Von Gottes Liebe ergriffen

„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, daß wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!“ (1Joh 3,1a)

Was hat Johannes wohl empfunden, als er diese Worte schrieb? Was können wir heraushören, wenn wir auf den Ton in diesen Zeilen achten?

Ich spüre aus diesen Zeilen eine große Begeisterung, ja ein echtes Erstaunen heraus über diese wunderbare Wirklichkeit, dass Gott uns durch Christus tatsächlich zu seinen Kindern macht. Obwohl diese grundlegende Heilstatsache dem Johannes seit vielen Jahrzehnten bekannt war, ist er noch immer ergriffen davon. Die Liebe Gottes, die sich in seinem Erlösungshandeln zeigt, beeindruckt Johannes nach wie vor.

Ich wünsche mir das auch für mich. Dass ich mich nicht daran gewöhne, ein Kind Gottes zu sein. Dass es für mich nicht zur langweiligen Selbstverständlichkeit wird, dass Gott seinen vollkommenen Sohn geopfert hat, um mich zu erlösen. Nein, dass ich vielmehr davon ergriffen bleibe, dass Gottes Liebe zu mir so groß war, dass er Jesus in den Tod gab. Ich wünsche mir auch, dass ich – wie Johannes – begeistert und begeisternd davon reden kann. Dass ich das anderen mitgeben kann, „seht““, „schaut hin“, „passt auf“, „überseht doch nicht!“ Denn was Gott für uns getan hat, ist ja nicht eine Information zum Hören und Abhaken, sondern die frohe Botschaft, die unser Leben verändert!

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Warum Taufe etwas so Wunderbares ist

Ich bin Baptist. Das bedeutet, dass ich die Glaubenstaufe (d.h. die Taufe von mündigen Menschen, die den Glauben an Jesus Christus bekennen und die Taufe begehren) für die einzig biblisch-theologisch legitimierte Taufe halte. Aber ich will an dieser Stelle nicht die biblisch-theologische Diskussion über die Taufe führen (da gibt’s schon genügend Literatur drüber) und ich weiß auch, dass es über diese Frage auch unter bibeltreuen Christen unterschiedliche Positionen gibt. Ich will an dieser Stelle nur ein paar Punkte nennen, über die ich mich immer wieder freue, wenn wir in unserer Gemeinde taufen (was erst kürzlich wieder der Fall war).

Die Taufe ist ein sichtbares Zeichen für die Bekehrung

Menschen kommen zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. Manchmal bekommt man es direkt im Gespräch gesagt, manchmal zeigt es sich einem auch zunächst in einem veränderten Verhalten. Die Taufe, die der Bekehrung nachfolgt, macht nun für alle – die anderen Gemeindeglieder, Nachbarn, Freunde, Verwandte – unzweideutig sichtbar, dass es bei einer Person eine geistliche Veränderung gab. In Taufzeugnissen, aber auch in Predigten, kommt das immer zum Ausdruck: Dass man sich nicht „einfach so“ taufen lässt – aus Tradition oder weil man einmal im Mittelpunkt stehen will – sondern, weil man bekehrt wurde und an Jesus Christus glaubt

Die Taufe ist Anlass zu großer Freude

In unserer Gemeinde – und sicherlich in den meisten anderen Gemeinden – ist eine Taufe immer ein Anlass für ein Gemeindefest. Es wird gemeinsam gegessen, gefeiert und Gemeinschaft gepflegt. Das ist nicht nur irgendwie mal nett, sondern würdigt das geistliche Geschehen angemessen, das hinter der Taufe steht. Schon Jesus sagt: „So sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ (Lk 15,10) Wenn schon im Himmel große Freude herrscht, über jeden der zum Glauben an Jesus Christus kommt, dann tun wir auf Erden gut daran, dies ebenso zu feiern. Die Taufe ist dafür der perfekte Anlass!

Die Taufe ist evangelistisch

Taufgottesdienste gehören zweifellos zu den Gottesdiensten mit der höchsten Anzahl an Gästen. Nicht nur in Predigt und in den zur Taufe hinführenden Gedanken hat man also die Chance das Evangelium an viele weiterzugeben. Das Besondere ist, dass die Täuflinge selbst – allein dadurch dass sie sich willentlich taufen lassen – deutlich machen, dass das Evangelium aktuell ist und persönlich angenommen werden will. Für viele der nominellen Christen ist das etwas völlig Neues. Hieran lässt sich dann auch prima in persönlichen Gesprächen anknüpfen.

Wer bist du?

Als Jakob sich an der Furt des Jabbok befindet, wird er plötzlich von einem Mann angegriffen. Ein nächtlicher, langer und ausgeglichener Kampf folgt. Erst durch einen plötzlichen „Schlag“ wird der Kampf entschieden. Doch auch dann sind noch nicht alle Besonderheiten in dieser Geschichte vorbei. Denn der Angreifer fragt Jakob schließlich nach seinem Namen: „Wie heißt du?“ (V. 28)

Nun, sicherlich fragt der Angreifer hier nicht, weil er Jakobs Namen nicht wüsste. Nein, seine Frage hat einen anderen Grund und der wird deutlich, wenn wir gucken, wie es weitergeht. Denn der Angreifer antwortet auf Jakobs Namensnennung wie folgt: „Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen.“ (V. 29)

Jakob bekommt einen neuen Namen. Und darum sollte er seinen alten Namen, Jakob, nennen. Denn mit seiner Namensnennung muss Jakob seine Identität, seine Natur, sein ganzes bisheriges Leben bekennen. Seine Name steht – wie in der Bibel üblich – für seine ganze Person, seinen Charakter, für das, was ihn ausmacht. Jakob bekennt in diesem Moment „Ja, ich bin dieser Jakob, ja, ich bin dieser Fersenhalter, dieser Betrüger – ja, ich bin derjenige, der Bruder und Vater betrogen hat.“ „Er heißt mit Recht Jakob, denn er hat mich nun zweimal überlistet“, (1Mose 27,36) so sagte es Esau einmal. Für alles das steht Jakobs alter Name. Für sein altes Leben mit allen diesen Schattenseiten. In diesem Moment wo Jakob sagt: „Ich heiße Jakob“, bekennt er auch „Das alles bin ich, das alles gehört zu meiner Vergangenheit.“

Wer bist du? Was ist dein Name?

Nun, ich meine nicht einfach Erika oder Fritz oder welchen Namen auch immer deine Eltern dir gegeben haben. Nein, ich meine vielmehr: Was macht dich als Person aus, was macht deinen Charakter aus? Was ist deine Vergangenheit? Was sind deine Schwächen, was ist deine Schuld, in welchen Bereichen bist du von deiner ganzen Art her anders als Gott sich das vorstellt?

Keine angenehme, aber eine wichtige Frage! Nimm dir Zeit, mal darüber nachzudenken. Und vielleicht nützt es dir auch, meine ganze Predigt – von der das eben ein Auszug war – zum Thema „Gefestigter Glaube – oder: wie Gott Jakob einen neuen Namen gibt“ über 1Mose 32,23-33 hier nachzuhören.

Gott geht mit!

Jakobs Treffen mit Laban liegt zurück und nun macht er sicher weiter auf Richtung Heimat. Dorthin, wo Gott ihm versprochen hatte, ihn wieder zurückzubringen als er vor seinem Bruder Esau fliehen musste. Und wie damals auf der Hinreise, als er in Bethel übernachtete und die Engel Gottes auf der Leiter auf- und niedersteigen sah, so macht er auch hier jetzt auf der Rückkehr eine ganz atemberaubende Erfahrung: „Und es begegneten ihm die Engel Gottes. Und als er sie sah, sprach er: Hier ist Gottes Heerlager, und nannte diese Stätte Mahanajim.“ (1Mose 32,2b-3) Eine Beschreibung von einem unglaublichen Ereignis, die kaum knapper sein könnte .Und wir sind wahrscheinlich neugierig, nach vielen Details: wie hast du die Engel gesehen Jakob?, Wie sahen sie aus? Haben sie etwas gesagt?

Aber wir erfahren das alles nicht. Wir erfahren nur das eine, was wirklich wichtig ist: Hier sind Gottes Engel, hier ist Begegnung mit dem Göttlichen, hier ist Gottes Gegenwart. Gott geht mit! Er ist dabei, wenn Jakob jetzt seine Reise fortsetzt. Gott geht mit, wenn Jakob jetzt wieder in seine Heimat zieht. Der Gott, der ihn die ganzen Jahre begleitet und bewahrt hat – auf der Reise hin zu Laban, im Dienst bei diesem schwierigen Onkel, zuletzt beim feindlichen Aufeinandertreffen mit ihm – dieser Gott, der stets Jakob begleitet und bewahrt hatte, er geht auch jetzt mit. Er ist auch jetzt mit dabei. Er ist Jakob treu, auf ihn ist Verlass. Gott ist gegenwärtig!

Zugegeben, nur zu gerne würde ich auch einmal solch eine Erfahrung machen. Einen Einblick bekommen in die geistliche Welt und einmal mit eigenen Augen sehen, wie Gott durch Engel, durch seinen Heiligen Geist oder ganz direkt in dieser Welt gegenwärtig ist und in meinem Leben wirkt. Aber solche Einblicke in diese geistlichen Dinge gewährt Gott nur in Ausnahmefällen. Für die meiste Zeit sind wir aufgefordert, einfach seinem Wort zu vertrauen, dass uns klipp und klar sagt, dass Gott mit uns geht. Auch wenn uns keine Engel begegnen und wir ihn nicht sehen. In Ps 23,4 heißt es: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Gott geht mit, er ist bei uns gerade in den finsteren Tälern. Er verlässt uns nicht. Und noch deutlicher sagt es Jesus Christus selbst: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; 28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ (Joh 10,27-28). Bei mir, sagt Jesus, hast du eine unglaubliche Sicherheit – trotz aller Bedrohungen und Gefahren, die dir richtig Angst machen können. Er sagt zu uns als seinen Jüngern: Ich bin bei dir, du bist mein, niemand wird dich jemals mir entreißen können.

Wenn du mehr über Gottes Treue in bedrohlichen Zeiten und wie man in Geduld an ihr festhalten kann, hören willst, dann hast du die Gelegenheit hier in meine Predigt „Bedrohliche Bedingungen – oder: wie Jakob Esau zu besänftigen versucht“ (1Mose 32,2-22) reinzuhören.

Wer Gottes Ruf hört, muss etwas wagen und ihm folgen

„Und es kamen vor ihn die Reden der Söhne Labans, daß sie sprachen: Jakob hat alles Gut unseres Vaters an sich gebracht, und nur von unseres Vaters Gut hat er solchen Reichtum zuwege gebracht. 2 Und Jakob sah an das Angesicht Labans, und siehe, er war gegen ihn nicht mehr wie zuvor. 3 Und der HERR sprach zu Jakob: Zieh wieder in deiner Väter Land und zu deiner Verwandtschaft; ich will mit dir sein.“ (1Mose 31,1-3)

Gott meldet sich bei Jakob zu Wort. Er spricht zu ihm durch klare Worte (V. 3), aber auch durch die sich verändernden Lebensumstände (V. 1-2). Und Jakob? Er ist an dieser Stelle  wirklich mal ein echt gutes Vorbild. Denn er folgt gehorsam Gottes Ruf – er wagt es! Ja, es ist beachtlich, dass er sofort – ohne zu zögern – reagiert. Er hörte das Reden Gottes, und dann heißt es direkt im Anschluss: „Da sandte Jakob hin und ließ rufen Rahel und Lea.“ (V. 4). Hier gibt es keinen Aufschub, hier ist kein Zögern, hier gibt es kein Abwägen mehr, keine Pro-und-Contra-Liste. Jakob schläft auch keine Nacht mehr drüber. Nein, wenn Gottes Ruf uns ereilt hat, dann gilt es auch sofort zu reagieren und dem Gehörten Taten folgen zu lassen. Selbst dann, wenn Gottes Wort zu folgen, uns etwas kostet. Ja, wer Gottes Ruf hört, muss etwas wagen und ihm folgen!

Machen wir es dann nicht so, wie es sich manche morgens mit dem Wecker angewöhnt haben. Klingelt der Wecker, so wird sofort die Schlummer-Taste gedrückt…. „Nur noch einmal umdrehen, nur noch 5 oder 10 Minuten liegen.“ Klingelt der Wecker erneut, so wird wiederum die Schlummer-Taste bedient. Und so geht das dann eine ganze Zeit.Aber wird’s dadurch wirklich einfacher aufzustehen? Womöglich fallen wir in die nächste Tiefschlafphase und kommen dann gar nicht mehr aus dem Bett. Ganz genauso ist es, wenn Gottes Ruf uns ereilt, wenn wir sein Wort hören, wenn wir seine Aufforderung an uns vernehmen. Dann dürfen wir nicht die geistliche Schlummer-Taste bedienen, nicht die Sache noch rausschieben. Nein, wenn Gottes Wort uns etwas klar sagt, dann gilt es zu folgen, die Sache umzusetzen, sofort aktiv zu werden.

Mehr darüber und warum es sich lohnt, Gottes Ruf gehorsam zu folgen, erfährst du in meiner Predigt „Gewagter Gehorsam – oder wie Gott Jakob in großer Gefahr bewahrt“ (1Mose 31,1-32,1), in die du hier reinhören kannst. 

Gottes Wort hören und TUN – zum Monatsspruch für Februar

Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. (5Mose 30,14)

Jakobus erzählt uns in seinem Brief von einem Mann, der sich selbst im Spiegel betrachtet. Anschließend geht er davon und vergisst sein Aussehen augenblicklich (vgl. Jak 1,23-24). Ein absurdes Beispiel mit dem Jakobus uns verdeutlichen will, wie unsinnig und widersprüchlich es ist, Gottes Wort zwar zu hören, aber nicht danach zu handeln. Genauso wie der Mann, der sich im Spiegel selbst betrachtete, sich selbstverständlich auf einem Foto wiedererkennen würde, so sollte auch derjenige, der das Wort des allmächtigen Gottes vernommen hat, danach sein Leben ausrichten.

Der Monatsvers für Februar betont nun, dass Gottes Wort uns wirklich nahegekommen ist. Dieser Vers hebt hervor, dass Gott wirklich geredet hat und dass wir sein Reden kennen. Ja, Gott hat uns in seiner Güte sogar ein Buch – die Bibel – gegeben, in dem wir sein Reden verschriftlicht finden. Wir können es nachschlagen, studieren und auswendig lernen. Ja, wir führen seine Worte oft sogar im Munde und haben sie bereits in unser Herz aufgenommen, wie Mose schreibt. Gott hat sich uns offenbart, er hat gesprochen, wir kennen sein Wort.

Das ist wunderbar und das bedeutet auch, dass es keine Ausrede gibt, Gottes Gebot nicht zu folgen. Gottes Wille ist uns eben nicht verborgen. Darüber, was Gott sich von uns wünscht, müssen wir nicht spekulieren oder Vermutungen anstellen. Nein, Gott hat sich uns klar und verständlich mitgeteilt. Und zwar mit einem Ziel: dass wir sein Wort tun!

Als evangelische Christen wird uns an diesem Punkt leicht etwas mulmig zu Mute. Womöglich denken wir sofort daran, dass wir als sündhafte Menschen doch niemals in der Lage sein werden, Gott vollkommen gehorsam zu leben. Und dass wir von Vergebung und Gnade leben und uns das Heil nicht verdienen können. Das stimmt natürlich und das ist gute reformatorische Lehre!

Und dennoch dürfen wir hier das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Es ist falsch, Gottes Gebote und seine Forderung nach Gehorsam sofort mit dem Verweis auf Gnade und Vergebung glattzubügeln. Nein, Gottes Wort ist uns gegeben, damit wir es tun. Jesus Christus ist in unser Leben getreten, damit wir verändert werden. Den „alten Menschen“ gilt es abzulegen und den „neuen Menschen“ anzuziehen (vgl. Eph 4,22ff). Und der Heilige Geist wohnt in uns, um uns dabei zu helfen. Er ist es auch, der beides, das Wollen und das Vollbringen“ (Phil 2,13) in uns wirkt.

Natürlich werden wir noch scheitern. Wir werden – wenn wir ehrlich mit uns sind – uns ab und an als Übertreter von Gottes Wort ertappen. Dann dürfen wir Jesus Christus um Vergebung bitten und wir dürfen erfahren, dass es tatsächlich keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind“ (Röm 8,1) gibt.

Wie ist die Bibel entstanden?

Auch theologisch konservative Christen glauben nicht, dass die Bibel einfach fertig vom Himmel gefallen ist. Nein, sie ist über einen längeren Zeitraum in einem vielschichtigen Prozess entstanden. Im Folgenden skizziere ich diesen Prozess überblicksweise. Meine Gedanken geben im Großen und Ganzen wider, was ich in einer Jugendstunde vor kurzem zu diesem Thema gesagt habe.

1. Wer hat die Bibel geschrieben?

  • Einerseits Menschen: Die verschiedenen Bibelbücher stammen aus der Feder von vielen unterschiedlichen Autoren: Mose, Samuel, Lukas, Paulus, Johannes und viele mehr. Von einigen wenigen Büchern wissen wir überhaupt nicht, wer sie geschrieben hat (z.B. Hiob oder Hebräer), bei manchen anderen Büchern gibt es nur mehr oder weniger stimmige Vermutungen. Insgesamt geht man davon aus, dass die biblischen Bücher von ca. 40 verschiedenen Menschen verfasst wurden.
  • Andererseits Gott: In Hebr 1,1 lesen wir davon („Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten“), dass Gott einen Offenbarungsprozess angestoßen hat. 2Tim 3,16 („Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“) zeigt uns, dass die ganze Schrift von Gott kommt.

Wie passt nun beides, dass sowohl Menschen als auch Gott als Verfasser der Bibel zu gelten haben, zusammen?

Christen glauben, dass das durch einen Prozess möglich wurde, den man Inspiration nennt. Dass die Bibel inspiriert ist, haben viele sicher schon oft gehört, aber was bedeutet das genau? Inspiration könnten wir wie folgt definieren (angelehnt an C. Ryrie):

„Gottes Befähigung der menschlichen Verfasser der Bibel, damit sie, unter Verwendung ihrer eigenen Persönlichkeit, Gottes Offenbarung an Menschen ohne Irrtümer oder Fehler verfassen und aufschreiben konnten.“

In dieser Definition wird deutlich, dass Gott der Handelnde ist. Er befähigte die Verfasser der Schrift, die Inspiration ging also von ihm aus. Es wird außerdem klar, dass mit Inspiration keine Diktat-Inspiration gemeint ist. D.h. die Verfasser der Bibel waren nicht irgendwie in Trance oder haben ohne ihr Bewusstsein irgendetwas niedergeschrieben, das sie nicht verstanden haben. Sie waren nicht nur menschliche Schreibmaschinen, derer sich Gott bedient hat. Nein, vielmehr haben sie auch ihre eigene Persönlichkeit, ihren Hintergrund etc. eingebracht. Darum haben wir beispielsweise Teile in der Bibel, die in einfacher Sprache oder gehobener Sprache verfasst wurden. Und dennoch ist der Inhalt dessen, was sie niederschrieben, ohne Einschränkung Gottes Offenbarung. Es sind seine Inhalte, seine Ideen, die wir in der Bibel finden.

Interessant in diesem Zusammenhang ist Lk 1,1-4, wo Lukas beschreibt, wie er vorgegangen ist, um sein Werk zu verfassen. Er beschreibt dort, dass er sorgfältig recherchiert hat, Augenzeugen befragt und wohl auch andere Quellen zu Rate gezogen hat. Ja, Lukas hat seine eigene Persönlichkeit, seine Fähigkeiten etc. verwendet und dennoch ist sein Werk Gottes Offenbarung an uns Menschen.

2. Wann wurde die Bibel geschrieben?

Ganz grob kann man sagen, dass die Bibel über einen Zeitraum von etwa 1500 Jahren, nämlich von 1400 v. Chr. bis 90 n. Chr. geschrieben wurde. Die ältesten Bücher im AT sind die Mosebücher (möglicherweise auch Hiob). Im NT sind die Evangelien vermutlich 60-90 zu verorten und die Paulusbriefe von 51-66. Der Jakobusbrief ist möglicherweise das älteste Buch im NT (Mitte der 40er), die Offenbarung des Johannes mit großer Sicherheit das jüngste Buch.

3. Wie wurde die Bibel zusammengestellt?

Die Bibel ist im Grunde nicht nur ein Buch, sondern eine Sammlung von 66 verschiedenen Büchern. Wie kam es nun dazu, gewisse Bücher in diese Sammlung (man nennt das Kanon) der für den Glauben verbindlichen Schriften aufzunehmen und andere zu verwerfen?

Ich gehe an dieser Stelle nicht darauf ein, wie es zum einheitlichen AT-Kanon kam. Es genügt uns festzuhalten, dass dieser zu Jesu Zeiten vorlag und von ihm anerkannt wurde. Wie aber kam es nun zum NT-Kanon?

Schon sehr früh gab es in den ersten Gemeinden Sammlungen von Paulusbriefen, Evangelien und anderen neutestamentlichen Büchern. Ebenfalls sehr früh gab es große Einigkeit darüber, welche dieser Bücher als für den Glauben verbindliche Schriften anzusehen seien. Als Kriterien, welche der vielen in den christlichen Gemeinden kursierenden Schriften in den NT-Kanon aufzunehmen seien, waren besonders zwei ausschlaggebend:

  • Wurde die entsprechende Schrift von einem Apostel bzw. Apostelschüler verfasst? Hat sie also einen glaubwürdigen Ursprung?
  • Ist der Inhalt der Schrift christuszentriert und entspricht er dem überlieferten Glauben?

Es ist erstaunlich, dass bereits um 200 n. Chr. im Großen und Ganzen Klarheit und Einigkeit darüber besteht, welche Schriften zum NT gehören und welche nicht dazugehören. Für das Jahr 367 n. Chr. ist schließlich nachweisbar, dass man sich darüber einig war, dass genau die 27 Schriften zum NT gehören, die auch wir heute in unseren Bibeln finden.

4. Wie wurde die Bibel überliefert?

Kann man heute noch beispielsweise die Schriftrolle mit dem 1. Korintherbrief irgendwo im Museum besichtigen? Nein, von allen biblischen Schriften gibt es leider keine Originale mehr, sondern nur noch Abschriften. Da stellt sich die Frage, ob die biblischen Schriften in diesem Abschreibeprozess auch korrekt überliefert wurden und wir ihnen vertrauen können.

Erstaunlich ist, dass es über 5000 verschiedene Schriftstücke vom NT gibt. Die meisten überliefern zwar nur kleine Textabschnitte, manche aber auch längere Textabschnitte. Es gibt jedenfalls von jeder ntl. Passage eine Vielzahl unterschiedlicher Schriftstücke, so dass das NT als das mit riesigem Abstand am besten überlieferte literarische Werk der Antike gilt.

Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang auch die sogenannten Qumranrollen, die man nach dem Zweiten Weltkrieg fand – Schriftrollen mit alttestamentlichen Texten. Man stellte fest, dass es nur wenig textliche Unterschiede zu den deutlich jüngeren Schriftstücken gab, die man bisher hatte.

Insgesamt kann man festhalten, dass die Bibel außerordentlich gut und sorgfältig überliefert wurde. Weit über 99% des Bibeltextes sind gesichert überliefert und dort wo es doch kleine Unsicherheiten gibt, berühren diese keine inhaltlichen Gesichtspunkte.

5. Wir haben guten Grund der Bibel zu vertrauen

Es ist nicht nur irgendwie von allgemeinem Interesse, darüber Bescheid zu wissen, wie die Bibel entstanden ist. Ich meine, die Entstehungsgeschichte der Bibel zeigt uns auch, dass wir gute Gründe haben der Bibel zu vertrauen. Sie ist nicht von irgendwelchen Klerikern im Mittelalter verfälscht worden – wie manche populären Verschwörungstheoretiker behaupten -, sondern sie wurde extrem sorgfältig überliefert. Die ersten Christen waren auch nicht dumm oder leichtgläubig, sondern haben sorgsam abgewogen, welche Schriften als Heilige Schrift anzuerkennen sind. Und die Inspirationslehre ist auch kein verrücktes Dogma, das die menschliche Seite der Bibel nicht ernst nimmt. Wenn Christen also glauben, dass die Bibel Gottes Wort ist, ist das kein Lehrsatz den sie gegen jede Vernunft blind glauben müssen. Nein, es gibt gute, nachvollziehbare Gründe dafür.

Wenn dich dieses Thema mehr interessiert und du hier noch viel tiefer einsteigen willst (ich habe mehr oder weniger hier nur an der Oberfläche gekratzt), dann sei dir folgendes Buch empfohlen: D. A. Carson / D. J. Moo, Einleitung in das Neue Testament, Brunnen, 2010.