In einem Jahr durch das Neue Testament

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Dass es wichtig ist, die Bibel zu lesen würden wohl die allermeisten Christen unterstreichen. Und in der Tat: Für Jesus ist die Versorgung mit dem Wort Gottes sogar so wichtig, dass er es auf eine Stufe mit der Nahrungsaufnahme stellt (vgl. Mt 4,4). Das Problem ist also meistens nicht, dass wir nicht wüssten, wie wichtig die Beschäftigung mit Gottes Wort ist. Sondern das Problem liegt eher darin, das auch umzusetzen und kontinuierlich in der Bibel zu lesen.

Da ich als Pastor weiß, dass sich viele Christen damit schwer tun, haben wir uns in unserer Gemeinde eine Aktion überlegt, die uns helfen soll, neu oder erstmals die gute Gewohnheit des Bibellesens einzuüben. Angelehnt an einen Bibelleseplan vom Discipleship Journal (hier zu finden) nennen wir das die Aktion 5x5x5Wir als EFG Borken wollen in einem Jahr gemeinsam das ganze Neue Testament lesen! Dazu nehmen wir uns vom 1. September 2019 bis zum 31. August 2020 an 5 Tagen der Woche jeweils 5 Minuten Zeit für ein Kapitel. Zur Vertiefung gibt es 5 Wege, sich mit dem gelesenen Text auseinanderzusetzen. 

Wir wollen diese Aktion nicht auf unsere Ortsgemeinde begrenzen. Insofern lade ich alle Leser dieses Beitrags herzlich ein, sich an dieser Aktion zu beteiligen. Den Bibelleseplan, der uns vom 1. September 2019 bis zum 31. August 2020 auf abwechslungsreiche Weise durch das gesamte Neue Testament führt, findest du hier auf der Homepage unserer Gemeinde. Mit einem solchen Plan, deiner Bibel und einen Stift bist du schon vorbereitet. Reserviere fortan 5 Minuten in deinem Alltag für die Bibellese und – am wichtigsten – leg einfach los! Wenn du möchtest und es dir hilft dranzubleiben, kannst du dich auch für unseren WhatsApp-Newsletter anmelden. Schicke dazu einfach eine kurze Textnachricht (z.B. „Hallo“) an die 01522 – 67 04 727 und speichere diese Nummer unter deinen Kontakten ab. In Zukunft erhältst du dann die Bibeltexte täglich zugeschickt (und wirst so an das Lesen erinnert) und hin und wieder die oder andere hilfreiche Information. Auch auf unserer Gemeindehomepage und diesem Blog werde ich hin und wieder Infos zur Aktion hineinstellen.

Ein Gedanke zum Schluss. Kritiker könnten fragen: „Ist das wirklich soo wichtig, die Bibel zu lesen? Sollten Christen nicht eher ihre Kraft und Zeit investieren, um Gutes zu tun und gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt vorzugehen?“ Dazu könnte man natürlich viel sagen. Aber eins ist klar: Für Jesus hatte das Hören des Wortes Gottes Priorität. Hier erfährst du dazu mehr!

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Warum ich die gewöhnliche Gemeinde liebe

Ich gehöre zu einer ganz gewöhnlichen Gemeinde. Mit um die 100 Mitgliedern ist sie nicht besonders groß. Unsere Gemeinde ist logischerweise auch (über unsere Stadt hinaus) nicht bekannt. Wir sind keine Trend-Gemeinde, die Christen aus anderen Städten (oder gar Ländern) besuchen und sich zum Vorbild nehmen. Über unsere Gemeinde hat auch noch nie jemand ein Buch oder auch nur einen Zeitschriftenartikel verfasst. Wir sind auch keine besonders innovative Gemeinde, die irgendetwas noch nie dagewesenes machen würde. Und unser Gemeindehaus ist auch weder besonders hübsch noch beeindruckend groß. Nein, Gemeinden ähnlich der unseren gibt es Hunderte in ganz Deutschland.

Und doch bin ich sehr gerne Teil (und Pastor) dieser Gemeinde. Ja, ich liebe meine Gemeinde. Ich liebe generell die gewöhnliche Gemeinde. Und dafür gibt es gute Gründe:

Hier leben Menschen den Glauben

Hier in ganz gewöhnlichen Gemeinden leben Christen ihren Glauben. Hier geschieht Jüngerschaft. Hier wird sich gegenseitig unterstützt und geholfen. Hier erleben Menschen Ermutigung aber auch Korrektur. In ganz gewöhnlichen Gemeinden wie bei uns kommen Menschen zusammen, um Gottesdienst zu feiern und die Bibel zu lesen. Man trifft sich, um miteinander zu beten und sich über den Glauben auszutauschen. Kurz gesagt: in gewöhnlichen Gemeinden steckt eine ganze Menge vitales geistliches Leben!

Hier wird Gottes Wort verkündigt

In ganz gewöhnlichen Gemeinden wird aber auch das Wort Gottes verkündigt. Das Wort, von dem der Herr sagt, dass es so kräftig ist, „wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt“ (Jer 23,29). Den gewöhnlichen Gemeinden mag manches fehlen, aber mit dem verkündigten Wort Gottes haben sie das wertvollste Pfund überhaupt, mit dem sie wuchern können. In gewöhnlichen Gemeinden an allen Orten gibt es auch viele völlig gewöhnliche Prediger, die sich Woche für Woche größte Mühe geben, dieses Wort zu verkündigen. Damit tragen gerade die gewöhnlichen Gemeinden dazu bei, dass das Wort Gottes in das ganze Land hinausgeht: in einzelne Stadtteile größerer Städte genauso wie in die vielen Kleinstädte und eher provinziellen Gegenden unseres Landes. Ja, gewöhnliche Gemeinden – die über das ganze Land verstreut sind – sind im Grunde wichtige Missionsstationen in unserem Land.

Hier wirkt der allmächtige Gott

Mancher mag es vielleicht nicht glauben, aber ja, auch in ganz gewöhnlichen Gemeinden wirkt der allmächtige Gott. Auch hier finden Menschen, die nichts von Gott wissen wollten, zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. Auch hier werden Menschen so verändert, dass sie schlechte Eigenschaften ablegen können. Auch in gewöhnlichen Gemeinden werden Gebete erhört und Menschen reifen in ihrem Glauben. Warum? Weil auch in gewöhnlichen Gemeinden der allmächtige Gott durch seinen Geist wirkt!

Auch sie sind Braut Christ

Das NT bezeichnet die Gemeinde Jesu Christi als seine Braut. Auch gewöhnliche Gemeinden gehören dazu. Interessant ist doch, dass Paulus gerade über die Gemeinde in Korinth zu solchen Worten greift: „Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch verlobt mit einem einzigen Mann, damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte.“ (2Kor 11,2). Auch die schwierige Gemeinde von Korinth ist Braut Christi und damit in Gottes Augen von sehr großem Wert. Wie viel mehr gilt das dann für die vielen gewöhnlichen Gemeinden unserer Tage, auf die manche Christen so verächtlich herabblicken.

Wie denken wir über die gewöhnlichen Gemeinden?

Ja, gewöhnliche Gemeinden haben natürlich ihre Schwächen. Manche sind in bestimmten Traditionen zu sehr verhaftet. Andere haben wenig personelle und finanzielle Ressourcen ein breites Gemeindeleben anzubieten. Wieder andere kreisen zu sehr um sich selbst oder sind zu abhängig von einzelnen Mitgliedern und hipp und modern sind gewöhnliche Gemeinden natürlich überhaupt nicht… Und natürlich gibt es noch ganz andere Baustellen.

Und dennoch: es ist wichtig und ein großer Segen, dass es so viele gewöhnliche Gemeinden gibt! Wenn du zu so einer Gemeinde gehörst, dann schätze sie, fördere sie und sei dankbar für deine Gemeinde! Und wenn du zu einer anderen – nicht ganz so gewöhnlichen Gemeinde gehörst – dann hüte dich vor Hochmut und geistlicher Arroganz diesen gewöhnlichen Gemeinden gegenüber.

Zehn Ausreden, die eigene Gemeinde nicht finanziell zu unterstützen

Gott fordert uns in seinem Wort dazu auf, dass wir als Christen freigiebig und mit Freude auch unser Geld für die Förderung seines Reiches einsetzen. Zuallerst sind wir dabei dazu verpflichtet, die Gemeinde zu der wir gehören, finanziell angemessen zu unterstützen. Über die mehr als 15 Jahre, die ich über dieses Thema inzwischen nachdenke und mit Geschwistern darüber spreche, sind mir eine Vielzahl an mehr oder minder originellen Ausreden zu Ohren gekommen, warum mancher meint, dies nicht tun zu müssen:

1. „Ich kann mir das einfach nicht leisten.“

Ja, es gibt Menschen, die sehr wenig Geld zum Leben haben. Aber weder Gott noch irgendein Gemeindeverantwortlicher erwartet beispielsweise von einem Arbeitslosen oder einem Schüler hohe Spendenbeträge. Es geht um einen den eigenen Verhältnissen angemessen Beitrag (vgl. 2Kor 8,3). Falsch ist es jedoch, wenn man meint, sich gänzlich aus der Verantwortung ziehen zu können. Ja, auch Bezieher von Sozialleistungen, Studenten oder Geringverdiener sollten sich nach ihren Möglichkeiten beteiligen (vgl. das Beispiel von der Witwe, Lk 21,1-4).

Hinzuzufügen ist, dass mir diese Ausrede auch schon bei Menschen normalen Einkommens begegnet ist. Man behauptet tatsächlich, von den Ausgaben für Wohnung, Auto, Lebensmittel, Studium der Kinder, Urlaub etc. so sehr belastet zu sein, dass man sich keinen Beitrag für die Gemeinde mehr leisten könne….

2. „Ich will mich ja beteiligen, aber momentan bin ich noch zu knapp bei Kasse.“

Im Unterschied zur ersten Ausrede ist hier die grundlegende Bereitschaft zur Unterstützung der Gemeinde vorhanden. Aber man meint vor einem unüberwindbarem Hindernis zu stehen, dass einem das jetzt einfach nicht ermögliche: „Wenn der Kredit fürs Auto abbezahlt ist…“, „wenn ich endlich eigenes Geld verdiene…“, „wenn die Kinder mit dem Studium durch sind…“, „wenn ich meine Zahnbehandlung finanziert habe…“ – dann kann endlich auch die Gemeinde finanziell unterstützt werden.

Es gibt ein gravierendes Problem an dieser Stelle: Der Tag, an dem die Gemeinde wirklich finanziell unterstützt wird, wird mit großer Wahrscheinlichkeit nie kommen. Denn nachdem das Auto abbezahlt ist und die Zahnbehandlung finanziert wurde, muss vielleicht eine neue Küche angeschafft werden oder am Auto muss eine dringende Reparatur vorgenommen werden. Kurz gesagt: Wer diese Einstellung hat, auf denen werden immer neue Dinge zukommen, die bezahlt werden müssen und die wichtig und unaufschiebbar erscheinen.

Deshalb sollten wir es mit der Unterstützung der Gemeindearbeit machen, wie mit der monatlichen Miete. Sie wird als erstes von dem Geld, was wir monatlich zur Verfügung haben, bezahlt. Bei der Miete steht nicht auch gar nicht zur Debatte, ob man sie diesen Monat zahlt oder vielleicht mal ausfallen lässt. Nein, sie wird treu Monat für Monat als erstes bezahlt. Sie hat höchste Priorität. So sollte es auch mit unserer finanziellen Unterstützung unserer Gemeinde sein.

3. „Mein Beitrag wäre eh viel zu klein und ist doch unerheblich.“

Ob ein Schüler nun jeden Monat fünf Euro für die Gemeinde spendet oder nicht ist bei einem sechsstelligen Gemeindehaushalt, den viele Gemeinden haben, doch belangslos oder?

Jesus ist da anderer Meinung. Er kommentiert die Spende der armen Witwe von – auf unsere Verhältnisse übertragen – 2 Cent in Lk 21,3-4 mit den Worten: “ Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt. Denn diese alle haben etwas von ihrem Überfluß zu den Opfern eingelegt; sie aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie zum Leben hatte.“ Egal, wie klein dein Beitrag wäre, für Jesus ist deine Gabe die von Herzen kommt, alles andere als unerheblich!

Zu diesem geistlichen kommt auch noch ein pädagogischer Aspekt. Wer nicht frühzeitig – z.B. als Schüler – damit beginnt, etwas von seinem Geld zu spenden, wird sich auch sehr schwer tun, etwas zu spenden, wenn er irgendwann 5.000 Euro verdient.

4. „Ich spende doch an andere christliche Organisationen, die es viel nötiger haben.“

Ohne Zweifel ist es gut, Missionsgesellschaften, Bibelschulen oder diakonische Initiativen zu unterstützen. Ich selbst tue das auch seit vielen Jahren. Und es gibt soviele gute Organisationen, dass ich gerne noch viele mehr unterstützen würde.

Dennoch gilt unsere Hauptverantwortung stets der Ortsgemeinde, der wir angehören. Wenn wir diese angemessen und großzügig unterstützen, und wir dann immer noch Luft haben, dann ist es gut, unsere finanzielle Unterstützung auch auf andere Organisationen auszuweiten.

Ich würde auch hinterfragen, ob es andere Organisationen wirklich nötiger haben, als die lokale Gemeinde. Natürlich ist z.B. die materielle Not in vielen afrikanischen Ländern erschreckend groß. Wenn wir allerdings die geistliche Not betrachten, ist diese in oftmals Deutschland größer als in vielen Ländern Afrikas. Es ist auch ungemein wichtig, den Gemeindebau in Deutschland zu stärken, damit auch hierzulande Menschen das Evangelium hören und von Jesus Christus gerettet werden.

Im Übrigen: würden alle Mitglieder der Gemeinden hierzulande ihrer finanziellen Verantwortung für ihre Gemeinde gerecht werden, so könnten die Gemeinden auch einen größeren Teil ihres Budgets wiederum in die Mission geben.

5. „Ich spende an andere christliche Organisationen, weil mit meinem Geld dort viel mehr erreicht werden kann.“

Mit 100 Euro in einem armen asiatischen Land kann der dortige Pastor vielleicht zwei Monate bezahlt werden oder der ganzjährige Schulunterricht für mehrere Kinder. Mit 100 Euro in Deutschland werden vielleicht gerade mal die monatlichen Kopierkosten einer Gemeinde gedeckt. Ist es dann nicht sinnvoll, das Geld dorthin zu geben, wo man mehr mit diesem Geld erreichen kann?

Nun, Gottes Reich funktioniert nicht nach Rendite-Gesichtspunkten Wir sind aufgefordert, das zu tun, was Gott von uns möchte – ungeachtet dessen, was aus unserer Sicht mehr Ertrag verspricht. Außerdem: Natürlich hat es irgendwie mehr Charme, wenn mit den eigenen Spendengeldern die Schulausbildung afrikanischer Kinder finanziert wird, statt der öden Heizkosten der örtlichen Gemeinde. Eins ist aber klar: Wenn jeder so denken und handeln würde, gäbe es schon bald kein Gemeindeleben mehr in Deutschland.

6. „Ich bin nicht damit einverstanden, wofür meine Gemeinde das Geld ausgibt.“

Soll man einen Jugendpastor anstellen, neue Musikinstrumente anschaffen oder eine große evangelistische Veranstaltung planen? Klar ist: Gemeinden haben vielfältige Möglichkeiten ihre Gelder auszugeben und naturgemäß gehen die Meinungen darüber auseinander, welche Schwerpunkte man setzen sollte.

Der Gemeinde allerdings die eigene finanzielle Unterstützung zu entziehen, wenn sie sich für etwas anderers entscheidet als ich das persönlich für gut halte, ist nicht in Ordnung. So ein Verhalten zeugt von einem völlig fehlgeleiteten Verständnis vom Geben und grenzt schon an Erpressung.

Denn Geben (oder Spenden) ist etwas anderes als Einkaufen. Beim Einkaufen bestimme ich, ob ich mir eine Hose oder einen Pullover kaufen möchte. Ich kann auswählen aus verschiedenen Farben, Formen, Qualitätsstufen und unzähligen Herrstellern. Ich kann mich genau für das entscheiden, was meine individuellen Bedürfnisse am besten erfüllt. Geben (Spenden) ist etwas völlig anderes. Ich gebe von dem Geld, das Gott mir zur Verfügung gestellt hat, einen Teil weg. Und zwar bedingungslos und ohne Kontrolle ausüben zu wollen. Es geht hier nicht um mich und meine Wünsche, sondern um Gott und sein Werk. Zum Geben gehört folglich nicht nur, das Geld abzugeben, sondern auch die Kontrolle über mein Geld (was genau soll damit geschehen) abzugeben. Nicht ICH entscheide, was im Einzelnen damit geschieht, sondern WIR entscheiden als Gemeinde gemeinsam, was damit geschieht.

7. „Ich gebe nur etwas, wenn der Herr mir das persönlich direkt aufs Herz legt.“

Diese Ausrede klingt hoch geistlich. Hier wartet jemand auf einen besonderen Impuls vom Hl. Geist, damit er etwas hierhin oder dorthin spendet. Und natürlich gibt es das manchmal. Da ist vielleicht ein Missionar in unserer Gemeinde zu Gast und wir sind sehr bewegt von der Arbeit, die er tut. Und wir haben dieses tiefe Anliegen in uns, diese Arbeit zu unterstützen und legen darum eine große Summe in den Kollektenkorb. So weit, so gut.

Allerdings ist es nicht richtig, nur auf einen direkten Impuls Gottes hin etwas zu geben. Die Bibel lehrt es anders. So schreibt Paulus in 1Kor 16,2: „An jedem ersten Tag der Woche lege ein jeder von euch bei sich etwas zurück und sammle an, soviel ihm möglich ist, damit die Sammlung nicht erst dann geschieht, wenn ich komme.“ Paulus legt Wert darauf, dass regelmäßig und auch geplant gespendet werden soll. Darüber hinaus ist es gar nicht nötig, auf einen besonderes Impuls des Geistes zu warten. Schließlich hat uns Gott in seinem Wort doch bereits zum Geben aufgerufen.

8. „Es heißt doch, dass die Linke nicht wissen soll, was die Rechte tut. Also mache ich mir gar keine Gedanken darüber, wieviel ich wohin gebe.“

Diese Ausrede – vorgebracht gegen eine regelmäßige und verlässliche Unterstützung der eigenen Ortsgemeinde – beruft sich auf Mt 6,3: „Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.“

Allerdings bedeutet dieser Vers gar nicht, dass man sich keine Gedanken darüber machen sollte, wieviel man wohin spendet. Der Kontext macht deutlich, dass Jesus sich viel mehr dagegen wendet, dass Menschen in der Öffentlichkeit herausstellen, wie großzügig sie doch für dieses oder jenes gegeben haben. Darum ist es in Gemeinden auch zurecht unüblich, bei der Verwirklichung größerer Projekte die Großspender besonders hervorzuheben.

9. „Ich kann (noch) nicht fröhlich geben. Also spende ich lieber nichts.“

Diese Ausrede nimmt Bezug auf 2Kor 9,7. Dort schreibt Paulus zum Thema Geben: „Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Weil jemand noch nicht fröhlich geben kann, sondern ihm das schwerfällt, gibt er lieber nichts. Schließlich will er kein Heuchler sein. Ist das so richtig? Soll man das Spenden tatsächlich sein lassen, wenn es einen manchmal Überwindung kostet?

Nun, Gott wünscht sich ganz allgemein, dass wir ihm fröhlich dienen und seinen Geboten gerne folgen. Dennoch entbindet die manchmal nicht vorhandene Freudigkeit an einem Gebot Gottes nicht von dessen Befolgung. Allerdings weist uns unser Unbehagen in so einem Fall schon auf ein tieferliegendes Problem hin. Dass wir nämlich offenbar Schwierigkeiten haben, Gott ganz – auch in materiellen Angelegenheiten – zu vertrauen. Statt auf das Geben zu verzichten, sollten wir lieber Gott um Hilfe und Veränderung unseres Herzens bitten. Und gerade der Vertrauensschritt – etwas zu Geben, obwohl es Überwindung kostet – kann auch dazu dienen, dass wir in diesem Punkt reifen und unser Gottvertrauen wächst.

10. „Ich gebe zwar nichts, aber dafür arbeite ich sehr engagiert in der Gemeinde mit.“

Ja, diese Ausrede gibt es tatsächlich. Fakt ist allerdings, dass Gott von uns Beides erwartet: Dass wir unsere Zeit und Gaben in Form ehrenamtlicher Mitarbeit einbringen, aber auch, dass wir einen angemessenen und großzügigen Teil von den materiellen Gütern, die Gott uns anvertraut hat, in unsere Gemeinde vor Ort investieren. Weder kann man sich von der Mitarbeit durch hohe Spenden „freikaufen“, noch kann man sich umgekehrt durch engangierte Mitarbeit seiner finanziellen Verantwortung entziehen.

Ein Wunsch für die Zukunft!

Dieser Beitrag ist naturgemäß etwas kritischerer Natur. Umso wichtiger ist mir, mit einem positiven Wunsch zu schließen: Wie wunderbar und segensreich wäre es, wenn alle Mitglieder ihre Gemeinden angemessen und großzügig unterstützen würden. Nach meiner Vermutung würden die Einnahmen der meisten Gemeinden um 50-100% höher ausfallen als heute.

Man stelle sich vor, was man mit diesen finanziellen Ressourcen Gutes für das Reich Gottes tun könnte! Ob es der Beginn einer neuen Gemeindearbeit in der Nachbarstadt wäre, motivierende und lehrreiche Schulungen für die engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter oder die Aussendung neuer Missionare… Es könnte soviel Gutes getan werden! Denn Fakt ist, dass heute leider viele gute Projekte und Ideen mangels finanzieller Mittel nie umgesetzt werden.

Und im Übrigen gilt: Wer für seine Gemeinde spendet, verliert nichts. Im Gegenteil: er investiert in einen Schatz im Himmel (vgl. Lk 12,33; Phil 4,17). Geben ist darum im Grunde keine lästige Pflicht, sondern die Gelegenheit zur besten Investition deines Lebens.

Buchempfehlung zu dem Thema: Randy Alcorn, Geld, Besitz und Ewigkeit, 3L Verlag.

Soziales Engagement – Hauptaufgabe der Kirchen?

Eine Umfrage im Auftrag von Idea kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass die Menschen in Deutschland von den Kirchen in erster Linie soziales Engagement erwarten (43%). Klar, soziales Engagement ist sympathisch und kommt immer und überall gut an. Auch unter freikirchlichen Christen ist die Erwartung an soziales Engagement sehr hoch (48%) und wird nur knapp von der Erwartung, dass die Kirchen den „Zugang zu Gott eröffnen“ (53%), übertroffen.

Nun ist soziales Engagement zweifellos eine sehr gute Sache – und Christen in allen Jahrhunderten haben hier Außerordentliches geleistet. Doch – und das muss in aller Klarheit gesagt werden – der Hauptauftrag der christlichen Gemeinde ist es nicht. Jesus Christus, der Herr der Gemeinde, hat sie ins Leben gerufen, um Jünger zu machen: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker.“ (Mt 28,19a). Soziales Engagement bzw. christliche Liebestätigkeit ist also nicht der Kern der Sache. Es erwächst vielmehr aus der Begegnung mit Gottes rettender Gnade in Jesus Christus ganz natürlich und zwangsläufig.

Kirchen und Gemeinden müssen an dieser Stelle aufpassen, sich dem Erwartungsdruck der Gesellschaft nicht zu beugen. Denn klar ist, dass soziales Engagement mit Applaus und öffentlicher Anerkennung bedacht wird, evangelistische Bemühungen dagegen zunehmend als fundamentalistisch empfunden werden. Dennoch sind wir Jesus Christus und seinem Wort verpflichtet und weder den Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft noch den Wünschen der eigenen Gemeindemitglieder.

Übrigens: wer Diakonie und soziales Engagement fördern will, muss nicht große Diakoniekonzerne gründen oder der Ortsgemeinde künstlich soziale Projekte überstülpen (die dann womöglich noch auf Kosten evangelistischer Aktivitäten gehen). Vielmehr gilt es das Evangelium von Jesus Christus in den Mittelpunkt des Gemeindelebens zu stellen! D.h. dieses Evangelium zu predigen, diese Botschaft aktiv zu den Menschen zu bringen (ja, durch Worte) und auch den langjährigen Nachfolgern Jesu das Evangelium immer kostbarer zu machen! Denn die Menschen müssen diese einzigartige Liebe Gottes – die sich darin zeigt, dass Gott selbst seinen eigenen Sohn nicht verschonte, sondern ihn für uns dahingab (vgl. Röm 8,32), und zwar als wir noch Sünder waren (Röm 5,8) – persönlich erfahren! Wenn wir von dieser Liebe Gottes, wie sie sich im Evangelium Jesu manifestiert, ergriffen sind, dann werden wir aus Dank und Liebe zu unserem Erlöser ganz natürlich danach trachten, „Gutes zu tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“ (Gal 6,10).

Zu dem Verhältnis von sozialem Engagement und dem eigentlichen Missionsauftrage Jesu ist übrigens das Buch „Was ist der Missions-Auftrag der Gemeinde Jesu?“ von Greg Gilbert und Kevin DeYoung sehr zu empfehlen!

Warum ich fortlaufende Bibeltexte predige III

Hier und hier habe ich bereits zwei Gründe genannt, warum ich vorwiegend fortlaufend ganze Bibelbücher oder größere Bibelabschnitte predige. Einerseits, damit nicht nur populäre Lieblingsstellen zur Sprache kommen, sondern der ganze Ratschluss Gottes (vgl. Apg 20,27) gepredigt wird. Anderseits auch, weil fortlaufendes Predigen es besonders gut ermöglicht, die großen Linien in der Schrift zu verstehen. Insofern entspricht fortlaufendes Predigen dem Charakter der Schrift.

Gottesdienstbesuch sollte jeden Sonntag sein

Ein weiterer Grund, warum ich das fortlaufende Predigen (man nennt das lectio continua) bevorzuge, besteht in seinem pädagogischen Wert. Denn es erinnert die Gemeinde kontinuierlich daran, dass Gottesdienstbesuch grundsätzlich in jeder Woche sein sollte. Wer einen Sonntag nicht da ist, hat eben etwas verpasst (das gilt natürlich immer). Aber wenn in einer Gemeinde das fortlaufende Predigen üblich ist, wird es demjenigen eher bewusst werden („Huch, wir sind schon bei 1Mose 30 – vor 14 Tagen waren wir doch noch in Kapitel 28…“). Ich bin natürlich nicht so naiv zu glauben, allein durch dieses Vorgehen, jeden zum treuen Gottesdienstbesuch ermuntern zu können. Dennoch ist fortlaufendes Predigen ein stete Erinnerung daran, dass der wöchentliche Gottesdienstbesuch die Regel sein sollte. Eine Erinnerung, die wir in unserer Multioptionsgesellschaft mit ihren vielen Wahlmöglichkeiten auch am Sonntag morgen gut gebrauchen können.

Wer die ganze Predigtreihe hört, hat größeren Gewinn

Noch ein kurzer Aspekt: Dass bei fortlaufendem Predigen, die einzelnen Predigten aufeinaner aufbauen, entbindet den Prediger selbstverständlich nicht von der Verantwortung, jede einzelne Predigt so auszuarbeiten, dass sie in sich verständlich und stimmig ist. Nichtsdestotrotz wird derjenige, der alle Teile aufmerksam hört, größeren Gewinn haben, als derjenige, der nur einzelne Predigten hört. (Genau so ist es ja auch bei guten Filmreihen.) Auch das erhöht die Motivation, möglichst jeden Sonntag in den Gottesdienst zu gehen.