Von Gottes Liebe ergriffen

„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, daß wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!“ (1Joh 3,1a)

Was hat Johannes wohl empfunden, als er diese Worte schrieb? Was können wir heraushören, wenn wir auf den Ton in diesen Zeilen achten?

Ich spüre aus diesen Zeilen eine große Begeisterung, ja ein echtes Erstaunen heraus über diese wunderbare Wirklichkeit, dass Gott uns durch Christus tatsächlich zu seinen Kindern macht. Obwohl diese grundlegende Heilstatsache dem Johannes seit vielen Jahrzehnten bekannt war, ist er noch immer ergriffen davon. Die Liebe Gottes, die sich in seinem Erlösungshandeln zeigt, beeindruckt Johannes nach wie vor.

Ich wünsche mir das auch für mich. Dass ich mich nicht daran gewöhne, ein Kind Gottes zu sein. Dass es für mich nicht zur langweiligen Selbstverständlichkeit wird, dass Gott seinen vollkommenen Sohn geopfert hat, um mich zu erlösen. Nein, dass ich vielmehr davon ergriffen bleibe, dass Gottes Liebe zu mir so groß war, dass er Jesus in den Tod gab. Ich wünsche mir auch, dass ich – wie Johannes – begeistert und begeisternd davon reden kann. Dass ich das anderen mitgeben kann, „seht““, „schaut hin“, „passt auf“, „überseht doch nicht!“ Denn was Gott für uns getan hat, ist ja nicht eine Information zum Hören und Abhaken, sondern die frohe Botschaft, die unser Leben verändert!

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Wer bist du?

Als Jakob sich an der Furt des Jabbok befindet, wird er plötzlich von einem Mann angegriffen. Ein nächtlicher, langer und ausgeglichener Kampf folgt. Erst durch einen plötzlichen „Schlag“ wird der Kampf entschieden. Doch auch dann sind noch nicht alle Besonderheiten in dieser Geschichte vorbei. Denn der Angreifer fragt Jakob schließlich nach seinem Namen: „Wie heißt du?“ (V. 28)

Nun, sicherlich fragt der Angreifer hier nicht, weil er Jakobs Namen nicht wüsste. Nein, seine Frage hat einen anderen Grund und der wird deutlich, wenn wir gucken, wie es weitergeht. Denn der Angreifer antwortet auf Jakobs Namensnennung wie folgt: „Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen.“ (V. 29)

Jakob bekommt einen neuen Namen. Und darum sollte er seinen alten Namen, Jakob, nennen. Denn mit seiner Namensnennung muss Jakob seine Identität, seine Natur, sein ganzes bisheriges Leben bekennen. Seine Name steht – wie in der Bibel üblich – für seine ganze Person, seinen Charakter, für das, was ihn ausmacht. Jakob bekennt in diesem Moment „Ja, ich bin dieser Jakob, ja, ich bin dieser Fersenhalter, dieser Betrüger – ja, ich bin derjenige, der Bruder und Vater betrogen hat.“ „Er heißt mit Recht Jakob, denn er hat mich nun zweimal überlistet“, (1Mose 27,36) so sagte es Esau einmal. Für alles das steht Jakobs alter Name. Für sein altes Leben mit allen diesen Schattenseiten. In diesem Moment wo Jakob sagt: „Ich heiße Jakob“, bekennt er auch „Das alles bin ich, das alles gehört zu meiner Vergangenheit.“

Wer bist du? Was ist dein Name?

Nun, ich meine nicht einfach Erika oder Fritz oder welchen Namen auch immer deine Eltern dir gegeben haben. Nein, ich meine vielmehr: Was macht dich als Person aus, was macht deinen Charakter aus? Was ist deine Vergangenheit? Was sind deine Schwächen, was ist deine Schuld, in welchen Bereichen bist du von deiner ganzen Art her anders als Gott sich das vorstellt?

Keine angenehme, aber eine wichtige Frage! Nimm dir Zeit, mal darüber nachzudenken. Und vielleicht nützt es dir auch, meine ganze Predigt – von der das eben ein Auszug war – zum Thema „Gefestigter Glaube – oder: wie Gott Jakob einen neuen Namen gibt“ über 1Mose 32,23-33 hier nachzuhören.

Gott geht mit!

Jakobs Treffen mit Laban liegt zurück und nun macht er sicher weiter auf Richtung Heimat. Dorthin, wo Gott ihm versprochen hatte, ihn wieder zurückzubringen als er vor seinem Bruder Esau fliehen musste. Und wie damals auf der Hinreise, als er in Bethel übernachtete und die Engel Gottes auf der Leiter auf- und niedersteigen sah, so macht er auch hier jetzt auf der Rückkehr eine ganz atemberaubende Erfahrung: „Und es begegneten ihm die Engel Gottes. Und als er sie sah, sprach er: Hier ist Gottes Heerlager, und nannte diese Stätte Mahanajim.“ (1Mose 32,2b-3) Eine Beschreibung von einem unglaublichen Ereignis, die kaum knapper sein könnte .Und wir sind wahrscheinlich neugierig, nach vielen Details: wie hast du die Engel gesehen Jakob?, Wie sahen sie aus? Haben sie etwas gesagt?

Aber wir erfahren das alles nicht. Wir erfahren nur das eine, was wirklich wichtig ist: Hier sind Gottes Engel, hier ist Begegnung mit dem Göttlichen, hier ist Gottes Gegenwart. Gott geht mit! Er ist dabei, wenn Jakob jetzt seine Reise fortsetzt. Gott geht mit, wenn Jakob jetzt wieder in seine Heimat zieht. Der Gott, der ihn die ganzen Jahre begleitet und bewahrt hat – auf der Reise hin zu Laban, im Dienst bei diesem schwierigen Onkel, zuletzt beim feindlichen Aufeinandertreffen mit ihm – dieser Gott, der stets Jakob begleitet und bewahrt hatte, er geht auch jetzt mit. Er ist auch jetzt mit dabei. Er ist Jakob treu, auf ihn ist Verlass. Gott ist gegenwärtig!

Zugegeben, nur zu gerne würde ich auch einmal solch eine Erfahrung machen. Einen Einblick bekommen in die geistliche Welt und einmal mit eigenen Augen sehen, wie Gott durch Engel, durch seinen Heiligen Geist oder ganz direkt in dieser Welt gegenwärtig ist und in meinem Leben wirkt. Aber solche Einblicke in diese geistlichen Dinge gewährt Gott nur in Ausnahmefällen. Für die meiste Zeit sind wir aufgefordert, einfach seinem Wort zu vertrauen, dass uns klipp und klar sagt, dass Gott mit uns geht. Auch wenn uns keine Engel begegnen und wir ihn nicht sehen. In Ps 23,4 heißt es: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Gott geht mit, er ist bei uns gerade in den finsteren Tälern. Er verlässt uns nicht. Und noch deutlicher sagt es Jesus Christus selbst: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; 28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ (Joh 10,27-28). Bei mir, sagt Jesus, hast du eine unglaubliche Sicherheit – trotz aller Bedrohungen und Gefahren, die dir richtig Angst machen können. Er sagt zu uns als seinen Jüngern: Ich bin bei dir, du bist mein, niemand wird dich jemals mir entreißen können.

Wenn du mehr über Gottes Treue in bedrohlichen Zeiten und wie man in Geduld an ihr festhalten kann, hören willst, dann hast du die Gelegenheit hier in meine Predigt „Bedrohliche Bedingungen – oder: wie Jakob Esau zu besänftigen versucht“ (1Mose 32,2-22) reinzuhören.

Wer Gottes Ruf hört, muss etwas wagen und ihm folgen

„Und es kamen vor ihn die Reden der Söhne Labans, daß sie sprachen: Jakob hat alles Gut unseres Vaters an sich gebracht, und nur von unseres Vaters Gut hat er solchen Reichtum zuwege gebracht. 2 Und Jakob sah an das Angesicht Labans, und siehe, er war gegen ihn nicht mehr wie zuvor. 3 Und der HERR sprach zu Jakob: Zieh wieder in deiner Väter Land und zu deiner Verwandtschaft; ich will mit dir sein.“ (1Mose 31,1-3)

Gott meldet sich bei Jakob zu Wort. Er spricht zu ihm durch klare Worte (V. 3), aber auch durch die sich verändernden Lebensumstände (V. 1-2). Und Jakob? Er ist an dieser Stelle  wirklich mal ein echt gutes Vorbild. Denn er folgt gehorsam Gottes Ruf – er wagt es! Ja, es ist beachtlich, dass er sofort – ohne zu zögern – reagiert. Er hörte das Reden Gottes, und dann heißt es direkt im Anschluss: „Da sandte Jakob hin und ließ rufen Rahel und Lea.“ (V. 4). Hier gibt es keinen Aufschub, hier ist kein Zögern, hier gibt es kein Abwägen mehr, keine Pro-und-Contra-Liste. Jakob schläft auch keine Nacht mehr drüber. Nein, wenn Gottes Ruf uns ereilt hat, dann gilt es auch sofort zu reagieren und dem Gehörten Taten folgen zu lassen. Selbst dann, wenn Gottes Wort zu folgen, uns etwas kostet. Ja, wer Gottes Ruf hört, muss etwas wagen und ihm folgen!

Machen wir es dann nicht so, wie es sich manche morgens mit dem Wecker angewöhnt haben. Klingelt der Wecker, so wird sofort die Schlummer-Taste gedrückt…. „Nur noch einmal umdrehen, nur noch 5 oder 10 Minuten liegen.“ Klingelt der Wecker erneut, so wird wiederum die Schlummer-Taste bedient. Und so geht das dann eine ganze Zeit.Aber wird’s dadurch wirklich einfacher aufzustehen? Womöglich fallen wir in die nächste Tiefschlafphase und kommen dann gar nicht mehr aus dem Bett. Ganz genauso ist es, wenn Gottes Ruf uns ereilt, wenn wir sein Wort hören, wenn wir seine Aufforderung an uns vernehmen. Dann dürfen wir nicht die geistliche Schlummer-Taste bedienen, nicht die Sache noch rausschieben. Nein, wenn Gottes Wort uns etwas klar sagt, dann gilt es zu folgen, die Sache umzusetzen, sofort aktiv zu werden.

Mehr darüber und warum es sich lohnt, Gottes Ruf gehorsam zu folgen, erfährst du in meiner Predigt „Gewagter Gehorsam – oder wie Gott Jakob in großer Gefahr bewahrt“ (1Mose 31,1-32,1), in die du hier reinhören kannst. 

Gottes Wort hören und TUN – zum Monatsspruch für Februar

Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. (5Mose 30,14)

Jakobus erzählt uns in seinem Brief von einem Mann, der sich selbst im Spiegel betrachtet. Anschließend geht er davon und vergisst sein Aussehen augenblicklich (vgl. Jak 1,23-24). Ein absurdes Beispiel mit dem Jakobus uns verdeutlichen will, wie unsinnig und widersprüchlich es ist, Gottes Wort zwar zu hören, aber nicht danach zu handeln. Genauso wie der Mann, der sich im Spiegel selbst betrachtete, sich selbstverständlich auf einem Foto wiedererkennen würde, so sollte auch derjenige, der das Wort des allmächtigen Gottes vernommen hat, danach sein Leben ausrichten.

Der Monatsvers für Februar betont nun, dass Gottes Wort uns wirklich nahegekommen ist. Dieser Vers hebt hervor, dass Gott wirklich geredet hat und dass wir sein Reden kennen. Ja, Gott hat uns in seiner Güte sogar ein Buch – die Bibel – gegeben, in dem wir sein Reden verschriftlicht finden. Wir können es nachschlagen, studieren und auswendig lernen. Ja, wir führen seine Worte oft sogar im Munde und haben sie bereits in unser Herz aufgenommen, wie Mose schreibt. Gott hat sich uns offenbart, er hat gesprochen, wir kennen sein Wort.

Das ist wunderbar und das bedeutet auch, dass es keine Ausrede gibt, Gottes Gebot nicht zu folgen. Gottes Wille ist uns eben nicht verborgen. Darüber, was Gott sich von uns wünscht, müssen wir nicht spekulieren oder Vermutungen anstellen. Nein, Gott hat sich uns klar und verständlich mitgeteilt. Und zwar mit einem Ziel: dass wir sein Wort tun!

Als evangelische Christen wird uns an diesem Punkt leicht etwas mulmig zu Mute. Womöglich denken wir sofort daran, dass wir als sündhafte Menschen doch niemals in der Lage sein werden, Gott vollkommen gehorsam zu leben. Und dass wir von Vergebung und Gnade leben und uns das Heil nicht verdienen können. Das stimmt natürlich und das ist gute reformatorische Lehre!

Und dennoch dürfen wir hier das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Es ist falsch, Gottes Gebote und seine Forderung nach Gehorsam sofort mit dem Verweis auf Gnade und Vergebung glattzubügeln. Nein, Gottes Wort ist uns gegeben, damit wir es tun. Jesus Christus ist in unser Leben getreten, damit wir verändert werden. Den „alten Menschen“ gilt es abzulegen und den „neuen Menschen“ anzuziehen (vgl. Eph 4,22ff). Und der Heilige Geist wohnt in uns, um uns dabei zu helfen. Er ist es auch, der beides, das Wollen und das Vollbringen“ (Phil 2,13) in uns wirkt.

Natürlich werden wir noch scheitern. Wir werden – wenn wir ehrlich mit uns sind – uns ab und an als Übertreter von Gottes Wort ertappen. Dann dürfen wir Jesus Christus um Vergebung bitten und wir dürfen erfahren, dass es tatsächlich keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind“ (Röm 8,1) gibt.

Die Quelle allen Segens ist Gott

Manchmal haben zwei Menschen unabhängig voneinander dieselbe Erkenntnis. So ist es auch bei Jakob und Laban. Als Jakob seinen Schwiegervater Laban nach vielen Jahren des Dienstes verlassen möchte, ist dieser ganz entschieden dagegen. Und zwar nicht aus emotionalen Gründen, sondern er hat ein ganz anderes Interesse: „Ich spüre, dass mich der Herr segnet um deinetwillen“ (1Mose 30,27). Bemerkenswert ist nun, dass Jakob zu der gleichen Einschätzung kommt. Er betont gegenüber Laban: „Du hattest wenig, ehe ich herkam; nun aber ist’s geworden zu einer großen Menge, und der Herr hat dich gesegnet auf jedem meiner Schritte.“ (1Mose 30,30)

Laban und Jakob haben hier eine gemeinsame ganz wichtige Erkenntnis: Die Quelle allen Segens ist Gott! Der Segen mag durch Menschen – wie hier Jakob – oder günstige Umstände zu uns kommen. Aber letztendlich ist der Ursprung bzw. die Quelle jeden Segens Gott selbst. Es ist eben genauso, wie es in dem Erntedanklied „Wir pflügen und wir streuen“ heißt: „Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott.“ Menschen sind beteiligt, manchmal sind Institutionen sind beteiligt, manchmal sind die Umstände besonders günstig. Und dennoch: die Quelle jeden Segens ist Gott selbst. Es ist eine ganz wichtige Erkenntnis hier von Jakob und Laban. Aber die rechte Erkenntnis haben ist das eine, entsprechend dieser dann auch noch zu leben, ist schon etwas ganz anderes….

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, dann hör hier rein in meine Predigt über 1Mose 30,25-43 „Festes Vertrauen – oder: wie Gott seine Verheißungen treu erfüllt.“

Jetzt wird’s konkret!

Ich habe heute Epheser 4 gelesen. Dort heißt es in V. 17: „So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, daß ihr nicht mehr leben dürft, wie die Heiden leben in der Nichtigkeit ihres Sinnes.“ 

Eine klare Aufforderung

Paulus unterscheidet hier deutlich zwischen Heiden und Christen. Darüberhinaus formuliert er eine glasklare Aufforderung an die Christen. Er redet nicht lange um den Brei herum und ist auch nicht sehr diplomatisch. Nein, es ist eins für Paulus klar und das sagt er auch ganz klar: Christen sollen ihren Lebensstil verändern! Glaube muss eben Auswirkungen auf unser Leben haben. Und das hat auch damit zu tun, dass wir unser Verhalten ändern. Das ist uns vom Apostel hier und darüberhinaus an vielen anderen Stellen der Schrift klar geboten! Es ist darum ein Irrweg, ein „Evangelium“ zu verkünden, dass nur noch Stichworte wie Gnade, Liebe und Annahme kennt.

Paulus macht es ganz konkret

Ja, natürlich, Gott nimmt in Jesus Christus die Sünder an, die zu ihm umkehren. Aber aus dem echten Glauben an Jesus Christus folgt auch ein verändertes Handeln. In Eph 4 finden wir das unter den Stichworten „Ablegen des alten Menschen“ (V. 22) und „Anziehen des neuen Menschen“ (V. 24). Dieser Abschnitt zeigt uns auch, dass so eine Veränderung nicht vollautomatisch stattfindet. Nein, dazu braucht es auch immer wieder Unterweisung und Verkündigung. Darum hat schon der Apostel Paulus es in Eph 4 auch richtig konkret gemacht ab V. 25 („Legt die Lüge ab“, „Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr“ usw…). Ob er sich damit beliebt gemacht hat? Gute Frage… Auch wir dürfen an dieser Stelle nicht kneifen. Gerade als Verkündiger ist es auch unsere Aufgabe, es mal richtig konkret zu machen… Ein Glaube jedenfalls, der keine Folgen hat, den hat schon Jakobus für tot erklärt (vgl. Jak 2,26). Und wer das für die biblische Evangelium hält, ist einem tödlichen Irrtum – so beliebt dieser auch sein mag – aufgesessen. Denn ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen (Hebr 12,14).