Predigt: Durch sein Blut erlöst

„In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade (Eph 1,7)

„Nach dem Reichtum seiner Gnade“ – was heißt das? Denken wir an einen Multimillionär, einen sympathischen, spendablen Multimillionär mit einem großen Herz. Immer wieder kommen Leute zu ihm, die in Not sind und er hilft ihnen gerne und gibt ihnen Geld, um ihre Notlage zu beseitigen. Dem einen vielleicht 100 Euro, manchem auch 2.000 Euro – je nach dem. Gewiss eine echte Hilfe und doch für diesen reichen Mann zu verschmerzen. Er gibt diesen bedürftigen Menschen ja lediglich einen kleinen Teil von dem Reichtum seines Vermögens.

Was würde es aber bedeuten, wenn er diesen nach dem Reichtum seines Vermögens geben würde? Nach seinem Reichtum? Gemäß seines Reichtums? Entsprechend seines Reichtums? Es würde vielleicht bedeuten, dass er jemandem nicht nur mit 500 Euro aus der gröbsten Not heraushilft, sondern ihm eine große Villa schenkt – etwas was seinem Reichtum wirklich entspricht und damit er leben kann wie er. Das ist der Unterschied!

Wenn es hier also heißt, dass Gott uns nach dem Reichtum seiner Gnade beschenkt, dann bedeutet das, dass er uns mit dem grenzenlosen Reichtum seiner Gnade beschenkt. Erlösung heißt nicht also nur, dass wir losgekauft sind aus der Macht der Finsternis. Erlösung bedeutet auch nicht nur, dass uns volle Sündenvergebung geschenkt ist. Es bedeutet, dass wir Gott uns nun auf ewig hin freundlich zugewandt ist, uns seine Gunst gilt. Es heißt, dass er uns mit Güte und Liebe behandelt und seine Gnade überreich überaus ausschüttet. Denn Gott gibt uns nicht nur eine Kleinigkeit von dem Reichtum seiner Gnade“, sondern nach dem Reichtum seiner Gnade“

Das alles gilt dir, wenn du persönlich zu Jesus Christus gehörst. Ist das so bei dir? Gehörst du zu ihm?

Wir gehören ja nicht einfach zu Christus, nur weil wir dem Namen nach Christen sind. Weil wir getauft, gefirmt, christlich erzogen sind.Weil wir im [noch] christlichen Abendland leben, weil wir manchmal den Gottesdienst besuchen. Nein!

Die entscheidende Frage ist: Hast du diesen persönlichen Glauben an Jesus Christus? Glaubst du, dass er der Sohn Gottes ist, der dich durch seinen Tod mit Gott versöhnt hat? Glaubst du, dass er auferweckt wurde und jetzt der Herr der Welt ist? Und willst du dein Leben ganz unter seine Herrschaft stellen?

Hier kannst du die ganze Predigt „Durch sein Blut erlöst“ nachhören.

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John Piper über die Zentralität der Bibel in der Predigt

„Wo die Bibel als inspiriertes und unfehlbares Wort Gottes anerkannt wird, kann der Predigtdienst florieren. Aber wo die Bibel lediglich als Dokumentation nützlicher religiöser Erkenntnisse behandelt wird, stirbt die Predigt. (…) Das Wort – das ist der Blickpunkt! Alle christlichen Predigten sollten Auslegungen und Anwendungen von Bibeltexten sein. Unsere Autorität als von Gott gesandte Prediger steht und fällt mit unserer offenkundigen Treue zum Bibeltext. Ich sage offenkundig, weil so viele Prediger behaupten, sie legten den Text aus, obwohl ihre Aussagen nicht ausdrücklich – offenkundig – im Bibeltext begründet sind. Sie zeigen ihren Zuhörern nicht klar und deutlich, dass ihre Aussagen auf bestimmten, lesbaren Worten der Schrift beruhen, die die Hörer selbst nachlesen können. (…) Stattdessen müssen wir in unserer alphabetisierten Gesellschaft die Leute dazu bringen, ihre Bibeln aufzuschlagen und ihre Finger auf den Text zu legen. Dann müssen wir einen Textabschnitt zitieren und ihn erklären. Sag ihnen, in welcher Hälfte des Verses es steht. Die Zuhörer verlieren die ganze Stoßrichtung einer Botschaft aus dem Blick, wenn sie herumrätseln müssen, woher die Gedanken des Pastors kommen. (…) Wenn wir den Leuten etwas erzählen und es ihnen nicht aus dem Bibeltext zeigen, bevormunden wir sie nur.“

John Piper, Ihn verkündigen wir: Die Zentralität Gottes in Predigt und Verkündigung, Betanien, 2006, 42f.

Predigt: Vor Beginn der Welt geliebt

Ich habe am vergangenen Sonntag eine neue Predigtreihe in meiner Gemeinde begonnen. Was ich mir schon lange mal vorgenommen hatte, setze ich nun endlich mal um: ich predige über das wunderbare Kapitel 1 des Epheserbriefs.

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Hier haben wir einmal ein gewaltiges Lob Gottes (1,3-14) und sogleich ein Gebet von Paulus für seine Leser (1,15-23). Dabei beleuchtet Paulus tiefgehende, schwerwiegende Themen, wie z.B. die Erwählung. Was mich an diesem Text aber vor allem gefällt, ist diese Begeisterung des Paulus über Gottes große Taten, die einem aus jeder Zeile entgegenspringt. Ja, Paulus, der bei Abfassung des Epheserbriefs wohl im Gefängnis saß, ist außer sich vor Freude, wenn er darüber nachsinnt, wie Gott uns in Christus reich gesegnet hat.

In der ersten Predigt unter dem Titel „Vor Beginn der Welt geliebt“ über Eph 1,3-6 ging es gleich um das Thema Erwählung:

Wie sollen wir uns diese Erwählung Gottes vorstellen?

Zunächst als eine bewusste Wahl. Es war eine Wahl, die von Gott nicht ins Ungewisse hinein getroffen wurde, so wie z.B. jemand seine Hand in einen Beutel steckt, um ohne etwas zu sehen oder zu wissen, ein Los zu ziehen. Es ist auch keine Zufallswahl gewesen, so wie ein Zufallsgenerator zufällig, ohne jedes persönliche Interesse, einfach irgendeine Wahl trifft. Nein, als Gott Menschen erwählte, hatte er jeden einzelnen Menschen vor Augen, er kannte und wusste schon alles. Als Gott Menschen erwählte, war es für ihn eine bewusste Wahl mit echtem persönlichem Interesse.

Dann war es außerdem eine definitive Wahl, d.h. eine bindende Entscheidung. Gott hat in seiner Wahl also etwas entschieden, was definitive, klare Auswirkungen hat. Das ist zwar schwer vorstellbar – ja es sprengt unser Hirn – aber doch das, was die Bibel deutlich aussagt.

Und außerdem – und das ist wohl das Wichtigste – die Erwählung durch Gott ist eine unverdiente Wahl aus Liebe. Es ist eine unveränderliche Entscheidung, die gänzlich der Gnade und Liebe Gottes entsprang. Gott erwählte uns nämlich, „dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten“, was bedeutet, dass wir, als er uns erwählte, unheilig und tadelnswert waren. Das bedeutet, dass Gott in keiner Weise verpflichtet war, überhaupt irgendeinen Menschen zu erwählen und dadurch zu retten. Für uns ist dieser Gedanke, dass Gott gnädig ist und sich unserer erbarmt, dass er uns vergibt, rettet etc. manchmal schon so selbstverständlich geworden, dass wir uns darüber gar nicht mehr wundern. Möglicherweise denken wir sogar, dass es selbstverständlich oder gar eine Pflicht Gottes ist, so gnädig mit uns umzugehen. Nein, Gott war in keiner Weise verpflichtet auch nur einen einzigen Menschen zum Heil zu erwählen, das war alles überhaupt nicht zwingend. Dass er es dennoch tat, unterstreicht seine große Gnade und Liebe. Wenn Gott hier nicht die Initiative ergriffen hätte, würde niemand ewiges Leben zuteil. Und so ist im Grunde die schwierige Frage nicht die, die viele bei diesem Thema stellen „Warum erwählte Gott manche Menschen nicht?“, sondern vielmehr „Warum erwählte er überhaupt welche?“ Denn dass er das tat, das ist das große Wunder! Dass er das tat, das ist der Grund, warum Gott hier gepriesen wird!

Wenn du die ganze Predigt hören willst, kannst du das hier tun.

Jona: wie Gott mit seiner Widerspenstigkeit umgeht

Die Geschichte des Propheten Jona dürfte den meisten in den groben Zügen bekannt sein. Nachdem Gott ihm den Auftrag gab nach Ninive zum Predigen zugehen – ein Auftrag, der ihm ganz und gar nicht gefiel – versuchte Jona vor Gott zu fliehen. Wie geht Gott nun mit seinem widerspenstigen Propheten um?

Jona 1 schildert uns, wie das Schiff, das Jona zur Fahrt nach Tarsis bestiegen hatte, in einen sehr schweren Sturm gerät (Jona 1,4). Das Unwetter war so schlimm, dass die Schiffsbesatzung um ihr Leben fürchtete. In ihrer Not beteten sie alle – es war eine heidnische Besatzung – zu ihren unterschiedlichen Göttern (Jona 1,5) und forderten schließlich auch Jona auf, dies zu tun (Jona 1,6).  In diesem Zusammenhang gibt nun Jona – mehr gezwungen als freiwillig – Zeugnis für seinen Glauben an den Gott, der Himmel und Erde gemacht hat (Jona 1,9) und am Ende der Ereignisse kommen die Schiffsleute tatsächlich zum Glauben an den lebendigen Gott und bringen ihm Opfer dar (Jona 1,16).

Es ist schon sehr ironisch, wie Gott hier in seiner Souveränität die Geschicke lenkt. Da ist dieser widerspenstige Prophet, der die Heiden wohl verachtete und ihnen deshhlab nicht Gottes Botschaft bringen, sondern sie stattdessen dem Gericht Gottes überlassen wollte. Gerade er findet sich auf seiner Flucht unter Heiden wider. Und die Ereignisse entwickeln sich so, dass plötzlich sie ihn nach seinem Glauben fragen, den lebendigen Gott erleben und zum Glauben an ihn finden. Jona, der sich ja weigerte ein Prophet für die Heiden zu werden, wird hier unfreiwillig zum Werkzeug Gottes, um die Heiden zu erreichen. Er tut hier unfreiwillig genau das, was er bezüglich der Einwohner von Ninive um jeden Preis der Welt vermeiden wollte.

Was lernen wir hieraus? Einerseits, dass Gott in seiner Souveränität und Allmacht seine Ziele stets erreicht. Er lässt sich durch nichts und niemanden hindern. Es ist ein großer Trost zu wissen, dass wir es mit einem allmächtigen und souveränen Gott zu tun haben. Andererseits, dass wir klug beraten sind Gottes Wege bereitwillig und mit Freude mitzugehen. Das erspart uns Erziehungsmaßnahmen Gottes und mehrt unseren Lohn.

John Piper über den Grund der Predigt

„Wer den Menschen ist Zentrum stellt, staunt, dass Gott seinen Geschöpfen Leben und Freude entzieht. Aber die gottzentrierte Bibel staunt, dass Gott Sünder vor dem Gericht verschont. (…) Das grundlegende Problem beim Predigt ist die Frage, wie ein Prediger Sündern Hoffnung machen kann angesichts von Gottes unumstößlicher Gerechtigkeit – egal, ob unsere humanistische Zeit ein Gespür dafür hat oder nicht. (…)

Ohne das Kreuz würde sich die Gerechtigkeit Gottes nur in der Verdammung von Sündern zeigen, und das Ziel des Predigens wäre hinfällig – Gott würde nicht durch die Freude seiner sündigen Geschöpfe verherrlicht werden. Seine Gerechtigkeit würde lediglich in ihrem Verderben zum Tragen kommen. (…)

Was Gott mit dem Kreuz Christi erreichte, bietet die Berechtigung beziehungsweise die Grundlage des Predigens. Ohne das Kreuz wäre Predigen unberechtigt. Das Ziel des Predigens würde einen unlösbaren Widerspruch beinhalten – die Verherrlichung eines gerechten Gottes durch die Freude sündiger Menschen. Aber das Kreuz hat die zwei Seiten des Predigtziels zusammengebracht, obwohl sie hoffnungslos unvereinbar schienen: 1. die Rechtfertigung und Erhebung von Gottes Herrlichkeit und 2. die Hoffnung und Freude des Sündern.“

John Piper, Ihn verkündigen wir: Die Zentralität Gottes in Predigt und Verkündigung, Betanien, 2006, 32-34.

Jona: zwei Aufträge Gottes – zwei Reaktionen

Der Prophet Jona ist dafür bekannt, dass er vor dem Auftrag Gottes zu flüchten versuchte (vgl. Jona 1,1-3). Weniger bekannt ist, dass er in einer anderen Situation dem Auftrag Gottes klar nachkam und die Botschaft Gottes an den Mann brachte. Wir lesen davon in 2Könige 14,23-25: „Im fünfzehnten Jahr Amazjas, des Sohnes des Joasch, des Königs von Juda, wurde Jerobeam, der Sohn des Joasch, König über Israel und regierte zu Samaria einundvierzig Jahre. Und er tat, was dem HERRN mißfiel, und ließ nicht ab von allen Sünden Jerobeams, des Sohnes Nebats, der Israel sündigen machte. Er stellte wieder her das Gebiet Israels von Hamat bis ans Salzmeer nach dem Wort des HERRN, des Gottes Israels, das er geredet hatte durch seinen Knecht Jona, den Sohn Amittais, den Propheten, der von Gat-Hefer war. „

Warum ist Jona in der einen Situation treu, während er in der anderen Situation vor dem Auftrag Gottes zu flüchten versuchte?

Die Antwort liegt auf der Hand: Zu verkündigen, dass Israel verlorengegangenes Gebiet wieder zurückerobern würde (wie in 2Kön 14), war eine positive Botschaft, eine Botschaft die Jona mehr behagte und damit natürlich ein Auftrag ganz nach seinem Geschmack. Nach Ninive zu den gefürchteten Assyrern zu gehen und sie vor dem Gericht Gottes zu warnen, gefiel ihm dagegen überhaupt nicht. Er hatte nicht nur – was verständlich ist – Angst diesen Auftrag auszuführen, sondern er wünschte sich eben auch, dass die Bewohner Ninives nicht vor dem Gericht gewarnt würden, damit sie tatsächlich gerichtet werden (vgl. Jon 4,1-2).

An diesen beiden unterschiedlichen Reaktionen auf zwei verschiedene Aufträge Gottes wird eins deutlich: Wie wir auf Gottes Anordnungen reagieren – ob wir mit Freude folgen, ob wir missmutig folgen oder gar nicht folgen – offenbart den geistlichen Zustand unseres Herzens. Dabei gilt: je herausfordernder Gottes Wort an uns, desto deutlicher tritt ans Licht, dass und wo wir noch Veränderung brauchen.

Vom Tragen des Kreuzes

Über Jesu Aufforderung, sich selbst zu verleugnen und sein Kreuz auf sich zu nehmen (Mt 16,24), schreibt Calvin:

„Denn wen der Herr zum Kind angenommen und der Gemeinschaft mit den Seinen gewürdigt hat, der muss sich auf ein hartes, mühseliges, unruhiges Leben gefasst machen (…). So ist es der Wille des himmlischen Vaters, die Seinigen auf diese Weise zu üben, damit er gewisslich erprobt, wie es mit ihnen steht. Bei Christus, seinem eingeborenen Sohne, hat er den Anfang gemacht, und gegenüber allen seinen Kindern folgt er der gleichen Ordnung. Denn Christus war zwar Gottes Sohn, den er mehr als alle anderen liebte (Mt 3,17, 17,5) und auf dem das Wohlgefallen des Vaters ruhte; und doch sehen wir, wie er so gar nicht nachsichtig oder weichlich behandelt worden ist; man kann deshalb wirklich sagen, dass er nicht nur während seines ganzen Erdenwandelns mit beständigem Kreuz geplagt worden ist, sondern dass sein ganzes Leben nichts war als das Bild solchen beständigen Kreuzes. Der Apostel zeigt uns die Ursache dafür: Er musste „an dem, was er litt“, Gehorsam lernen! (Hebr 5,8).

Weshalb sollen wir nun uns von diesem Geschick ausnehmen, das doch Christus, unser Haupt, auf sich nehmen musste – besonders, wo er das doch um unsertwillen getan hat, um uns an sich selber ein Beispiel der Geduld vor Augen zu stellen? Deshalb lehrt auch der Apostel, dass allen Kindern Gottes das Ziel gesetzt ist, Christus gleichgestaltet zu werden (Röm 8,29). Daraus ergibt sich für uns ein herrlicher Trost: Ergeht es uns hart und rauh und wir meinen, darin Unglück und Böses zu erleben, so haben (in Wirklichkeit) Anteil an Christi Leiden. (…) Wie sehr kann es zur Linderung aller Bitterkeit des Kreuzes dienen, dass wir, je mehr uns Unglück anficht, auch eine desto gewissere Bekräftigung unserer Gemeinschaft mit Christus erlangen!“

Johannes Calvin, Institutio III, 8,1.