In Christus Jesus eine neue Kreatur

„In Christus Jesus, sagt Paulus, gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein, weder Zölibat noch Ehe, weder Speise noch Fasten etwas etc. (…) Diese Dinge sind viel zu gering, ja, die ganze Welt mit all ihren Gesetzen und Gerechtigkeiten ist viel zu nichtig, als daß sie in den Ort der Rechtfertigung gezogen werden dürfte.

Paulus schleißt durch diese beiden, die Beschneidung und das Unbeschnittensein, einfach alles aus, was in der ganzen Natur der Dinge liegt, und bestreitet, daß irgend derartiges in Christus Jesus, d.h. in der Sache des Glaubens und des Heiles irgendwelche Kraft habe. Paulus nimmt dabei nach einer gebräuchlichen Redeweise (Synekdoche) den Teil für das Ganze, d.h. versteht unter Unbeschnittensein die Welt der Heiden und unter Beschneidung das ganze Judentum mit all seinen Kräften und all seinem Ruhm. Pauli Worte haben des Sinn: Was auch die Heiden leisten mögen mit aller ihrer Weisheit, Gerechtigkeit, mit ihren Gesetzen, ihrer Macht, ihren Königreichen, Herrschaften, hat in Jesus Christus keine Kraft. Ferner: Was alle Juden mit ihrem ganzen Mose, mit dem Gesetz, mit der Beschneidung, dem Kultus, dem Tempel, dem Königreich, dem Priestertum sind und vermögen, hat überhaupt keine Kraft. Darum ist in Christus Jesus oder in der Sache der Rechtfertigung nicht zu disputieren von den Gesetzen der Heiden oder der Juden, ob das Zeremonialgesetz oder das Moralgesetz rechtfertige, es ist ganz einfach diese Bestreitung geltend zu machen: ‚In Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas.‘ (…)

Die neue Kreatur, durch die das Bild Gottes erneuert wird, kommt nicht zustande durch äußerliche Schminke oder angenommenen Schein irgendwelcher äußerlicher Werke, denn in Christus vermag weder Beschnittensein noch Unbeschnittensein etwas; die neue Kreatur wird nach dem Bilde Gottes in Gerechtigkeit und durch Heiligung in der Wahrheit geschaffen. Werke, die da geschehen, bringen zwar ein neues Aussehen, dadurch die Welt und das Fleisch gefangengenommen werden, aber sie bringen nicht die neue Kreatur zustande. Das Herz bleibt dabei gottlos wie vorher, voll Verachtung Gottes, voll Unglauben etc. Es ist Sache des Hl. Geistes, die neue Kreatur zu schaffen, er muß einen anderen Verstand und Willen einpflanzen und die Vollmacht geben, das Fleisch zu zähmen und die Gerechtigkeit und Weisheit der Welt zu fliehen etc. Da geht es nicht mit äußerer Schminke und nur mit äußerem Aussehen ab, da geht es um die Sache selbst.“

Martin Luther zu Gal 6,15: Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Kreatur.“

Advertisements

PREDIGT: „Was soll dann das Gesetz?“

Ansich würde (hoffentlich) jeder Christ zustimmen, dass wir Menschen allein aufgrund von Gottes Gnade durch Glauben vor Gott gerecht werden. Dass es nicht die Werke, die guten Taten, das vorbildliche Verhalten ist, das vor Gott zählt. Sondern, dass er uns allein durch den Glauben an Jesus Christus erlöst. Das ist das einzigartige am Evangelium! Das ist, was den christlichen Glauben – richtig verstanden – ausmacht! Er, Gott, tut alles – wir tun nichts, nehmen seine Gnade nur noch dankbar im Glauben an.

Und doch regt sich häufig wenn man darüber spricht, eine gewisse Skepsis oder echter Widerstand. Gerade auch im Gespräch mit frommen Leuten ist das so…: Kann das wirklich so sein? Ist das tatsächlich wahr, dass Gott uns allein aus Gnade und Glauben annimmt? Ist das nicht zu einfach, zu billig? Sind nicht gute Taten auch wichtig? Heißt das jetzt, dass wir Gottes Geboten – seinem Gesetz – gar nicht gehorchen brauchen? Dass wir einfach tun und lassen können, was wir wollen? Und wenn meine Errettung einzig und allein daran hängt, was Christus für mich getan hat, warum sollte ich dann überhaupt noch danach streben ein heiliges Leben zu führen?

Kurz gesagt: Sind wir als Christen Gottes Gesetz eigentlich noch in irgendeiner Form verpflichtet? Über dieses spannende und wichtige Thema habe ich am letzten Sonntag gepredigt und wer möchte, darf sich meine Predigt gern anhören: Nur das Evangelium bringt das Gesetz zur rechten Geltung (Gal 3,15-25).

Auch die Predigt von der Woche zuvor ist online und kann nachgehört werden: Nur das Evangelium stets vor Augen halten (Galater 3,1-14) oder wie man auf Abrahams Spuren wandeln kann 😉

„Lauf zu Christus!“

„Es ist unmöglich, Bruder, daß du in diesem Leben so vollkommen wirst, daß dein Leib hell leuchte ohne Makel wie die Sonne, nein, du behältst Runzeln und Fehler und bist dennoch ein Heiliger. Aber du sagst: Wie kann ich da ein Heiliger sein, wenn ich Sünde habe und fühle? Daß du deine Sünde fühlst und erkennst, ist gut, sage Gott Dank und verzweifle nicht. Es ist der eine Schritt zur Gesundheit, wenn der Kranke seine Krankheit erkennt und bekennt. Aber wie werde ich befreit werden von der Sünde? Lauf zu Christus, glaube; wenn du glaubst, bist du gerecht, weil du Gott die Ehre gibst, daß er sei allmächtig, barmherzig, wahrhaftig etc. Du rechtfertigst und lobst Gott, Summa: du gibst ihm die Gottheit und alles. Was in dir an Sünde übrig ist, wird nicht zugerechnet, sondern dir wegen Christus geschenkt, an den du glaubst, der völlig und vollkommen gerecht ist: seine Gerechtigkeit ist dann deine und deine Sünde ist seine.“

Martin Luther zu Galater 3,6: „So hat doch »Abraham Gott geglaubt, und es wurde ihm gerechnet zur Gerechtigkeit« (1. Mose 15,6).

„Weil der Mittler Jesus für uns eintritt, müssen alle Sünden keine Sünde sein.“

„Die Sünde ist wirklich da und die Frommen fühlen sie, aber sie wird von Gott übersehen und ist bei Gott verdeckt, weil der Mittler Jesus Christus für uns eintritt; weil wir ihn im Glauben ergreifen, müssen alle Sünden keine Sünde sein. Wo aber Christus und der Glaube nicht ist, da ist keine Vergebung der Sünden, keine Erbarmung, da ist lauter Zurechnung der Sünde und Verwerfung. So will Gott seinen Sohn verherrlichen und will selbst verherrlicht werden an uns durch den Sohn.

Nachdem wir den Glauben an Christus gelehrt haben, lehren wir auch von den guten Werken. Weil du im Glauben Jesus Christus angenommen hast, durch den du gerecht wirst, so gehe hin und liebe Gott und den Nächsten, rufe ihn an, sage Dank, predige, lobe, bekenne Gott, tue wohl und diene dem Nächsten, tue deine Pflicht. Das sind wahrhaft gute Werke, die aus diesem Glauben und aus der empfangenen Heiterkeit des Herzens fließen, da wir umsonst die Vergebung der Sünden durch Christus haben.“

Martin Luther zu Galater 2,16: „Doch weil wir wissen, daß der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.“