Neulich beim Zahnarzt

Neulich war ich beim Zahnarzt. Nicht wegen akuter Zahnschmerzen, sondern einfach wegen einer sogenannten „professionellen Zahnreinigung“ (nebenbei bemerkt: eigenartiger Name – ob meine Praxis wohl auch amateurhafte Zahnreinigungen anbietet… wohl kaum 😉 ). Jedenfalls ist es so üblich, dass einem nicht nur das Gebiss gründlich gereinigt wird, sondern dass man auch Tipps und Hinweise zur eigenen Zahnpflege etc. erhält. Mich hat die Mitarbeiterin an diesem Nachmittag jedenfalls sehr direkt auf den nicht sehr erfreulichen Zustand meiner Zähle aufmerksam gemacht und mir verschiedene Tipps gegeben, wie ich das in Zukunft verbessern könnte. Nun, ich hatte sowas schon geahnt und war nicht besonders angetan von ihren Worten und noch viel weniger von ihren – mir sehr aufwendig erscheinenden – Vorschlägen.  Offenbar konnte man mir meine verhaltene Reaktion anmerken, jedenfalls sagte sie zu mir: „Ich weiß, Sie wollten einfach nur ihre Zähne gereinigt haben und jetzt rede ich soviel. Aber“, so fügte sie hinzu, „das muss wirklich sein!“

Ich habe über dieses Erlebnis noch ein bisschen nachgedacht und mir sind zwei Gedanken gekommen, was ich hiervon als Christ lernen kann:

  1. Eine unangenehme Botschaft klar kommunizieren

Wie die Zahnarztmitarbeiterin mir gegenüber offen und direkt über unerfreuliche Dinge sprach, so bin ich als Christ und gerade als Prediger auch gefordert, Botschaften zu überbringen, die viele Leute ebenso nicht wirklich hören wollen. Sünde, Gericht, Gehorsam sind u.a. solche Punkte. Wenn ich wirklich überzeugt bin, „dass es sein muss“ (wie die Frau beim Zahnarzt), dann werde ich diese Punkte trotzdem nicht übergehen. Vielmehr werde ich werbend, aber doch eindringlich auch diese Teile der biblischen Botschaft rüberbringen.

  1. Eine unangenehme Botschaft annehmen

Wie bereits geschrieben, war ich nicht sehr erfreut über das, was mir an diesem Nachmittag erzählt wurde. Dennoch habe ich darüber nachgedacht und daraufhin in der Tat einige Vorschläge in den Tagen und Wochen danach umgesetzt. Ich habe – wenn man so will – auf diesem kleinen Gebiet der Zahnpflege mein Leben geändert. Einfach, weil es mir einsichtig gemacht wurde, dass es für mich wirklich wichtig ist! Zur Änderung unseres Lebens ruft uns auch immer wieder Gott durch sein heiliges Wort auf. Wir sollen Angewohnheiten und Verhaltensweisen „ablegen“ und den neuen Menschen „anziehen“ (z.B. Eph 4,22ff). Die Frage ist: Bin ich bereit, auch hier solche unangenehmen Botschaften anzunehmen und die nötigen Konsequenzen zu ziehen? Wenn wir als Menschen schon willens sind auf die unsympathischen Ratschläge medizinischen Fachpersonals oder anderer Experten zu hören, sollten wir dann nicht erst Recht auch die unangenehmen Botschaften unseres Gottes hören – eines Gottes, der uns schließlich in Jesus Christus seine tiefe Liebe wirklich ein für alle Mal erwiesen hat?

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Das Gebet der Nähe

„Jesus hat die Bedingungen des Bundes erfüllt, damit wir Zugang zu der bedingungslosen Liebe Gottes haben. Durch das Kreuz – und nur durch das Kreuz – kann Gott beides sein: gerecht gegenüber der Sünde und barmherzig rechtfertigend gegenüber den Sündern.“ (226) 

 „Gott wäre ungerecht und würde seinen Bund mit uns brechen, wenn er sich die gleiche Schuld zwei Mal bezahlen ließe; nach dem, was Jesus für uns am Kreuz getan hat, wäre er ungerecht, wenn er uns nicht vergeben würde. Diese tiefe Gewissheit verändert das Wesen der Buße vollkommen; Buße ist jetzt nicht mehr ein Mittel, selber unsere Sünden zu sühnen, sondern ein Mittel, Gott die Ehre zu geben und unser Leben neu auf ihn auszurichten.“ (229) 

„Buße auf dieser gesetzlichen Basis wird uns nie die ungeheure Befreiung und Erleichterung bringen, die der erlebt, der sich in Jesu Vergebung fallen lässt, denn wir können ja nie sicher sein, ob wir zerknirscht genug waren, um uns Gottes Gunst zu verdienen.“ (229) 

„Wenn wir wissen, dass Gott uns trotz unserer Sünden liebt und annimmt, fällt es uns viel leichter, unsere Fehler und unser Versagen zuzugeben. (…) Vor allem aber können wir zeitiger und häufiger mit unseren Sünden zu Gott gehen, sie bekennen, uns Jesu Sühnetod am Kreuz ins Gedächtnis rufen und ein klein wenig von der Freude über unsere Erlösung neu erleben. Ganz ohne Traurigkeit und bitteren Beigeschmack wird kein Akt der Buße sein, aber die vertiefte Erkenntnis meiner Sünde führt mich zu einer größeren Gewissheit der Gnade Gottes.“ (230) 

„Es gibt eine Scheinbuße, die in Wirklichkeit Selbstmitleid ist. Ich gebe meine Sünde zu, aber was mir leidtut, ist eigentlich nicht die Sünde selber, sondern sind die schmerzlichen Folgen, die sie für mich hat.“ (232) 

„Es geht tatsächlich darum, der Sünde den Garaus zu machen, und dies geschieht dadurch, dass wir über Gottes Heiligkeit und seine Liebe in Christus sowie über andere biblische Lehren meditieren und dann unsere konkrete Sünde in ihrem Licht betrachten. Wir erkennen so, was alles an Dummheit und Bösem hinter ihr steckt, und sie wird uns immer hässlicher und unattraktiver. Ihr Reiz wird schwächer und unsere Fähigkeit, ihr Widerstand zu leisten, steigt.“ (235)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.