Neue Predigtreihe: JAKOB

Nachdem ich in diesem Jahr in meiner Gemeinde schon durch den Galaterbrief gepredigt habe, sowie meine Reihe durch das Markusevangelium fortgesetzt habe (hier bin ich noch lange nicht am Ende), beginne ich am kommenden Sonntag nun eine neue Predigtserie. Es ist mal wieder das Alte Testament dran und so werde ich mich dem Leben Jakobs (1Mose 25-35) widmen. In den vergangenen Wochen habe ich mich mit diesen Kapiteln schon beschäftigt und je intensiver ich mit diesen Texten gearbeitet habe, desto größer ist meine Vorfreude auf diese Reihe geworden.

Ich freue mich auf diese Reihe, weil Jakob so eine spannende Figur ist. Er ist nicht unbedingt ein Glaubensheld und doch wählt Gott ihn in seiner Gnade als denjenigen aus, über den seine Verheißungslinie weiterlaufen soll. In Jakob begegnet uns also ein Patriach, bei dem wir neben Licht auch eine Menge Schatten sehen. Das macht ihn so sympathisch. Und es ist so mutmachend, dass Gott Menschen wie Jakob – und darum auch dich und mich – gebraucht. Jakob ist auf der anderen Seite zeitlebens ein Kämpfer. Das fängt bei der Geburt der Zwillinge Jakob und Esau an, setzt sich fort in der schwierigen Beziehung zu seinem Onkel Laban und erreicht seinen Höhepunkt als er in 1Mose 32 mit Gott kämpft. Jakob meint, sich den Segen erkämpfen zu müssen. Und doch sehen wir wiederholt in diesen Erzählungen, dass das, was Jakob meint sich erkämpft zu haben, ihm letztendlich von Gott geschenkt wurde. Mit Jakob sind auch wir aufgerufen, das Wesen von Gottes Gnade wirklich zu verstehen. Etwas, was wirklich schwerer ist, als man zunächst denkt…

Wer mag, ist eingeladen, in den kommenden Wochen mal reinzuhören. Die Predigten werden – wie eigentlich immer – hier im Predigtarchiv meiner Gemeinde zum Download angeboten. Und hier ist die Übersicht, was ich bisher geplant habe:

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Dogmatische Korrektheit reicht nicht

Weil Tim Keller Gebet als echte Begegnung mit Gott versteht, darum ist es so unverzichtbar. Keller warnt:

„Wir müssen uns unsere Glaubensüberzeugungen nicht nur intellektuell, sondern auch existenziell zu Eigen machen; sie müssen in unserem Alltag praktisch werden. Dogmatische Korrektheit, die wir nicht auch im Herzen erfahren, führt zum Namenschristentum und letztlich in den Unglauben. Traurig aber wahr: Ausgerechnet viele konservative, um die rechte, gesunde Lehre bemühte Christen vernachlässigen das Gebet und bemühen sich nicht darum, Gott in ihrem Herzen zu erfahren; am Ende ist es dann manchmal auch um die gesunde Lehre geschehen.“

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016, S. 197f.

Psalm 115: Allein Gott die Ehre!

„Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre um deiner Gnade und Treue willen! 2 Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott?

3 Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will. 4 Ihre Götzen aber sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht. 5 Sie haben Mäuler und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht, 6 sie haben Ohren und hören nicht, sie haben Nasen und riechen nicht, 7 sie haben Hände und greifen nicht, Füße haben sie und gehen nicht, und kein Laut kommt aus ihrer Kehle. 8 Die solche Götzen machen, sind ihnen gleich, alle, die auf sie hoffen.

9 Aber Israel hoffe auf den HERRN! Er ist ihre Hilfe und Schild. 10 Das Haus Aaron hoffe auf den HERRN! Er ist ihre Hilfe und Schild. 11 Die ihr den HERRN fürchtet, hoffet auf den HERRN! Er ist ihre Hilfe und Schild.

12 Der HERR denkt an uns und segnet uns; er segnet das Haus Israel, er segnet das Haus Aaron. 13 Er segnet, die den HERRN fürchten, die Kleinen und die Großen. 14 Der HERR segne euch je mehr und mehr, euch und eure Kinder! 15 Ihr seid die Gesegneten des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

16 Der Himmel ist der Himmel des HERRN; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben.

17 Die Toten werden dich, HERR, nicht loben, keiner, der hinunterfährt in die Stille; 18 aber wir loben den HERRN von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja!“ (Psalm 115)

Ps 115 gehört zu den sogenannten Hallel-Psalmen (Lobpsalmen), genauer gesagt zum Ägyptischen Hallel. Diese Psalmen wurden zu den großen Festen gesungen und hatten besonders beim Passah ihren festen Platz. Ps 113 und 114 sang man vor dem Mahl, Ps 115-118 nach dem Mahl.

Die Beter befinden sich vermutlich in einer Notsituation, die Zweifel an der Macht Gottes wecken könnte (V. 2). Darum steht in ihrem Bittgebet nicht ihre eigene Situation, sondern die Ehre Gottes im Mittelpunkt (V. 1).

V. 3 drückt das feste Gottvertrauen der Beter aus. Gott ist immer noch „unser Gott“, er ist „im Himmel“, d.h. er ist der souveräne Herrscher. Darum kann er tun, „was er will“ (V. 3), d.h. auch sein Eingreifen verzögern. Demgegenüber stehen die falschen Götter, die von Menschen gemacht (V. 4) und zu nichts in der Lage sind (V. 5-7). Wer auf diese Götter vertraut, hat keine Hoffnung (V. 8.)

Ganz im Gegensatz dazu verhält es sich mit Gott. Er verheißt „Hilfe und Schild“ zu sein, und erwartet als Antwort darauf nur das feste Vertrauen derer, die zu ihm gehören.

Dem dreifachen Aufruf zum Vertrauen, folgt ein dreifacher Ausspruch des Segens (V. 12) und eine Zusammenfassung (V. 13) und die Verheißung einer großen Zukunft. V. 15 macht deutlich, dass die diejenigen, die zu Gott gehören, stets die Gesegneten sind – ganz gleich wie die äußeren Umstände sind.

V. 16 feiert die Macht des Herrn über die ganze Schöpfung. Hierin liegt die Gewissheit, dass Gott segnet und schützt.

V. 17-18 nehmen die Ehre Gottes als zentrales Gebetsanliegen wieder in den Blick. Da Tote Gott nicht loben (V. 17), bitten die Beter Gott um Bewahrung, so dass sie ihren Wunsch – Gott in Ewigkeit zu loben – wahrmachen können (V. 18). In der Tat verheißt uns die Schrift – dass wir ob wir leben oder sterben – dereinst im Himmel Gott ewiglich loben werden: „Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ (Offb 5,13)

  1. Ist es mir in meinem Gebet ein Anliegen, dass Gottes Ehre gemehrt wird?
  2. Warum kann ich auch in Notsituationen – in denen Gott für mich unverständlicherweise nicht eingreift – fest auf ihn vertrauen?
  3. „Ihr seid die Gesegneten des Herrn“ (V. 15). Worin wird dieser Segen auch in schweren Zeiten erfahrbar?
  4. Wir werden Gott bis in Ewigkeit loben (V. 16). Was denke ich über diese Ewigkeitsperspektive?

Mit Gott reden

„‘Wir sind Empfänger von Sprache. Sprechen lernen kann nur der, mit dem gesprochen wird. Unsere Geburt wirft uns in ein Meer der Sprache hinein (…) Und dann, langsam, Silbe um Silbe, erlangen wir die Fähigkeit, zu antworten: Mama, Papa, Trinken, Decke, ja, nein. Kein einziges dieser Worte war ein erstes Wort (…). Alles Reden ist antwortendes Reden. Wir alle wurden, bevor wir sprachen, erst angesprochen.‘ (…) Es ist daher für unser Beten unverzichtbar, dass wir das erkennen, was Peterson das ‚überwältigende Vorangehen des Redens Gottes vor unseren Gebeten‘ nennt. Dieses theologische Prinzip hat sehr praktische Konsequenzen. Es bedeutet nämlich, dass unsere Gebete aus unserer Beschäftigung mit der Bibel folgen sollten.“ (64f)

„Diese Verbindung von Bibel und Gebet ist der Anker, der mein Leben in dem realen Gott gründen lässt.“ (66)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.

Psalm 114: Wir sind Kinder des allmächtigen Gottes

„Als Israel aus Ägypten zog, das Haus Jakob aus dem fremden Volk, 2 da wurde Juda sein Heiligtum, Israel sein Königreich.

3 Das Meer sah es und floh, der Jordan wandte sich zurück. 4 Die Berge hüpften wie die Lämmer, die Hügel wie die jungen Schafe. 5 Was war mit dir, du Meer, daß du flohest, und mit dir, Jordan, daß du dich zurückwandtest? 6 Ihr Berge, daß ihr hüpftet wie die Lämmer, ihr Hügel, wie die jungen Schafe?

7 Vor dem Herrn erbebe, du Erde, vor dem Gott Jakobs, 8 der den Felsen wandelte in einen See und die Steine in Wasserquellen!“ (Psalm 114)

Ps 114 gehört zu den sogenannten Hallel-Psalmen (Lobpsalmen), genauer gesagt zum Ägyptischen Hallel. Diese Psalmen wurden zu den großen Festen gesungen und hatten besonders beim Passah ihren festen Platz. Ps 113 und 114 sang man vor dem Mahl, Ps 115-118 nach dem Mahl.

Die ersten beiden Verse blicken auf die Geburtsstunde Israels, den Auszug aus Ägypten, zurück. Mit mächtiger Hand und durch viele Wunder hatte Gott das Volk aus der ägyptischen Gefangenschaft befreit, damit es sein Eigentum sein sollte (vgl. 2Mose 19,5).

V. 3-6 blicken auf die „Naturwunder“ während des Auszugs zurück und deuten diese als Reaktion (man beachte die rhetorischen Fragen in V. 5-6) auf das Wunder der göttlichen Erwählung Israels. Die Natur [beim Durchzug durch das Rote Meer (2Mose 14,21f) und durch den Jordan (Jos 3,16), sowie das Beben des Berges Sinai (2Mose 19,18)] legt Zeugnis für dieses mächtige Handeln Gottes ab. Die Reaktion der Natur ist dabei zweigeteilt: Ehrfurcht (V. 3) und große Freude (V. 4).

V. 7 fordert die Natur (Antwort auf V. 5-6,) aber letztendlich natürlich alle dazu auf, Gott, dem Herrscher des Universums, die Ehre zu geben. Er, der Herrscher des Universums, ist gleichzeitig „Gott Jakobs“ (V. 7b) geworden. Was für ein Vorrecht, dass dieser mächtige Herrscher, in Christus für jeden zum Vater wird, der an ihn glaubt (vgl. Joh 1,12, Gal 4,4-7).

  1. Der Exodus war die Geburtsstunde Israels, durch die Gott sie zu seinem Eigentum machte. Was ist deine persönliche „Geburtsstunde“, durch die Gott dich zu seinem Eigentum gemacht hat?
  2. Gott ist nicht nur unser persönlicher Begleiter durch den Alltag, sondern der Herrscher des Universums, der alles – auch die Schöpfung – lenkt und erhält. Wie kannst du dir diese Wahrheit mehr ins Bewusstsein rufen?

Psalm 113: Den einzigartigen und uns erlösenden Gott loben!

„Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN, lobet den Namen des HERRN! 2 Gelobt sei der Name des HERRN von nun an bis in Ewigkeit! 3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN!

4 Der HERR ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist. 5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, im Himmel und auf Erden?

6 Der oben thront in der Höhe, der herniederschaut in die Tiefe, 7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz, 8 daß er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes; 9 der die Unfruchtbare im Hause zu Ehren bringt, daß sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja! Halleluja!“ (Psalm 113)

Ps 113 gehört zu den sogenannten Hallel-Psalmen (Lobpsalmen), genauer gesagt zum Ägyptischen Hallel. Diese Psalmen wurden zu den großen Festen gesungen und hatten besonders beim Passah ihren festen Platz. Ps 113 und 114 sang man vor dem Mahl, Ps 115-118 nach dem Mahl.

In den ersten drei Versen finden wir den wiederholten Aufruf Gott zu loben. Gott Lob darzubringen, ist die Aufgabe der Menschen, die sich ihm zugehörig fühlen – sie sind seine Knechte (V. 1). Dieses Lob kennt keine zeitliche Beschränkung – „von nun an bis in Ewigkeit“ (V. 2) soll es erklingen. Noch kennt dieses Lob eine geographische Beschränkung: „vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang“, d.h. auf dem ganzen Erdball soll das Lob Gottes erklingen.

Gott wird gelobt, um seiner selbst willen (V. 4-5). Er ist der souveräne Herrscher über alle Völker (V. 4a), ja über die Völker und die Erde hinaus (V. 4b). Die Einzigartigkeit seines Wesens (V. 5) ist Grund genug ihn zu loben.

Aber Gott wird nicht nur um seiner selbst willen gelobt, sondern auch aufgrund seines erlösenden Handelns (V. 6). Der Gott, der so erhaben ist, schaut in seinem Erbarmen auch auf den Geringen herab. Unwillkürlich denkt man an Christus, den es immer wieder „jammerte“, wenn er die verlorenen Menschen sah (Mt 9,36). Aber Gott schaut nicht nur auf den Geringen herab und lässt ihm geringe Linderung widerfahren. Nein, er, der selbst in der Höhe thront, erhöht auch den Geringen (V. 7b), indem er z.B. Gebete in Notlagen erhört (V. 8-9 zitieren aus dem Lobgesang der Hanna, vgl. 1Sam 2,8). Aber ultimativ erhöht er die Geringen, indem der Gottessohn Jesus Christus, uns zu Söhnen des Vaters (Gal 3,26) und seinen Brüdern (Hebr 2,11) macht.

  1. Gott ist der souveräne Herrscher (V. 4) – was bedeutet das für mein alltägliches Leben, für meine Weltsicht, für meinen Umgang mit guten und schlechten Erlebnissen?
  2. Welche Eigenschaften Gottes – neben seiner Souveränität – führen mich noch ins Gotteslob?
  3. Kann ich die V. 6-9 im Hinblick auf meine eigene, in Christus geschenkte, Erlösung so mitbeten? Warum oder warum nicht? Muss ich ggf. den Blick auf meine Erlösung anpassen?