Menschliche Autorität und Gottes Wort

„Da nahm Samuel den Krug mit Öl und goß es auf sein Haupt und küßte ihn und sprach: Siehe, der HERR hat dich zum Fürsten über sein Erbteil gesalbt. 2 Wenn du jetzt von mir gehst, so wirst du zwei Männer finden bei dem Grabe Rahels an der Grenze Benjamins bei Zelzach; die werden zu dir sagen: Die Eselinnen sind gefunden, die du zu suchen ausgezogen bist; aber siehe, dein Vater hat die Esel nicht mehr im Sinn und sorgt sich um euch und spricht: Was soll ich wegen meines Sohnes tun? 3 Und wenn du von da weiter gehst, wirst du zur Eiche Tabor kommen; dort werden dich drei Männer treffen, die hinaufgehen zu Gott nach Bethel. Einer trägt drei Böcklein, der andere drei Brote, der dritte einen Krug mit Wein. 4 Und sie werden dich freundlich grüßen und dir zwei Brote geben. Die sollst du von ihren Händen annehmen. 5 Danach wirst du nach Gibea Gottes kommen, wo die Wache der Philister ist; und wenn du dort in die Stadt kommst, wird dir eine Schar von Propheten begegnen, die von der Höhe herabkommen, und vor ihnen her Harfe und Pauke und Flöte und Zither, und sie werden in Verzückung sein. 6 Und der Geist des HERRN wird über dich kommen, daß du mit ihnen in Verzückung gerätst; da wirst du umgewandelt und ein anderer Mensch werden. 7 Wenn bei dir nun diese Zeichen eintreffen, so tu, was dir vor die Hände kommt; denn Gott ist mit dir. 8 Du sollst aber vor mir hinabgehen nach Gilgal; siehe, da will ich zu dir hinabkommen, um Brandopfer und Dankopfer zu opfern. Sieben Tage sollst du warten, bis ich zu dir komme und dir kundtue, was du tun sollst. 9 Und als Saul sich wandte, um von Samuel wegzugehen, gab ihm Gott ein anderes Herz, und alle diese Zeichen trafen ein an demselben Tag. 10 Und als sie nach Gibea kamen, siehe, da kam ihm eine Prophetenschar entgegen, und der Geist Gottes geriet über ihn, daß er mit ihnen in Verzückung geriet. 11 Als sie sahen, daß er mit den Propheten in Verzückung war, sprachen alle, die ihn früher gekannt hatten, untereinander: Was ist mit dem Sohn des Kisch geschehen? Ist Saul auch unter den Propheten? 12 Und einer von dort sprach: Wer ist denn schon ihr Vater? Daher ist das Sprichwort gekommen: Ist Saul auch unter den Propheten? 13 Und als seine Verzückung aufgehört hatte, kam er nach Gibea. 14 Es sprach aber Sauls Oheim zu ihm und zu seinem Knecht: Wo seid ihr hingegangen? Er antwortete: Die Eselinnen zu suchen; und als wir sahen, daß sie nicht da waren, gingen wir zu Samuel. 15 Da sprach der Oheim Sauls: Sage mir, was sagte euch Samuel? 16 Saul antwortete seinem Oheim: Er sagte uns, daß die Eselinnen gefunden seien. Aber was Samuel von dem Königtum gesagt hatte, sagte er ihm nicht. 17 Samuel aber rief das Volk zusammen zum HERRN nach Mizpa 18 und sprach zu den Israeliten: So sagt der HERR, der Gott Israels: Ich habe Israel aus Ägypten geführt und euch aus der Hand der Ägypter errettet und aus der Hand aller Königreiche, die euch bedrängten. 19 Ihr aber habt heute euren Gott verworfen, der euch aus aller eurer Not und Bedrängnis geholfen hat, und habt gesprochen: Nein, setze vielmehr einen König über uns! Wohlan, so tretet nun vor den HERRN nach euren Stämmen und Tausendschaften! 20 Als nun Samuel alle Stämme Israels herantreten ließ, fiel das Los auf den Stamm Benjamin. 21 Und als er den Stamm Benjamin herantreten ließ mit seinen Geschlechtern, fiel das Los auf das Geschlecht Matri, und als er das Geschlecht Matri herantreten ließ, Mann für Mann, fiel das Los auf Saul, den Sohn des Kisch. Und sie suchten ihn, aber sie fanden ihn nicht. 22 Da befragten sie abermals den HERRN: Ist denn der Mann überhaupt hergekommen? Der HERR antwortete: Siehe, er hat sich bei dem Troß versteckt. 23 Da liefen sie hin und holten ihn von dort. Und als er unter das Volk trat, war er eines Hauptes länger als alles Volk. 24 Und Samuel sprach zu allem Volk: Da seht ihr, wen der HERR erwählt hat; ihm ist keiner gleich im ganzen Volk. Da jauchzte das ganze Volk und sprach: Es lebe der König! 25 Samuel aber tat dem Volk das Recht des Königtums kund und schrieb’s in ein Buch und legte es vor dem HERRN nieder. Und Samuel entließ das ganze Volk, einen jeden in sein Haus. 26 Auch Saul ging heim nach Gibea, und mit ihm gingen die vom Heer, denen Gott das Herz gerührt hatte. 27 Aber einige ruchlose Leute sprachen: Was soll der uns helfen? Und sie verachteten ihn und brachten ihm kein Geschenk. Aber er tat, als hörte er’s nicht. 11:1 Es zog aber herauf Nahasch, der Ammoniter, und belagerte Jabesch in Gilead. Und alle Männer von Jabesch sprachen zu Nahasch: Schließ einen Bund mit uns, so wollen wir dir untertan sein. 2 Aber Nahasch, der Ammoniter, antwortete ihnen: Das soll der Bund sein, den ich mit euch schließen will, daß ich euch allen das rechte Auge aussteche und bringe damit Schmach über ganz Israel. 3 Da sprachen zu ihm die Ältesten von Jabesch: Gib uns sieben Tage, daß wir Boten in das ganze Gebiet Israels senden; ist dann niemand da, der uns rette, so wollen wir zu dir hinausgehen. 4 Da kamen die Boten nach Gibea Sauls und sagten diese Worte vor den Ohren des Volks. Da erhob das ganze Volk seine Stimme und weinte. 5 Und siehe, da kam Saul vom Felde hinter den Rindern her und fragte: Was ist mit dem Volk, daß es weint? Da berichteten sie ihm die Worte der Männer von Jabesch. 6 Da geriet der Geist Gottes über Saul, als er diese Worte hörte, und sein Zorn entbrannte sehr. 7 Und er nahm ein Paar Rinder und zerstückte sie und sandte davon in das ganze Gebiet Israels durch die Boten und ließ sagen: Wer nicht mit Saul und Samuel auszieht, mit dessen Rindern soll man ebenso tun. Da fiel der Schrecken des HERRN auf das Volk, so daß sie auszogen wie ein Mann. 8 Und er musterte sie bei Besek, und die von Israel waren dreihunderttausend Mann und die Männer Judas dreißigtausend. 9 Und er sagte den Boten, die gekommen waren: So sagt den Männern von Jabesch in Gilead: Morgen soll euch Hilfe werden, wenn die Sonne beginnt, heiß zu scheinen. Als die Boten heimkamen und das den Männern von Jabesch verkündeten, wurden diese froh. 10 Und die Männer von Jabesch ließen den Ammonitern sagen: Morgen wollen wir zu euch hinausgehen, daß ihr mit uns alles tut, was euch gefällt. 11 Aber am andern Morgen teilte Saul das Volk in drei Heerhaufen, und sie kamen ins Lager um die Zeit der Morgenwache und schlugen die Ammoniter, bis der Tag heiß wurde; die aber übrigblieben, wurden zerstreut, so daß von ihnen nicht zwei beieinander blieben. 12 Da sprach das Volk zu Samuel: Wer sind die, die gesagt haben: Sollte Saul über uns herrschen? Gebt sie her, die Männer, daß wir sie töten. 13 Saul aber sprach: Es soll an diesem Tage niemand sterben; denn der HERR hat heute Heil gegeben in Israel. 14 Samuel sprach zum Volk: Kommt, laßt uns nach Gilgal gehen und dort das Königtum erneuern. 15 Da ging das ganze Volk nach Gilgal, und sie machten Saul dort zum König vor dem HERRN in Gilgal und opferten Dankopfer vor dem HERRN. Saul aber und alle Männer Israels freuten sich dort gar sehr.“ (1Sam 10,1-11,15)

crown-759296_1280

Was Gott sagt, das geschieht

Nachdem Saul im vorhergehenden Abschnitt im Verborgenen zum König gesalbt wurde, wird er nun öffentlich als König anerkannt. Zunächst folgen der Salbung Sauls mehrere Zeichen der Bestätigung (1Sam 10,1-16) nach. Wir können uns vorstellen, dass Saul diese unglaubliche Botschaft – dass König werden sollte – kaum glauben konnte.  Es brauchte diese Zeichen der Bestätigung, damit die Gewissheit in ihm wachsen würde, dass diese Salbung tatsächlich „vom Herrn“ war. Und in der Tat tritt in diesem ersten Abschnitt alles genau so ein, wie der Herr es durch Samuel vorausgesagt hatte. Das ist ein Charakteristikum Gottes: er allein ist allmächtig und allwissend! Weil Gott die Zukunft – in allen ihren Details – kennt und auch lenkt, darum ist auch sein Wort in jeder Hinsicht vertrauenswürdig und gewiss. Sein Wort damals – ausgesprochen durch Samuel – ganz genauso wie sein niedergeschriebenes Wort, das wir in Form der Bibel finden. Wir können (und sollen) Gottes Wort in jeder Hinsicht Glauben und Vertrauen schenken. Denn sein Wort ist gewiss und wahrhaftig!

Autorität unter Gottes Wort

Ein wichtiges Detail finden wir in V. 8. Samuel schließt seine Worte an Saul mit folgendem Aufruf ab: „Du sollst aber vor mir hinabgehen nach Gilgal; siehe, da will ich zu dir hinabkommen, um Brandopfer und Dankopfer zu opfern. Sieben Tage sollst du warten, bis ich zu dir komme und dir kundtue, was du tun sollst.“ In diesen Worten wird deutlich, dass Sauls Herrschaft niemals als eine absolutistische Herrschaft ohne Grenzen gedacht war. Nein, die Könige Israels sollten immer unter der Autorität Gottes herrschen. Sie sollten in ihrem Handeln nach Gottes Wort fragen. So wird auch hier Saul aufgefordert, auf weitere Instruktionen Gottes – übermittelt durch Samuel – zu warten. Keinesfalls soll Saul – obwohl als König gesalbt – eigenmächtig zur Tat schreiten. Er ist eben „nur“ König unter Gottes Autorität und Wort. Auch heute gilt, dass Führungspersonen die Gott einsetzt – z.B. Älteste in einer Gemeinde – niemals aus sich selbst und an Gottes Wort vorbei Autorität und Macht haben. Sicherlich werden sie mit ihren unterschiedlichen Gaben und ihrem individuellen Charakter verschiedene Schwerpunkte setzen und eine Gemeinde eher in die eine oder andere Richtung führen. Niemals aber dürfen sie ihre Autorität dafür missbrauchen, den Rahmen den Gott durch sein Wort setzt, zu verlassen. Ist uns das – wenn uns Verantwortung übertragen ist – klar? Und übrigens: wenn wir nicht zu denen gehören, die in einer Gemeinde Verantwortung tragen, dann sind wir aufgerufen, unsere Prediger und Älteste zu einem Kurs nach Gottes Wort zu ermuntern. Und nicht nur das, sondern wir sollen den Kurs einer Gemeinde auch anhand der Schrift prüfen und – wenn nötig –  auf Kurskorrekturen drängen. Blinder Gehorsam und eigenmächtige Autorität ist jedenfalls nicht das, was die Bibel lehrt.

Gott begabt die Berufenen

Im Fortgang des Textes lesen wir, wie Saul als König öffentlich anerkannt wird (10,17-27). In diesem Zusammenhang wird eine anderer – ebenso verkehrter – Umgang mit Autorität deutlich. Da gibt es nämlich Leute, die Saul als König nicht akzeptieren (V. 27). Und das, obwohl er von Gott gesalbt und von der überwältigenden Mehrheit des Volkes anerkannt wurde. Wer sich grundlos gegen Autoritäten stellt – und das gilt genauso heutzutage –  wandelt jedenfalls nicht gemäß Gottes Willen. Denn dass Gott auf Sauls Seite steht wird erneut offensichtlich, als dem neuen König in Kap. 11 ein wichtiger militärischer Sieg gelingt. Dies zeigt auch, dass Gott diejenigen die er beruft auch durch seinen Hl. Geist begabt und befähigt (V. 6). Dies dürfen wir als Ermutigung auch für uns wissen: Wenn Gott uns in eine Aufgabe – möglicherweise mit großer Verantwortung beruft – dann wird er uns auch dazu befähigen. Saul jedenfalls steht am Ende von Kapitel als anerkannter, siegreicher König da. Doch eine Frage bleibt: wird er sich dauerhaft als treu und dem Wort Gottes gehorsam erweisen (vgl. 10,8!)? Denn das ist bei allem – völlig unabhängig von spektakulären äußerlichen Erfolgen – das Entscheidende in Dienst und Leben: Bleiben wir Gott treu und vertrauen wir seinem Wort?

Wie man das Entscheidende verpassen kann

„1  Es war ein Mann von Benjamin, mit Namen Kisch, ein Sohn Abïls, des Sohnes Zerors, des Sohnes Bechorats, des Sohnes Afiachs, des Sohnes eines Benjaminiters, ein angesehener Mann. 2 Der hatte einen Sohn mit Namen Saul; der war ein junger, schöner Mann, und es war niemand unter den Israeliten so schön wie er, eines Hauptes länger als alles Volk. 3 Es hatte aber Kisch, der Vater Sauls, die Eselinnen verloren. Und er sprach zu seinem Sohn Saul: Nimm einen der Knechte mit dir, mach dich auf, geh hin und suche die Eselinnen. 4 Und sie gingen durch das Gebirge Ephraim und durch das Gebiet von Schalischa und fanden sie nicht; sie gingen durch das Gebiet von Schaalim, und sie waren nicht da; sie gingen durchs Gebiet von Benjamin und fanden sie nicht. 5 Als sie aber ins Gebiet von Zuf kamen, sprach Saul zu dem Knecht, der bei ihm war: Komm, laß uns wieder heimgehen; mein Vater könnte sich sonst statt um die Eselinnen um uns sorgen. 6 Der aber sprach: Siehe, es ist ein berühmter Mann Gottes in dieser Stadt; alles, was er sagt, das trifft ein. Nun laß uns dahin gehen; vielleicht sagt er uns unsern Weg, den wir gehen sollen. 7 Saul aber sprach zu seinem Knecht: Wenn wir schon hingehen, was bringen wir dem Mann? Denn das Brot in unserm Sack ist verzehrt, und wir haben keine Gabe, die wir dem Mann Gottes bringen könnten. Was haben wir sonst? 8 Der Knecht antwortete Saul abermals und sprach: Siehe, ich hab einen Viertel-Silbertaler bei mir; den wollen wir dem Mann Gottes geben, daß er uns unsern Weg sage. 9 Vorzeiten sagte man in Israel, wenn man ging, Gott zu befragen: Kommt, laßt uns zu dem Seher gehen! Denn die man jetzt Propheten nennt, die nannte man vorzeiten Seher. – 10 Saul sprach zu seinem Knecht: Du hast recht geredet; komm, laß uns gehen! Und als sie hingingen nach der Stadt, wo der Mann Gottes war, 11 und den Aufgang zur Stadt hinaufstiegen, trafen sie Mädchen, die herausgingen, um Wasser zu schöpfen. Zu ihnen sprachen sie: Ist der Seher hier? – 12 Sie antworteten ihnen: Ja, er war gerade vor dir da; eile, denn er ist heute in die Stadt gekommen, weil das Volk heute ein Opferfest hat auf der Höhe. 13 Wenn ihr in die Stadt kommt, so werdet ihr ihn finden, ehe er hinaufgeht auf die Höhe, um zu essen. Denn das Volk wird nicht essen, bis er kommt; er segnet erst das Opfer, danach essen die, die geladen sind. Darum geht hinauf, denn jetzt werdet ihr ihn treffen. 14 Und als sie hinauf zur Stadt kamen und in die Stadt eintraten, siehe, da kam Samuel heraus ihnen entgegen und wollte auf die Höhe gehen. 15 Aber der HERR hatte Samuel das Ohr aufgetan einen Tag, bevor Saul kam, und gesagt: 16 Morgen um diese Zeit will ich einen Mann zu dir senden aus dem Lande Benjamin, den sollst du zum Fürsten salben über mein Volk Israel, daß er mein Volk errette aus der Philister Hand. Denn ich habe das Elend meines Volks angesehen, und sein Schreien ist vor mich gekommen. 17 Als nun Samuel Saul sah, tat ihm der HERR kund: Siehe, das ist der Mann, von dem ich dir gesagt habe, daß er über mein Volk herrschen soll. 18 Da trat Saul auf Samuel zu im Tor und sprach: Sage mir, wo ist hier das Haus des Sehers? 19 Samuel antwortete Saul: Ich bin der Seher. Geh vor mir hinauf auf die Höhe, denn ihr sollt heute mit mir essen; morgen früh will ich dir das Geleit geben, und auf alles, was du auf dem Herzen hast, will ich dir Antwort geben. 20 Und um die Eselinnen, die du vor drei Tagen verloren hast, sorge dich jetzt nicht; sie sind gefunden. Wem gehört denn alles, was wertvoll ist in Israel? Gehört es nicht dir und dem ganzen Hause deines Vaters? 21 Saul antwortete: Bin ich nicht ein Benjaminiter und aus einem der kleinsten Stämme Israels, und ist nicht mein Geschlecht das geringste unter allen Geschlechtern des Stammes Benjamin? Warum sagst du mir solches? 22 Samuel aber nahm Saul und seinen Knecht und führte sie in die Halle und setzte sie obenan unter die Geladenen; und das waren etwa dreißig Mann. 23 Und Samuel sprach zu dem Koch: Gib das Stück her, das ich dir gab und dabei befahl, du solltest es bei dir zurückbehalten. 24 Da trug der Koch eine Keule auf und den Fettschwanz. Und er legte sie Saul vor und sprach: Siehe, hier ist das Übriggebliebene, lege es vor dich hin und iß; denn als ich das Volk einlud, ist es für dich aufbewahrt worden für diese Stunde. So aß Saul an jenem Tage mit Samuel. 25 Und als sie hinabgegangen waren von der Höhe der Stadt, machten sie Saul ein Lager auf dem Dach, 26 und er legte sich schlafen. Und als die Morgenröte aufging, rief Samuel zum Dach hinauf und sprach zu Saul: Steh auf, daß ich dich geleite! Und Saul stand auf, und die beiden gingen miteinander hinaus, er und Samuel. 27 Und als sie hinabkamen an das Ende der Stadt, sprach Samuel zu Saul: Sage dem Knecht, daß er uns vorangehe – und er ging voran -, du aber steh jetzt still, daß ich dir kundtue, was Gott gesagt hat. 10:1 Da nahm Samuel den Krug mit Öl und goß es auf sein Haupt und küßte ihn und sprach: Siehe, der HERR hat dich zum Fürsten über sein Erbteil gesalbt. “ (1Sam 9,1-10,1)

footpath-691021_1280

„Der muss es sein…“

Nachdem Israel in 1Sam 8 nach einem König verlangt hatte, wird im neunten Kapitel unser Augenmerk auf einen Mann namens Saul gelenkt. Wir erfahren nicht nur seine Herkunft (V. 1), sondern auch, dass er ein attraktiver und Eindruck machender junger Mann gewesen ist (V. 2). „Der muss es sein“, denkt sich der Leser, „genau so jemanden braucht es als König.“ Und in der Tat wird im ersten Abschnitt unseres Kapitels (V. 1-14) geschildert, wie Gott es durch die alltäglichen Dinge hindurch lenkt, dass Saul und Samuel zusammentreffen. Es fällt auf, dass Saul auch charakterlich in einem guten Licht erscheint: Im Gegensatz zu den Söhnen Elis und auch den Söhnen Samuels ist er seinem Vater gehorsam (V. 3-4). Für ihn ist es selbstverständlich Samuel eine Gabe mitzubringen (V. 7ff).

Gottes Wahl überrascht

Im zweiten Abschnitt (V. 15-10,1) wird uns die heimliche Salbung Sauls geschildert. Nachdem Samuel in V. 20 schon deutlich auf die kommende Ereignisse anspielt, wendet Saul ein, dass er doch zu einem der kleinsten Stämme Israels gehört (V. 21). In der Tat ist es bemerkenswert, dass Gott gerade einen Benjaminiter zum König beruft. Dies macht uns einmal mehr deutlich, dass Gott mit Vorliebe gerade die Geringen und Nicht-Beachteten beruft. Dies gilt gerade auch für seinen Ruf in die Nachfolge und die Gemeinschaft der Gemeinde hinein. Nicht umsonst schreibt Paulus: „26 Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. 27 Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; 28 und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, 29 damit sich kein Mensch vor Gott rühme.“ (1Kor 1,26-29) Für uns bedeutet das auch, dass wir als Christen nicht primär nach menschlichen Kriterien entscheiden sollten, wenn wir z.B. jemanden für eine Leitungsaufgabe in der Gemeinde suchen. Es ist nicht entscheidend, welchen Bildungsabschluss jemand hat, ob er auch beruflich eine Führungsposition inne hat oder ob er in unserem Ort bekannt ist. Entscheidend ist viel mehr: Ist jemand von Gott berufen und begabt oder nicht?

Lassen wir das Wichtigste nicht links liegen

Dass Äußerlichkeiten nicht zählen wird allerdings bei der Salbung Davids („Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“, 1Sam 16,7) noch um ein Vielfaches deutlicher. Denn David war – im Gegensatz zu Saul der „eines Hauptes länger als alles Volk“ (V. 2) war – noch jung und kleine und hütete lediglich seines Vaters Schafe (1Sam 16,11). Mit ihm als König hatte niemand im Entferntesten – nicht mal sein Vater – gerechnet, weswegen er ihn Samuel zunächst auch gar nicht zeigte. Und noch einmal getoppt wird diese biblische Wahrheit von Jesus Christus selbst, dem wahren Sohn Davids. Von ihm sagte schon der Prophet Jesaja: „Er schoß auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. 3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.“ (Jes 53,2-3) Und seine Zeitgenossen in Nazareth meinten abschätzig: „Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria? und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas? 56 Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher kommt ihm denn das alles? 57 Und sie ärgerten sich an ihm.“ (Mt 13,55-57) Und doch ist Jesus Christus der Sohn Gottes, dem unsere ungeteilte Hingabe gebührt! Und sein wenig ansehnlicher Tod am Kreuz ist unser Weg zur Erlösung! Und das Buch (die Bibel) welches er uns gegeben hat und das uns manchmal so unspektakulär und dröge erscheint, sein lebendiges Wort, das wir nötiger brauchen als alles sonst! Lassen wir das Entscheidende nicht links liegen – nur weil es nicht unseren Vorstellungen entspricht! Ja, missachten wir das Wichtigste nicht, weil wir zu sehr auf Äußerlichkeiten fixiert sind! Denn man kann in der Tat das Beste verpassen, weil man zu sehr nach dem schaut, was hipp, ansprechend, kreativ oder sonst irgendwie beeindruckend ist.

Von der Gefahr, sich an die Masse anzupassen

„Als aber Samuel alt geworden war, setzte er seine Söhne als Richter über Israel ein. 2 Sein erstgeborener Sohn hieß Joel und der andere Abija, und sie waren Richter zu Beerscheba. 3 Aber seine Söhne wandelten nicht in seinen Wegen, sondern suchten ihren Vorteil und nahmen Geschenke und beugten das Recht. 4 Da versammelten sich alle Ältesten Israels und kamen nach Rama zu Samuel 5 und sprachen zu ihm: Siehe, du bist alt geworden, und deine Söhne wandeln nicht in deinen Wegen. So setze nun einen König über uns, der uns richte, wie ihn alle Heiden haben. 6 Das mißfiel Samuel, daß sie sagten: Gib uns einen König, der uns richte. Und Samuel betete zum HERRN. 7 Der HERR aber sprach zu Samuel: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, daß ich nicht mehr König über sie sein soll. 8 Sie tun dir, wie sie immer getan haben von dem Tage an, da ich sie aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, daß sie mich verlassen und andern Göttern gedient haben. 9 So gehorche nun ihrer Stimme. Doch warne sie und verkünde ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen wird. 10 Und Samuel sagte alle Worte des HERRN dem Volk, das von ihm einen König forderte, 11 und sprach: Das wird des Königs Recht sein, der über euch herrschen wird: Eure Söhne wird er nehmen für seinen Wagen und seine Gespanne, und daß sie vor seinem Wagen her laufen, 12 und zu Hauptleuten über tausend und über fünfzig, und daß sie ihm seinen Acker bearbeiten und seine Ernte einsammeln, und daß sie seine Kriegswaffen machen und was zu seinen Wagen gehört. 13 Eure Töchter aber wird er nehmen, daß sie Salben bereiten, kochen und backen. 14 Eure besten Äcker und Weinberge und Ölgärten wird er nehmen und seinen Großen geben. 15 Dazu von euren Kornfeldern und Weinbergen wird er den Zehnten nehmen und seinen Kämmerern und Großen geben. 16 Und eure Knechte und Mägde und eure besten Rinder und eure Esel wird er nehmen und in seinen Dienst stellen. 17 Von euren Herden wird er den Zehnten nehmen, und ihr müßt seine Knechte sein. 18 Wenn ihr dann schreien werdet zu der Zeit über euren König, den ihr euch erwählt habt, so wird euch der HERR zu derselben Zeit nicht erhören. 19 Aber das Volk weigerte sich, auf die Stimme Samuels zu hören, und sie sprachen: Nein, sondern ein König soll über uns sein, 20 daß wir auch seien wie alle Heiden, daß uns unser König richte und vor uns her ausziehe und unsere Kriege führe! 21 Und als Samuel alle Worte des Volks gehört hatte, sagte er sie vor den Ohren des HERRN. 22 Der HERR aber sprach zu Samuel: Gehorche ihrer Stimme und mache ihnen einen König. Und Samuel sprach zu den Männern Israels: Geht hin, ein jeder in seine Stadt.“ (1Sam 8,1-22)

black-sheep-250267_1280.jpg

Wenn man aus Fehlern anderer nicht lernt

Als Samuel alt geworden war, wiederholt er einen Fehler seines Vorgängers Eli (vgl. 1Sam 2,12ff). Wie Eli, so will auch Samuel, dass ihm seine Söhne in seinem Amte nachfolgen, obwohl das Richteramt eben kein Amt war das vererbt wurde und – was noch viel gravierender war – obwohl seine Söhne für diese Aufgabe gar nicht geeignet waren (1Sam 8,3).

Doch der Plan den die Ältesten des Volkes stattdessen verfolgen, ist leider nicht besser. Obwohl ihnen gerade am Beispiel von Samuels Söhnen anschaulich vor Augen geführt worden war, wie schwer die Nachteile wiegen, wenn Ämter einfach vererbt werden – dass sie nämlich in die Hände ungeeigneter Nachkommen fallen können – wollen sie jetzt mit dem Königtum genau das neu einführen! Dieses Beispiel zeigt, wie verblendet wir Menschen sein können, wenn wir in eine Idee verliebt sind. Obwohl wir Nachteile erleben, wollen wir sie einfach nicht wahrhaben. Zu schön ist unsere Idee, die unbedingt umgesetzt werden muss…

Ein Volk verleugnet seine Identität

Aber der Wunsch nach einem Königtum war aus anderen Gründen noch viel schlimmer. Schauen wir einmal darauf, was die tiefsten Beweggründe für diesen Wunsch waren. Warum wollte das Volk Israel unbedingt einen König?

  • „So setze nun einen König über uns, der uns richte, wie ihn alle Heiden haben.“ (V. 5)
  • „Nein, sondern ein König soll über uns sein, dass wir auch seinen wie alle Heiden, dass uns unser König richte und vor uns her ausziehe und unsere Kriege führe.“ (V. 19b-20)

Der bestimmende Wunsch war also, „wie alle Heiden“ zu seien. Israel wollte keine Sonderrolle mehr spielen, sie wollten nicht mehr herausstechen aus der Menge der anderen Völker. Sie wollten einen König haben, weil sie ein Volk sein wollten, wie jedes andere Volk. Zugespitzt könnten wir sagen: Israel wollte nicht länger Israel sein. Denn wozu waren sie von Gott berufen gewesen? In 3Mose 19,2 lesen wir z.B. „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.“ Zur Identität Israels gehörte es wesensmäßig dazu, abgesondert und anders zu sein. Gott hatte sich doch ein Volk gerade dazu erwählt, damit es Gott und sein Wesen vor der heidnischen Welt wiederspiegeln würde. Doch nicht die Heiden orientieren sich an Gottes Volk, nein, Gottes Volk fängt an sich an den Heiden zu orientieren. Der Wunsch nach einem König offenbart also eine komplette Verkehrung ihrer Identität: Israels Verhalten sollte anders – am Gesetz Gottes – orientiert sein. Doch stattdessen orientieren sie sich am Verhalten anderer. Sie sollten anders, abgesondert und heilig sein. Doch stattdessen wollten sie gleich sein und „reinpassen“. Sie sollten ein Licht für die Heiden sein und Gottes Wesen offenbaren. Aber nicht die Heiden lernen von Israel, sondern Israel lernt von den Heiden.

Wirklich „wie alle anderen“ sein?

Bedenken wir nun, dass unser Auftrag als neutestamentliche Gemeinde ähnlich ist. Petrus schreibt: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“ (1Petr 2,9). Fragen wir uns also:

  • Ist mein Verhalten wirklich von Gottes Wort bestimmt?
  • Leb ich wirklich anders, als die Menschen um mich herum?
  • Bin ich eigentlich ein Licht in dieser Welt?

Auch wenn wir nicht den Wunsch nach einem König in uns tragen, so teilen wir doch oft diesen Wunsch mit den Israeliten einfach so zu sein, „wie alle anderen“. Es fällt uns Menschen einfach schwer, anders zu sein und aus der Masse herauszustechen. Bedenken wir auch, dass dieser Wunsch oft ungeheuer stark ist – stärker als alle damit verbundenen Nachteile (vgl. 1Sam 8,10ff).

Wie man vor Gott bestehen kann

„So war die Lade des HERRN sieben Monate im Lande der Philister. 2 Und die Philister beriefen ihre Priester und Wahrsager und sprachen: Was sollen wir mit der Lade des HERRN machen? Laßt uns wissen, wie wir sie an ihren Ort senden sollen! 3 Sie sprachen: Wollt ihr die Lade des Gottes Israels zurücksenden, so sendet sie nicht ohne eine Gabe, sondern gebt ihm eine Sühnegabe; so werdet ihr gesund werden, und es wird euch kundwerden, warum seine Hand nicht von euch abläßt. 4 Sie aber sprachen: Was ist die Sühnegabe, die wir ihm geben sollen? Sie antworteten: Fünf goldene Beulen und fünf goldene Mäuse nach der Zahl der fünf Fürsten der Philister, denn es ist ein und dieselbe Plage gewesen über euch alle und über eure Fürsten. 5 So macht nun Abbilder eurer Beulen und eurer Mäuse, die euer Land zugrunde gerichtet haben, daß ihr dem Gott Israels die Ehre gebt. Vielleicht wird seine Hand leichter werden über euch und über euren Gott und über euer Land. 6 Warum verstockt ihr euer Herz, wie die Ägypter und der Pharao ihr Herz verstockten? Ist’s nicht so: als der HERR seine Macht an ihnen bewies, ließen sie sie ziehen, so daß sie gehen konnten? 7 So laßt nun einen neuen Wagen machen und nehmt zwei säugende Kühe, auf die noch kein Joch gekommen ist; spannt sie an den Wagen und laßt ihre Kälber daheimbleiben. 8 Aber die Lade des HERRN nehmt und stellt sie auf den Wagen, und die Dinge aus Gold, die ihr ihm zur Sühnegabe gebt, tut in ein Kästlein daneben. So sendet sie hin und laßt sie gehen. 9 Und seht zu: Geht sie den Weg hinauf in ihr Land auf Bet-Schemesch zu, so hat Er uns dies große Übel angetan; wenn nicht, so wissen wir, daß nicht seine Hand uns getroffen hat, sondern es uns zufällig widerfahren ist. 10 So taten die Leute und nahmen zwei säugende Kühe und spannten sie an einen Wagen und behielten ihre Kälber daheim 11 und stellten die Lade des HERRN auf den Wagen, dazu das Kästlein mit den goldenen Mäusen und mit den Abbildern ihrer Beulen. 12 Und die Kühe gingen geradeswegs auf Bet-Schemesch zu, immer auf derselben Straße, und brüllten immerfort und wichen weder zur Rechten noch zur Linken; und die Fürsten der Philister gingen ihnen nach bis zum Gebiet von Bet-Schemesch. 13 Die Leute von Bet-Schemesch aber schnitten eben den Weizen im Grund, und als sie ihre Augen aufhoben, sahen sie die Lade und freuten sich, sie zu sehen. 14 Der Wagen aber kam auf den Acker Joschuas von Bet-Schemesch und stand dort still. Und dort lag ein großer Stein. Da spalteten sie das Holz des Wagens und opferten die Kühe dem HERRN zum Brandopfer. 15 Die Leviten aber hoben die Lade des HERRN herab samt dem Kästlein, das daneben stand und worin die Dinge aus Gold waren, und stellten sie auf den großen Stein. Und die Leute von Bet-Schemesch opferten dem HERRN am selben Tage Brandopfer und Schlachtopfer. 16 Als aber die fünf Fürsten der Philister das gesehen hatten, zogen sie am selben Tage wieder nach Ekron. 17 Dies sind die goldenen Beulen, die die Philister dem HERRN als Sühnegabe erstatteten: für Aschdod eine, für Gaza eine, für Aschkelon eine, für Gat eine und für Ekron eine; 18 und goldene Mäuse nach der Zahl aller Städte der Philister unter den fünf Fürsten, der festen Städte und der Dörfer. Und Zeuge ist der große Stein, auf den sie die Lade des HERRN gestellt hatten. Er liegt bis auf diesen Tag auf dem Acker Joschuas von Bet-Schemesch. 19 Und er schlug die Leute von Bet-Schemesch, weil sie sich die Lade des HERRN angeschaut hatten, und schlug im Volk siebzig Mann. Da trauerte das Volk, weil der HERR das Volk so schwer geschlagen hatte . 20 Und die Leute von Bet-Schemesch sprachen: Wer kann bestehen vor dem HERRN, diesem heiligen Gott? Und zu wem soll er von uns wegziehen? 21 Und sie sandten Boten zu den Bürgern von Kirjat-Jearim und ließen ihnen sagen: Die Philister haben die Lade des HERRN zurückgebracht; kommt herab und holt sie zu euch hinauf. 7:1 Da kamen die Leute von Kirjat-Jearim und holten die Lade des HERRN herauf und brachten sie ins Haus Abinadabs auf dem Hügel, und seinen Sohn Eleasar weihten sie, daß er über die Lade des HERRN wache. 2 Aber von dem Tage an, da die Lade des HERRN zu Kirjat-Jearim blieb, verging eine lange Zeit; es wurden zwanzig Jahre. Dann wandte sich das ganze Haus Israel zum HERRN. 3 Samuel aber sprach zum ganzen Hause Israel: Wenn ihr euch von ganzem Herzen zu dem HERRN bekehren wollt, so tut von euch die fremden Götter und die Astarten und richtet euer Herz zu dem HERRN und dient ihm allein, so wird er euch erretten aus der Hand der Philister. 4 Da taten die Israeliten von sich die Baale und Astarten und dienten dem HERRN allein. 5 Samuel aber sprach: Versammelt ganz Israel in Mizpa, daß ich für euch zum HERRN bete. 6 Und sie kamen zusammen in Mizpa und schöpften Wasser und gossen es aus vor dem HERRN und fasteten an demselben Tage und sprachen dort: Wir haben an dem HERRN gesündigt. So richtete Samuel die Israeliten zu Mizpa. 7 Als aber die Philister hörten, daß die Israeliten zusammengekommen waren in Mizpa, zogen die Fürsten der Philister hinauf gegen Israel. Und die Israeliten hörten es und fürchteten sich vor den Philistern. 8 Und sie sprachen zu Samuel: Laß nicht ab, für uns zu schreien zu dem HERRN, unserm Gott, daß er uns helfe aus der Hand der Philister. 9 Samuel nahm ein Milchlamm und opferte dem HERRN ein Brandopfer – als Ganzopfer – und schrie zum HERRN für Israel, und der HERR erhörte ihn. 10 Und während Samuel das Brandopfer opferte, kamen die Philister heran zum Kampf gegen Israel. Aber der HERR ließ donnern mit großem Schall über die Philister am selben Tage und schreckte sie, daß sie vor Israel geschlagen wurden. 11 Da zogen die Männer Israels aus von Mizpa und jagten den Philistern nach und schlugen sie bis unterhalb von Bet-Kar. 12 Da nahm Samuel einen Stein und stellte ihn auf zwischen Mizpa und Schen und nannte ihn »Eben-Eser« und sprach: Bis hierher hat uns der HERR geholfen. 13 So wurden die Philister gedemütigt und kamen nicht mehr in das Gebiet Israels. Und die Hand des HERRN lag schwer auf den Philistern, solange Samuel lebte. 14 Auch eroberte Israel die Städte zurück, die die Philister ihnen genommen hatten, von Ekron bis Gat samt ihrem Gebiet; die errettete Israel aus der Hand der Philister. Und Israel hatte Frieden mit den Amoritern. 15 Samuel aber richtete Israel sein Leben lang 16 und zog Jahr für Jahr umher und kam nach Bethel und Gilgal und Mizpa. Und wenn er Israel an allen diesen Orten gerichtet hatte, 17 kam er wieder nach Rama – denn da war sein Haus -, und dort richtete er Israel. Auch baute er dort dem HERRN einen Altar.“ (1Sam 6-7)

jesus-3476251_1280

Die Philister hatten mit der Bundeslade keine guten Erfahrungen gemacht und so wird diese in Kapitel 6 – im Rahmen einer umfangreichen Zeremonie – wieder an Israel zurückgegeben. Doch die Herrlichkeit Gottes – die durch die Lade repräsentiert wurde – liegt nun zwar nicht mehr schwer auf den Philistern, sondern auf Gottes Volk. Es kommt sogar soweit, dass Gott drastisch eingreift und siebzig Mann zu Tode kommen (1Sam 6,19). Das war die Folge von mehreren Sünden: die Israeliten opferten gegen Gottes Wort die geschenkten Kühe (es hätten Stiere sein müssen, vgl. 3Mose 1,3), sie präsentierten die Lade öffentlich, anstatt sie zu bedecken (vgl. 4Mose 4,5) und sie schauten in die Lade (1Sam 6,19). Unter dem Schock der schweren Strafe kommen die Menschen schließlich zur entscheidenden Frage: „Wer kann bestehen vor dem Herrn, diesem heiligen Gott?“ (1Sam 6,20)  

Bis heute ist das die entscheidende Frage! Und die Schrift lehrt uns klar und deutlich, dass vor Gott kein Mensch bestehen kann. Lesen wir nach bei Paulus: „»Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. 11 Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. 12 Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. 13 Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie, Otterngift ist unter ihren Lippen; 14 ihr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit. 15 Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen; 16 auf ihren Wegen ist lauter Schaden und Jammer, 17 und den Weg des Friedens kennen sie nicht. 18 Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen.«“ (Röm 3,10-18) Das ist ungeschönte Urteil Gottes über alle Menschen – über dich und mich. Unsere Leistungen und Fähigkeiten, unsere Erfolge und Talente, alles das reicht nicht aus, um vor Gott bestehen zu können. Denn er ist heilig.

Zurück zu 1Sam 6-7. Samuel weist den Israeliten nun den richtigen Weg. Er macht ihnen deutlich, dass sie zu Gott umkehren müssen. Umkehr zu Gott beinhaltet dabei immer, echte Trennung von Sünde und konkrete Lebensveränderung (1Sam 7,3-4). Damit ist mehr gemeint, als nur ein bloßes Bedauern der Sündenfolgen. Da muss ich mich selbstkritisch prüfen: Bin ich z.B. traurig, weil man mich beim Lügen erwischt hat oder bin ich traurig, weil ich überhaupt gelogen habe? Und echte Umkehr ist auch davon gekennzeichnet, dass ich konkrete Schritte unternehme, um nicht mehr in die Sünde zu fallen, von der ich umgekehrt bin. Es braucht aber nicht nur unsere Umkehr, es braucht vor allem auch noch ein Opfer (1Sam 7,9) an unserer Stelle.

Wie kann man also vor Gott bestehen? Bis heute ist es der gleiche Weg: Wir können vor Gott nur bestehen, wenn jemand anderes die Strafe für uns getragen hat. Paulus sagt es so: „22 Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: 23 sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, 24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. 25 Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher 26 begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, daß er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.“ (Röm 3,22-26)

Warum man Gott nicht benutzen kann

„Und es begab sich zu der Zeit, daß die Philister sich sammelten zum Kampf gegen Israel. Israel aber zog aus, den Philistern entgegen, in den Kampf und lagerte sich bei Eben-Eser. Die Philister aber hatten sich gelagert bei Afek 2 und stellten sich Israel gegenüber auf. Und der Kampf breitete sich aus, und Israel wurde von den Philistern geschlagen. Sie erschlugen in der Feldschlacht etwa viertausend Mann. 3 Und als das Volk ins Lager kam, sprachen die Ältesten Israels: Warum hat uns der HERR heute vor den Philistern geschlagen? Laßt uns die Lade des Bundes des HERRN zu uns holen von Silo und laßt sie mit uns ziehen, damit er uns errette aus der Hand unserer Feinde. 4 Da sandte das Volk nach Silo und ließ von dort holen die Lade des Bundes des HERRN Zebaoth, der über den Cherubim thront. Es waren aber die beiden Söhne Elis bei der Lade des Bundes Gottes, Hofni und Pinhas. 5 Und als die Lade des Bundes des HERRN in das Lager kam, jauchzte ganz Israel mit gewaltigem Jauchzen, so daß die Erde erdröhnte. 6 Als aber die Philister das Jauchzen hörten, sprachen sie: Was ist das für ein gewaltiges Jauchzen im Lager der Hebräer? Und als sie erfuhren, daß die Lade des HERRN ins Lager gekommen sei, 7 fürchteten sie sich und sprachen: Gott ist ins Lager gekommen, und riefen: Wehe uns, denn solches ist bisher noch nicht geschehen! 8 Wehe uns! Wer will uns erretten aus der Hand dieser mächtigen Götter? Das sind die Götter, die Ägypten schlugen mit allerlei Plage in der Wüste. 9 So seid nun stark und seid Männer, ihr Philister, damit ihr nicht dienen müßt den Hebräern, wie sie euch gedient haben! Seid Männer und kämpft! 10 Da zogen die Philister in den Kampf, und Israel wurde geschlagen, und ein jeder floh in sein Zelt. Und die Niederlage war sehr groß, und es fielen aus Israel dreißigtausend Mann Fußvolk. 11 Und die Lade Gottes wurde weggenommen, und die beiden Söhne Elis, Hofni und Pinhas, kamen um. 12 Da lief einer von Benjamin aus dem Heerlager und kam am selben Tage nach Silo und hatte seine Kleider zerrissen und Erde auf sein Haupt gestreut. 13 Und siehe, als er hinkam, saß Eli auf seinem Stuhl und gab acht nach der Straße hin; denn sein Herz bangte um die Lade Gottes. Und als der Mann in die Stadt kam, tat er’s kund, und die ganze Stadt schrie auf. 14 Und als Eli das laute Schreien hörte, fragte er: Was ist das für ein großer Lärm? Da kam der Mann eilends und sagte es Eli. 15 Eli aber war achtundneunzig Jahre alt, und seine Augen waren so schwach, daß er nicht mehr sehen konnte. 16 Der Mann aber sprach zu Eli: Ich komme vom Heerlager und bin heute aus der Schlacht geflohen. Er aber sprach: Wie ist’s gegangen, mein Sohn? 17 Da antwortete der Bote: Israel ist geflohen vor den Philistern, und das Volk ist hart geschlagen, und deine beiden Söhne, Hofni und Pinhas, sind tot; und die Lade Gottes ist weggenommen. 18 Als er aber von der Lade Gottes sprach, fiel Eli rücklings vom Stuhl an der Tür und brach seinen Hals und starb, denn er war alt und ein schwerer Mann. Er richtete aber Israel vierzig Jahre. 19 Seine Schwiegertochter aber, des Pinhas Frau, war schwanger und sollte bald gebären. Als sie davon hörte, daß die Lade Gottes weggenommen und ihr Schwiegervater und ihr Mann tot waren, kauerte sie sich nieder und gebar; denn ihre Wehen überfielen sie. 20 Und als sie im Sterben lag, sprachen die Frauen, die um sie standen: Fürchte dich nicht, du hast einen Sohn geboren! Aber sie antwortete nicht und nahm’s auch nicht mehr zu Herzen. 21 Und sie nannte den Knaben Ikabod, das ist »Die Herrlichkeit ist hinweg aus Israel!« – weil die Lade Gottes weggenommen war, und wegen ihres Schwiegervaters und ihres Mannes. 22 Darum sprach sie: Die Herrlichkeit ist hinweg aus Israel; denn die Lade Gottes ist weggenommen. 5:1 Die Philister aber hatten die Lade Gottes weggenommen und brachten sie von Eben-Eser nach Aschdod. 2 Dann nahmen sie die Lade Gottes und brachten sie in das Haus Dagons und stellten sie neben Dagon. 3 Und als die Leute von Aschdod am andern Morgen sich früh aufmachten und in das Haus Dagons kamen, sahen sie Dagon auf seinem Antlitz liegen auf der Erde vor der Lade des HERRN. Und sie nahmen Dagon und stellten ihn wieder an seinen Ort. 4 Aber als sie am andern Morgen sich wieder früh aufmachten, fanden sie Dagon abermals auf seinem Antlitz auf der Erde vor der Lade des HERRN liegen, aber sein Haupt und seine beiden Hände abgeschlagen auf der Schwelle, so daß der Rumpf allein dalag. 5 Darum treten die Priester Dagons und alle, die in Dagons Haus gehen, nicht auf die Schwelle Dagons in Aschdod bis auf diesen Tag. 6 Aber die Hand des HERRN lag schwer auf den Leuten von Aschdod, und er brachte Verderben über sie und schlug sie mit bösen Beulen, Aschdod und sein Gebiet. 7 Als aber die Leute von Aschdod sahen, daß es so zuging, sprachen sie: Laßt die Lade des Gottes Israels nicht bei uns bleiben; denn seine Hand liegt zu hart auf uns und unserm Gott Dagon. 8 Und sie sandten hin und versammelten alle Fürsten der Philister zu sich und sprachen: Was sollen wir mit der Lade des Gottes Israels machen? Da antworteten sie: Laßt die Lade des Gottes Israels nach Gat tragen. Und sie trugen die Lade des Gottes Israels dorthin. 9 Als sie aber die Lade dahin getragen hatten, entstand in der Stadt ein sehr großer Schrecken durch die Hand des HERRN; denn er schlug die Leute in der Stadt, klein und groß, so daß an ihnen Beulen ausbrachen. 10 Da sandten sie die Lade Gottes nach Ekron. Als aber die Lade Gottes nach Ekron kam, schrien die Leute von Ekron: Sie haben die Lade des Gottes Israels hergetragen zu mir, damit sie mich töte und mein Volk! 11 Da sandten sie hin und versammelten alle Fürsten der Philister und sprachen: Sendet die Lade des Gottes Israels zurück an ihren Ort, damit sie mich und mein Volk nicht töte. Denn es kam ein tödlicher Schrecken über die ganze Stadt; die Hand Gottes lag schwer auf ihr. 12 Und die Leute, die nicht starben, wurden geschlagen mit Beulen, und das Geschrei der Stadt stieg auf gen Himmel.“ (1Sam 4-5)

church-2464883_1280.jpg

Warum erfreuen sich Glücksbringer, Talismane oder ähnliches eigentlich so großer Beliebtheit und werden oftmals mehr geschätzt als der lebendige Gott? Vermutlich deshalb, weil diese Dinge dem Besitzer Schutz, Segen – ja etwas Göttliches im Leben – versprechen und zwar ohne irgendwelche Forderungen an uns zu stellen, wie es  Gott tut. Glücksbringer und Talismane kann man benutzen, den lebendigen Gott jedoch nicht.

Doch genau das versuchen die Israeliten in dieser Geschichte. Nachdem sie einen eigenmächtig geführten Kampf gegen die Philister verlieren (1Sam 4,2), kommt ihnen die Idee, beim nächsten Mal die Bundeslade mit ins Feld zu führen, auch wenn das gegen Gottes Wille (die Bundeslade sollte im Heiligtum bleiben) war. Sie nahmen – übrigens im Gegensatz zu den heidnischen Philistern (1Sam 4,6-8) – Gott nicht ernst, sondern versuchten ihn zu ihren Zwecken zu instrumentalisieren. Und das ist auch der Grund, warum sie auch den nächsten Kampf verlieren und Gott es sogar zulässt, dass die Lade in die Hände der Philister fällt (1Sam 4,10-11). Gott lässt sich nicht einfach benutzen.

Aber die Gefahr, dass wir es versuchen, besteht auch noch heute. Zu oft betrachten wir Gott im Grunde wie einen Kellner im Restaurant: Wir verbringen dort einen schönen Abend mit unseren Freunden, man isst, trinkt und scherzt miteinander. Und ab und an – wenn wir etwas nachbestellen wollen, uns eine Gabel fehlt oder wir gern die Rechnung hätten – dann winken wir den Kellner heran. Und nachdem er unser Bedürfnis erfüllt hat, darf er wieder gehen. Denn der Kellner ist nicht Teil der Runde. Sein Job ist es lediglich, uns einen angenehmen Abend zu bereiten. Wenn wir Gott so behandeln, dann versuchen wir ihn zu benutzen. Doch Gott lässt sich nicht benutzen. Er will nicht uns nicht nur in Nöten helfen und unsere Bedürfnisse erfüllen, sondern er will Teil – ja Hauptteil – unseres Lebens sein. Vergessen wir nicht: Die Welt dreht sich um ihn – den Schöpfer – und nicht um uns!

Diese Wahrheit mussten auch die Philister nach ihrem Sieg über Israel erkennen. Sie stellten die erbeutete Bundeslade als Zeichen seiner Überlegenheit in den Tempel ihres Gottes. Doch was passierte?  Und als die Leute von Aschdod am andern Morgen sich früh aufmachten und in das Haus Dagons kamen, sahen sie Dagon auf seinem Antlitz liegen auf der Erde vor der Lade des HERRN. Und sie nahmen Dagon und stellten ihn wieder an seinen Ort. 4 Aber als sie am andern Morgen sich wieder früh aufmachten, fanden sie Dagon abermals auf seinem Antlitz auf der Erde vor der Lade des HERRN liegen, aber sein Haupt und seine beiden Hände abgeschlagen auf der Schwelle, so daß der Rumpf allein dalag.“ (1Sam 5,3-4) Gott macht hier unmissverständlich deutlich: Es gibt nur einen Gott und er allein soll verehrt werden! Fragen wir uns also: Was sind eigentlich die Dinge in unserem Leben, die Gott Konkurrenz machen? Was ist uns so wichtig geworden, dass wir es auf eine Stufe mit dem wahren Gott gestellt haben? Dass man Gott nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte und Götzendienst keine kleine Sache ist, dafür sollte uns das, was die Philister an unterschiedlichen Orten erleiden musste, ein warnendes Beispiel sein. Gott will nicht von uns für diesen oder jenen Zweck „benutzt“ werden. Er will auch nicht einer unter vielen sein. Nein, er will der eine Gott sein, dem unser ganzes Leben gehört und dessen Wort wir vertrauen und folgen!

Rede, denn dein Knecht hört

„Und zu der Zeit, als der Knabe Samuel dem HERRN diente unter Eli, war des HERRN Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarung. 2 Und es begab sich zur selben Zeit, daß Eli lag an seinem Ort, und seine Augen hatten angefangen, schwach zu werden, so daß er nicht mehr sehen konnte. 3 Die Lampe Gottes war noch nicht verloschen. Und Samuel hatte sich gelegt im Heiligtum des HERRN, wo die Lade Gottes war. 4 Und der HERR rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich! 5 und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen; geh wieder hin und lege dich schlafen. Und er ging hin und legte sich schlafen. 6 Der HERR rief abermals: Samuel! Und Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen, mein Sohn; geh wieder hin und lege dich schlafen. 7 Aber Samuel hatte den HERRN noch nicht erkannt, und des HERRN Wort war ihm noch nicht offenbart. 8 Und der HERR rief Samuel wieder, zum drittenmal. Und er stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Da merkte Eli, daß der HERR den Knaben rief, 9 und sprach zu ihm: Geh wieder hin und lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede, HERR, denn dein Knecht hört. Samuel ging hin und legte sich an seinen Ort. 10 Da kam der HERR und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel! Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört. 11 Und der HERR sprach zu Samuel: Siehe, ich werde etwas tun in Israel, wovon jedem, der es hören wird, beide Ohren gellen werden. 12 An dem Tage will ich über Eli kommen lassen, was ich gegen sein Haus geredet habe; ich will es anfangen und vollenden. 13 Denn ich hab’s ihm angesagt, daß ich sein Haus für immer richten will um der Schuld willen, daß er wußte, wie sich seine Söhne schändlich verhielten, und ihnen nicht gewehrt hat. 14 Darum habe ich dem Hause Eli geschworen, daß die Schuld des Hauses Eli nicht gesühnt werden solle, weder mit Schlachtopfern noch mit Speisopfern immerdar. 15 Und Samuel lag bis an den Morgen und tat dann die Türen auf am Hause des HERRN. Samuel aber fürchtete sich, Eli anzusagen, was ihm offenbart worden war. 16 Da rief ihn Eli und sprach: Samuel, mein Sohn! Er antwortete: Siehe, hier bin ich! 17 Er sprach: Was war das für ein Wort, das er dir gesagt hat? Verschweige mir nichts. Gott tue dir dies und das, wenn du mir etwas verschweigst von all den Worten, die er dir gesagt hat. 18 Da sagte ihm Samuel alles und verschwieg ihm nichts. Er aber sprach: Es ist der HERR; er tue, was ihm wohlgefällt. 19 Samuel aber wuchs heran, und der HERR war mit ihm und ließ keines von allen seinen Worten zur Erde fallen. 20 Und ganz Israel von Dan bis Beerscheba erkannte, daß Samuel damit betraut war, Prophet des HERRN zu sein. 21 Und der HERR erschien weiter zu Silo, denn der HERR offenbarte sich Samuel zu Silo durch sein Wort. Und Samuels Wort erging an ganz Israel.“ (1Sam 3,1-21)

woman-977020_1280.jpgZur Zeit als Samuel aufwuchs „war des Herrn Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarungen“ (1Sam 3,1b).  Gott hatte sich aufgrund des Ungehorsams der damaligen Priester weitgehend zurückgezogen. Es war geistlich gesehen eine ziemlich düstere Zeit, denn Gottes Reden war kaum noch zu vernehmen. So mancher denkt, dass unsere Zeit heute doch ziemlich ähnlich ist: „Ist es nicht aus heute so, dass das Wort des Herrn ‚selten‘ geworden ist?“ Wäre es nicht wünschenswert, Gottes klares Reden häufiger zu vernehmen? Und mancher fragt sich: „Warum sagt Gott nichts dazu, welche Entscheidungen ich treffen soll oder wie ich ein bestimmtes Problem meines Alltags lösen kann?“

Aber ist die Zeit als Samuel aufwuchs tatsächlich mit unserer Zeit zu vergleichen? Ist das Wort des Herrn heute wirklich selten? Die berühmten Worte Samuels zeigen uns, dass das eigentliche Problem heute an ganz anderer Stelle liegt: „Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört.” 

Das Problem in unserer Zeit ist nämlich nicht, dass des Herrn Wort selten ist. Ganz im Gegenteil: Gott hat bereits auf deutlichste Weise zu uns gesprochen, indem er seinen Sohn Jesus Christus in die Welt sandte und indem er uns sein Wort, die Bibel, gegeben hat (vgl. Hebr 1,1-2). Gottes Wort ist alles andere als selten und wir müssen nicht erst auf sein Reden sehnsüchtig warten. Nein, Gott hat bereits gesprochen – und wir sollten hören! Nochmal anders gesagt: Gott will uns mit dieser Geschichte von Samuel nicht deutlich machen, dass wir das Reden Gottes in dieser Weise erwarten sollen, wie es Samuel erlebte (nämlich akustisch vernehmbar im Schlaf). Was wir begreifen sollen, ist etwas anderes: Dass Gott gesprochen hat und wir hörbereit sein sollten: „Rede, denn dein Knecht hört.“

 Wenn Gottes Wort heute in unserem Leben ‚selten‘ ist, dann nicht weil Gott schweigen würde. Nein, dann liegt es vielmehr daran, dass wir nicht hörbereit sind oder gar auf andere Botschaften (vgl. 2Tim 4,3-4) als das Wort Gottes achten. Widmen wir uns also wieder neu dem Wort Gottes, der Bibel, weil Gott hier längst zu uns gesprochen hat! Schlagen wir dieses Buch auf mit der erwartungsvollen Haltung, die in Samuels Worten zum Ausdruck kommt: „Rede, denn dein Knecht hört.“

Aus diesem Grund haben wir in unserer Gemeinde am 1. September auch die Bibelleseaktion 5x5x5 (hier mehr dazu) begonnen. Wir wollen in einem Jahr gemeinsam das ganze Neue Testament lesen! Dazu nehmen wir uns noch bis zum 31. August 2020 an 5 Tagen der Woche jeweils 5 Minuten Zeit für ein Kapitel. Zur Vertiefung gibt es 5 Wege, sich mit dem gelesenen Text auseinanderzusetzen. Liest du auch regelmäßig die Bibel? Wenn ja,  dann bleibe auch dabei und erwarte Gottes Reden, wenn du in der Bibel liest: „Rede, denn dein Knecht hört.“ Wenn du bisher noch nicht in der Bibel liest, dann wärs vielleicht was für dich, in die Aktion unserer Gemeinde miteinzusteigen: Besorg dir einen Bibelleseplan (hier zum Download) und leg einfach los! Denn bedenken wir: Gottes Wort ist heutzutage nicht selten. Im Gegenteil: Gott hat bereits reichlich zu uns gesprochen. Nehmen wir also die Bibel mit erwartungsvoller Haltung zur Hand: „Rede, denn dein Knecht hört.“

Von einer traurigen Familiengeschichte lernen

„12 Aber die Söhne Elis waren ruchlose Männer; die fragten nichts nach dem HERRN 13 noch danach, was dem Priester zustände vom Volk. Wenn jemand ein Opfer bringen wollte, so kam des Priesters Diener, wenn das Fleisch kochte, und hatte eine Gabel mit drei Zacken in seiner Hand 14 und stieß in den Tiegel oder Kessel oder Pfanne oder Topf, und was er mit der Gabel hervorzog, das nahm der Priester für sich. So taten sie allen in Israel, die dorthin kamen nach Silo. 15 Desgleichen, ehe sie das Fett in Rauch aufgehen ließen, kam des Priesters Diener und sprach zu dem, der das Opfer brachte: Gib mir Fleisch für den Priester zum Braten, denn er will nicht gekochtes Fleisch von dir nehmen, sondern rohes. 16 Wenn dann jemand zu ihm sagte: Laß erst das Fett in Rauch aufgehen und nimm dann, was dein Herz begehrt, so sprach er zu ihm: Du sollst mir’s jetzt geben; wenn nicht, so nehme ich’s mit Gewalt. 17 So war die Sünde der Männer sehr groß vor dem HERRN; denn sie verachteten das Opfer des HERRN. 18 Samuel aber war ein Diener vor dem HERRN, und der Knabe war umgürtet mit einem leinenen Priesterschurz. 19 Dazu machte ihm seine Mutter ein kleines Oberkleid und brachte es ihm Jahr für Jahr, wenn sie mit ihrem Mann hinaufging, um das jährliche Opfer darzubringen. 20 Und Eli segnete Elkana und seine Frau und sprach: Der HERR gebe dir Kinder von dieser Frau anstelle des Erbetenen, den sie vom HERRN erbeten hat. Und sie gingen zurück an ihren Ort. 21 Und der HERR suchte Hanna heim, daß sie schwanger ward, und sie gebar noch drei Söhne und zwei Töchter. Aber der Knabe Samuel wuchs auf bei dem HERRN. 22 Eli aber war sehr alt geworden. Wenn er nun alles erfuhr, was seine Söhne ganz Israel antaten und daß sie bei den Frauen schliefen, die vor der Tür der Stiftshütte dienten, 23 sprach er zu ihnen: Warum tut ihr solche bösen Dinge, von denen ich höre im ganzen Volk? 24 Nicht doch, meine Söhne! Das ist kein gutes Gerücht, von dem ich reden höre in des HERRN Volk. 25 Wenn jemand gegen einen Menschen sündigt, so kann es Gott entscheiden. Wenn aber jemand gegen den HERRN sündigt, wer soll es dann für ihn entscheiden? Aber sie gehorchten der Stimme ihres Vaters nicht; denn der HERR war willens, sie zu töten. 26 Aber der Knabe Samuel nahm immer mehr zu an Alter und Gunst bei dem HERRN und bei den Menschen. 27 Es kam aber ein Mann Gottes zu Eli und sprach zu ihm: So spricht der HERR: Ich habe mich offenbart dem Hause deines Vaters, als die Israeliten noch in Ägypten dem Hause des Pharao gehörten, 28 und hab’s mir erwählt aus allen Stämmen Israels zum Priestertum, um auf meinem Altar zu opfern und Räucherwerk zu verbrennen und den Priesterschurz vor mir zu tragen, und ich habe dem Hause deines Vaters alle Feueropfer Israels gegeben. 29 Warum tretet ihr denn mit Füßen meine Schlachtopfer und Speisopfer, die ich für meine Wohnung geboten habe? Und du ehrst deine Söhne mehr als mich, daß ihr euch mästet von dem Besten aller Opfer meines Volkes Israel. 30 Darum spricht der HERR, der Gott Israels: Ich hatte gesagt, dein Haus und deines Vaters Haus sollten immerdar vor mir einhergehen. Aber nun spricht der HERR: Das sei ferne von mir! Sondern wer mich ehrt, den will ich auch ehren; wer aber mich verachtet, der soll wieder verachtet werden. 31 Siehe, es wird die Zeit kommen, daß ich deinen Arm und den Arm des Hauses deines Vaters abhauen will, daß es keinen Alten geben wird in deinem Hause 32 und daß du deinen Widersacher im Heiligtum sehen wirst bei allem Guten, das Israel geschehen wird, und es wird niemand alt werden in deines Vaters Hause immerdar. 33 Doch nicht einen jeden will ich dir von meinem Altar ausrotten, daß nicht deine Augen verschmachten und deine Seele sich gräme. Aber der größte Teil deines Hauses soll sterben, wenn sie Männer geworden sind. 34 Und das soll dir ein Zeichen sein, das über deine beiden Söhne, Hofni und Pinhas, kommen wird; an einem Tag werden sie beide sterben. 35 Ich aber will mir einen treuen Priester erwecken, der wird tun, wie es meinem Herzen und meiner Seele gefällt. Dem will ich ein beständiges Haus bauen, daß er vor meinem Gesalbten immerdar einhergehe. 36 Und wer übrig ist von deinem Hause, der wird kommen und vor jenem niederfallen um ein Silberstück oder eine Scheibe Brot und wird sagen: Laß mich doch Anteil haben am Priesteramt, daß ich einen Bissen Brot zu essen habe.“ (1Sam 2,12-36)

despair-513529_1280.jpg

Der Text beginnt mit einem knallharten Urteil über die Söhne Elis: als „ruchlos“ und „nicht nach Gott fragend“ werden sie beschrieben. Das zeigte sich einerseits daran, dass sie sich nicht mit ihrem Anteil an den Opfern begnügten (V. 13-14, vgl. dazu 3Mose 7,31f) und andererseits darin, dass sie Gott selbst bestahlen, indem sie auch das Fett der Tiere verlangten (V. 15-16, vgl. dazu 3Mose 3,3ff). Sie, die als Priester amtierten, waren nicht nur keine guten Vorbilder, sondern sündigten willentlich und skrupellos: So war die Sünde der Männer sehr groß vor dem HERRN; denn sie verachteten das Opfer des HERRN.“ (V. 17) Dies würde Folgen haben – nicht nur für sie selbst – sondern auch für ihre Familie (vgl. 2,27ff) und das ganze Volk (vgl. 1Sam 4).

Gleichzeitig ist dies auch eine traurige Familiengeschichte. Denn ihr Vater Eli, der selbst zwar nicht ähnlicher Sünden beschuldigt wird, tritt ihrem Verhalten nicht entschieden genug entgegen. Sein Tadel in V. 23-24 wirkt nicht sehr entschlossen: „Warum tut ihr solche bösen Dinge, von denen ich höre im ganzen Volk? 24 Nicht doch, meine Söhne! Das ist kein gutes Gerücht, von dem ich reden höre in des HERRN Volk.“ Vor allen Dingen konzentriert er sich nicht auf das Wesentliche: Es geht ja nicht darum, welche Gerüchte im Umlauf sind, sondern was sich im Herzen seiner Söhne abspielt! Eli geht es wohl mehr um seinen Ruf, als um die Ehre des Herrn und die treue Nachfolge seiner Söhne. Außerdem mangelt es Eli an konsequenter Abgrenzung von den Sünden seiner Söhne. Der Mann Gottes macht das in seiner Gerichtsankündigung deutlich:  „Und du ehrst deine Söhne mehr als mich, daß ihr euch mästet von dem Besten aller Opfer meines Volkes Israel.“ (V. 29b) Dass Eli später als „schwerer Mann“ (1Sam 4,18) beschrieben wird, unterstreicht, dass sich Eli offenbar auch am durch seine Söhne gestohlenen Fett der Opfertiere gerne bediente.

Diese Begebenheit wirf die Frage auf, welche Verantwortung Eltern für das Verhalten ihrer (erwachsenen) Kinder haben bzw. wie es generell um unsere Verantwortung für das Verhalten von uns nahe stehenden Personen geht. Dass jeder für sein Verhalten selbst verantwortlich ist, steht natürlich außer Frage (z.B. 5Mose 24,16). Allerdings entbindet uns das nicht von der Verantwortung, Probleme klar anzusprechen und Sünde auch Sünde zu nennen (und nicht zu beschönigen und die Sache auf eine andere Ebene zu verschieben, wie Eli, der nur von „Gerüchten“ sprach). Zweitens braucht es die klare Distanzierung  von solchen Verhaltensweisen. Ich muss deutlich machen: „Hier mache ich nicht mit und ich will von solchen Dingen auch nicht indirekt profitieren.“ In Mt 18,15ff erklärt uns übrigens der Herr, wie wir vorgehen sollen, wenn Glaubensgeschwister in Sünde fallen. Nicht Gleichgültigkeit, nicht Wegschauen, sondern das liebevolle und ehrliche Ansprechen ist hier die Devise. Dadurch kann – gerade wenn das frühzeitig geschieht – eine Menge Schaden vermieden werden.