Warum Weihnachten das größte Wunder ist

„Wir blicken bei dem, was zur ersten Weihnacht geschah, in das tiefgründigste und unergründlichste Geschehen der christlichen Offenbarung: „Das Wort wurde Fleisch“ (Joh 1,14). Gott wurde Mensch, der göttliche Sohn wurde ein jüdischer Junge. Der Allmächtige erschien auf der Erde als ein hilfloses menschliches Baby, das in Windeln gewickelt in einer Futterkrippe lag, das gestillt und trockengelegt wurde, heranwuchs und sprechen lernen musste, wie jedes andere Kind. Und das war keine Vorspiegelung falscher Tatsachen: Der Säugling Jesus war tatsächlich Gottes Sohn. Je mehr wir darüber nachdenken, desto unbegreiflicher erscheint es uns. Keine Fiktion ist so fantastisch, wie diese Wahrheit der Inkarnation.

Dies ist der wirkliche Stein des Anstoßes des Christentums. Hier haben Juden, Muslime, Unitarier, Zeugen Jehovas und viele andere im Blick auf die Jungfrauengeburt, die Wunder, das Sühnopfer und die Auferstehung ihre Not. Durch Unglaube oder zumindest einem unzulänglichen Glauben in Bezug auf die Menschwerdung entstehen gewöhnlich Probleme an anderen Stellen der Evangeliumsberichte. Aber wenn die Inkarnation als Realität anerkannt wird, lösen sich diese Schwierigkeiten auf.“

James I. Packer, Gott erkennen, Leun: Herold, 2014, 60f.

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Über die Kraft der Gnade

„Nichts ist zuerst so gering wie die Gnade und nichts ist so herrlich danach. Dinge höchster Vollendung brauchen für das Wachstum am längsten. (…) Eine „neue Schöpfung“ ist die hervorragendste aller Kreaturen in der ganzen Welt. Daher wächst sie schrittweise. Wir sehen es in der Natur, dass z.B. aus einer kleinen Eichel eine mächtige Eiche heranwächst. Es verhält sich mit dem Christen so, wie es sich auch mit Christus verhielt. Dieser sollte wie „ein Zweig [als er am Geringsten war] hervorgehen aus dem Stumpf Isais“ (Jes 11,1), aus dem Geschlecht Davids, aber er wuchs empor, höher als die Himmel. (…) Lasst uns daher nicht wegen der geringen Anfänge in der Gnade entmutigt sein, sondern lasst uns auf uns selbst schauen als Auserwählte, „damit wir heilig und tadellos vor ihm seien.“ (Eph 1,4). (…) Nichts in der Welt ist von solchem Nutzen wie das letzte Quäntchen Gnade.“

Richard Sibbes, Geborgen in Ihm, Friedberg: 3L, 2007, 41f.

Der Abglanz seiner Herrlichkeit

„Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesen“ (Hebr 1,3a)

Eduard Riggenbach erklärt zu diesem schwierigen Vers:

„Das Verhältnis des Sohnes zu Gott veranschaulicht der Vf durch zwei bildliche Ausdrücke. Die Herrlichkeit Gottes d.h. seine der Welt gegenüber in die Erscheinung tretende Erhabenheit, gelangt im Sohn zu gleich vollkommener Darstellung, wie sich das Licht in dem von ihm ausgestrahlten Glanze darstellt, in welchem – anders als in dem bloß augenblicklich und nach einer Seite hin aufleuchtenden Strahl – andauernd die ganze Fülle des Lichts zur Entfaltung kommt. Nicht minder findet im Sohn das sich gleichbleibende Wesen Gottes sein vollkommen zutreffendes Abbild, wie der Siegelabdruck die markanten Züge des Prägstocks wiedergibt. Der Sohn steht somit in einem Verhältnis engster Zugehörigkeit zu Gott. Er hat seinen Ursprung in Gott wie der Glanz im Lichte und der Siegelabdruck im Stempel. Er bringt in Wesen und Erscheinung die Eigenart Gottes zum Ausdruck. An ihm kommt nicht bloß wie an der Kreatur eine Seite des göttlichen Wesens zur Veranschaulichung. Er vermittelt auch nicht nur wie ein undeutliches Spiegelbild einen mangelhaften Eindruck von dem, was Gott ist, vielmehr ist er in seiner Person eine adäquate, einheitliche und allseitige Selbstdarstellung Gottes.“

Eduard Riggenbach, Der Brief an die Hebräer, Wuppertal: Brockhaus, 1987, 9f.

Über Jesu Erbarmen

Er lud jene ein, zu ihm zu kommen, deren Herzen die meisten Einwände gegen sich selbst vorbringen: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken!“ (Mt 11,28). Wie war sein Herz voll Sehnen, als er die Volksmenge sah, „wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36). Er kehrte niemals jemandem den Rücken zu, der ihm kam, obgleich einige sich wieder von selbst abwandten. Er kam, um als Priester für seine Feinde zu sterben. (…) Er vergoss Tränen für solche, die sein Blut vergossen. Und nun wirkt er im Himmel als Mittler für schwache Christen, stehend zwischen ihnen und Gottes Zorn. Er ist ein sanftmütiger König. Er lässt Trauernde in seiner Gegenwart zu; ein König der armen und angefochtenen Menschen. Genauso wie er eine majestätische Ausstrahlung besitzt, ist er auch im Besitz eines Herzens, das voller Mitleid und Erbarmen ist. Er ist ein Friedefürst. Warum wurde er versucht, wenn nicht deshalb, damit „er denen helfen [kann], die versucht werden“ (Hebr 2,18). Was für ein Erbarmen können wir von solch einem gnädigen Mittler erwarten, der unsere Natur annahm, um gnädig zu sein! Er ist ein Arzt, gut für alle Krankheiten, besonders im Zusammenbinden eines gebrochenen Herzens. Er starb, damit er unsere Seelen heile mit einem Pflaster seines eigenen Blutes und und durch diesen Tod errette.

Richard Sibbes, Geborgen in Ihm, Friedberg: 3L, 2007, 34.

Warum die Historizität des Sündenfalls entscheidend ist

„Many have questioned the historicity of the fall, but it is important for us to maintain that it actually happened. (…) There are two possibilities: either sin is a component of human nature (as some have said, „Adam is everyman“) or it began after God had already established human nature, in a historical event. The first possibility leaves us without hope. For we can never escape our nature, and if sin is part of that nature, we can never escape sin or its consequences. But if sin came into the world through a historical event, it is possible for other events to reverse the first.

John N. Frame, Systematic Theology: An Introduction to Christian Belief, Phillipsburg: P&R, 2013, 853.

Der bestmögliche Anreiz zu beten

 „Die Bibel lehrt uns, dass unsere Gebete wichtig sind – wir haben nicht, weil wir nicht bitten (vgl. Jak 4,2) – und dass trotzdem Gottes weiser Plan souverän und unfehlbar ist. (…) Wenn wir glauben, dass Gott alles regiert und dass unser eigenes Handeln nicht zählt, führt uns das in eine passive Entmutigung – es bringt ja doch nichts zu beten … Glauben wir dagegen ernsthaft, dass wir mit unserem Handeln und Beten Gottes Arm bewegen und seine Pläne ändern können, ist das Ergebnis eine lähmende Angst. (Was, wenn wir Gottes Arm falsch bewegen?) Ist dagegen beides wahr, haben wir den bestmöglichen Anreiz, uns anzustrengen, und wissen uns doch die ganze Zeit getragen von den ewigen Armen Gottes, denn es ist ja gar nicht möglich, dass wir Gottes gute Pläne für uns zunichtemachen können (vgl. Jer 29,11). (244f)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.

Das Gebet der Nähe

„Jesus hat die Bedingungen des Bundes erfüllt, damit wir Zugang zu der bedingungslosen Liebe Gottes haben. Durch das Kreuz – und nur durch das Kreuz – kann Gott beides sein: gerecht gegenüber der Sünde und barmherzig rechtfertigend gegenüber den Sündern.“ (226) 

 „Gott wäre ungerecht und würde seinen Bund mit uns brechen, wenn er sich die gleiche Schuld zwei Mal bezahlen ließe; nach dem, was Jesus für uns am Kreuz getan hat, wäre er ungerecht, wenn er uns nicht vergeben würde. Diese tiefe Gewissheit verändert das Wesen der Buße vollkommen; Buße ist jetzt nicht mehr ein Mittel, selber unsere Sünden zu sühnen, sondern ein Mittel, Gott die Ehre zu geben und unser Leben neu auf ihn auszurichten.“ (229) 

„Buße auf dieser gesetzlichen Basis wird uns nie die ungeheure Befreiung und Erleichterung bringen, die der erlebt, der sich in Jesu Vergebung fallen lässt, denn wir können ja nie sicher sein, ob wir zerknirscht genug waren, um uns Gottes Gunst zu verdienen.“ (229) 

„Wenn wir wissen, dass Gott uns trotz unserer Sünden liebt und annimmt, fällt es uns viel leichter, unsere Fehler und unser Versagen zuzugeben. (…) Vor allem aber können wir zeitiger und häufiger mit unseren Sünden zu Gott gehen, sie bekennen, uns Jesu Sühnetod am Kreuz ins Gedächtnis rufen und ein klein wenig von der Freude über unsere Erlösung neu erleben. Ganz ohne Traurigkeit und bitteren Beigeschmack wird kein Akt der Buße sein, aber die vertiefte Erkenntnis meiner Sünde führt mich zu einer größeren Gewissheit der Gnade Gottes.“ (230) 

„Es gibt eine Scheinbuße, die in Wirklichkeit Selbstmitleid ist. Ich gebe meine Sünde zu, aber was mir leidtut, ist eigentlich nicht die Sünde selber, sondern sind die schmerzlichen Folgen, die sie für mich hat.“ (232) 

„Es geht tatsächlich darum, der Sünde den Garaus zu machen, und dies geschieht dadurch, dass wir über Gottes Heiligkeit und seine Liebe in Christus sowie über andere biblische Lehren meditieren und dann unsere konkrete Sünde in ihrem Licht betrachten. Wir erkennen so, was alles an Dummheit und Bösem hinter ihr steckt, und sie wird uns immer hässlicher und unattraktiver. Ihr Reiz wird schwächer und unsere Fähigkeit, ihr Widerstand zu leisten, steigt.“ (235)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.