Brauchen wir biblisches Wissen?

Ist es für Christen wichtig oder gar notwendig, biblisches Wissen zu haben? Sollten Christen beispielsweise wissen, was die Bedeutung des Passahfestes ist, in welcher Zeit Jesaja ungefähr gelebt hat, wieviele Missionsreisen der Apostel Paulus machte oder gar in welcher Reihenfolge wir die neutestamentlichen Briefe in der Bibel finden?

„Kopfwissen“ vs. praktischer Glaube

Immer wieder begegnet mir die Haltung – teils ausgesprochen, teils unausgesprochen – dass diese Art Bibelkenntnis doch eigentlich nicht wirklich wichtig sei. Nicht auf theoretisches „Kopfwissen“ käme es an, sondern auf den praktischen Glauben im Alltag.

Und in der Tat gibt es diese Gefahr! Es gab und gibt immer wieder Menschen, die zwar erstaunlich viel über Gott, Bibel und Theologie wissen und doch keinen lebendigen Glauben leben. Denken wir nur an die Pharisäer und Schriftgelehrten aus Jesu Zeit: in Bibelkenntnis von den meisten (damals und erst recht heute) sicherlich unerreicht und doch bleiben die meisten blind für das Entscheidende, dass nämlich Jesus Christus – der verheißene Retter – vor ihnen steht.

Auf der anderen Seite – da bin ich überzeugt – geht es aber auch ohne biblisches Wissen nicht. Warum ist es also wichtig, dass Christen über biblische Zusammenhänge Bescheid wissen, die – wie die oben genannten Beispiele – nicht ganz unmittelbar mit der eigenen Glaubenspraxis zusammenhängen?

Damit wir die Bibel besser verstehen

Es ist es wichtig, damit wir die Bibel besser verstehen. Die manchmal rätselhaft erscheinenden Texte des Propheten Jesaja beispielsweise, kann ich leichter verstehen, wenn ich um Zeit und Umstände weiß, in die sie ursprünglich hineingehörten. Das Sühneopfer Jesu werd ich tiefer begreifen, wenn ich um die Bedeutung des Passahfestes weiß usw. Die Bibel aber sollten wir als Christen gut verstehen wollen, ist sie doch Gottes lebendiges Wort an uns. Und hier kommt jetzt auch der Praxisbezug: einen lebendigen und praktischen Glauben in den Herausforderungen des Alltags werde ich nur dann leben können, wenn ich mich diesem lebendigen Wort regelmäßig aussetze. Denn nur dann werden wir ganzheitlich erneuert (vgl. Röm 12,2: „Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ ), so dass wir im Alltag zu Gottes Ehre leben können (vgl. Röm 12,1: „Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“). Zuviele Christen – zwar mit aufrichtigem Herzen – probieren es, ihren Glauben praktisch im Alltag zu leben ohne die regelmäßige Speise des nahrhaften Wortes Gottes. Das kann auf Dauer gar nicht gut gehen.

Ich will Mut machen, sich biblisches Wissen anzueignen. Auch Dinge, die ich nicht unmittelbar praktisch umsetzen kann, sind wichtig. Wir sollten dabei uns stets der Falle bewusst sein, in die die Pharisäer tappten und doch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Biblisches Wissen ist wichtig, damit ich die Bibel besser verstehe. Und gutes Bibelverständnis ist wichtig, damit mich dieses lebendige Wort Gottes erneuert und mich zu einem Leben zu Gottes Ehre anleitet.

Wer begeistert ist, will mehr…

Übrigens: Menschen, die von einer Sache so richtig begeistert sind, wenden regelmäßig und ganz natürlich größte Mühe auf, um sich in diese Materie zu vertiefen. Den richtig hartgesottenen Fußballfans reicht es nicht aus, ihrer Mannschaft beim Sieg zuzujubeln. Nein, sie beginnen Bücher über Taktik zu verschlingen oder lesen sich darin ein, wie moderne Transferkonstrukte rechtlich funktionieren. Alles Dinge, die man nicht wissen muss, um der Mannschaft beim Sieg zuzujubeln, die der begeisterte Vollblut-Fan aber von sich aus tut. Einfach weil er mehr über das wissen will, was ihn am meisten interessiert. Als Christen sollte es uns auch nicht genug sein, Jesus nur zuzujubeln. Nein, es sollte selbstverständlich sein, dass wir stets mehr von ihm und seinem Wort verstehen wollen!

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Der Abglanz seiner Herrlichkeit

„Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesen“ (Hebr 1,3a)

Eduard Riggenbach erklärt zu diesem schwierigen Vers:

„Das Verhältnis des Sohnes zu Gott veranschaulicht der Vf durch zwei bildliche Ausdrücke. Die Herrlichkeit Gottes d.h. seine der Welt gegenüber in die Erscheinung tretende Erhabenheit, gelangt im Sohn zu gleich vollkommener Darstellung, wie sich das Licht in dem von ihm ausgestrahlten Glanze darstellt, in welchem – anders als in dem bloß augenblicklich und nach einer Seite hin aufleuchtenden Strahl – andauernd die ganze Fülle des Lichts zur Entfaltung kommt. Nicht minder findet im Sohn das sich gleichbleibende Wesen Gottes sein vollkommen zutreffendes Abbild, wie der Siegelabdruck die markanten Züge des Prägstocks wiedergibt. Der Sohn steht somit in einem Verhältnis engster Zugehörigkeit zu Gott. Er hat seinen Ursprung in Gott wie der Glanz im Lichte und der Siegelabdruck im Stempel. Er bringt in Wesen und Erscheinung die Eigenart Gottes zum Ausdruck. An ihm kommt nicht bloß wie an der Kreatur eine Seite des göttlichen Wesens zur Veranschaulichung. Er vermittelt auch nicht nur wie ein undeutliches Spiegelbild einen mangelhaften Eindruck von dem, was Gott ist, vielmehr ist er in seiner Person eine adäquate, einheitliche und allseitige Selbstdarstellung Gottes.“

Eduard Riggenbach, Der Brief an die Hebräer, Wuppertal: Brockhaus, 1987, 9f.

Warum ich fortlaufende Bibeltexte predige

Wer mich kennt, weiß, dass ich vorwiegend fortlaufend ganze Bibelbücher oder größere Bibelabschnitte predige. So habe ich das in Vergangenheit u.a. mit Kolosser, Markus, Maleachi, Philipper, Judas, Elia (1Könige 17-21) oder Galater getan. Aktuell befinde ich mich gerade in einer Reihe über das Leben Jakobs (1Mose 25-35 – über die Weihnachtszeit pausiere ich allerdings).

Jeder Bibeltext ist wichtig

Es gibt viele Gründe, warum ich mich an diesem sehr alten Brauch (man nennt das lectio continua) orientiere. Z.B. wird durch dieses Vorgehen verdeutlicht, dass jeder Bibeltext wichtig ist. Es werden nicht nur die populären Lieblingsstellen herausgepickt, sondern es kommen auch die weniger bekannten Texte zwangsläufig zur Sprache.

Das Beispiel des Philipperbriefs

Ich will das mal am Beispiel des Philipperbriefs verdeutlichen: Ich bin mir sicher, dass ein Prediger, der in den Paulusbriefen zu Hause ist und sie liebt (so wie ich die Paulusbriefe liebe), bestimmt über kurz oder lang über folgende Texte predigen würde: Phil 1,12-26 (mit dem Spitzensatz: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn“), Phil 2,1-11 (der berühmte Christushymnus) oder Phil 3,12ff („Ich vergesse, was dahinten ist….“) Würde man aber auch über Phil 2,19-30 predigen (die Lutherbibel hat als Überschrift: Sendung des Timotheus und Rückkehr des Epaphroditus)? Klingt auf den ersten Blick jetzt nicht so super-spannend, von dem schwierigen Namen mal ganz abgesehen… Und doch entgeht uns viel, wenn wir diese Texte nie ausgelegt bekommen. Vor allen Dingen ist es ein Problem, wenn wir gar meinen, diese Texte seien nicht so wichtig.

Und nebenbei bemerkt: in anderen biblischen Büchern ist der Anteil der Texte die auf den ersten Blick nicht sehr zugänglich oder relevant erscheinen, noch viel viel größer als im Philipperbrief. Ist das wirklich alles unnützer Ballast? Hätte uns gar eine Bibel gereicht, die nur 1/4 Umfang hat? Mit Sicherheit nicht! Gott hat uns die ganze Bibel mit ihren 66 Büchern und 1189 Kapiteln gegeben, weil jeder Text wichtig ist. Ich predige vorwiegend fortlaufend durch Bibelbücher oder längere Abschnitte, um genau das meinen Hörern deutlich zu machen!

Wie Gott in unserem Leben wirkt

Ein Mann ging eines Tages im Frühsommer spazieren. Da kam er an einem Haus vorbei mit einem kleinen Vorgarten und einem großen Apfelbaum darin. Vor der Tür stand eine Frau, schaute missmutig auf den Boden und sagte zu ihm: „Ach, sehen Sie, es gibt dieses Jahr wieder nichts. Alles fällt herunter!“ Und tatsächlich – wenn man auf den Boden schaute – lag da alles voll von abgefallenen Fruchtansätzen. Doch der Mann sagte zu ihr: „Ja, aber schauen Sie doch auch mal da hinauf, was da noch alles draufhängt!“ Und wirklich, als der Mann einige Zeit später wieder an diesem Haus vorbeiging, hing der Baum voll schöner, dicker, roter Äpfel.

Diese kleine Geschichte zeigt uns nicht nur, dass wir die Tendenz haben, oft nur auf das Negative, Fehlende und Schlechte zu schauen, und dabei das Positive zu übersehen.Diese Geschichte lehrt uns noch etwas anderes: Hätten sich die hängen gebliebenen Fruchtansätze wirklich so schön entwickeln können, wenn nichts heruntergefallen wäre? Wahrscheinlich nicht. Es brauchte die Ausdünnung, damit die anderen Fruchtansätze sich so wunderbar entwickeln konnten. Ganz ähnlich trauern wir als Menschen unseren unerfüllten Wünschen nach und bedenken gar nicht, wozu es gut war, dass sie sich nicht erfüllt haben. Wir sind verärgert über unsere Misserfolge und Niederlagen und kommen gar nicht auf die Idee, dass sie auch eine gute Seite haben. Wir erleben Zank und Streit, sind mit schwierigen Personen konfrontiert, müssen durch unangenehme Kontroversen hin durch und kommen gar nicht auf die Idee, in alledem ein Anzeichen von Gottes Wirken in unserem Leben zu sehen.

In der Tat ist es aber anders. Gott wirkt in unserem Leben auf zweierlei Weise: Gott wirkt in unserem Leben, indem er uns segnet und leitet. Diese Art von Gottes Wirken erkennen wir leichter, die mögen wir, die finden wir gut. Gott wirkt aber auch in unserem Leben, indem er uns erzieht und verändert – und dann eben auch mit schwierigen Dingen konfrontiert. Darin erkennen wir oft nicht so Gottes Wirken – und das finden wir auch nicht immer so toll. Trotzdem – auch so wirkt Gott in unserem Leben.

Wenn du mehr über diese zwei Wirkweisen Gottes erfahren möchtest, dann hör hier in meine letzte Predigt über 1Mose 29,1-30 rein: „Betrogener Betrüger – oder: wie Gott Jakob segnet und erzieht“. In dieser Geschichte können wir erkennen, dass Jakob diese beiden Weisen des Wirken Gottes erlebt. Er erlebt Gottes Leitung und Segen, dass sein Leben gelingt und ganz viel Positives. Und er erlebt Gottes Erziehung und Veränderung à eben auch schwierige Umstände, die ihn wirklich herausfordern.

„Diesem Gott verschreib ich mich mit Haut und Haaren!“

In Bethel macht Jakob ein eindrucksvolle Gottesbegegnung (1Mose). Er sieht im Traum eine Leiter (vermutlich war es eher eine Treppe), auf der die Engel zwischen Himmel und Erde auf- und niedersteigen. Ja, oben an der Treppe steht sogar der Herr selbst, der ihn anspricht und sich ihm als der Bundesgott offenbart und die Verheißungen an Jakob erneuert. Eine Gotteserfahrung, die eindrucksvoller kaum sein könnte. Und ein Erlebnis, das Jakobs Leben stark verändern sollte:

Jakob gibt diesem Gott, der ihm so gnädig begegnet ist, nicht nur ein einmaliges Opfer, nein, er gibt ihm sein ganzes Leben hin. Nein, in V. 20-21 heißt es: „Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen 21 und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der HERR mein Gott sein.“ Man kann hier den Eindruck bekommen, dass Jakob einen Kuhhandel mit Gott abzuschließen versucht. „Behütest du mich und sorgst du für mich, dann bin ich auch bereit, dich als meinen Gott anzunehmen“ Aber ich glaube nicht, dass wir den Text so richtig verstehen. Denn bedenken wir, was Gott dem Jakob im Traum in der Nacht – aber auch durch den Segen seines Vaters Isaak – versprochen hatte. Das waren doch genau diese Dinge: Schutz auf dem Wege, Versorgung – ja einfach seinen guten Segen! Jakob versucht also hier nicht in einem Kuhhandel Gott irgendetwas abzuluchsen. Nein, Jakob macht seinen Eid gerade auf Grundlage der Dinge, die Gott ihm zugesprochen hatte ganz sicher tun – denn es hieß ja in V. 15 „Ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.“ Jakob nimmt Gott also beim Wort und bindet sich selbst und sein ganzes Leben daran: „Weil du so wunderbar mit mir umgehst, darum will ich dir mein ganzes Leben hingeben“ Das ist hier die Reihenfolge, das ist hier der Gedanke, der da hintersteht! Gott verspricht ohne Vorbedingungen seinen Segen, gibt Jakob diesen „Blanko-Scheck“ und Jakob ist so überwältigt, dass er aus tiefstem Herzen sagt: „Ja, diesem Gott verschreibe ich mich mit Haut und Haaren. Er soll mein Gott sein!

Ich kann nicht anders, als jetzt sofort an Jesus Christus zu denken und das, was er uns im Evangelium geschenkt hat. Sind wir nicht ebenso beschenkt und gesegnet wie Jakob es war? Sind wir nicht eigentlich noch viel mehr beschenkt und gesegnet als er es war? Vergebung, Gotteskindschaft, ewiges Leben, den Herrn als unseren Fürsprecher auf unserer Seite, immer zur Stelle… Sollten wir nicht ebenso sagen: „Ja, diesem Gott verschreibe ich mich mit Haut und Haaren. Er soll mein Gott sein! Komme was da wolle, nichts will ich ihm vorenthalten?“

Meine ganze Predigt „Unerwartete Begegnung – oder: wie Gott sich Jakob offenbart“, kannst du hier nachhören.

Bibelkunde und die Liebe zum Wort

Als ich im Herbst 2005 mein Theologiestudium an der FTH Gießen (die damals noch FTA hieß) begann, stand neben Griechisch vor allem Bibelkunde auf dem Programm. Ich erinnere mich nur noch an wenige Einzelheiten aus diesen Vorlesungen. Sehr gut eingeprägt hat sich bei mir dagegen die Haltung, mit der mein damaliger Dozent uns die Bibel näher brachte.

Seine Haltung war einerseits geprägt von großer Liebe zum Wort. Man hat es gespürt, dass diesem Mann die Bibel kostbar ist. Sie war für ihn nicht nur Unterrichtsgegenstand über den er eben zu referieren hat, sondern sie war ihm auch persönlich ein großer Schatz.

Man spürte ihm andererseits Demut gegenüber dem Wort ab. Er hat uns nicht nur erklärt, warum die Bibel die autoritative Offenbarung Gottes ist, wie man das begründen kann und warum das wichtig ist. Nein, man hat schon an der Art und Weise wie er über die Bibel sprach oder wie er mit schwierigen Stellen umging, gemerkt, dass die Bibel für ihn persönlich tatsächlich das Wort Gottes ist, dem es sich unterzuordnen gilt.

Und zuletzt war seine Haltung von großem Interesse an der Bibel gekennzeichnet. Nun, mein damaliger Dozent unterrichte Bibelkunde damals schon seit Jahrzehnten. Aber sein Interesse an der Heiligen Schrift tat das keinen Abbruch. Wenn neue Fragen auftauchten, war er immer daran interessiert, eine gute Antwort zu finden.

Wenn ich so darüber nachdenke, dann bin ich sehr dankbar, dass dieser Dozent (und auch die übrigen) mir so eine Haltung der Liebe zum Wort, der Demut gegenüber dem Wort und des Interesses am Wort so lebendig vorgelebt haben. Das ist mit Sicherheit das Wertvollste, was ich aus vier Jahren Studium mitgenommen habe (und ich habe natürlich noch viele andere sehr wertvolle Dinge gelernt wie Exegese, Homiletik und andere fachliche Dinge)

Ich frage mich aber auch, welche Haltung ich eigentlich vermittle, wenn ich über Gottes Wort spreche. Welche Haltung gegenüber der Bibel nehmen die Gottesdienstbesucher war, wenn ich sonntags predige? Was denken meine Jugendlichen im Jugendkreis, wenn ich mit ihnen über einen Bibeltext spreche? Mein Wunsch und Gebet ist es, dass man auch mir das abspürt: Dass ich Gottes Wort liebe. Dass es für mich nicht nur abstrakt-theoretisch sondern auch persönlich autoritativ ist. Und dass ich echtes Interesse – ja Hunger – nach diesem Wort habe, das doch das Wort des allmächtigen Gottes ist.

Wenn Menschen mit Lug und Trug Erfolg haben

Die biblischen Gestalten sind alles andere als fehlerlose Helden. So betrügt z.B. Jakob seinen Vater Isaak, um sich den besonderen väterlichen Segen zu sichern. Und das ganze gelingt und es scheint sogar so, als würde Gott über diese Unehrlichkeit hinwegsehen. Am vergangenen Sonntag habe ich über diese spannende Geschichte aus 1Mose 27,1-28,5 gepredigt:

Der Plan von Rebekka und Jakob geht auf und der Betrug gelingt. Es ist wichtig, dass wir verstehen, dass Gott den Betrug in diesem Fall zwar nutzt, aber ihn nicht duldet oder bejaht. Und so werden wir noch sehen, wie schmerzhafte Konsequenzen dieses hinterhältige Verhalten für Jakob und Rebekka haben wird. Hier aber sehen wir zunächst, wie Menschen mit unlauteren Methoden Erfolg haben. Wir beobachten, wie ein Betrug gelingt, wie das hinterlistige Vorgehen die beiden zum Ziel führt. Ja, in diesem Moment scheint es so, als würde sich das unehrliche Verhalten der beiden auszahlen.

Das genau ist oft genau der Eindruck, den wir auch bekommen, wenn wir diese Welt und unsere Umwelt betrachten. Dass es sich – genau wie hier – auszahlt, unehrlich zu sein, egoistisch auf sich fixiert zu sein, zu betrügen, zu lügen, andere zu hintergehen, Intrigen zu spinnen, sich einfach zu nehmen, was man will. Alle diese unlauteren Methoden haben doch so oft Erfolg. Ja, Gott duldet das alles nicht – und doch sieht es zunächst ganz danach aus.

Wir, liebe Geschwister, müssen einen Moment lang glauben, dass Gott das wirklich nicht duldet. Wir sind herausgefordert einen Moment lang zu glauben – entgegen der offensichtlichen Realität – dass sich solches Verhalten eben nicht auszahlt. Wir müssen da Gott vertrauen, dass es anders ist als zunächst erscheint. Einen Moment lang – und dieser Moment kann lange sein, er kann sogar unser ganzes irdisches Leben dauern – müssen wir vertrauen, dass sich Lug und Trug nicht auszahlen. Dazu fordert uns Gott heraus!

Meine ganze Predigt über 1Mose 27,1-28,5 „Erzwungener Segen – oder: wie eine ganze Familie Gott zu manipulieren versucht“, kannst du hier nachhören.