Nicht mal Zeit zum Essen…

Bei meiner Predigtreihe durch das Markusevangelium bin ich auf ein interessantes Detail gestoßen. Nachdem Jesus die zwölf Apostel als Zweier-Missionsteams ausgesandt hatte (Mk 6,7-13) und durch ihren Dienst Jesus immer populärer wurde (darum ist in 6,14-29 auch die Perikope über Johannes den Täufer eingearbeitet, weil erst durch ihren Dienst Jesus auch Herodes Antipas bekannt wurde, der Johannes hinrichten ließ), kommen diese völlig erschöpft zu Jesus zurück. Nicht nur Jesus selbst stand jetzt im Fokus, sondern auch seine Jünger. In 6,31 heißt es deutlich: „Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie [die Jünger] hatten nicht Zeit genug zu essen.“ Sie waren offenbar von ihrem Dienst so eingenommen, dass sie nicht mal dazu kamen, eine vernüftige Mahlzeit einzunehmen. Der Dienst für Jesus forderte sie und ging vor!

Danach schließt sich in 6,35-44 sofort die berühmte Speisung der 5000 an. Hier fungieren die Jünger wiederum als Mitarbeiter Jesu. Sie verteilen ja nicht nur das Essen wie Kellner in einem Restaurant an die Menschen, nein, sie sammeln hinterher die Reste auch wieder ein. So heißt es in V. 43 : „Und sie sammelten die Brocken auf, zwölf Körbe voll, und von den Fischen“ Die Jünger dienen, indem sie die Menschen bedienen und auch noch wieder aufräumen. Nur davon, dass sie selbst etwas essen, lesen wir nichts – ganz im Gegenteil heißt es in V. 45, dass Jesus sie „alsbald“ dazu trieb ins Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren. Hier setzt sich also fort, was wir eben schon sahen. Der Dienst Jesu forderte sie so, dass sie weiterhin, dass sie selbst zurückstecken mussten. Nach wie vor kamen sie nicht mal dazu, selbst eine vernünftige Mahlzeit einzunehmen.

Erst in Mk 7,2 (nach der nächtlichen Überfahrt über den See, bei der ihnen Jesus auf dem Wasser laufend begegnete), lesen wir davon, dass sie Jünger – dann allerdings mit ungewaschenen Händen (vielleicht weil sie so hungrig waren) – das übriggebliebene Brot aßen. Und dort wird das dann eben zum Anlass einer Kontroverse zwischen Jesus und den Pharisäern über wahre Reinheit und Unreinheit.

Es wird also deutlich:Die Jünger stecken in enormem Maße zurück, weil der Dienst sie so fordert. Und doch beschweren sie sich nicht, sie meckern nicht, sie protestieren nicht – sie sind mit Hingabe und ganzem Einsatz dabei. Ich glaube, dass es solche Zeiten im Dienst nach wie vor gibt. Zeiten, die anstrengend und fordernd sind, wo wir zurückstecken, die teilweise auch mal über unsere Kräfte gehen. Ich weiß aber auch, dass das Zeiten sind, in denen wir aber dennoch erfüllt, zufrieden und voller Freude sind. Weil auch der Dienst für Jesus erfüllt und wir für den besten Herrn mit der besten Botschaft unterwegs sein dürfen.

Wenn du meine ganze Predigt über Mk 6,30-44 hören willst, so findest du sie hier.

Werbeanzeigen

Die Priorität des Wortes

Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. 39 Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. 40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, daß mich meine Schwester läßt allein dienen? Sage ihr doch, daß sie mir helfen soll! 41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. 42 Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden. (Lukas 10,38-42)

Als Jesus sich mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem befindet, kommen sie eines Tages nach Betanien. Marta, eine offenbar wohlhabende und tatkräftige Frau, lädt Jesus und seine Jüngergruppe in ihr Haus ein. Sofort beginnt sie mit der Arbeit. Sie will eine gute Gastgeberin sein und so kümmert sie sich mit großem Einsatz um die Bewirtung ihrer Gäste. Es ist ein sehr gutes Ziel, dass Marta verfolgt: Sie will Jesus und seinen Jüngern dienen. Es braucht doch solche Menschen wie Marta! Menschen, die einsatzbereit sind, die keine Mühe scheuen, die sich gerne engagieren. Auch Gemeinden leben davon!

Und dennoch ist Marta hier nicht ganz auf der richtigen Spur. Das wird deutlich, als Marta Jesus auf ihre Schwester Maria anspricht: „Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt alleine dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!“ (Lk 10,40). Wie gut kann man das Ansinnen Martas verstehen. Würden beide Schwestern mitanpacken, wäre die Arbeit doch schneller erledigt. Und wäre es nicht sowieso angemessen, dass Maria ihrer – vermutlich älteren – Schwester in deren Haus sie wohnt, hilft?

Jesus ist nicht dieser Meinung. Im Gegenteil: Der Herr weist Marta liebevoll, aber doch deutlich, zurecht: „Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.“ (Lk 10,41). Ihrer Unruhe und ihren vielen Sorgen stellt Jesus, das Eine gegenüber. Das Eine, das wirklich notwendig ist, das Eine, das Maria erwählt hat. Das Eine, nämlich auf das Wort Jesu, also auf das Wort Gottes, zu hören. Dies ist das Eine, „das soll nicht von ihr genommen werden“ (Lk 10,42).

Jesus stellt in dieser kurzen Episode die Priorität des Wortes vor der Tat heraus. Auf das Wort Gottes zu hören, hat für Jesus immer Vorrang – auch vor jeder guten Tat.

Ist die gute Tat dann unwichtig? Oder ist es falsch, wie Marta die eigenen Gäste gut bewirten zu wollen? – Nein, natürlich nicht! Gute Taten und aufopferungsvoller Dienst sind positive Dinge. Es sind auch Dinge, zu denen uns die Bibel und Jesus selbst immer wieder aufruft. Jesus geht es also nicht darum, die gute Tat oder den Dienst schlechtzumachen. Aber es geht ihm um die Priorität, darum, deutlich zu machen, was das Wichtigste ist und was darum stets zuerst kommen soll. Und da ist Jesus eindeutig: Auf Gottes Wort zu hören hat in jedem Fall die höchste Priorität. Alles andere – auch die besten Taten oder der liebevollste Dienst – kommt danach.

Warum ist das so? Weil für Jesus und die ganze Schrift das Hören und dann Glauben von Gottes Wort die Wurzel des Tuns ist. Oder anders gesagt: Das Eine ist die Wurzel des Vielen. So erwächst erst aus dem Hören und Glauben von Gottes Wort ein wirklich verändertes Handeln.

Ich wünsche uns allen den Mut, dem Hören und Lesen von Gottes Wort die höchste Priorität zu geben. Und ich wünsche uns die nötige Zielstrebigkeit diesen Entschluss im Trubel des Alltags auch durchzuziehen!

Frei zum Dienen

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

Martin Luther, Von der Freiheit eines Christenmenschen

„Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, daß ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern.“

Der Apostel Paulus, Galater 5,13