehr „Warum erwählte er überhaupt welche?“ Denn dass er das tat, das ist das große Wunder! Dass er das tat, das ist der Grund, warum Gott hier gepriesen wird!

Wenn du die ganze Predigt hören willst, kannst du das hier tun.

Jona: wie Gott mit seiner Widerspenstigkeit umgeht

Die Geschichte des Propheten Jona dürfte den meisten in den groben Zügen bekannt sein. Nachdem Gott ihm den Auftrag gab nach Ninive zum Predigen zugehen – ein Auftrag, der ihm ganz und gar nicht gefiel – versuchte Jona vor Gott zu fliehen. Wie geht Gott nun mit seinem widerspenstigen Propheten um?

Jona 1 schildert uns, wie das Schiff, das Jona zur Fahrt nach Tarsis bestiegen hatte, in einen sehr schweren Sturm gerät (Jona 1,4). Das Unwetter war so schlimm, dass die Schiffsbesatzung um ihr Leben fürchtete. In ihrer Not beteten sie alle – es war eine heidnische Besatzung – zu ihren unterschiedlichen Göttern (Jona 1,5) und forderten schließlich auch Jona auf, dies zu tun (Jona 1,6).  In diesem Zusammenhang gibt nun Jona – mehr gezwungen als freiwillig – Zeugnis für seinen Glauben an den Gott, der Himmel und Erde gemacht hat (Jona 1,9) und am Ende der Ereignisse kommen die Schiffsleute tatsächlich zum Glauben an den lebendigen Gott und bringen ihm Opfer dar (Jona 1,16).

Es ist schon sehr ironisch, wie Gott hier in seiner Souveränität die Geschicke lenkt. Da ist dieser widerspenstige Prophet, der die Heiden wohl verachtete und ihnen deshhlab nicht Gottes Botschaft bringen, sondern sie stattdessen dem Gericht Gottes überlassen wollte. Gerade er findet sich auf seiner Flucht unter Heiden wider. Und die Ereignisse entwickeln sich so, dass plötzlich sie ihn nach seinem Glauben fragen, den lebendigen Gott erleben und zum Glauben an ihn finden. Jona, der sich ja weigerte ein Prophet für die Heiden zu werden, wird hier unfreiwillig zum Werkzeug Gottes, um die Heiden zu erreichen. Er tut hier unfreiwillig genau das, was er bezüglich der Einwohner von Ninive um jeden Preis der Welt vermeiden wollte.

Was lernen wir hieraus? Einerseits, dass Gott in seiner Souveränität und Allmacht seine Ziele stets erreicht. Er lässt sich durch nichts und niemanden hindern. Es ist ein großer Trost zu wissen, dass wir es mit einem allmächtigen und souveränen Gott zu tun haben. Andererseits, dass wir klug beraten sind Gottes Wege bereitwillig und mit Freude mitzugehen. Das erspart uns Erziehungsmaßnahmen Gottes und mehrt unseren Lohn.

Jona: zwei Aufträge Gottes – zwei Reaktionen

Der Prophet Jona ist dafür bekannt, dass er vor dem Auftrag Gottes zu flüchten versuchte (vgl. Jona 1,1-3). Weniger bekannt ist, dass er in einer anderen Situation dem Auftrag Gottes klar nachkam und die Botschaft Gottes an den Mann brachte. Wir lesen davon in 2Könige 14,23-25: „Im fünfzehnten Jahr Amazjas, des Sohnes des Joasch, des Königs von Juda, wurde Jerobeam, der Sohn des Joasch, König über Israel und regierte zu Samaria einundvierzig Jahre. Und er tat, was dem HERRN mißfiel, und ließ nicht ab von allen Sünden Jerobeams, des Sohnes Nebats, der Israel sündigen machte. Er stellte wieder her das Gebiet Israels von Hamat bis ans Salzmeer nach dem Wort des HERRN, des Gottes Israels, das er geredet hatte durch seinen Knecht Jona, den Sohn Amittais, den Propheten, der von Gat-Hefer war. „

Warum ist Jona in der einen Situation treu, während er in der anderen Situation vor dem Auftrag Gottes zu flüchten versuchte?

Die Antwort liegt auf der Hand: Zu verkündigen, dass Israel verlorengegangenes Gebiet wieder zurückerobern würde (wie in 2Kön 14), war eine positive Botschaft, eine Botschaft die Jona mehr behagte und damit natürlich ein Auftrag ganz nach seinem Geschmack. Nach Ninive zu den gefürchteten Assyrern zu gehen und sie vor dem Gericht Gottes zu warnen, gefiel ihm dagegen überhaupt nicht. Er hatte nicht nur – was verständlich ist – Angst diesen Auftrag auszuführen, sondern er wünschte sich eben auch, dass die Bewohner Ninives nicht vor dem Gericht gewarnt würden, damit sie tatsächlich gerichtet werden (vgl. Jon 4,1-2).

An diesen beiden unterschiedlichen Reaktionen auf zwei verschiedene Aufträge Gottes wird eins deutlich: Wie wir auf Gottes Anordnungen reagieren – ob wir mit Freude folgen, ob wir missmutig folgen oder gar nicht folgen – offenbart den geistlichen Zustand unseres Herzens. Dabei gilt: je herausfordernder Gottes Wort an uns, desto deutlicher tritt ans Licht, dass und wo wir noch Veränderung brauchen.

Sind Zweifel etwas Gutes oder Teuflisches?

Was Zweifel angeht – und damit meine ich in diesem Beitrag nicht Selbstzweifel oder ähnliches, sondern Glaubenszweifel – so begegnen mir immer wieder zwei Extreme. Da sind die einen – besonders unter sogenannten Postevangelikalen  zu finden – die den Zweifel glorifizieren. Zweifel gehören nach dieser Sicht fest zum Glauben dazu. Ja, dem der keine Zweifel erlebt, wird sogar unterstellt, dass er einen verstaubten und letztendlich toten Glauben hat. Denn es seien angeblich die Zweifel, die den Glauben erst lebendig machten. Manchmal scheint es gar so, als seien Zweifel der Glauben selbst…

Dann gibt es die andere Fraktion: Diejenigen, die jeden Zweifel verteufeln. Nach dieser Sicht darf es Zweifel eigentlich gar nicht geben. Und so werden sie geleugnet und man darf auf gar keinen Fall über sie sprechen.

Zweifel sollen überwunden werden

Beide Extreme halte ich für falsch. Zur ersten Sicht ist zu sagen, dass Jesus stets das feste Vertrauen auf ihn lobt, niemals den Zweifel. (Z.B. in Bezug auf den Hauptmann von Kapernaum: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!“ (Mt 8,10)) Zweifel an sich sind kein Wert. Nein, sie sollen überwunden werden und dem festen Glauben weichen. So schreibt Paulus z.B.: Tut alles ohne Murren und ohne Zweifel15 damit ihr ohne Tadel und lauter seid, Gottes Kinder, ohne Makel mitten unter einem verdorbenen und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr scheint als Lichter in der Welt,  16 dadurch daß ihr festhaltet am Wort des Lebens, mir zum Ruhm an dem Tage Christi, so daß ich nicht vergeblich gelaufen bin noch vergeblich gearbeitet habe.“ (Phil 2,14-16)

Bei der zweiten Sicht ist problematisch, dass man gar nicht lernt, mit Zweifeln umzugehen. Durch bloßes Leugnen und Verdrängen verschwinden Zweifel ja nicht einfach. Es kann sogar sein, dass Menschen sich in einer so Umgebung nicht ernst genommen fühlen, und sich darum von christlicher Gemeinschaft und womöglich dem Glauben insgesamt abwenden. Eine Entwicklung, die man sich nun wirklich nicht wünschen kann.

Wie beurteilen wir also Zweifel? Nun, erstens halten wir fest: Zweifel sind einfach da. Sie gehören zum Menschsein und zu unserem diesseitigen Leben. Noch wandeln wir eben „im Glauben und nicht im Schauen“ (2Kor 5,7). Zweitens: wir wollen Zweifel weder leugnen, noch uns in ihnen suhlen. Und drittens, das wichtigste: Wir wollen uns mit unseren Zweifeln auseinandersetzen, mit dem Ziel sie zu überwinden und im Vertrauen auf Jesus Christus und das Evangelium zu wachsen.

Welches Ziel Zweifel haben können

Im letzten Gedanken ist schon angedeutet, dass Zweifel unterschiedliche Ziele haben können. Ich möchte die beiden entgegengesetzten Möglichkeiten an dieser Stelle noch mal explizit deutlich machen.

Zweifel können uns weiterführen

Zweifel können uns weiterführen, wenn sie mit der Hoffnung auf Widerlegung verbunden sind. In so einem Fall wünsche ich mir, dass mir jemand hilft, meine Zweifel auszuräumen. Ich habe das z.B. schon öfter erlebt, dass Schüler im Religionsunterricht mit heftiger Bibelkritik konfrontiert werden. Der Lehrer begründet seine Sicht mit vielen Worten und Argumenten, so dass das erst einmal sehr plausibel erscheint und dieser christliche Schüler dem nichts entgegenzusetzen weiß. Er merkt, wie ihn die Thesen seines Lehrers angreifen und seinen Glauben in Frage stellen. Gleichzeitig hat er diesen tiefen Wunsch, gute Argumente zu finden, die seinen Glauben und sein Vertrauen auf die Schrift stützen. Ein Schüler beginnt also zu zweifeln, ist aber erfüllt von einer ganz großen Hoffnung auf Widerlegung dieser Zweifel. Wenn ich so jemandem dann ein paar Argumente und Gedanken mitgeben kann, die diese Zweifel ausräumen, erlebe ich nicht nur Dankbarkeit. Ich erlebe auch, dass das Vertrauen auf Jesus und das Wort Gottes zunimmt. In so einem Fall haben die Zweifel jemanden weitergeführt. Ein biblisches Beispiel für so einen Fall könnte die Geschichte vom Jünger Thomas sein (vgl. Joh 20,25-28).

Zweifel können in die Hoffnungslosigkeit führen

Zweifel können aber auch in die Irre führen. Und zwar dann, wenn der Zweifelnde gar nicht erwartet, dass seine Zweifel ausgeräumt werden können. Statt auf Widerlegung zu hoffen, ist er eigentlich in Hoffnungslosigkeit versunken. In so einem Fall können Zweifel gar zur Verzweifelung führen.

Die Frage, die ich mir in meinem Zweifel also stellen muss, ist die folgende: Was wünsche ich mir jetzt? Hoffe ich darauf, dass meine Zweifel beseitigt werden? Oder wünsche ich mir eher, dass meine Zweifel bestätigt werden und ich mich weiter an ihnen ergötzen kann? Welche Haltung steht hinter meinen Zweifeln?

Was für Zweifel gibt es?

Es gibt unterschiedliche Arten und Gründe für Zweifel:

Intellektuelle Zweifel

Hier gehören Themen hin, wie z.B.: Wie ist das mit Schöpfung und Evolution? Kann ich der Bibel vertrauen, die hier anderes sagt, als ich im Biologieunterricht lerne? Was ist mit den vermeintlichen Widersprüchen innerhalb der Bibel? Wie sieht das mit Wundern aus? Mit der Jungfrauengeburt? Mit der Auferstehung Jesu usw..?

Zweifel ausgelöst durch Leid und Schwierigkeiten

Zweifel können auch durch bestimmte Erlebnisse entstehen: „Warum passiert mir so etwas?“ „Ist Gott eigentlich noch da oder warum ist mir so etwas Schlimmes zugestoßen?“ Leid und andere Schwierigkeiten können dazu führen, dass wir an der Liebe Gottes, an seiner Gegenwart, an der Gültigkeit seiner Zusagen oder gar an seiner Existenz zweifeln. Ein biblisches Beispiel wäre hier Ps 73.

Zweifel verursacht durch enttäuschte – aber falsche – Glaubensvorstellungen

Mancher beginnt auch zu zweifeln, weil das Leben als Glaubender doch nicht so ist, wie vorgestellt: „Ich spüre Gott nicht (mehr).“ „Er hat mein Gebet einfach nicht erhört!“ In diesem Fall sind allerdings falsche Erwartungen die Ursache dieser Enttäuschungen. Wenn ich z.B. erwarte, dass Gott jeden Wunsch erfüllt, sollte ich nur kräftig und häufig genug dafür beten, ist es kein Wunder wenn es zu Enttäuschungen und schließlich zu Zweifeln kommt. Denn das hat Gott niemals verheißen.

Zweifel an der Güte Gottes

In diesem Fall zweifeln wir daran, dass Gottes Gebote wirklich gut für uns sind. Nach meiner Einschätzung ist diese Art des Zweifels sehr weit verbreitet. Wir fragen uns – auch wenn wir das vielleicht nicht so offen sagen würden: Sind Gottes Gebote auch dann wirklich gut für mich, wenn sie gegen meinen Verstand sprechen oder sich gegen das stellen, was alle für richtig halten? Ich will es mit ein paar Beispiele verdeutlichen: „Ist es wirklich gut für mich, ein Teil meines Geldes für das Reich Gottes zu spenden, wie Gottes Wort es sagt? Werde ich dann nicht selbst zu kurz kommen und für mich nicht sorgen können?“ Oder: „Bin ich nicht eigentlich der Dumme, wenn ich immer ehrlich bin, wie Gottes Wort es sagt – auch dann, wenn ich mich dadurch selbst in ein schlechtes Licht rücke?“ Oder: „Entgeht mir nicht doch unheimlich viel, wenn ich auf Sex vor der Ehe verzichte, wie Gott es will?“

Bei allen diesen Dingen – und man könnte die Liste beliebig verlängern – zweifeln wir daran, dass Gottes Gebote für uns wirklich gut sind. Wir zweifeln letztendlich daran, dass Gott es wirklich gut mit uns meint. Immer also wenn wir gegen Gottes Gebot handeln, ist letztendlich der Zweifel an Gott, das mangelnde Vertrauen die Ursache.

Zweifel aufgrund der Weigerung, sich Gott unterzuordnen

Manchmal werden Zweifel – besonders gerne die intellektuellen – auch vorgeschoben. Da merkt jemand: „Wenn ich den Weg des Glaubens gehe, verliere ich die Autonomie, weil ein anderer – Jesus – der Herr über mein Leben sein möchte. Das will ich aber gar nicht!!!“ Und deswegen werden Zweifel als Ausflüchte gesucht. Ist ein Zweifel ausgeräumt, wird geschwind der nächste präsentiert. Man muss ehrlich sein: Hier geht es weniger um Zweifel an sich, sondern hier steht Unglaube und Rebellion gegen Gott im Hintergrund. Eine ganz ernste Sache, in der sich jeder ehrlich prüfen sollte.

Wie können wir mit diesen Zweifeln umgehen?

Entscheidend ist ja nun, wie man mit diesen unterschiedlichen Zweifeln so umgehen kann, dass sie uns weiterführen. Ein paar kurze Überlegungen:

Intellektuelle Zweifel

Das beste Gegenmittel zu intellektuellen Zweifeln ist Apologetik, also die Verteidigung des Glaubens mit für den menschlichen Verstand nachvollziehbaren Argumenten. Ich möchte hier zu bedenken geben, dass es bei uns manchmal ein ungesundes Ungleichgewicht gibt: Auf der einen Seite werden wir mit relativ anspruchsvollen Argumenten gegen Glauben und Bibel konfrontiert, kennen aber auf der anderen Seite nur Argumente auf „Kindergottesdienst-Niveau“, die unseren Glauben stützen. Dieses Ungleichgewicht muss beseitigt werden und es kann beseitigt werden. Denn es gibt wirklich sehr gute Argumente für den Glauben – und auch für die wirklich harten Fragen. Wir müssen und also auch vor den schwierigen Fragen nicht fürchten. Nein, wir sollten sie angehen, uns informieren, Bücher besorgen etc. Zugespitzt formuliert: wenn wir in diesem Bereich noch Zweifel haben, haben wir wahrscheinlich noch nicht tief genug gegraben.

Zweifel, ausgelöst durch Leid und Schwierigkeiten

Zunächst ist es absolut verständlich, wenn in tiefem Leid auch Zweifel auftauchen. Das sollten wir nicht verurteilen und uns auch nicht verdammen, wenn wir das selbst so erleben. Was können wir dann aber tun?

Zunächst ist am wichtigsten, dass wir unseren Blick fest auf Jesus Christus richten. Schauen wir auf ihn, den guten Hirten. Machen wir uns bewusst, was sein Wesen und seinen Charakter ausmacht. Ja, halten wir bei allen Zweifeln, umso entschlossener an dem fest, was uns gewiss ist: Dass Jesus Christus der Retter ist, der uns mit Gott versöhnt.

Außerdem ist wichtig, dass wir uns durch andere Christen trösten lassen. Bleiben wir also eingebunden in die christliche Gemeinde und stehen wir auch selbst anderen zur Seite.

Zweifel verursacht durch enttäuschte – aber falsche – Glaubensvorstellungen

Diesen Zweifeln können wir sehr gut vorbeugen, indem wir Gott und sein Wort immer besser kennen lernen. Denn je besser wir ihn kennen, desto weniger durch enttäuschte – weil falsche – Glaubensvorstellungen entstandene Zweifel wird es geben.

Wenn wir dann so eine Situation erleben, sollten wir uns einerseits fragen: Hat Gott eigentlich überhaupt verheißen, was ich erwarte und vermisse? Andererseits sollten wir auf das schauen, was Gott tatsächlich verheißen hat. So schreibt Paulus z.B.: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.“ (Eph 1,3). Begreifen wir also auch, dass das was Gott uns im Evangelium verheißen und gegeben hat – bei allem was wir irdisch möglicherweise vermissen – doch mehr als genug ist: es ist schließlich „aller geistlicher Segen.“

Zweifel an der Güte Gottes

Wenn ich hier zweifle, muss ich mir in Erinnerung rufen, wer eigentlich Gott ist und wie er von seinem Charakter ist. Er ist doch ein durch und durch guter Gott, ein heiliger Gott, ein liebender Gott. In seinem Wesen ist keine Falschheit, sondern nur Wahrhaftigkeit usw.

Ferner kann ich zurückschauen und mich daran erinnern, was dieser Gott schon alles Gutes für mich getan hat. Und zuletzt schaue ich auf Verse wie Röm 8,32: „Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“

Es gibt also guten Grund, diesem Gott zu vertrauen und auch seinen Geboten zu folgen, die wir als unverständlich, unvernünftig oder unsympathisch empfinden. Und das ist dann auch dran: Dass ich mutig einen Schritt des Glaubens gehe und Gottes Wort folge und dann die Erfahrung mache, wie richtig es war, auch hier Gottes Wort zu folgen!

Zweifel aufgrund der Weigerung, sich Gott unterzuordnen

Wenn ich diese ganz ernste Haltung bei mir erkennen sollte, dann bleibt mir nur, von Herzen Buße zu tun, Gott um Vergebung dieser Schuld zu bitten (ich habe gegen Gott rebelliert) und Jesus als meinen Herrn anzuerkennen.

Zum Schluss möchte ich nochmal daran erinnern, dass Zweifel das Potenzial haben uns weiterzuführen im Glauben. Wir sollten unsere Zweifel darum weder leugnen, noch uns in ihnen suhlen, sondern uns aktiv mit ihnen auseinandersetzen. Jesus wünscht sich, dass wir die Zweifel überwinden und unser Glaube immer fester wird.

Berufung – das ist auch dein Thema!

„Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.“ (Jeremia 1,6-7) 

Gott ruft den Propheten Jeremia mit klarem Wort in seinen Dienst, doch dieser ist zunächst alles andere als begeistert: „ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“ Für mich ist die Scheu Jeremias nur allzu verständlich. War das Prophetenamt doch eine gewaltige Aufgabe – meist bedeutete es ein Leben voller Entbehrungen und in steter Gefahr. Kein Wunder, dass Jeremia zögert.

So mancher wird diese Worte aber nicht nur mit Verständnis für Jeremia, sondern mit einer gewissen Erleichterung lesen: „Wie gut, dass ich nicht so einen Ruf Gottes in solch schwere Aufgabe habe.“ Und vielleicht denken wir sogar: „Wie gut, dass ich überhaupt keinen eindeutigen Ruf des Herrn in irgendeine Aufgabe habe. Denn die klaren persönlichen Berufungen, die spricht Gott doch eigentlich sowieso nur bei Missionaren aus oder vielleicht bei manchen Pastoren… oder?“

Tatsache ist allerdings, dass Gott uns alle – egal ob wir das persönlich so klar vernommen haben wie Jeremia oder nicht – zu zwei Dingen beruft:

Berufen zum Glauben

Erstens sind wir alle von Gott dazu gerufen, an die frohe Botschaft von Jesus Christus zu glauben: „Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15), war die Hauptbotschaft Jesu. Und Petrus forderte die Zuhörer seiner Pfingstpredigt unmissverständlich auf: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes.“ (Apg 2,38) Haben wir auf diesen Ruf Gottes gehört? Sind wir umgekehrt von unseren falschen Wegen? Glauben wir, dass Jesus Christus – der Sohn Gottes – seine Leben für unsere Sünde stellvertretend opferte? Haben wir Gottes Vergebung empfangen und haben wir diesen Glauben in der Taufe öffentlich bekannt?

Berufen zum Dienst

Aber es gibt noch etwas Zweites, wozu Gott uns ruft: Alle, die an Jesus Christus glauben, sind von Gott berufen, ihm und seiner Gemeinde mit ihren Gaben zu dienen! Der Apostel Petrus formuliert es so: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.“ (1Petr 4,10)  Wir müssen also nicht erst auf den persönlichen Ruf Gottes in eine spezielle Aufgabe warten – nein, wir sind schon längst zum Dienst berufen! Haben wir diesen Ruf Gottes gehört? Bringen wir uns ein, mit unseren Gaben und Fähigkeiten, mit unserer Zeit und unseren Möglichkeiten, so dass sein Reich wächst?

Was allein entscheidend ist

Jeremia jedenfalls zögerte nicht nur, Gottes Ruf anzunehmen. Er brachte auch ein nachvollziehbares und der Wahrheit entsprechendes Argument vor („Ich bin zu jung.“) Ja, Jeremia war tatsächlich noch sehr jung, als Gott ihn berief.

Aber Gott macht Jeremia und uns eins unmissverständlich klar: Entscheidend sind nicht unsere Argumente oder gar Ausflüchte, nein entscheidend ist allein die Tatsache, dass der Herr uns ruft: „Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.“ Denken wir also nicht, dass wir zu jung oder zu unerfahren seien. Sagen wir auch nicht, dass es gerade einfach der falsche Zeitpunkt sei, dass es keine passende Aufgabe gäbe oder dass wir längst mit anderen Verpflichtungen überlastet sind. Entscheidend ist, dass der Herr uns ruft. Und tatsächlich: Gott hat uns längst gerufen. Stellen wir uns der Herausforderung!