John Piper über das Ziel der Predigt

„Das Wunder des Evangeliums und die befreiendste Entdeckung, die ich als Sünder je gemacht habe, ist dies: dass Gottes tiefste Entschlossenheit, verherrlicht zu werden, und mein tiefstes Verlangen nach Erfüllung nicht im Widerspruch stehen, sondern vielmehr beide harmonisch erfüllt werden, indem Gott seine Herrlichkeit offenbart und ich mich an seiner Herrlichkeit erfreue. Das Ziel der Predigens ist daher die Verherrlichung Gottes, die darin zum Ausdruck kommt, dass sich der Zuhörer Gott in seinem Herzen freudig unterwirft. Und die Priorität Gottes in der Predigt wird hierdurch sichergestellt: Der, der Erfüllung schenkt, bekommt die Ehre; der, der die Freude schenkt, ist der Schatz.“

John Piper, Ihn verkündigen wir: Die Zentralität Gottes in Predigt und Verkündigung, Betanien, 2006, 27f.

Advertisements

Die ganze Bibel predigen

Aus meiner Sicht hat es hohen Wert ganze biblische Bücher bzw. längere Bibelabschnitte fortlaufend in Predigten zu behandeln (Hier, hier, hier und hier habe ich dafür einige Gründe genannt). Nun gibt es Bibelbücher, deren Relevanz jedermann sofort einleuchtet. Niemand würde bestreiten, dass es großen Wert hat, den Römerbrief oder auch das Lukasevangelium fortlaufend zu behandeln. Bei anderen Büchern sind die Meinungen da schon eher geteilt. Sollte man wirklich über das ganze Buch 1. Samuel predigen? Hat es für eine Gemeinde im 21. Jahrhundert tatsächlich Relevanz, wenn man über Wochen den Hebräerbrief zur Grundlage der Predigten macht? Und wie ist das erst bei den Büchern, an die sich kaum jemand herantraut, wie z.B. 3Mose, Chronikebücher oder Josua…?

Auf der Homepage von 9Marks ist zur Zeit zu dieser Frage eine Artikelserie im Entstehen. Für jedes biblische Buch gibt es einen Artikel (bzw. wird es wohl geben), indem Gründe genannt werden, warum es lohnend ist, gerade dieses biblische Buch fortlaufend zu predigen. Darüber hinaus nennen die Autoren i.d.R. noch einige Literatur und geben auch Hinweise, wie man dieses – zugegebenermaßen nicht immer leichte – Vorhaben angehen könnte. Sehr inspirierende, wirklich lesenswerte Artikel, die den Blick für den Reichtum, den Gott uns in der ganzen Schrift gegeben hat, neu schärfen. Übrigens nicht nur lesenswert für Prediger und Theologen, sondern auch für alle anderen, die z.B. nach Motivation suchen, ein biblisches Buch, das ihnen bisher sperrig und fremd geblieben ist, zu studieren!

Hier findet sich die Übersicht über alle bisher erschienenen Artikel in dieser Artikelserie.

Berufung – das ist auch dein Thema!

„Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.“ (Jeremia 1,6-7) 

Gott ruft den Propheten Jeremia mit klarem Wort in seinen Dienst, doch dieser ist zunächst alles andere als begeistert: „ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“ Für mich ist die Scheu Jeremias nur allzu verständlich. War das Prophetenamt doch eine gewaltige Aufgabe – meist bedeutete es ein Leben voller Entbehrungen und in steter Gefahr. Kein Wunder, dass Jeremia zögert.

So mancher wird diese Worte aber nicht nur mit Verständnis für Jeremia, sondern mit einer gewissen Erleichterung lesen: „Wie gut, dass ich nicht so einen Ruf Gottes in solch schwere Aufgabe habe.“ Und vielleicht denken wir sogar: „Wie gut, dass ich überhaupt keinen eindeutigen Ruf des Herrn in irgendeine Aufgabe habe. Denn die klaren persönlichen Berufungen, die spricht Gott doch eigentlich sowieso nur bei Missionaren aus oder vielleicht bei manchen Pastoren… oder?“

Tatsache ist allerdings, dass Gott uns alle – egal ob wir das persönlich so klar vernommen haben wie Jeremia oder nicht – zu zwei Dingen beruft:

Berufen zum Glauben

Erstens sind wir alle von Gott dazu gerufen, an die frohe Botschaft von Jesus Christus zu glauben: „Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15), war die Hauptbotschaft Jesu. Und Petrus forderte die Zuhörer seiner Pfingstpredigt unmissverständlich auf: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes.“ (Apg 2,38) Haben wir auf diesen Ruf Gottes gehört? Sind wir umgekehrt von unseren falschen Wegen? Glauben wir, dass Jesus Christus – der Sohn Gottes – seine Leben für unsere Sünde stellvertretend opferte? Haben wir Gottes Vergebung empfangen und haben wir diesen Glauben in der Taufe öffentlich bekannt?

Berufen zum Dienst

Aber es gibt noch etwas Zweites, wozu Gott uns ruft: Alle, die an Jesus Christus glauben, sind von Gott berufen, ihm und seiner Gemeinde mit ihren Gaben zu dienen! Der Apostel Petrus formuliert es so: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.“ (1Petr 4,10)  Wir müssen also nicht erst auf den persönlichen Ruf Gottes in eine spezielle Aufgabe warten – nein, wir sind schon längst zum Dienst berufen! Haben wir diesen Ruf Gottes gehört? Bringen wir uns ein, mit unseren Gaben und Fähigkeiten, mit unserer Zeit und unseren Möglichkeiten, so dass sein Reich wächst?

Was allein entscheidend ist

Jeremia jedenfalls zögerte nicht nur, Gottes Ruf anzunehmen. Er brachte auch ein nachvollziehbares und der Wahrheit entsprechendes Argument vor („Ich bin zu jung.“) Ja, Jeremia war tatsächlich noch sehr jung, als Gott ihn berief.

Aber Gott macht Jeremia und uns eins unmissverständlich klar: Entscheidend sind nicht unsere Argumente oder gar Ausflüchte, nein entscheidend ist allein die Tatsache, dass der Herr uns ruft: „Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.“ Denken wir also nicht, dass wir zu jung oder zu unerfahren seien. Sagen wir auch nicht, dass es gerade einfach der falsche Zeitpunkt sei, dass es keine passende Aufgabe gäbe oder dass wir längst mit anderen Verpflichtungen überlastet sind. Entscheidend ist, dass der Herr uns ruft. Und tatsächlich: Gott hat uns längst gerufen. Stellen wir uns der Herausforderung!

Was Christi Tod für uns bedeutet

„Er hat sich in die Gewalt des Todes begeben, nicht um von diesem verschlungen zu werden, sondern um ihn, der doch uns zu verschlingen drohte, selbst zu verschlingen! Er hat sich dem Tod unterworfen, nicht um von seiner Macht erdrückt zu werden, sondern um ihn selbst zu Boden zu werfen, der doch uns allezeit drohte und schon über unseren Sturz frohlockte! Endlich ist er gestorben, um durch den Tod den zunichte zu machen, der des Todes Gewalt hat, das ist: den Teufel, und um die zu erlösen, „die durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mussten!“ (Hebr 2,15). Das ist die erste Frucht, die uns sein Tod gebracht hat.

Die zweite Wirkung des Todes Christi für uns ist die, dass er uns in die Gemeinschaft seines Sterbens hineinzieht; dadurch hat er unsere irdischen Glieder getötet, so dass sie nicht weiter ihr böses Werk tun, dadurch hat er auch unseren alten Menschen zunichte gemacht, dass er jetzt nicht mehr gedeiht und seine Früchte bringt! Und dazu ist er auch begraben worden, nämlich, dass wir jetzt selbst mit an seinem Begräbnis teilhaben und damit auch der Sünde begraben werden. Denn nach Paulus sind wir Christo durch einen gleichen Tod einverleibt, und mit ihm sind wir begraben und dadurch der Sünde gestorben; durch sein Kreuz ist „uns die Welt gekreuzigt und wir der Welt!“ (Gal 2,19; 6,14). Aber damit will uns der Apostel nicht etwa bloß ermuntern, das Vorbild seines Todes gewissermaßen an uns zu Darstellung und Ausdruck zu bringen; sondern er erklärt uns, dass in dem Tode Christi eine solche Kraft wohnt, die nun in allen Christenmenschen sichtbar werden muss, wenn sie den Tod Christi an sich nicht nutzlos und fruchtlos machen wollen!“

Johannes Calvin, Institutio II,16,7.

Prüft die Geister!

„Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt.Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, daß er kommen werde, und er ist jetzt schon in der Welt.“ (1Joh 4,1-3)

Prüft die Geister

Johannes möchte nicht, dass seine Leser leichtgläubig jedem Verkündiger vertrauen, der so dahergelaufen kommt. Kritische Prüfung ist nötig, weil es eben auch viele „falsche Propheten“ gibt. Auch Jesus hat schon davor gewarnt, falschen Verkündigern nicht auf den Leim zu gehen (Mt 7,15). An dieser Stelle geht es nicht darum, jedem Prediger mit einer übertriebenen Kritiksucht zu begegnen, noch sind wir dazu aufgefordert wegen kleinerer Meinungsverschiedenheiten einen Streit vom Zaun zu brechen. Nein, es geht um das große Ganze: „Prüft die Geist, ob sie von Gott sind.“ Ja, es gibt die Möglichkeit, dass in christlichen Kreisen Verkündiger unterwegs sind, die nicht von Gottes Geist geleitet sind. Soviel Realismus muss sein. Darum ist Prüfung nötig!

Nur zwei Möglichkeiten

Wie für Paulus (vgl. Eph 2,2), so gibt es auch für Johannes nur zwei Möglichkeiten: entweder jemand ist von Gottes Geist geleitet oder aber der Geist des Antichrists, d.h. des Teufels, beherrscht ihn. Eine neutrale Sphäre gibt es hier nicht. Darum ist es so wichtig, hier gründlich zu prüfen, weil man sonst sich keinen neutralen, sondern einen teuflischen Geist ins Haus holt. Gleichwohl macht uns das auch deutlich, wie wichtig es ist, dass wir uns selbst fest an Jesus Christus binden, damit sich sein guter Geist immer stärker Raum in uns verschafft.

Welcher Geist spricht da?

Woran kann man nun erkennen, welcher Geist in jemandem wirkt? Johannes sagt: Ein jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott.“ Zur Zeit von Johannes war die falsche Vorstellung sehr verbreitet, dass Jesus Christus zwar Gott aber nicht wahrer Mensch gewesen sei. Gott habe sich quasi als Mensch verkleidet, als er in Jesus über diese Erde lief. Insofern war für Johannes die Sache klar: Wer sich dazu bekennt, dass Jesus ins Fleisch gekommen ist, d.h. wahrer Mensch geworden ist, in dem ist der Geist Gottes aktiv. Denn das war die entscheidene Frage, an der sich die Geister schieden. Gott sei Dank ist diese Lehre heutzutage nicht mehr umstritten. Aber es sind andere gewichtige Fragen, an denen sich heute die Geister scheiden. Z.B.: Ist Jesus Christus der einzige Weg zu Gott? Ist Jesus Christus leibhaftig von den Toten auferstanden? Ist Jesus Christus einen stellvertretenden Sühnetod gestorben? Kurzgesagt: ein Mensch, in dem der Geist Gottes wirkt, wird sich möglicherweise noch in vielen Dingen irren oder andere Meinungen vertreten als wir, aber zu allen Fragen an denen das Evangelium im Kern hängt, wird er sich mit Freude bekennen!

Warum Christus wahrer Gott und wahrer Mensch sein musste

„Denn unsere Ungerechtigkeit stand ja wie eine Wolke zwischen uns und ihm, sie entfremdete uns gänzlich vom Himmelreich, und deshalb konnte uns keiner wieder Frieden schaffen als der, der vollen Zutritt zu ihm hatte. (…)

Es wäre wahrhaft jämmerlich um uns bestellt gewesen, wenn nicht Gottes Majestät selber zu uns herniedergekommen wäre – denn hinaufsteigen konnten wir ja eben nicht! So musste der Sohn Gottes für uns zum Immanuel werden, das heißt „Gott mit uns!“, und zwar so, dass seine Gottheit und die menschliche Natur sich aufs innigste miteinander vereinten. Auf keine andere Weise konnte Gott uns ganz nahekommen, auf keine andere Art eine feste innere Verbundenheit und damit die zuversichtliche Hoffnung entstehen, dass er wahrhaft unter uns wohne!“

Johannes Calvin, Institutio II,12,1.

Soziales Engagement – Hauptaufgabe der Kirchen?

Eine Umfrage im Auftrag von Idea kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass die Menschen in Deutschland von den Kirchen in erster Linie soziales Engagement erwarten (43%). Klar, soziales Engagement ist sympathisch und kommt immer und überall gut an. Auch unter freikirchlichen Christen ist die Erwartung an soziales Engagement sehr hoch (48%) und wird nur knapp von der Erwartung, dass die Kirchen den „Zugang zu Gott eröffnen“ (53%), übertroffen.

Nun ist soziales Engagement zweifellos eine sehr gute Sache – und Christen in allen Jahrhunderten haben hier Außerordentliches geleistet. Doch – und das muss in aller Klarheit gesagt werden – der Hauptauftrag der christlichen Gemeinde ist es nicht. Jesus Christus, der Herr der Gemeinde, hat sie ins Leben gerufen, um Jünger zu machen: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker.“ (Mt 28,19a). Soziales Engagement bzw. christliche Liebestätigkeit ist also nicht der Kern der Sache. Es erwächst vielmehr aus der Begegnung mit Gottes rettender Gnade in Jesus Christus ganz natürlich und zwangsläufig.

Kirchen und Gemeinden müssen an dieser Stelle aufpassen, sich dem Erwartungsdruck der Gesellschaft nicht zu beugen. Denn klar ist, dass soziales Engagement mit Applaus und öffentlicher Anerkennung bedacht wird, evangelistische Bemühungen dagegen zunehmend als fundamentalistisch empfunden werden. Dennoch sind wir Jesus Christus und seinem Wort verpflichtet und weder den Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft noch den Wünschen der eigenen Gemeindemitglieder.

Übrigens: wer Diakonie und soziales Engagement fördern will, muss nicht große Diakoniekonzerne gründen oder der Ortsgemeinde künstlich soziale Projekte überstülpen (die dann womöglich noch auf Kosten evangelistischer Aktivitäten gehen). Vielmehr gilt es das Evangelium von Jesus Christus in den Mittelpunkt des Gemeindelebens zu stellen! D.h. dieses Evangelium zu predigen, diese Botschaft aktiv zu den Menschen zu bringen (ja, durch Worte) und auch den langjährigen Nachfolgern Jesu das Evangelium immer kostbarer zu machen! Denn die Menschen müssen diese einzigartige Liebe Gottes – die sich darin zeigt, dass Gott selbst seinen eigenen Sohn nicht verschonte, sondern ihn für uns dahingab (vgl. Röm 8,32), und zwar als wir noch Sünder waren (Röm 5,8) – persönlich erfahren! Wenn wir von dieser Liebe Gottes, wie sie sich im Evangelium Jesu manifestiert, ergriffen sind, dann werden wir aus Dank und Liebe zu unserem Erlöser ganz natürlich danach trachten, „Gutes zu tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“ (Gal 6,10).

Zu dem Verhältnis von sozialem Engagement und dem eigentlichen Missionsauftrage Jesu ist übrigens das Buch „Was ist der Missions-Auftrag der Gemeinde Jesu?“ von Greg Gilbert und Kevin DeYoung sehr zu empfehlen!