…ob die Menschen nun so denken oder nicht

„Wahrheit ist Wahrheit, und Irrtum ist Irrtum und das Ungesetzliche ungesetzlich, ob die Menschen nun so denken oder nicht. Gott hat einen ewigen Unterschied zwischen Licht und Finsternis gesetzt, zwischen Gut und Böse, was keine menschliche Selbstgefälligkeit ändern kann. Folglich ist kein menschliches Urteil Maßstab aller Dinge, außer es stimmt mit der Wahrheit in den Dingen überein, die Gott so geprägt hat.“

Richard Sibbes, Geborgen in Ihm, Friedberg: 3L, 2007, 110.

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Wie wir von Christus denken sollten

„Ein Vater schaut nicht so sehr auf die Makel seines Kindes als vielmehr auf sein eigenes Wesen, das er in diesem wieder findet. Genauso findet Christus Anlass zur Liebe, weil er in uns etwas von sich selbst wahrnimmt. Er sieht seine eigene Natur in uns. Wir sind zwar krank, doch trotzdem seine Glieder. Wer vernachlässigt schon seine Glieder, nur weil sie krank oder schwach sind? Niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst. Kann das Haupt die Glieder vergessen? Kann Christus sich selbst vergessen? Wir sind seine Fülle, wie er für uns die Fülle ist. Er war die Liebe selbst und mit der menschlichen Natur umkleidet, mit der er isch selbst so eng verband, auf dass er seine Güte umso freier uns gegenüber erweisen kann. Und er nahm unsere Natur nicht an, als es mit ihr zum Besten stand, sondern als sie erniedrigt war, mit all den natürlichen und gewöhnlichen Schwächen, denen sie unterworfen ist.

Lasst uns daher alle misstrauischen Gedanken verabscheuen, sei es, dass sie eingegeben oder genährt wurden durch jenen verdammten Geist, dessen eifersüchtiges Bestreben es war, eine Trennung zwischen dem Vater und dem Sohn zu schaffen, indem er sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist“ (Mt 4,6). So liegt sein tägliches Augenmerk darauf, uns mit dem Sohn zu entzweien, indem er in uns falsche Ansichten über Christus erzeugt, als wenn es in ihm nicht diese zärtliche Zuneigung zu uns, so wie wir sind, geben würde. Von Anfang an war es seine Listigkeit, Gott beim Menschen in Verruf zu bringen, indem er bei Adam, unserem ersten Vater, Gottes Liebe in Frage stellte.“

Richard Sibbes, Geborgen in Ihm, Friedberg: 3L, 2007, 87f.

Entmutigungen überwinden

„Leiden führt zu Entmutigungen, weil wir so ungeduldig sind. „Ach!“, klagen wir, „niemals werde ich solch eine Prüfung durchstehen können!“ Doch wenn Gott uns in die Prüfung hineinführt, ist er auch in der Prüfung bei uns und wird uns letztendlich geläuterter wieder aus ihr hinausbringen. Außer Schlacke werden wir nichts verlieren. Aus unserer eigenen Stärke heraus ertragen wir nicht einmal das kleinste Übel, aber durch den Beistand des Geistes können wir das größte Leid ertragen. Der Geist leiht uns seine Schulter und hilft uns, unsere Schwächen zu ertragen. „Fällt er, so wird er nicht hingestreckt liegen bleiben; denn der Herr stützt seine Hand.“ (Ps 37,24). „Von Hiobs standhaftem Ausharren habt ihr gehört“, sagt Jakobus (Jak 5,11). Wir haben auch von seiner Ungeduld gehört, aber Gott gefiel es, mit Barmherzigkeit darüber hinwegzusehen. Es ergibt sich auch Trost aus der Tatsache, dass in verzweifelten Umständen, wie z.B. ansteckenden Krankheiten und ähnlichem, in denen wir ganz unmittelbar unter der Hand Gottes sind, gerade dann Christus neben unserem Bett einen Thron der Gnade hat und er unsere Tränen zählt und unser Seufzen hört.“

Richard Sibbes, Geborgen in Ihm, Friedberg: 3L, 2007, 78f.

Gott fordert nicht mehr als er gibt

„Wir müssen eingestehen, dass Gott im Gnadenbund die Wahrheit der Gnade fordert und nicht nur ein gewisses Maß. Ein Funke Feuer ist genauso Feuer wie das ganze Element. Daher müssen wir die Gnade genau in dem Funken wie in der Flamme erkennen. Alle haben zwar nicht die gleiche Stärke, aber „den gleichen kostbaren Glauben“ (2Petr 1,1) durch den sie die vollkommene Gerechtigkeit Christi ergreifen und anziehen. Eine schwache Hand kann ein wertvolles Juwel hateln. Ein paar Weintrauben werden zeigen, dass die Pflanze ein Weinstock und kein Dornenstrauch ist. Es ist eine Sache, in der Gnade unzulänglich zu sein; eine andere ist es, ganz und gar der Gnade zu ermangeln. Gott weiß, dass wir nichts von uns selbst haben. Deswegen fordert er auch im Gnadenbund nicht mehr ein als er gibt. Aber er gibt, was er einfordert und nimmt an, was er gibt: „Kann sie aber den Preis eines Schafes nicht aufbringen, so nehme sie zwei Turteltauben“ (3Mose 12,8). Was ist das Evangelium anderes als eine barmherzige Entlastung, in welchem der Gehorsam Christi als der unsrige angesehen wird und unsere Sünden auf ihn gelegt werden, ja, worin Gott von einem Richter zum Vater wird, der uns unsere Sünden vergibt und unseren Gehorsam trotz Schwäce und Befleckung anerkennt!“

Richard Sibbes, Geborgen in Ihm, Friedberg: 3L, 2007, 60.

Über die Kraft der Gnade

„Nichts ist zuerst so gering wie die Gnade und nichts ist so herrlich danach. Dinge höchster Vollendung brauchen für das Wachstum am längsten. (…) Eine „neue Schöpfung“ ist die hervorragendste aller Kreaturen in der ganzen Welt. Daher wächst sie schrittweise. Wir sehen es in der Natur, dass z.B. aus einer kleinen Eichel eine mächtige Eiche heranwächst. Es verhält sich mit dem Christen so, wie es sich auch mit Christus verhielt. Dieser sollte wie „ein Zweig [als er am Geringsten war] hervorgehen aus dem Stumpf Isais“ (Jes 11,1), aus dem Geschlecht Davids, aber er wuchs empor, höher als die Himmel. (…) Lasst uns daher nicht wegen der geringen Anfänge in der Gnade entmutigt sein, sondern lasst uns auf uns selbst schauen als Auserwählte, „damit wir heilig und tadellos vor ihm seien.“ (Eph 1,4). (…) Nichts in der Welt ist von solchem Nutzen wie das letzte Quäntchen Gnade.“

Richard Sibbes, Geborgen in Ihm, Friedberg: 3L, 2007, 41f.

Über Jesu Erbarmen

Er lud jene ein, zu ihm zu kommen, deren Herzen die meisten Einwände gegen sich selbst vorbringen: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken!“ (Mt 11,28). Wie war sein Herz voll Sehnen, als er die Volksmenge sah, „wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36). Er kehrte niemals jemandem den Rücken zu, der ihm kam, obgleich einige sich wieder von selbst abwandten. Er kam, um als Priester für seine Feinde zu sterben. (…) Er vergoss Tränen für solche, die sein Blut vergossen. Und nun wirkt er im Himmel als Mittler für schwache Christen, stehend zwischen ihnen und Gottes Zorn. Er ist ein sanftmütiger König. Er lässt Trauernde in seiner Gegenwart zu; ein König der armen und angefochtenen Menschen. Genauso wie er eine majestätische Ausstrahlung besitzt, ist er auch im Besitz eines Herzens, das voller Mitleid und Erbarmen ist. Er ist ein Friedefürst. Warum wurde er versucht, wenn nicht deshalb, damit „er denen helfen [kann], die versucht werden“ (Hebr 2,18). Was für ein Erbarmen können wir von solch einem gnädigen Mittler erwarten, der unsere Natur annahm, um gnädig zu sein! Er ist ein Arzt, gut für alle Krankheiten, besonders im Zusammenbinden eines gebrochenen Herzens. Er starb, damit er unsere Seelen heile mit einem Pflaster seines eigenen Blutes und und durch diesen Tod errette.

Richard Sibbes, Geborgen in Ihm, Friedberg: 3L, 2007, 34.