Wie man vor Gott bestehen kann

„So war die Lade des HERRN sieben Monate im Lande der Philister. 2 Und die Philister beriefen ihre Priester und Wahrsager und sprachen: Was sollen wir mit der Lade des HERRN machen? Laßt uns wissen, wie wir sie an ihren Ort senden sollen! 3 Sie sprachen: Wollt ihr die Lade des Gottes Israels zurücksenden, so sendet sie nicht ohne eine Gabe, sondern gebt ihm eine Sühnegabe; so werdet ihr gesund werden, und es wird euch kundwerden, warum seine Hand nicht von euch abläßt. 4 Sie aber sprachen: Was ist die Sühnegabe, die wir ihm geben sollen? Sie antworteten: Fünf goldene Beulen und fünf goldene Mäuse nach der Zahl der fünf Fürsten der Philister, denn es ist ein und dieselbe Plage gewesen über euch alle und über eure Fürsten. 5 So macht nun Abbilder eurer Beulen und eurer Mäuse, die euer Land zugrunde gerichtet haben, daß ihr dem Gott Israels die Ehre gebt. Vielleicht wird seine Hand leichter werden über euch und über euren Gott und über euer Land. 6 Warum verstockt ihr euer Herz, wie die Ägypter und der Pharao ihr Herz verstockten? Ist’s nicht so: als der HERR seine Macht an ihnen bewies, ließen sie sie ziehen, so daß sie gehen konnten? 7 So laßt nun einen neuen Wagen machen und nehmt zwei säugende Kühe, auf die noch kein Joch gekommen ist; spannt sie an den Wagen und laßt ihre Kälber daheimbleiben. 8 Aber die Lade des HERRN nehmt und stellt sie auf den Wagen, und die Dinge aus Gold, die ihr ihm zur Sühnegabe gebt, tut in ein Kästlein daneben. So sendet sie hin und laßt sie gehen. 9 Und seht zu: Geht sie den Weg hinauf in ihr Land auf Bet-Schemesch zu, so hat Er uns dies große Übel angetan; wenn nicht, so wissen wir, daß nicht seine Hand uns getroffen hat, sondern es uns zufällig widerfahren ist. 10 So taten die Leute und nahmen zwei säugende Kühe und spannten sie an einen Wagen und behielten ihre Kälber daheim 11 und stellten die Lade des HERRN auf den Wagen, dazu das Kästlein mit den goldenen Mäusen und mit den Abbildern ihrer Beulen. 12 Und die Kühe gingen geradeswegs auf Bet-Schemesch zu, immer auf derselben Straße, und brüllten immerfort und wichen weder zur Rechten noch zur Linken; und die Fürsten der Philister gingen ihnen nach bis zum Gebiet von Bet-Schemesch. 13 Die Leute von Bet-Schemesch aber schnitten eben den Weizen im Grund, und als sie ihre Augen aufhoben, sahen sie die Lade und freuten sich, sie zu sehen. 14 Der Wagen aber kam auf den Acker Joschuas von Bet-Schemesch und stand dort still. Und dort lag ein großer Stein. Da spalteten sie das Holz des Wagens und opferten die Kühe dem HERRN zum Brandopfer. 15 Die Leviten aber hoben die Lade des HERRN herab samt dem Kästlein, das daneben stand und worin die Dinge aus Gold waren, und stellten sie auf den großen Stein. Und die Leute von Bet-Schemesch opferten dem HERRN am selben Tage Brandopfer und Schlachtopfer. 16 Als aber die fünf Fürsten der Philister das gesehen hatten, zogen sie am selben Tage wieder nach Ekron. 17 Dies sind die goldenen Beulen, die die Philister dem HERRN als Sühnegabe erstatteten: für Aschdod eine, für Gaza eine, für Aschkelon eine, für Gat eine und für Ekron eine; 18 und goldene Mäuse nach der Zahl aller Städte der Philister unter den fünf Fürsten, der festen Städte und der Dörfer. Und Zeuge ist der große Stein, auf den sie die Lade des HERRN gestellt hatten. Er liegt bis auf diesen Tag auf dem Acker Joschuas von Bet-Schemesch. 19 Und er schlug die Leute von Bet-Schemesch, weil sie sich die Lade des HERRN angeschaut hatten, und schlug im Volk siebzig Mann. Da trauerte das Volk, weil der HERR das Volk so schwer geschlagen hatte . 20 Und die Leute von Bet-Schemesch sprachen: Wer kann bestehen vor dem HERRN, diesem heiligen Gott? Und zu wem soll er von uns wegziehen? 21 Und sie sandten Boten zu den Bürgern von Kirjat-Jearim und ließen ihnen sagen: Die Philister haben die Lade des HERRN zurückgebracht; kommt herab und holt sie zu euch hinauf. 7:1 Da kamen die Leute von Kirjat-Jearim und holten die Lade des HERRN herauf und brachten sie ins Haus Abinadabs auf dem Hügel, und seinen Sohn Eleasar weihten sie, daß er über die Lade des HERRN wache. 2 Aber von dem Tage an, da die Lade des HERRN zu Kirjat-Jearim blieb, verging eine lange Zeit; es wurden zwanzig Jahre. Dann wandte sich das ganze Haus Israel zum HERRN. 3 Samuel aber sprach zum ganzen Hause Israel: Wenn ihr euch von ganzem Herzen zu dem HERRN bekehren wollt, so tut von euch die fremden Götter und die Astarten und richtet euer Herz zu dem HERRN und dient ihm allein, so wird er euch erretten aus der Hand der Philister. 4 Da taten die Israeliten von sich die Baale und Astarten und dienten dem HERRN allein. 5 Samuel aber sprach: Versammelt ganz Israel in Mizpa, daß ich für euch zum HERRN bete. 6 Und sie kamen zusammen in Mizpa und schöpften Wasser und gossen es aus vor dem HERRN und fasteten an demselben Tage und sprachen dort: Wir haben an dem HERRN gesündigt. So richtete Samuel die Israeliten zu Mizpa. 7 Als aber die Philister hörten, daß die Israeliten zusammengekommen waren in Mizpa, zogen die Fürsten der Philister hinauf gegen Israel. Und die Israeliten hörten es und fürchteten sich vor den Philistern. 8 Und sie sprachen zu Samuel: Laß nicht ab, für uns zu schreien zu dem HERRN, unserm Gott, daß er uns helfe aus der Hand der Philister. 9 Samuel nahm ein Milchlamm und opferte dem HERRN ein Brandopfer – als Ganzopfer – und schrie zum HERRN für Israel, und der HERR erhörte ihn. 10 Und während Samuel das Brandopfer opferte, kamen die Philister heran zum Kampf gegen Israel. Aber der HERR ließ donnern mit großem Schall über die Philister am selben Tage und schreckte sie, daß sie vor Israel geschlagen wurden. 11 Da zogen die Männer Israels aus von Mizpa und jagten den Philistern nach und schlugen sie bis unterhalb von Bet-Kar. 12 Da nahm Samuel einen Stein und stellte ihn auf zwischen Mizpa und Schen und nannte ihn »Eben-Eser« und sprach: Bis hierher hat uns der HERR geholfen. 13 So wurden die Philister gedemütigt und kamen nicht mehr in das Gebiet Israels. Und die Hand des HERRN lag schwer auf den Philistern, solange Samuel lebte. 14 Auch eroberte Israel die Städte zurück, die die Philister ihnen genommen hatten, von Ekron bis Gat samt ihrem Gebiet; die errettete Israel aus der Hand der Philister. Und Israel hatte Frieden mit den Amoritern. 15 Samuel aber richtete Israel sein Leben lang 16 und zog Jahr für Jahr umher und kam nach Bethel und Gilgal und Mizpa. Und wenn er Israel an allen diesen Orten gerichtet hatte, 17 kam er wieder nach Rama – denn da war sein Haus -, und dort richtete er Israel. Auch baute er dort dem HERRN einen Altar.“ (1Sam 6-7)

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Die Philister hatten mit der Bundeslade keine guten Erfahrungen gemacht und so wird diese in Kapitel 6 – im Rahmen einer umfangreichen Zeremonie – wieder an Israel zurückgegeben. Doch die Herrlichkeit Gottes – die durch die Lade repräsentiert wurde – liegt nun zwar nicht mehr schwer auf den Philistern, sondern auf Gottes Volk. Es kommt sogar soweit, dass Gott drastisch eingreift und siebzig Mann zu Tode kommen (1Sam 6,19). Das war die Folge von mehreren Sünden: die Israeliten opferten gegen Gottes Wort die geschenkten Kühe (es hätten Stiere sein müssen, vgl. 3Mose 1,3), sie präsentierten die Lade öffentlich, anstatt sie zu bedecken (vgl. 4Mose 4,5) und sie schauten in die Lade (1Sam 6,19). Unter dem Schock der schweren Strafe kommen die Menschen schließlich zur entscheidenden Frage: „Wer kann bestehen vor dem Herrn, diesem heiligen Gott?“ (1Sam 6,20)  

Bis heute ist das die entscheidende Frage! Und die Schrift lehrt uns klar und deutlich, dass vor Gott kein Mensch bestehen kann. Lesen wir nach bei Paulus: „»Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. 11 Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. 12 Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. 13 Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie, Otterngift ist unter ihren Lippen; 14 ihr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit. 15 Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen; 16 auf ihren Wegen ist lauter Schaden und Jammer, 17 und den Weg des Friedens kennen sie nicht. 18 Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen.«“ (Röm 3,10-18) Das ist ungeschönte Urteil Gottes über alle Menschen – über dich und mich. Unsere Leistungen und Fähigkeiten, unsere Erfolge und Talente, alles das reicht nicht aus, um vor Gott bestehen zu können. Denn er ist heilig.

Zurück zu 1Sam 6-7. Samuel weist den Israeliten nun den richtigen Weg. Er macht ihnen deutlich, dass sie zu Gott umkehren müssen. Umkehr zu Gott beinhaltet dabei immer, echte Trennung von Sünde und konkrete Lebensveränderung (1Sam 7,3-4). Damit ist mehr gemeint, als nur ein bloßes Bedauern der Sündenfolgen. Da muss ich mich selbstkritisch prüfen: Bin ich z.B. traurig, weil man mich beim Lügen erwischt hat oder bin ich traurig, weil ich überhaupt gelogen habe? Und echte Umkehr ist auch davon gekennzeichnet, dass ich konkrete Schritte unternehme, um nicht mehr in die Sünde zu fallen, von der ich umgekehrt bin. Es braucht aber nicht nur unsere Umkehr, es braucht vor allem auch noch ein Opfer (1Sam 7,9) an unserer Stelle.

Wie kann man also vor Gott bestehen? Bis heute ist es der gleiche Weg: Wir können vor Gott nur bestehen, wenn jemand anderes die Strafe für uns getragen hat. Paulus sagt es so: „22 Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: 23 sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, 24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. 25 Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher 26 begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, daß er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.“ (Röm 3,22-26)

Neulich beim Zahnarzt

Neulich war ich beim Zahnarzt. Nicht wegen akuter Zahnschmerzen, sondern einfach wegen einer sogenannten „professionellen Zahnreinigung“ (nebenbei bemerkt: eigenartiger Name – ob meine Praxis wohl auch amateurhafte Zahnreinigungen anbietet… wohl kaum 😉 ). Jedenfalls ist es so üblich, dass einem nicht nur das Gebiss gründlich gereinigt wird, sondern dass man auch Tipps und Hinweise zur eigenen Zahnpflege etc. erhält. Mich hat die Mitarbeiterin an diesem Nachmittag jedenfalls sehr direkt auf den nicht sehr erfreulichen Zustand meiner Zähle aufmerksam gemacht und mir verschiedene Tipps gegeben, wie ich das in Zukunft verbessern könnte. Nun, ich hatte sowas schon geahnt und war nicht besonders angetan von ihren Worten und noch viel weniger von ihren – mir sehr aufwendig erscheinenden – Vorschlägen.  Offenbar konnte man mir meine verhaltene Reaktion anmerken, jedenfalls sagte sie zu mir: „Ich weiß, Sie wollten einfach nur ihre Zähne gereinigt haben und jetzt rede ich soviel. Aber“, so fügte sie hinzu, „das muss wirklich sein!“

Ich habe über dieses Erlebnis noch ein bisschen nachgedacht und mir sind zwei Gedanken gekommen, was ich hiervon als Christ lernen kann:

  1. Eine unangenehme Botschaft klar kommunizieren

Wie die Zahnarztmitarbeiterin mir gegenüber offen und direkt über unerfreuliche Dinge sprach, so bin ich als Christ und gerade als Prediger auch gefordert, Botschaften zu überbringen, die viele Leute ebenso nicht wirklich hören wollen. Sünde, Gericht, Gehorsam sind u.a. solche Punkte. Wenn ich wirklich überzeugt bin, „dass es sein muss“ (wie die Frau beim Zahnarzt), dann werde ich diese Punkte trotzdem nicht übergehen. Vielmehr werde ich werbend, aber doch eindringlich auch diese Teile der biblischen Botschaft rüberbringen.

  1. Eine unangenehme Botschaft annehmen

Wie bereits geschrieben, war ich nicht sehr erfreut über das, was mir an diesem Nachmittag erzählt wurde. Dennoch habe ich darüber nachgedacht und daraufhin in der Tat einige Vorschläge in den Tagen und Wochen danach umgesetzt. Ich habe – wenn man so will – auf diesem kleinen Gebiet der Zahnpflege mein Leben geändert. Einfach, weil es mir einsichtig gemacht wurde, dass es für mich wirklich wichtig ist! Zur Änderung unseres Lebens ruft uns auch immer wieder Gott durch sein heiliges Wort auf. Wir sollen Angewohnheiten und Verhaltensweisen „ablegen“ und den neuen Menschen „anziehen“ (z.B. Eph 4,22ff). Die Frage ist: Bin ich bereit, auch hier solche unangenehmen Botschaften anzunehmen und die nötigen Konsequenzen zu ziehen? Wenn wir als Menschen schon willens sind auf die unsympathischen Ratschläge medizinischen Fachpersonals oder anderer Experten zu hören, sollten wir dann nicht erst Recht auch die unangenehmen Botschaften unseres Gottes hören – eines Gottes, der uns schließlich in Jesus Christus seine tiefe Liebe wirklich ein für alle Mal erwiesen hat?

Das Gebet der Nähe

„Jesus hat die Bedingungen des Bundes erfüllt, damit wir Zugang zu der bedingungslosen Liebe Gottes haben. Durch das Kreuz – und nur durch das Kreuz – kann Gott beides sein: gerecht gegenüber der Sünde und barmherzig rechtfertigend gegenüber den Sündern.“ (226) 

 „Gott wäre ungerecht und würde seinen Bund mit uns brechen, wenn er sich die gleiche Schuld zwei Mal bezahlen ließe; nach dem, was Jesus für uns am Kreuz getan hat, wäre er ungerecht, wenn er uns nicht vergeben würde. Diese tiefe Gewissheit verändert das Wesen der Buße vollkommen; Buße ist jetzt nicht mehr ein Mittel, selber unsere Sünden zu sühnen, sondern ein Mittel, Gott die Ehre zu geben und unser Leben neu auf ihn auszurichten.“ (229) 

„Buße auf dieser gesetzlichen Basis wird uns nie die ungeheure Befreiung und Erleichterung bringen, die der erlebt, der sich in Jesu Vergebung fallen lässt, denn wir können ja nie sicher sein, ob wir zerknirscht genug waren, um uns Gottes Gunst zu verdienen.“ (229) 

„Wenn wir wissen, dass Gott uns trotz unserer Sünden liebt und annimmt, fällt es uns viel leichter, unsere Fehler und unser Versagen zuzugeben. (…) Vor allem aber können wir zeitiger und häufiger mit unseren Sünden zu Gott gehen, sie bekennen, uns Jesu Sühnetod am Kreuz ins Gedächtnis rufen und ein klein wenig von der Freude über unsere Erlösung neu erleben. Ganz ohne Traurigkeit und bitteren Beigeschmack wird kein Akt der Buße sein, aber die vertiefte Erkenntnis meiner Sünde führt mich zu einer größeren Gewissheit der Gnade Gottes.“ (230) 

„Es gibt eine Scheinbuße, die in Wirklichkeit Selbstmitleid ist. Ich gebe meine Sünde zu, aber was mir leidtut, ist eigentlich nicht die Sünde selber, sondern sind die schmerzlichen Folgen, die sie für mich hat.“ (232) 

„Es geht tatsächlich darum, der Sünde den Garaus zu machen, und dies geschieht dadurch, dass wir über Gottes Heiligkeit und seine Liebe in Christus sowie über andere biblische Lehren meditieren und dann unsere konkrete Sünde in ihrem Licht betrachten. Wir erkennen so, was alles an Dummheit und Bösem hinter ihr steckt, und sie wird uns immer hässlicher und unattraktiver. Ihr Reiz wird schwächer und unsere Fähigkeit, ihr Widerstand zu leisten, steigt.“ (235)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.