Das Warten geht weiter

Inzwischen ist Hl. Abend schon wieder zwei Tage her und heute ist schon der letzte Weihnachtsfeiertag. Und auch wenn die Weihnachtszeit noch einige Tage dauert, so ist sie dann doch auch wieder schnell vorbei. Es dauert gar nicht mehr so lange, dann ist die letzte Kerze verlöscht, das Geschenkpapier zusammengeknüllt, der Weihnachtsbaum durch die Müllabfuhr entsorgt und die Weihnachtsdeko fürs nächste Jahr im Keller verstaut. Und wieder ist diese besondere Zeit, mit ihrem Glanz, mit ihren Zauber mit ihrer einzigartigen Atmosphäre vorbei. Und dann?

Naja, im Prinzip geht’s wieder von vorne los. Wir warten wieder auf Weihnachten. Wir mögen das vielleicht nicht so wahrnehmen – weil erstmal andere Dinge auf uns zukommen – aber im Grunde genommen ist das so. Nach Weihnachten ist vor Weihnachten. Das Warten auf Weihnachten ist nicht zu Ende. Kurz nach dem es sein Ende findet, geht es wieder von vorne los. Ganz genauso ist auch das Warten auf Jesus mit seiner Geburt, seinem ersten Kommen auf diese Welt nicht zu Ende. Nein, das Warten geht weiter. Denn nachdem Jesus einmalig zu Weihnachten in diese Welt gekommen ist, erwarten wir seine Wiederkunft. Wie Simeon und viele andere Juden zur Zeit Jesu auf das Kommen des Messias gewartet haben, so sind auch wir Wartende. Weihnachten erinnert uns daran, dass das Warten weiter geht. Dass wir warten auf die Wiederkunft unseres Herrn.

„7 So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. 8 Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe. 9 Seufzt nicht widereinander, liebe Brüder, damit ihr nicht gerichtet werdet. Siehe, der Richter steht vor der Tür. 10 Nehmt, liebe Brüder, zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die geredet haben in dem Namen des Herrn. 11 Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer.“ (Jakobus 5,7-11)

Das Warten geht uns auf die Nerven

Niemand wartet gerne. Sei es an der zugigen Bushaltestelle auf den stark verspäteten Bus. Oder im Wartezimmer des Arztes, wo es einfach nicht voranzugehen scheint. Auch auf die Erfüllung unserer Lebensziele warten wir nicht gerne. Ja, wenn wir ehrlich sind, geht uns die Warterei häufig auf die Nerven. Auch auf die Wiederkunft Jesu zu warten fällt uns nicht leicht. Darum heißt es hier bei Jakobus ganz zu Recht: „Seufzt nicht widereinander, liebe Brüder, damit ihr nicht gerichtet werdet.“ (V. 9) Denn das ist unsere Tendenz, dass wir seufzen, dass wir klagen über die Warterei. Und wir sind in der steten Versuchung das Warten auf Jesus abzukürzen, auszublenden oder zu vergessen.

Die Versuchung, das Warten abzukürzen

Wie sieht das aus, wenn man das Warten auf Jesus einfach versucht abzukürzen? In frühchristlicher Zeit war das ein echtes Problem. Da sagten die Leute: „Eigentlich ist das Warten doch schon zu Ende. Auch wenn wir Jesus zwar nicht sehen, so ist das neue Leben – das er uns doch versprochen hat – doch schon jetzt voll da. Wir müssen nichts mehr erwarten. Wir haben alles schon jetzt. Und weil das so ist, brauchen wir auch keine Zeit mehr vergeuden, mit so sinnlosen weltlichen Dingen wie arbeiten zu gehen… Im Grunde genommen können wir auch in gar keine Sünde mehr fallen – alles ist uns doch erlaubt – wir sind doch frei im Herrn Jesus.“ 2Thess 2-3 und auch 1Kor sind Beispiele für die Versuchung, das Warten einfach abzukürzen.

Die Gefahr, das Warten einfach auszublenden

Dann gibt es andere, die das Warten einfach ausblenden – das ist wohl die Versuchung, die heute am häufigsten ist. Es wird einfach gar nichts mehr erwartet. Die Wiederkunft Jesu wird nicht thematisiert. Entweder man glaubt nicht an sie oder man hat sie zumindest völlig aus dem Blick verloren. Dass uns als Gläubigen große Dinge verheißen sind – ein neuer Himmel, eine neue Erde, ein Leben in der Gegenwart Gottes ohne jedes Leid – das spielt keine Rolle mehr. Wichtig ist dagegen, dass der Glaube jetzt etwas bringt. Dass der Glaube mich jetzt glücklicher und zufriedener macht. Das ist so ein „Sahnehäubchen-Christentum“ Das Eigentliche worum es im Leben geht ist längst irgendetwas anderes und der Glaube soll das ganze wie das Sahnehäubchen den Eisbecher lediglich noch etwas abrunden und verfeinern.

Das Problem, das Warten einfach zu vergessen

Wiederum gibt es andere, die zwar warten – aber über die Wartezeit vergessen, dass sie eigentlich warten. Zu sehr sind sie von den vielen Verpflichtungen dieser Welt in Beschlag genommen. Der Alltag hat sie so sehr im Griff, dass sie an die Wiederkunft Jesu irgendwann keinen Gedanken mehr verschwenden. Sie sind gewissermaßen wie derjenige, der an der Bushaltestelle einen lange Jahre nicht gesehenen Bekannten überraschend wiedertrifft. Die beiden kommen dann ins Gespräch, reden über dieses und jenes „Wie geht’s eigentlich dem? Hast du eigentlich gehört, was der inzwischen macht? Wohnst du eigentlich immer noch in dieser Wohnung mit dem schönen Balkon?“ Und über das intensive Gespräch bemerkt der Wartende gar nicht, wie sein Bus an die Haltebucht heranfährt, Fahrgäste ein- und aussteigen und wie er schließlich wieder weiterfährt. Ja, auch das ist eine Gefahr. Dass wir die Wiederkunft Jesu einfach verschlafen – weil wir zu abgelenkt von allem möglichen sind.

Ein Christsein ohne Warten gibt es nicht

Tatsache ist aber, dass wir als Christen zum Warten aufgerufen sind. Ein Christsein ohne Warten gibt es nicht. So wie wir Jahr für Jahr auf Weihnachten warten – wie hier das Warten eigentlich nie ein Ende hat – so sind wir auch unser ganzes Leben aufgerufen auf Jesus zu warten. Und auch wenn uns das manchmal schwer fällt, so ist das eigentlich doch eine lohnende Sache

Das Warten ist eine lohnende Sache

Schauen wir auf V. 7 – dort schreibt Jakobus: „So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn“ – und er fährt dann fort mit einem Vergleich „Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange des Frühregen und Spätregen.“ Das Warten ist dann eine lohnende Sache, wenn man weiß worauf man wartet, wenn man auf ein lohnendes Ziel wartet. Denn was ist der Grund dafür, dass der Bauer so geduldig auf die Ernte warten kann? Ich denke, hier spielen zwei Gründe eine Rolle.

Weihnachten schenkt uns die Gewissheit, dass das Warten belohnt wird

Der erste Grund ist, dass er in seinem Warten echte Gewissheit hat. Er hat diese Gewissheit, dass er nicht vergebens wartet. Er hat diese Gewissheit, dass zu seiner Zeit die Frucht reif sein wird und er die Ernte einbringen kann. Diese Gewissheit, nicht vergeblich zu warten hat er aus einem einfachen Grund. Er hat schon oft erlebt, wie über den Zeitraum von einem Jahr der Regen kommt, die Sonne scheint und manches mehr, so dass am Schluss die Ernte reif sein wird. Er hat es schon erlebt, dass das Warten sich lohnt.

Liebe Geschwister, wenn wir auf Weihnachten schauen – darauf dass Gott seinen Sohn in die Welt gesandt hat – dann sehen wir daran, dass Gott Wort hält. Weihnachten – das wir jedes Jahr auf Neue feiern – ist die Erinnerung daran, dass wir nicht vergebens warten. Weihnachten zeigt uns: die Menschheit hat es schon erlebt, dass Jesus Christus – der Sohn Gottes – in diese Welt kommt. Wir warten also nicht auf etwas noch nie dagewesenes. Wir warten nicht auf irgendetwas hypothetisches, auf irgendein Hirngespinst. Nein, wir warten darauf, dass der, der schon einmal in diese Welt gekommen ist – Jesus Christus – wiederkommen wird.

Weihnachten zeigt, dass wir auf etwas Lohnendes warten

Aber es gibt noch einen zweiten Grund, warum der Bauer so geduldig wartet. Nicht nur, dass er schon erlebt hat, dass das Warten sich lohnt. Nein, er weiß auch ganz genau, was er erwartet. Er denkt nicht: „Wenn ich hier mein Feld immer schön gieße und das Unkraut raußziehe, dann wird da möglicherweise irgendwas wachsen, was sich unter Umständen für irgendwas verwenden lässt.“ Nein, er weiß natürlich genau was er erwartet. Hat er Kartoffeln angebaut, weiß er, dass da Kartoffeln wachsen werden. Hat er Weizen angebaut, weiß er, dass Weizen wachsen wird. Und er weiß auch, was er damit anfangen kann: „Damit kann ich meine Familie versorgen, ich kann es verkaufen, ich kann mit dem Geld mein Lebensunterhalt bestreiten.“

Liebe Geschwister, ganz genauso wissen wir als Nachfolger Jesu doch auch, auf was – besser gesagt auf wen – wir warten. Wir wissen, dass wir unseren Herrn Jesus erwarten. Jesus, der bei seinem ersten Kommen zu Weihnachten in diese Welt kam, um uns aus der tiefsten Verlorenheit zu retten. Wir wissen, dass wir mit Jesus auf den warten, der uns Gott gezeigt hat. Wir wissen, dass wir mit ihm auf jemanden warten, der uns so sehr liebt, dass er sein Leben für uns opferte. Ja, bedenken wir doch, welchen Segen das erste Kommen Jesu für uns bedeutet. Nur weil Jesus vor 2000 Jahren in die Welt kam, haben wir Vergebung der Sünden, ewiges Leben, direkten Zugang zu Gott und sind Kinder Gottes. Wenn schon Jesu erstes Kommen so einen gewaltigen Segen für uns gebracht hat, wieviel größer und gewaltiger wird der Segen für uns sein, wenn er zurückkehrt auf diese Welt? Wenn er seine Kinder zu sich aufnimmt in die himmlische Herrlichkeit?

Das Warten ist eine lohnende Sache, weil wir wissen, worauf wir warten à auf ein wirklich lohnendes, kostbares Ziel. Und das Warten ist auch eine lohnende Sache, weil wir Gewissheit haben, dass der alle seine Verheißungen wahrgemacht und Jesus bereits einmal gesandt hat, auch sein Versprechen einlösen wird, Jesus ein zweites Mal zu senden.

Einander im Warten ermutigen

Ermuntern wir uns auch gegenseitig in unserem Warten. Wie es in V. 10 heißt: „Nehmt, liebe Brüder, zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die geredet haben in dem Namen des Herrn.“ Denken wir an sie: an einen Jesaja, an einen Jeremia, an die vielen anderen. Sie haben Dinge verkündet, deren Verwirklichung sie nie gesehen haben. Sie wurden ausgelacht, verhöhnt, verprügelt – aber sie haben durchgehalten. Denn sie wussten: Das Warten ist eine lohnende Sache. Ihr Vorbild kann uns ermuntern, treu zu warten. Und wir sind aufgefordert uns auch gegenseitig ans Warten zu erinnern. Wir können die Aussicht auf das worauf wir warten einander immer wieder vor Augen malen. Wir können einander auch mal korrigieren und sagen: „Ich glaub du hast das Ziel ein wenig aus dem Blick verloren..!“ Bleiben wir dran! Seien wir eine wartende Gemeinde! Denn das Warten ist eine lohnende Sache!

Das Warten wird belohnt

Schauen wir auf V. 11: „Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer.“ Hier wird folgendes deutlich: Unser Warten hat nicht nur irgendwie ein Ende – es gibt ja diesen Spruch „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.“ Nein, unser Warten hat nicht nur irgendein Ende, es hat ein sehr sehr gutes Ende. Unser Warten wird eines Tages belohnt.

Das Beispiel des Hiob

Jakobus erinnert an Hiob. Er musste durch größtes, unvorstellbares Leid hindurchgehen. Er verlor nicht nur seinen Besitz. Er verlor auch seine Familie und seine Gesundheit. Und doch heißt es am Schluss dieses langen Buches Hiob – in den 42 Kapiteln wird ja fast nur sein Leiden geschildert. Und doch heißt es am Schluss dort: „Und der HERR wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde Fürbitte tat. Und der HERR gab Hiob doppelt soviel, wie er gehabt hatte.” (Hiob 42,10) Hiob bekam alles zurück, was er verloren hatte, er bekam es doppelt zurück. Auch mit einer Familie, mit Kindern wurde er nochmal beschenkt. Sein Warten, sein Ausharren wurde belohnt.

Die Verheißung der Krone der Gerechtigkeit

Auch unser Warten wird eines Tages belohnt werden. Schauen wir nur auf das, was Paulus erwartete – kurz bevor er sterben sollte. Er schreibt: 6 Denn ich werde schon geopfert – damit meint er seinen gewaltsamen Tod um des Glaubens willen – und die Zeit meines Hinscheidens ist gekommen.  7 Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten;  8 hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben.“ (2Tim 4,6-8) Es gibt eine Belohnung! Paulus nennt sie die Krone der Gerechtigkeit. Und es gibt diese Belohnung nicht nur für wenige ausgewählte – wie Apostel z.B. – nein es gibt sie für alle, “die seine Erscheinung – d.h. das Kommen Jesu – liebhaben/ersehnen” Auch für dich und mich als Nachfolger Jesu gibt es diese Belohnung. Auch unser treues Warten wird einmal enden – und dann belohnt werden.

Ja, heute ist schon der zweite Weihnachtsfeiertag, der eine oder andere wird morgen schon wieder arbeiten müssen und früher oder später wird der Alltag wieder einkehren. Und trotzdem: noch ist Weihnachtszeit. Und die Weihnachtszeit ist eine super Gelegenheit, sich daran zu erinnern, dass das Warten weiter geht. Es ist nicht vorbei mit diesen wenigen Festtagen, auf die alles – unsere ganzen Vorbereitungen, der Stress im Vorfeld – zuzulaufen scheint. Ich wünsche euch, dass ihr euch heute oder die nächsten Tage noch mal Zeit nehmen könnt für dieses Fest. Man kann die Kerzen am Weihnachtsbaum nochmal anzünden, sich in Ruhe hinsetzen, das wunderbar dekorierte Wohnzimmer auf sich wirken lassen, diese Zeit genießen. Und sich dann aber auch klarmachen. Dieses Fest mit seinen ganzen wunderbaren Seiten ist nicht der Endpunkt unseres Wartens, es ist nicht das Ziel unserer Sehnsüchte. Das Warten geht weiter. Wir warten auf die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus. Wir warten auf den neuen Himmel und die neue Erde. Wir warten darauf, dass er uns zu sich nehmen wird – in die himmlische Herrlichkeit, wo es kein Leid, kein Schmerz, sondern nur noch Freude und Jubel geben wird. Frohe Weihnachten!

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Warum ich gerne Pastor bin

Das „Pastorenamt ist in einer Krise“, so berichtete Idea kürzlich. Das Problem sei, dass die Vorstellungen junger Menschen häufig mit den Anforderungen des Gemeindedienstes kollidierten. Auch in meinem Gemeindebund ist schon seit einigen Jahren immer wieder davon die Rede, dass es zuwenig Nachwuchs gibt. Gleichzeitig nehme ich immer mal wieder – wohlgemerkt nicht überall – wahr, dass es auch die Pastoren selbst sind, die vor allem über die Schattenseiten – die es natürlich gibt (wie in allen anderen Berufen) – des Pastorendaseins reden, und leider gar nicht so viel über die vielen wunderbaren Aspekte. Schade eigentlich.

Ich selbst bin nach meinen theologischen Studien nun bereits seit über 7 Jahren Pastor einer kleinen evangelisch-freikirchlichen Gemeinde im Münsterland. Ich habe es nie bereut diesen Weg eingeschlagen zu haben. Als Pastor in einer Ortsgemeinde zu arbeiten, ist nach meinem Empfinden einer der besten Berufe die es gibt.

Ein Grund, warum ich gerne Pastor bin, ist darin zu finden, dass ich viel Zeit aufwenden darf (und muss), um Gottes Wort in seiner Tiefe zu studieren. Was für ein Privileg ist es doch, Woche für Woche sich in Gottes Wort vertiefen zu können und dafür auch noch die Arbeitszeit aufwenden zu dürfen. Wenn ich Predigten oder Bibelstunden vorbereite, mir für die Jugend etwas überlege oder für einen anderen Kreis, dann bin ich stets derjenige der als erster (und häufig wohl auch am meisten) davon profitiert. Wieviele gute Gedanken, wieviele wertvolle Erkenntnisse, wieviele Impulse für mein ganz persönliches Leben sind mir schon gekommen, als ich in solchen Vorbereitungen steckte. Natürlich, Predigtvorbereitung etc. ist auch harte Arbeit, es ist auch ein Stück Handwerk (mit bestimmten Methoden und Arbeitsschritten), und trotzdem empfinde ich es weitüberwiegend als ein großes Geschenk und ein echtes Privileg, dass ich als Pastor dafür angestellt bin, Gottes Wort zu studieren (um es dann natürlich weiterzugeben).

Es gibt noch viele andere Gründe, warum ich gerne Pastor bin. Ich werde in Zukunft noch mal über den einen oder anderen Grund schreiben.

Zeitgeist statt Bibel

Das Gemeindejugendwerk (GJW) des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden gibt seit einigen Jahren eine eigene Zeitschrift mit dem Titel „Herrlich“ heraus. Die aktuelle Ausgabe 02/2018 (hier auch als Download), die mir vor kurzem zugeschickt wurde, steht unter dem Titel „All you need is love: Von Liebe, Sex und Zärtlichkeit.“ Ansich ist es eine positive Sache, dieses wichtige und trotzdem oft vernachlässigte Thema zu behandeln. Wer in der Ausgabe jedoch biblisch fundierte und seelsorgerlich hilfreiche Impulse erwartet, wird leider enttäuscht.

Ein erschütterndes Beispiel stellt der Artikel zweier BEFG-Pastoren dar, indem sie häufige Fragen zum Thema Sexualität und Liebe beantworten. So positionieren sich die beiden Autoren zum Thema Homosexualität klar positiv. Alle Bibelstellen, die sich kritisch zu homosexueller Praxis äußern, werden mit der bloßen Behauptung, „dass die Bibel bei diesen Beispielen über etwas völlig anderes spricht als über liebevolle, gleichberechtigte, partnerschaftliche Beziehungen“, einfach vom Tisch gewischt. Eine Auseinandersetzung mit auch nur einer einzigen dieser Bibelstellen findet nicht statt. Stattdessen bedienen sich die Autoren eines Kunstgriffes und verweisen auf den ersten Halbsatz aus 1Mose 2,18, wo Gott über Adam sprach „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei.“ Dass Gott Adam daraufhin – es steht noch im selben Vers – eine „Gehilfin“ schafft, „die ihm entspricht“ – nämlich eine Frau – wird bezeichnenderweise nicht erwähnt. Stattdessen ziehen die Verfasser eine abenteuerliche Schlussfolgerung: „Homosexuellen Menschen die Möglichkeit einer Partnerschaft abzusprechen, bedeutet ihnen eine Bürde aufzuerlegen, die Gott als ’nicht gut‘ bezeichnet.“ (23) Die Schlichtheit dieser Argumentation ist erschütternd.

Im gleichen Artikel wird z.B. auch die Frage behandelt, ob Pornos zu schauen ok sei. Völlig zu Recht weisen die Autoren auf einige Probleme im Zusammenhang mit Pornografie hin: „Was tue ich den Frauen an, die in dieser Industrie ausgenutzt werden? Gehören körperliche und emotionale Nähe nicht zusammen?“ (22). Doch statt einer klaren Antwort und echter Hilfestellung wie man der Versuchung durch Pornografie begegnen kann, verharmlosen die Autoren die Gefahren durch Pornos: „Einfach gesagt: Pornos sind irgendwie wie Fastfood – beides kürzt den eigentlichen Weg ab, und beides tut auf Dauer nicht gut.“ Man kann nur entgegnen: Nein, Pornos sind nicht wie Fastfood! Hin und wieder und in Maßen Fastfood zu sich zu nehmen, ist ja völlig unbedenklich. Bei Pornografie ist das vollkommen anders. Hier macht nicht die Menge das Gift, nein Pornokonsum – auch der gelegentliche – ist in jedem Fall schädlich und eine Sünde. Und das sollten Pastoren Jugendlichen – und anderen natürlich ebenso – auch so sagen!

Aber vor klaren, biblisch begründeten Antworten scheuen sich die beiden Kollegen spürbar. Bloß niemandem auf die Füße treten und ja nicht eine in dieser Welt unpopuläre Ansicht vertreten, scheint die Devise zu sein. So ist es kein Wunder, dass die Autoren in ihren Statements regelmäßig dort landen, wo der Zeitgeist bereits auf sie wartet. Eine dezidiert christliche Aussage – die so nicht auch andere, wie Psychologen, Pädagogen etc. hätten treffen können – sucht man in diesem Artikel jedenfalls vergeblich.

Welches Fazit soll man ziehen? Einerseits ist dieser Beitrag ein erneuter Beleg dafür, dass es um die geistliche Ausrichtung des GJW Elstal nicht gut bestellt ist. Dort stört es offenbar niemanden oder es wird sogar noch begrüßt, wenn z.B. in diesen ethischen Fragen bibelwidrige Positionen verbreitet werden. Andererseits kann man nur dazu auffordern, GJW Publikationen gründlich und kritisch zu prüfen und im Zweifelsfall nicht zu zögern, diese der blauen Tonne zu übergeben. Zuletzt kann man nur dafür beten, dass es eine neue Hinwendung zu Gott und seinem zuverlässigen Wort, der Hl. Schrift, geben möge.

John Piper über den Ernst der Predigt

„Der Ernst der Predigt ist angebracht, weil die Predigt das von Gott verordnete Mittel ist, um Sünder zu überführen, die Gemeinde zu erwecken und die Gläubigen zu bewahren. Wenn die Predigt ihre Aufgabe verfehlt, sind die Auswirkungen enorm und schrecklich. „Denn weil in der Weisheit Gottes die Welt durch die Weisheit Gott nicht erkannte, hat es Gott wohlgefallen, durch die Torheit der Predigt die Glaubenden zu erretten.“ (1Kor 1,21).

Durch die Predigt rettet Gott Menschen vor dem ewigen Verderben. Als Paulus in 2Kor 2,15-16 darüber nachdenkt, spürt er das überwältigende Gewicht seiner Verantwortung: „Denn wir sind ein Wohlgeruch Christi für Gott unter denen, die errettet werden, und unter denen, die verloren gehen; den einen ein Geruch vom Tod zum Tode, den anderen aber ein Geruch vom Leben zum Leben. Und wer ist dazu tüchtig?“

Es ist einfach phantastisch, darüber nachzudenken: Wenn ich predige, steht das ewige Schicksal von Sündern auf dem Spiel! Wenn uns diese Tatsache nicht ernst und betroffen macht, werden die Leute unbewusst daraus schließen, dass Himmel und Hölle nicht ernst zu nehmen seien.“

John Piper, Ihn verkündigen wir: Die Zentralität Gottes in Predigt und Verkündigung, Betanien, 2006, 58.

Predigt: Zum Lob Gottes bestimmt

„In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt, nach dem Ratschluss seines Willens, damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit leben, die wir zuvor auf Christus gehofft haben. In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist,  welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.“ (Eph 1,11-14)

Warum hat Gott uns eigentlich zu seinem Erbteil und Eigentum gemacht? Was hat er sich dabei gedacht? Was war seine Motivation?

Weil wir im Lob Gottes unserer Bestimmung folgen. Schauen wir z.B. auf Eph 1,5-6: „Er hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein (…), zum Lob seiner herrlichen Gnade. Ganz ähnlich in Eph 1,12, wo es heißt, dass er uns zu seinem Erbteil gemacht – und zwar „zum Lob seiner Herrlichkeit“ Und abschließend in Eph 1,14 heißt es, dass Gott das Volk, das sein Besitz ist, eines Tages „zum Lob seiner Herrlichkeit“ endgültig erlösen wird. Der Gedanke ist also, dass Gott alles mögliche zu unserer Erlösung tut, alles mögliche Gute für uns tut, damit wir Grund haben, Gott zu loben. Aber nicht, weil Gott das Lob bräuchte und ohne unser Lob nicht glücklich wäre oder so. Sondern weil wir als Menschen zum Lob Gottes, zu seiner Ehre, geschaffen sind. Das ist der ultimative Grund, warum ein Leben zum Lob Gottes so erstrebenswert ist. Eben nicht nur, weil Lob die angemessene Reaktion auf Gottes gute Gaben sind. Sondern, weil wir im Lob Gottes unserer Bestimmung folgen, für die wir geschaffen, ja konstruiert sind.

Um Sinn und Erfüllung im Leben zu finden, suchen die meisten Menschen am falschen Ende – nämlich bei sich selbst. Sie stellen sich Fragen, die sich um sie selbst drehen. Was will ich werden? Was soll ich aus meinem Leben machen? Wie sehen meine Ziele und Träume aus? Aber solange wir nur um uns selbst kreisen, werden wir Sinn und Erfüllung nie finden. Es ist wie mit jemanden, der sich den Bergen verirrt und sich nach dem Weg zum Ort seiner Ferienwohnung erkundigt. Ihm wird man sagen: „Sie kommen da von hier aus nicht hin – Sie müssen auf der anderen Seite des Berges anfangen!“ Genauso wenig können wir Sinn und Erfüllung in unserem Leben finden, wenn wir uns nur auf uns selbst und unsere Dinge konzentrieren. Denn wir sind für etwas anderes geschaffen, wir sind zum Lob Gottes bestimmt. Gott hat uns erlöst – damit wir seine Güte und Liebe erkennen – und in das Lob Gottes hineinfinden und darin Sinn und Erfüllung für uns finden – ist das nicht großartig? Aber genau so ist es: Gott hat uns erlöst – damit wir seine Güte und Liebe erkennen – und in das Lob Gottes hineinfinden und darin Sinn und Erfüllung für uns finden. Er handelt, damit wir zu unserem Wohl, in das Lob für ihn hineinfinden.

Hier kannst du die ganze Predigt „Zum Lob Gottes bestimmt“ nachhören.

John Piper über die Freude der Predigt

„Wenn wir keine Freude vermitteln, dann vermitteln wir nicht das Evangelium, sondern Gesetzlichkeit. Ein Prediger, der seinen Dienst emsig, aber freudlos ausübt, vermittelt seiner Gemeinde genau das, und die Bezeichnung dafür ist Heuchlerei und knechtende Gesetzlichkeit. Das ist nicht die Freiheit derer, deren Joch sanft und deren Last leicht ist.

Außerdem: Ein Pastor, dem offensichtlich Freude an Gott fehlt, ehrt Gott nicht. Er kann keinen Eindruck von Gottes Herrlichkeit vermitteln, wenn es ihm keine Freude macht, diesen Gott zu kennen und ihm zu dienen. Ein gelangweilter und wenig begeisterter Alpenführer untergräbt und entehrt die Erhabenheit der Bergwelt.

Deshalb hatte Phillips Brooks Recht, als er vor hundert Jahren sagte: „Für den Erfolg des Predigers ist es unverzichtbar, dass er tiefe Freude an seiner Arbeit hat. (..) Ihre höchste Freude liegt in ihrem großen Ziel: die Verherrlichung des Herrn und die Rettung von Menschenseele. Keine andere Freude auf Erden ist mit dieser vergleichbar. (..) Wenn wir das Leben der fruchtbarsten Prediger der Geschichte untersuchen oder wenn wir den kraftvollsten Predigern von heute begegnen, dann spüren wir, welch unbeirrbare und tiefe Freude sie an ihrem Dienst haben.““

John Piper, Ihn verkündigen wir: Die Zentralität Gottes in Predigt und Verkündigung, Betanien, 2006, 56f.

Predigt: Durch sein Blut erlöst

„In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade (Eph 1,7)

„Nach dem Reichtum seiner Gnade“ – was heißt das? Denken wir an einen Multimillionär, einen sympathischen, spendablen Multimillionär mit einem großen Herz. Immer wieder kommen Leute zu ihm, die in Not sind und er hilft ihnen gerne und gibt ihnen Geld, um ihre Notlage zu beseitigen. Dem einen vielleicht 100 Euro, manchem auch 2.000 Euro – je nach dem. Gewiss eine echte Hilfe und doch für diesen reichen Mann zu verschmerzen. Er gibt diesen bedürftigen Menschen ja lediglich einen kleinen Teil von dem Reichtum seines Vermögens.

Was würde es aber bedeuten, wenn er diesen nach dem Reichtum seines Vermögens geben würde? Nach seinem Reichtum? Gemäß seines Reichtums? Entsprechend seines Reichtums? Es würde vielleicht bedeuten, dass er jemandem nicht nur mit 500 Euro aus der gröbsten Not heraushilft, sondern ihm eine große Villa schenkt – etwas was seinem Reichtum wirklich entspricht und damit er leben kann wie er. Das ist der Unterschied!

Wenn es hier also heißt, dass Gott uns nach dem Reichtum seiner Gnade beschenkt, dann bedeutet das, dass er uns mit dem grenzenlosen Reichtum seiner Gnade beschenkt. Erlösung heißt nicht also nur, dass wir losgekauft sind aus der Macht der Finsternis. Erlösung bedeutet auch nicht nur, dass uns volle Sündenvergebung geschenkt ist. Es bedeutet, dass wir Gott uns nun auf ewig hin freundlich zugewandt ist, uns seine Gunst gilt. Es heißt, dass er uns mit Güte und Liebe behandelt und seine Gnade überreich überaus ausschüttet. Denn Gott gibt uns nicht nur eine Kleinigkeit von dem Reichtum seiner Gnade“, sondern nach dem Reichtum seiner Gnade“

Das alles gilt dir, wenn du persönlich zu Jesus Christus gehörst. Ist das so bei dir? Gehörst du zu ihm?

Wir gehören ja nicht einfach zu Christus, nur weil wir dem Namen nach Christen sind. Weil wir getauft, gefirmt, christlich erzogen sind.Weil wir im [noch] christlichen Abendland leben, weil wir manchmal den Gottesdienst besuchen. Nein!

Die entscheidende Frage ist: Hast du diesen persönlichen Glauben an Jesus Christus? Glaubst du, dass er der Sohn Gottes ist, der dich durch seinen Tod mit Gott versöhnt hat? Glaubst du, dass er auferweckt wurde und jetzt der Herr der Welt ist? Und willst du dein Leben ganz unter seine Herrschaft stellen?

Hier kannst du die ganze Predigt „Durch sein Blut erlöst“ nachhören.