Warum man Gott nicht benutzen kann

„Und es begab sich zu der Zeit, daß die Philister sich sammelten zum Kampf gegen Israel. Israel aber zog aus, den Philistern entgegen, in den Kampf und lagerte sich bei Eben-Eser. Die Philister aber hatten sich gelagert bei Afek 2 und stellten sich Israel gegenüber auf. Und der Kampf breitete sich aus, und Israel wurde von den Philistern geschlagen. Sie erschlugen in der Feldschlacht etwa viertausend Mann. 3 Und als das Volk ins Lager kam, sprachen die Ältesten Israels: Warum hat uns der HERR heute vor den Philistern geschlagen? Laßt uns die Lade des Bundes des HERRN zu uns holen von Silo und laßt sie mit uns ziehen, damit er uns errette aus der Hand unserer Feinde. 4 Da sandte das Volk nach Silo und ließ von dort holen die Lade des Bundes des HERRN Zebaoth, der über den Cherubim thront. Es waren aber die beiden Söhne Elis bei der Lade des Bundes Gottes, Hofni und Pinhas. 5 Und als die Lade des Bundes des HERRN in das Lager kam, jauchzte ganz Israel mit gewaltigem Jauchzen, so daß die Erde erdröhnte. 6 Als aber die Philister das Jauchzen hörten, sprachen sie: Was ist das für ein gewaltiges Jauchzen im Lager der Hebräer? Und als sie erfuhren, daß die Lade des HERRN ins Lager gekommen sei, 7 fürchteten sie sich und sprachen: Gott ist ins Lager gekommen, und riefen: Wehe uns, denn solches ist bisher noch nicht geschehen! 8 Wehe uns! Wer will uns erretten aus der Hand dieser mächtigen Götter? Das sind die Götter, die Ägypten schlugen mit allerlei Plage in der Wüste. 9 So seid nun stark und seid Männer, ihr Philister, damit ihr nicht dienen müßt den Hebräern, wie sie euch gedient haben! Seid Männer und kämpft! 10 Da zogen die Philister in den Kampf, und Israel wurde geschlagen, und ein jeder floh in sein Zelt. Und die Niederlage war sehr groß, und es fielen aus Israel dreißigtausend Mann Fußvolk. 11 Und die Lade Gottes wurde weggenommen, und die beiden Söhne Elis, Hofni und Pinhas, kamen um. 12 Da lief einer von Benjamin aus dem Heerlager und kam am selben Tage nach Silo und hatte seine Kleider zerrissen und Erde auf sein Haupt gestreut. 13 Und siehe, als er hinkam, saß Eli auf seinem Stuhl und gab acht nach der Straße hin; denn sein Herz bangte um die Lade Gottes. Und als der Mann in die Stadt kam, tat er’s kund, und die ganze Stadt schrie auf. 14 Und als Eli das laute Schreien hörte, fragte er: Was ist das für ein großer Lärm? Da kam der Mann eilends und sagte es Eli. 15 Eli aber war achtundneunzig Jahre alt, und seine Augen waren so schwach, daß er nicht mehr sehen konnte. 16 Der Mann aber sprach zu Eli: Ich komme vom Heerlager und bin heute aus der Schlacht geflohen. Er aber sprach: Wie ist’s gegangen, mein Sohn? 17 Da antwortete der Bote: Israel ist geflohen vor den Philistern, und das Volk ist hart geschlagen, und deine beiden Söhne, Hofni und Pinhas, sind tot; und die Lade Gottes ist weggenommen. 18 Als er aber von der Lade Gottes sprach, fiel Eli rücklings vom Stuhl an der Tür und brach seinen Hals und starb, denn er war alt und ein schwerer Mann. Er richtete aber Israel vierzig Jahre. 19 Seine Schwiegertochter aber, des Pinhas Frau, war schwanger und sollte bald gebären. Als sie davon hörte, daß die Lade Gottes weggenommen und ihr Schwiegervater und ihr Mann tot waren, kauerte sie sich nieder und gebar; denn ihre Wehen überfielen sie. 20 Und als sie im Sterben lag, sprachen die Frauen, die um sie standen: Fürchte dich nicht, du hast einen Sohn geboren! Aber sie antwortete nicht und nahm’s auch nicht mehr zu Herzen. 21 Und sie nannte den Knaben Ikabod, das ist »Die Herrlichkeit ist hinweg aus Israel!« – weil die Lade Gottes weggenommen war, und wegen ihres Schwiegervaters und ihres Mannes. 22 Darum sprach sie: Die Herrlichkeit ist hinweg aus Israel; denn die Lade Gottes ist weggenommen. 5:1 Die Philister aber hatten die Lade Gottes weggenommen und brachten sie von Eben-Eser nach Aschdod. 2 Dann nahmen sie die Lade Gottes und brachten sie in das Haus Dagons und stellten sie neben Dagon. 3 Und als die Leute von Aschdod am andern Morgen sich früh aufmachten und in das Haus Dagons kamen, sahen sie Dagon auf seinem Antlitz liegen auf der Erde vor der Lade des HERRN. Und sie nahmen Dagon und stellten ihn wieder an seinen Ort. 4 Aber als sie am andern Morgen sich wieder früh aufmachten, fanden sie Dagon abermals auf seinem Antlitz auf der Erde vor der Lade des HERRN liegen, aber sein Haupt und seine beiden Hände abgeschlagen auf der Schwelle, so daß der Rumpf allein dalag. 5 Darum treten die Priester Dagons und alle, die in Dagons Haus gehen, nicht auf die Schwelle Dagons in Aschdod bis auf diesen Tag. 6 Aber die Hand des HERRN lag schwer auf den Leuten von Aschdod, und er brachte Verderben über sie und schlug sie mit bösen Beulen, Aschdod und sein Gebiet. 7 Als aber die Leute von Aschdod sahen, daß es so zuging, sprachen sie: Laßt die Lade des Gottes Israels nicht bei uns bleiben; denn seine Hand liegt zu hart auf uns und unserm Gott Dagon. 8 Und sie sandten hin und versammelten alle Fürsten der Philister zu sich und sprachen: Was sollen wir mit der Lade des Gottes Israels machen? Da antworteten sie: Laßt die Lade des Gottes Israels nach Gat tragen. Und sie trugen die Lade des Gottes Israels dorthin. 9 Als sie aber die Lade dahin getragen hatten, entstand in der Stadt ein sehr großer Schrecken durch die Hand des HERRN; denn er schlug die Leute in der Stadt, klein und groß, so daß an ihnen Beulen ausbrachen. 10 Da sandten sie die Lade Gottes nach Ekron. Als aber die Lade Gottes nach Ekron kam, schrien die Leute von Ekron: Sie haben die Lade des Gottes Israels hergetragen zu mir, damit sie mich töte und mein Volk! 11 Da sandten sie hin und versammelten alle Fürsten der Philister und sprachen: Sendet die Lade des Gottes Israels zurück an ihren Ort, damit sie mich und mein Volk nicht töte. Denn es kam ein tödlicher Schrecken über die ganze Stadt; die Hand Gottes lag schwer auf ihr. 12 Und die Leute, die nicht starben, wurden geschlagen mit Beulen, und das Geschrei der Stadt stieg auf gen Himmel.“ (1Sam 4-5)

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Warum erfreuen sich Glücksbringer, Talismane oder ähnliches eigentlich so großer Beliebtheit und werden oftmals mehr geschätzt als der lebendige Gott? Vermutlich deshalb, weil diese Dinge dem Besitzer Schutz, Segen – ja etwas Göttliches im Leben – versprechen und zwar ohne irgendwelche Forderungen an uns zu stellen, wie es  Gott tut. Glücksbringer und Talismane kann man benutzen, den lebendigen Gott jedoch nicht.

Doch genau das versuchen die Israeliten in dieser Geschichte. Nachdem sie einen eigenmächtig geführten Kampf gegen die Philister verlieren (1Sam 4,2), kommt ihnen die Idee, beim nächsten Mal die Bundeslade mit ins Feld zu führen, auch wenn das gegen Gottes Wille (die Bundeslade sollte im Heiligtum bleiben) war. Sie nahmen – übrigens im Gegensatz zu den heidnischen Philistern (1Sam 4,6-8) – Gott nicht ernst, sondern versuchten ihn zu ihren Zwecken zu instrumentalisieren. Und das ist auch der Grund, warum sie auch den nächsten Kampf verlieren und Gott es sogar zulässt, dass die Lade in die Hände der Philister fällt (1Sam 4,10-11). Gott lässt sich nicht einfach benutzen.

Aber die Gefahr, dass wir es versuchen, besteht auch noch heute. Zu oft betrachten wir Gott im Grunde wie einen Kellner im Restaurant: Wir verbringen dort einen schönen Abend mit unseren Freunden, man isst, trinkt und scherzt miteinander. Und ab und an – wenn wir etwas nachbestellen wollen, uns eine Gabel fehlt oder wir gern die Rechnung hätten – dann winken wir den Kellner heran. Und nachdem er unser Bedürfnis erfüllt hat, darf er wieder gehen. Denn der Kellner ist nicht Teil der Runde. Sein Job ist es lediglich, uns einen angenehmen Abend zu bereiten. Wenn wir Gott so behandeln, dann versuchen wir ihn zu benutzen. Doch Gott lässt sich nicht benutzen. Er will nicht uns nicht nur in Nöten helfen und unsere Bedürfnisse erfüllen, sondern er will Teil – ja Hauptteil – unseres Lebens sein. Vergessen wir nicht: Die Welt dreht sich um ihn – den Schöpfer – und nicht um uns!

Diese Wahrheit mussten auch die Philister nach ihrem Sieg über Israel erkennen. Sie stellten die erbeutete Bundeslade als Zeichen seiner Überlegenheit in den Tempel ihres Gottes. Doch was passierte?  Und als die Leute von Aschdod am andern Morgen sich früh aufmachten und in das Haus Dagons kamen, sahen sie Dagon auf seinem Antlitz liegen auf der Erde vor der Lade des HERRN. Und sie nahmen Dagon und stellten ihn wieder an seinen Ort. 4 Aber als sie am andern Morgen sich wieder früh aufmachten, fanden sie Dagon abermals auf seinem Antlitz auf der Erde vor der Lade des HERRN liegen, aber sein Haupt und seine beiden Hände abgeschlagen auf der Schwelle, so daß der Rumpf allein dalag.“ (1Sam 5,3-4) Gott macht hier unmissverständlich deutlich: Es gibt nur einen Gott und er allein soll verehrt werden! Fragen wir uns also: Was sind eigentlich die Dinge in unserem Leben, die Gott Konkurrenz machen? Was ist uns so wichtig geworden, dass wir es auf eine Stufe mit dem wahren Gott gestellt haben? Dass man Gott nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte und Götzendienst keine kleine Sache ist, dafür sollte uns das, was die Philister an unterschiedlichen Orten erleiden musste, ein warnendes Beispiel sein. Gott will nicht von uns für diesen oder jenen Zweck „benutzt“ werden. Er will auch nicht einer unter vielen sein. Nein, er will der eine Gott sein, dem unser ganzes Leben gehört und dessen Wort wir vertrauen und folgen!

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Rede, denn dein Knecht hört

„Und zu der Zeit, als der Knabe Samuel dem HERRN diente unter Eli, war des HERRN Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarung. 2 Und es begab sich zur selben Zeit, daß Eli lag an seinem Ort, und seine Augen hatten angefangen, schwach zu werden, so daß er nicht mehr sehen konnte. 3 Die Lampe Gottes war noch nicht verloschen. Und Samuel hatte sich gelegt im Heiligtum des HERRN, wo die Lade Gottes war. 4 Und der HERR rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich! 5 und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen; geh wieder hin und lege dich schlafen. Und er ging hin und legte sich schlafen. 6 Der HERR rief abermals: Samuel! Und Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen, mein Sohn; geh wieder hin und lege dich schlafen. 7 Aber Samuel hatte den HERRN noch nicht erkannt, und des HERRN Wort war ihm noch nicht offenbart. 8 Und der HERR rief Samuel wieder, zum drittenmal. Und er stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Da merkte Eli, daß der HERR den Knaben rief, 9 und sprach zu ihm: Geh wieder hin und lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede, HERR, denn dein Knecht hört. Samuel ging hin und legte sich an seinen Ort. 10 Da kam der HERR und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel! Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört. 11 Und der HERR sprach zu Samuel: Siehe, ich werde etwas tun in Israel, wovon jedem, der es hören wird, beide Ohren gellen werden. 12 An dem Tage will ich über Eli kommen lassen, was ich gegen sein Haus geredet habe; ich will es anfangen und vollenden. 13 Denn ich hab’s ihm angesagt, daß ich sein Haus für immer richten will um der Schuld willen, daß er wußte, wie sich seine Söhne schändlich verhielten, und ihnen nicht gewehrt hat. 14 Darum habe ich dem Hause Eli geschworen, daß die Schuld des Hauses Eli nicht gesühnt werden solle, weder mit Schlachtopfern noch mit Speisopfern immerdar. 15 Und Samuel lag bis an den Morgen und tat dann die Türen auf am Hause des HERRN. Samuel aber fürchtete sich, Eli anzusagen, was ihm offenbart worden war. 16 Da rief ihn Eli und sprach: Samuel, mein Sohn! Er antwortete: Siehe, hier bin ich! 17 Er sprach: Was war das für ein Wort, das er dir gesagt hat? Verschweige mir nichts. Gott tue dir dies und das, wenn du mir etwas verschweigst von all den Worten, die er dir gesagt hat. 18 Da sagte ihm Samuel alles und verschwieg ihm nichts. Er aber sprach: Es ist der HERR; er tue, was ihm wohlgefällt. 19 Samuel aber wuchs heran, und der HERR war mit ihm und ließ keines von allen seinen Worten zur Erde fallen. 20 Und ganz Israel von Dan bis Beerscheba erkannte, daß Samuel damit betraut war, Prophet des HERRN zu sein. 21 Und der HERR erschien weiter zu Silo, denn der HERR offenbarte sich Samuel zu Silo durch sein Wort. Und Samuels Wort erging an ganz Israel.“ (1Sam 3,1-21)

woman-977020_1280.jpgZur Zeit als Samuel aufwuchs „war des Herrn Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarungen“ (1Sam 3,1b).  Gott hatte sich aufgrund des Ungehorsams der damaligen Priester weitgehend zurückgezogen. Es war geistlich gesehen eine ziemlich düstere Zeit, denn Gottes Reden war kaum noch zu vernehmen. So mancher denkt, dass unsere Zeit heute doch ziemlich ähnlich ist: „Ist es nicht aus heute so, dass das Wort des Herrn ‚selten‘ geworden ist?“ Wäre es nicht wünschenswert, Gottes klares Reden häufiger zu vernehmen? Und mancher fragt sich: „Warum sagt Gott nichts dazu, welche Entscheidungen ich treffen soll oder wie ich ein bestimmtes Problem meines Alltags lösen kann?“

Aber ist die Zeit als Samuel aufwuchs tatsächlich mit unserer Zeit zu vergleichen? Ist das Wort des Herrn heute wirklich selten? Die berühmten Worte Samuels zeigen uns, dass das eigentliche Problem heute an ganz anderer Stelle liegt: „Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört.” 

Das Problem in unserer Zeit ist nämlich nicht, dass des Herrn Wort selten ist. Ganz im Gegenteil: Gott hat bereits auf deutlichste Weise zu uns gesprochen, indem er seinen Sohn Jesus Christus in die Welt sandte und indem er uns sein Wort, die Bibel, gegeben hat (vgl. Hebr 1,1-2). Gottes Wort ist alles andere als selten und wir müssen nicht erst auf sein Reden sehnsüchtig warten. Nein, Gott hat bereits gesprochen – und wir sollten hören! Nochmal anders gesagt: Gott will uns mit dieser Geschichte von Samuel nicht deutlich machen, dass wir das Reden Gottes in dieser Weise erwarten sollen, wie es Samuel erlebte (nämlich akustisch vernehmbar im Schlaf). Was wir begreifen sollen, ist etwas anderes: Dass Gott gesprochen hat und wir hörbereit sein sollten: „Rede, denn dein Knecht hört.“

 Wenn Gottes Wort heute in unserem Leben ‚selten‘ ist, dann nicht weil Gott schweigen würde. Nein, dann liegt es vielmehr daran, dass wir nicht hörbereit sind oder gar auf andere Botschaften (vgl. 2Tim 4,3-4) als das Wort Gottes achten. Widmen wir uns also wieder neu dem Wort Gottes, der Bibel, weil Gott hier längst zu uns gesprochen hat! Schlagen wir dieses Buch auf mit der erwartungsvollen Haltung, die in Samuels Worten zum Ausdruck kommt: „Rede, denn dein Knecht hört.“

Aus diesem Grund haben wir in unserer Gemeinde am 1. September auch die Bibelleseaktion 5x5x5 (hier mehr dazu) begonnen. Wir wollen in einem Jahr gemeinsam das ganze Neue Testament lesen! Dazu nehmen wir uns noch bis zum 31. August 2020 an 5 Tagen der Woche jeweils 5 Minuten Zeit für ein Kapitel. Zur Vertiefung gibt es 5 Wege, sich mit dem gelesenen Text auseinanderzusetzen. Liest du auch regelmäßig die Bibel? Wenn ja,  dann bleibe auch dabei und erwarte Gottes Reden, wenn du in der Bibel liest: „Rede, denn dein Knecht hört.“ Wenn du bisher noch nicht in der Bibel liest, dann wärs vielleicht was für dich, in die Aktion unserer Gemeinde miteinzusteigen: Besorg dir einen Bibelleseplan (hier zum Download) und leg einfach los! Denn bedenken wir: Gottes Wort ist heutzutage nicht selten. Im Gegenteil: Gott hat bereits reichlich zu uns gesprochen. Nehmen wir also die Bibel mit erwartungsvoller Haltung zur Hand: „Rede, denn dein Knecht hört.“

Von einer traurigen Familiengeschichte lernen

„12 Aber die Söhne Elis waren ruchlose Männer; die fragten nichts nach dem HERRN 13 noch danach, was dem Priester zustände vom Volk. Wenn jemand ein Opfer bringen wollte, so kam des Priesters Diener, wenn das Fleisch kochte, und hatte eine Gabel mit drei Zacken in seiner Hand 14 und stieß in den Tiegel oder Kessel oder Pfanne oder Topf, und was er mit der Gabel hervorzog, das nahm der Priester für sich. So taten sie allen in Israel, die dorthin kamen nach Silo. 15 Desgleichen, ehe sie das Fett in Rauch aufgehen ließen, kam des Priesters Diener und sprach zu dem, der das Opfer brachte: Gib mir Fleisch für den Priester zum Braten, denn er will nicht gekochtes Fleisch von dir nehmen, sondern rohes. 16 Wenn dann jemand zu ihm sagte: Laß erst das Fett in Rauch aufgehen und nimm dann, was dein Herz begehrt, so sprach er zu ihm: Du sollst mir’s jetzt geben; wenn nicht, so nehme ich’s mit Gewalt. 17 So war die Sünde der Männer sehr groß vor dem HERRN; denn sie verachteten das Opfer des HERRN. 18 Samuel aber war ein Diener vor dem HERRN, und der Knabe war umgürtet mit einem leinenen Priesterschurz. 19 Dazu machte ihm seine Mutter ein kleines Oberkleid und brachte es ihm Jahr für Jahr, wenn sie mit ihrem Mann hinaufging, um das jährliche Opfer darzubringen. 20 Und Eli segnete Elkana und seine Frau und sprach: Der HERR gebe dir Kinder von dieser Frau anstelle des Erbetenen, den sie vom HERRN erbeten hat. Und sie gingen zurück an ihren Ort. 21 Und der HERR suchte Hanna heim, daß sie schwanger ward, und sie gebar noch drei Söhne und zwei Töchter. Aber der Knabe Samuel wuchs auf bei dem HERRN. 22 Eli aber war sehr alt geworden. Wenn er nun alles erfuhr, was seine Söhne ganz Israel antaten und daß sie bei den Frauen schliefen, die vor der Tür der Stiftshütte dienten, 23 sprach er zu ihnen: Warum tut ihr solche bösen Dinge, von denen ich höre im ganzen Volk? 24 Nicht doch, meine Söhne! Das ist kein gutes Gerücht, von dem ich reden höre in des HERRN Volk. 25 Wenn jemand gegen einen Menschen sündigt, so kann es Gott entscheiden. Wenn aber jemand gegen den HERRN sündigt, wer soll es dann für ihn entscheiden? Aber sie gehorchten der Stimme ihres Vaters nicht; denn der HERR war willens, sie zu töten. 26 Aber der Knabe Samuel nahm immer mehr zu an Alter und Gunst bei dem HERRN und bei den Menschen. 27 Es kam aber ein Mann Gottes zu Eli und sprach zu ihm: So spricht der HERR: Ich habe mich offenbart dem Hause deines Vaters, als die Israeliten noch in Ägypten dem Hause des Pharao gehörten, 28 und hab’s mir erwählt aus allen Stämmen Israels zum Priestertum, um auf meinem Altar zu opfern und Räucherwerk zu verbrennen und den Priesterschurz vor mir zu tragen, und ich habe dem Hause deines Vaters alle Feueropfer Israels gegeben. 29 Warum tretet ihr denn mit Füßen meine Schlachtopfer und Speisopfer, die ich für meine Wohnung geboten habe? Und du ehrst deine Söhne mehr als mich, daß ihr euch mästet von dem Besten aller Opfer meines Volkes Israel. 30 Darum spricht der HERR, der Gott Israels: Ich hatte gesagt, dein Haus und deines Vaters Haus sollten immerdar vor mir einhergehen. Aber nun spricht der HERR: Das sei ferne von mir! Sondern wer mich ehrt, den will ich auch ehren; wer aber mich verachtet, der soll wieder verachtet werden. 31 Siehe, es wird die Zeit kommen, daß ich deinen Arm und den Arm des Hauses deines Vaters abhauen will, daß es keinen Alten geben wird in deinem Hause 32 und daß du deinen Widersacher im Heiligtum sehen wirst bei allem Guten, das Israel geschehen wird, und es wird niemand alt werden in deines Vaters Hause immerdar. 33 Doch nicht einen jeden will ich dir von meinem Altar ausrotten, daß nicht deine Augen verschmachten und deine Seele sich gräme. Aber der größte Teil deines Hauses soll sterben, wenn sie Männer geworden sind. 34 Und das soll dir ein Zeichen sein, das über deine beiden Söhne, Hofni und Pinhas, kommen wird; an einem Tag werden sie beide sterben. 35 Ich aber will mir einen treuen Priester erwecken, der wird tun, wie es meinem Herzen und meiner Seele gefällt. Dem will ich ein beständiges Haus bauen, daß er vor meinem Gesalbten immerdar einhergehe. 36 Und wer übrig ist von deinem Hause, der wird kommen und vor jenem niederfallen um ein Silberstück oder eine Scheibe Brot und wird sagen: Laß mich doch Anteil haben am Priesteramt, daß ich einen Bissen Brot zu essen habe.“ (1Sam 2,12-36)

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Der Text beginnt mit einem knallharten Urteil über die Söhne Elis: als „ruchlos“ und „nicht nach Gott fragend“ werden sie beschrieben. Das zeigte sich einerseits daran, dass sie sich nicht mit ihrem Anteil an den Opfern begnügten (V. 13-14, vgl. dazu 3Mose 7,31f) und andererseits darin, dass sie Gott selbst bestahlen, indem sie auch das Fett der Tiere verlangten (V. 15-16, vgl. dazu 3Mose 3,3ff). Sie, die als Priester amtierten, waren nicht nur keine guten Vorbilder, sondern sündigten willentlich und skrupellos: So war die Sünde der Männer sehr groß vor dem HERRN; denn sie verachteten das Opfer des HERRN.“ (V. 17) Dies würde Folgen haben – nicht nur für sie selbst – sondern auch für ihre Familie (vgl. 2,27ff) und das ganze Volk (vgl. 1Sam 4).

Gleichzeitig ist dies auch eine traurige Familiengeschichte. Denn ihr Vater Eli, der selbst zwar nicht ähnlicher Sünden beschuldigt wird, tritt ihrem Verhalten nicht entschieden genug entgegen. Sein Tadel in V. 23-24 wirkt nicht sehr entschlossen: „Warum tut ihr solche bösen Dinge, von denen ich höre im ganzen Volk? 24 Nicht doch, meine Söhne! Das ist kein gutes Gerücht, von dem ich reden höre in des HERRN Volk.“ Vor allen Dingen konzentriert er sich nicht auf das Wesentliche: Es geht ja nicht darum, welche Gerüchte im Umlauf sind, sondern was sich im Herzen seiner Söhne abspielt! Eli geht es wohl mehr um seinen Ruf, als um die Ehre des Herrn und die treue Nachfolge seiner Söhne. Außerdem mangelt es Eli an konsequenter Abgrenzung von den Sünden seiner Söhne. Der Mann Gottes macht das in seiner Gerichtsankündigung deutlich:  „Und du ehrst deine Söhne mehr als mich, daß ihr euch mästet von dem Besten aller Opfer meines Volkes Israel.“ (V. 29b) Dass Eli später als „schwerer Mann“ (1Sam 4,18) beschrieben wird, unterstreicht, dass sich Eli offenbar auch am durch seine Söhne gestohlenen Fett der Opfertiere gerne bediente.

Diese Begebenheit wirf die Frage auf, welche Verantwortung Eltern für das Verhalten ihrer (erwachsenen) Kinder haben bzw. wie es generell um unsere Verantwortung für das Verhalten von uns nahe stehenden Personen geht. Dass jeder für sein Verhalten selbst verantwortlich ist, steht natürlich außer Frage (z.B. 5Mose 24,16). Allerdings entbindet uns das nicht von der Verantwortung, Probleme klar anzusprechen und Sünde auch Sünde zu nennen (und nicht zu beschönigen und die Sache auf eine andere Ebene zu verschieben, wie Eli, der nur von „Gerüchten“ sprach). Zweitens braucht es die klare Distanzierung  von solchen Verhaltensweisen. Ich muss deutlich machen: „Hier mache ich nicht mit und ich will von solchen Dingen auch nicht indirekt profitieren.“ In Mt 18,15ff erklärt uns übrigens der Herr, wie wir vorgehen sollen, wenn Glaubensgeschwister in Sünde fallen. Nicht Gleichgültigkeit, nicht Wegschauen, sondern das liebevolle und ehrliche Ansprechen ist hier die Devise. Dadurch kann – gerade wenn das frühzeitig geschieht – eine Menge Schaden vermieden werden.

Der Gott der großen Umkehrungen

21 Und als der Mann Elkana hinaufzog mit seinem ganzen Hause, um das jährliche Opfer dem HERRN zu opfern und sein Gelübde zu erfüllen, 22 zog Hanna nicht mit hinauf, sondern sprach zu ihrem Mann: Wenn der Knabe entwöhnt ist, will ich ihn bringen, daß er vor dem HERRN erscheine und dort für immer bleibe. 23 Ihr Mann Elkana sprach zu ihr: So tu, wie dir’s gefällt! Bleib, bis du ihn entwöhnt hast; der HERR aber bestätige, was er geredet hat. So blieb die Frau und stillte ihren Sohn, bis sie ihn entwöhnt hatte. 24 Nachdem sie ihn entwöhnt hatte, nahm sie ihn mit sich hinauf nach Silo, dazu einen dreijährigen Stier, einen Scheffel Mehl und einen Krug Wein und brachte ihn in das Haus des HERRN. Der Knabe war aber noch jung. 25 Und sie schlachteten den Stier und brachten den Knaben zu Eli. 26 Und sie sprach: Ach, mein Herr, so wahr du lebst, mein Herr: ich bin die Frau, die hier bei dir stand, um zum HERRN zu beten. 27 Um diesen Knaben bat ich. Nun hat der HERR mir die Bitte erfüllt, die ich an ihn gerichtet hatte. 28 Darum gebe ich ihn dem HERRN wieder sein Leben lang, weil er vom HERRN erbeten ist. Und sie beteten dort den HERRN an. LUT 1 Samuel 2:1 Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. 2 Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist. 3 Laßt euer großes Rühmen und Trotzen, freches Reden gehe nicht aus eurem Munde; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen. 4 Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke. 5 Die da satt waren, müssen um Brot dienen, und die Hunger litten, hungert nicht mehr. Die Unfruchtbare hat sieben geboren, und die viele Kinder hatte, welkt dahin. 6 Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. 7 Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht. 8 Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, daß er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse. Denn der Welt Grundfesten sind des HERRN, und er hat die Erde darauf gesetzt. 9 Er wird behüten die Füße seiner Heiligen, aber die Gottlosen sollen zunichte werden in Finsternis; denn viel Macht hilft doch niemand. 10 Die mit dem HERRN hadern, sollen zugrunde gehen. Der Höchste im Himmel wird sie zerschmettern, der HERR wird richten der Welt Enden. Er wird Macht geben seinem Könige und erhöhen das Haupt seines Gesalbten. 11 Und Elkana ging heim nach Rama in sein Haus; der Knabe aber war des HERRN Diener vor dem Priester Eli.“ (1Sam 1,21-2,11)

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Gott macht tatsächlich das Unmögliche möglich. Hanna wurde schwanger und bekam einen Sohn: Samuel. Doch warum wird uns diese Geschichte von Hannas persönlicher Not, ihrem Schreien zu Gott und Gottes erstaunlichem Eingreifen eigentlich erzählt? Sicherlich, um anderen Mut zu machen, auch ins Gebet zu gehen. Sicherlich aber auch, weil die Geschichte von Hanna Teil einer größeren Geschichte ist. Sie ist Teil der Geschichte wie Gott seinem Volk einen Retter bringt. Hannas Sohn Samuel würde die böse Herrschaft von Hofni und Pinhas (1Sam 1,3) beenden und das Volk zurück unter Gottes Herrschaft bringen. Hanna war sich über die heilsgeschichtliche Dimension ihrer Erlebnisse durchaus im Klaren, wie wir an ihrem Lobgesang sehen – oder wäre das der Text, den wir dichten würden, wenn wir uns über eine Geburt sehr freuen?! 

Der Schlüsselvers dieses Lobgesangs ist V. 2:  Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.“ Weil Gott so einzigartig ist, deshalb kann er die Umstände verändern. Weil Gottes Macht so unbeschränkt ist, deshalb kann er das, was uns als unabänderlich erscheint einfach auf den Kopf stellen: „4 Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke. 5 Die da satt waren, müssen um Brot dienen, und die Hunger litten, hungert nicht mehr.“ Oder: 7 Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht.“ Was Gott also für Hanna getan hat – nämlich ihr persönliches Schicksal total auf den Kopf zu stellen – ist ein Hinweis darauf, was Gott einst für Israel (durch Samuel) tun wird: die Rückkehr unter seine gute Herrschaft. Letztendlich ist es ein Hinweis darauf, was Gott für die Menschheit insgesamt tun wird: nämlich einen Retter zu schicken, der uns aus aller Sündennot befreit und zu seinen Kindern macht!

Interessant ist an dieser Stelle noch, sich einmal Gedanken zu machen über die Rolle unfruchtbarer Frauen in Gottes Plan. Erkunde doch einmal, wie es Sarah, Rebekka, Rahel, der Mutter von Simson und Elisabeth erging? Was sind die Parallelen, was sind die Unterschiede zu Hanna? Und warum tauchen eigentlich in der Heilsgeschichte überhaupt soviele Frauen auf, die unfruchtbar waren? Was will uns Gott dadurch verdeutlichen?

Beten heißt, aktiv zu werden

„Es war ein Mann von Ramatajim-Zofim, vom Gebirge Ephraim, der hieß Elkana, ein Sohn Jerohams, des Sohnes Elihus, des Sohnes Tohus, des Sohnes Zufs, ein Ephraimiter. 2 Und er hatte zwei Frauen; die eine hieß Hanna, die andere Peninna. Peninna aber hatte Kinder, und Hanna hatte keine Kinder. 3 Dieser Mann ging jährlich hinauf von seiner Stadt, um anzubeten und dem HERRN Zebaoth zu opfern in Silo. Dort aber waren Hofni und Pinhas, die beiden Söhne Elis, Priester des HERRN. 4 Wenn nun der Tag kam, daß Elkana opferte, gab er seiner Frau Peninna und allen ihren Söhnen und Töchtern Stücke vom Opferfleisch. 5 Aber Hanna gab er ein Stück traurig; denn er hatte Hanna lieb, obgleich der HERR ihren Leib verschlossen hatte. 6 Und ihre Widersacherin kränkte und reizte sie sehr, weil der HERR ihren Leib verschlossen hatte. 7 So ging es alle Jahre; wenn sie hinaufzog zum Haus des HERRN, kränkte jene sie. Dann weinte Hanna und aß nichts. 8 Elkana aber, ihr Mann, sprach zu ihr: Hanna, warum weinst du, und warum issest du nichts? Und warum ist dein Herz so traurig? Bin ich dir nicht mehr wert als zehn Söhne? 9 Da stand Hanna auf, nachdem sie in Silo gegessen und getrunken hatten. Eli aber, der Priester, saß auf einem Stuhl am Türpfosten des Tempels des HERRN. 10 Und sie war von Herzen betrübt und betete zum HERRN und weinte sehr 11 und gelobte ein Gelübde und sprach: HERR Zebaoth, wirst du das Elend deiner Magd ansehen und an mich gedenken und deiner Magd nicht vergessen und wirst du deiner Magd einen Sohn geben, so will ich ihn dem HERRN geben sein Leben lang, und es soll kein Schermesser auf sein Haupt kommen. 12 Und als sie lange betete vor dem HERRN, achtete Eli auf ihren Mund; 13 denn Hanna redete in ihrem Herzen, nur ihre Lippen bewegten sich, ihre Stimme aber hörte man nicht. Da meinte Eli, sie wäre betrunken, 14 und sprach zu ihr: Wie lange willst du betrunken sein? Gib den Wein von dir, den du getrunken hast! 15 Hanna aber antwortete und sprach: Nein, mein Herr! Ich bin ein betrübtes Weib; Wein und starkes Getränk hab ich nicht getrunken, sondern mein Herz vor dem HERRN ausgeschüttet. 16 Du wollest deine Magd nicht für ein zuchtloses Weib halten, denn ich hab aus meinem großen Kummer und Herzeleid so lange geredet. 17 Eli antwortete und sprach: Geh hin mit Frieden; der Gott Israels wird dir die Bitte erfüllen, die du an ihn gerichtet hast. 18 Sie sprach: Laß deine Magd Gnade finden vor deinen Augen. Da ging die Frau ihres Weges und aß und sah nicht mehr so traurig drein. 19 Und am andern Morgen machten sie sich früh auf. Und als sie angebetet hatten vor dem HERRN, kehrten sie wieder um und kamen heim nach Rama. Und Elkana erkannte Hanna, seine Frau, und der HERR gedachte an sie. 20 Und Hanna ward schwanger; und als die Tage um waren, gebar sie einen Sohn und nannte ihn Samuel; denn, so sprach sie, ich hab ihn von dem HERRN erbeten.“ (1Sam 1,1-20)

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Immer wenn Hanna mit ihrer Familie nach Silo hinaufzog, um zu opfern, wurde ihr die Not ihrer Kinderlosigkeit besonders bewusst (V. 4-5). Eine Not, an der sie nichts zu ändern im Stande war. Nicht leichter wurde ihre Lage durch Pennina, die sie kränkte und reizte (V. 6-7). Ihr Mann Elkana, war zwar ebenso traurig über ihre Kinderlosigkeit (V. 5) und versuchte sie zu trösten (V. 8), doch änderte das auch nichts an ihrem Leid.

Doch eines Tages entschloss sich Hanna, selbst aktiv zu werden: „Da stand Hanna auf“, heißt es in V. 9. Bisher hatte sie alles passiv ertragen müssen: Die Schmach ihrer Kinderlosigkeit, die triezenden Worte von Pennina, die unglücklichen Trostversuche ihres Mannes. Nun wird sie durch ihr Gebet zu Gott aktiv. Hanna ist nicht länger passiv, ihr „passiert“ nicht länger alles, sie ist nicht einfach ein tatenloses Opfer gewisser Umstände. Nein, durch das Gebet wird sie selbst zur Handelnden!

Wir sehen an diesen Versen also, die Bedeutung und Wirksamkeit von Gebet. Gebet befreit dich aus der Passivität. Gebet sollte unser Handeln nicht nur begleiten oder vorbereiten, nein Gebet ist bereits Aktion. Denn wie könnte man wirksamer aktiv sein, als im Zwiegespräch mit dem zu treten, der die ganze Welt erschaffen hat und jede Situation auf diesem Planeten, jeden chemischen Prozess und überhaupt alles kontrolliert? Wir denken manchmal, wir könnten nichts tun. Wir meinen, dass wir gewissen Umständen oder Nöten hilflos ausgeliefert sind: „Keine Chance, etwas zu ändern, never!“ Doch das stimmt nicht: Wir können beten! Und durch das Gebet zu Gott – dem Allerhöchsten – treten wir bereits raus aus der Passivität! Was für ein Vorrecht, beten zu dürfen!

Psalm 113: Den einzigartigen und uns erlösenden Gott loben!

„Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN, lobet den Namen des HERRN! 2 Gelobt sei der Name des HERRN von nun an bis in Ewigkeit! 3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN!

4 Der HERR ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist. 5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, im Himmel und auf Erden?

6 Der oben thront in der Höhe, der herniederschaut in die Tiefe, 7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz, 8 daß er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes; 9 der die Unfruchtbare im Hause zu Ehren bringt, daß sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja! Halleluja!“ (Psalm 113)

Ps 113 gehört zu den sogenannten Hallel-Psalmen (Lobpsalmen), genauer gesagt zum Ägyptischen Hallel. Diese Psalmen wurden zu den großen Festen gesungen und hatten besonders beim Passah ihren festen Platz. Ps 113 und 114 sang man vor dem Mahl, Ps 115-118 nach dem Mahl.

In den ersten drei Versen finden wir den wiederholten Aufruf Gott zu loben. Gott Lob darzubringen, ist die Aufgabe der Menschen, die sich ihm zugehörig fühlen – sie sind seine Knechte (V. 1). Dieses Lob kennt keine zeitliche Beschränkung – „von nun an bis in Ewigkeit“ (V. 2) soll es erklingen. Noch kennt dieses Lob eine geographische Beschränkung: „vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang“, d.h. auf dem ganzen Erdball soll das Lob Gottes erklingen.

Gott wird gelobt, um seiner selbst willen (V. 4-5). Er ist der souveräne Herrscher über alle Völker (V. 4a), ja über die Völker und die Erde hinaus (V. 4b). Die Einzigartigkeit seines Wesens (V. 5) ist Grund genug ihn zu loben.

Aber Gott wird nicht nur um seiner selbst willen gelobt, sondern auch aufgrund seines erlösenden Handelns (V. 6). Der Gott, der so erhaben ist, schaut in seinem Erbarmen auch auf den Geringen herab. Unwillkürlich denkt man an Christus, den es immer wieder „jammerte“, wenn er die verlorenen Menschen sah (Mt 9,36). Aber Gott schaut nicht nur auf den Geringen herab und lässt ihm geringe Linderung widerfahren. Nein, er, der selbst in der Höhe thront, erhöht auch den Geringen (V. 7b), indem er z.B. Gebete in Notlagen erhört (V. 8-9 zitieren aus dem Lobgesang der Hanna, vgl. 1Sam 2,8). Aber ultimativ erhöht er die Geringen, indem der Gottessohn Jesus Christus, uns zu Söhnen des Vaters (Gal 3,26) und seinen Brüdern (Hebr 2,11) macht.

  1. Gott ist der souveräne Herrscher (V. 4) – was bedeutet das für mein alltägliches Leben, für meine Weltsicht, für meinen Umgang mit guten und schlechten Erlebnissen?
  2. Welche Eigenschaften Gottes – neben seiner Souveränität – führen mich noch ins Gotteslob?
  3. Kann ich die V. 6-9 im Hinblick auf meine eigene, in Christus geschenkte, Erlösung so mitbeten? Warum oder warum nicht? Muss ich ggf. den Blick auf meine Erlösung anpassen?