In Christus Jesus eine neue Kreatur

„In Christus Jesus, sagt Paulus, gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein, weder Zölibat noch Ehe, weder Speise noch Fasten etwas etc. (…) Diese Dinge sind viel zu gering, ja, die ganze Welt mit all ihren Gesetzen und Gerechtigkeiten ist viel zu nichtig, als daß sie in den Ort der Rechtfertigung gezogen werden dürfte.

Paulus schleißt durch diese beiden, die Beschneidung und das Unbeschnittensein, einfach alles aus, was in der ganzen Natur der Dinge liegt, und bestreitet, daß irgend derartiges in Christus Jesus, d.h. in der Sache des Glaubens und des Heiles irgendwelche Kraft habe. Paulus nimmt dabei nach einer gebräuchlichen Redeweise (Synekdoche) den Teil für das Ganze, d.h. versteht unter Unbeschnittensein die Welt der Heiden und unter Beschneidung das ganze Judentum mit all seinen Kräften und all seinem Ruhm. Pauli Worte haben des Sinn: Was auch die Heiden leisten mögen mit aller ihrer Weisheit, Gerechtigkeit, mit ihren Gesetzen, ihrer Macht, ihren Königreichen, Herrschaften, hat in Jesus Christus keine Kraft. Ferner: Was alle Juden mit ihrem ganzen Mose, mit dem Gesetz, mit der Beschneidung, dem Kultus, dem Tempel, dem Königreich, dem Priestertum sind und vermögen, hat überhaupt keine Kraft. Darum ist in Christus Jesus oder in der Sache der Rechtfertigung nicht zu disputieren von den Gesetzen der Heiden oder der Juden, ob das Zeremonialgesetz oder das Moralgesetz rechtfertige, es ist ganz einfach diese Bestreitung geltend zu machen: ‚In Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas.‘ (…)

Die neue Kreatur, durch die das Bild Gottes erneuert wird, kommt nicht zustande durch äußerliche Schminke oder angenommenen Schein irgendwelcher äußerlicher Werke, denn in Christus vermag weder Beschnittensein noch Unbeschnittensein etwas; die neue Kreatur wird nach dem Bilde Gottes in Gerechtigkeit und durch Heiligung in der Wahrheit geschaffen. Werke, die da geschehen, bringen zwar ein neues Aussehen, dadurch die Welt und das Fleisch gefangengenommen werden, aber sie bringen nicht die neue Kreatur zustande. Das Herz bleibt dabei gottlos wie vorher, voll Verachtung Gottes, voll Unglauben etc. Es ist Sache des Hl. Geistes, die neue Kreatur zu schaffen, er muß einen anderen Verstand und Willen einpflanzen und die Vollmacht geben, das Fleisch zu zähmen und die Gerechtigkeit und Weisheit der Welt zu fliehen etc. Da geht es nicht mit äußerer Schminke und nur mit äußerem Aussehen ab, da geht es um die Sache selbst.“

Martin Luther zu Gal 6,15: Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Kreatur.“

Der Kampf, der in uns tobt

In Galater 5,13 heißt es: „Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt.“  Paulus sagt hier also: Missbraucht eure christliche Freiheit nicht. Seht sie nicht als Freifahrtsschein für sündiges Leben nach dem Motto „Ich mache, was ich will!“ „Gebt dem Fleisch – also eurer egoistischen menschlichen Natur, die sich gegen Gott aufgelehnt hat – keinen Raum!“ Mancher mag nun denken: „Gute Idee, Paulus, aber wie?Das ist doch leicht gesagt, aber so schwer gemacht. Denn wie schnell ist man doch wieder in drin, in Verhaltensweisen die man nicht will, wie schnell sagt man Dinge, die man hinterher bereut – das ist doch alles nicht so einfach… Also lieber Paulus, wie soll das gehen?“

Darauf antwortet Paulus in V. 16: „Lebt im Geist! Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen!“ Der Heilige Geist in euch: Er ist die Lösung, er wird euch helfen!

Aber es gibt da noch etwas, was wir bedenken müssen – und das erklärt Paulus uns in V. 17: „Das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, so dass ihr nicht tut, was ihr wollt.“  Paulus sagt also: im Christen sind zwei Naturen, die im Kampf miteinander liegen. Da ist auf der einen Seite die alte menschliche Natur, die sich gegen Gott aufgelehnt hat, die egoistisch ihren eigenen Vorteil sucht, die letztendlich um sich selbst kreist. Und da ist auf der anderen Seite der Hl. Geist. Beide kämpfen gegeneinander: der Geist gegen das Fleisch und das Fleisch gegen den Geist. Es ist ein großer Kampf, der in uns tobt – es ist Krieg, der in uns tobt!

Und die Folge davon ist: „so dass ihr nicht tut, was ihr wollt.“ (V. 17b) Oder wie die NGÜ das übersetzt: Die beiden liegen im Streit miteinander, und jede Seite will verhindern, dass ihr das tut, wozu die andere Seite euch drängt. Mit anderen Worten: hier gibt es gar keine Autonomie und Selbstbestimmung zu entscheiden, was wir tun wollen – der Einfluss dieser gegensätzlichen Kräfte ist viel zu groß. Es ist immer einfaches Entweder-Oder: Entweder folgen wir dem Fleisch. Oder wir folgen dem Geist. Dazwischen, neutralen Boden sozusagen, gibt es nicht! Wir sind immer Getriebene, wir stehen immer unter dem Einfluss einer dieser beiden Kräfte – unter Einfluss des Fleisches oder unter Einfluss des Geistes.

Wie uns der Geist hilft diesen Kampf zu gewinnen und gute Frucht hervorzubringen, dazu mehr hier in meiner letzten Predigt von Sonntag, dem 26.03.17.

Von David beten lernen

EIN PSALM DAVIDS, VORZUSINGEN, BEIM SAITENSPIEL.  2 Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit, der du mich tröstest in Angst; sei mir gnädig und erhöre mein Gebet!  3 Ihr Herren, wie lange soll meine Ehre geschändet werden? Wie habt ihr das Eitle so lieb und die Lüge so gern! SELA.  4 Erkennet doch, daß der HERR seine Heiligen wunderbar führt; der HERR hört, wenn ich ihn anrufe.  5 Zürnet ihr, so sündiget nicht; redet in eurem Herzen auf eurem Lager und seid stille. SELA.  6 Opfert, was recht ist, und hoffet auf den HERRN.  7 Viele sagen: »Wer wird uns Gutes sehen lassen?« HERR, laß leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!  8 Du erfreust mein Herz, ob jene auch viel Wein und Korn haben.  9 Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, daß ich sicher wohne. (Psalm 4)

Ein paar Gedanken zu diesem kurzen Psalm Davids:

  1. David betete voller Ernst und Erwartung

Erhöre mich, wenn ich rufe“, sagt David hier in V. 2.Wir spüren aus diesen Worten echten Ernst und eine aufrichtige Erwartungshaltung beim Gebet heraus. David rechnet in der Tat damit, dass Gott ihn erhört, wenn er zu ihm ruft.Er betet voller Ernst und Erwartung.

Man denkt vielleicht: „Das ist ja nichts Besonderes, das macht Gebet doch aus, dass man zu Gott spricht, damit er uns hört und unser Gebet auch erhört.“ Ja natürlich, das ist der Sinn von Gebet und das wissen wir an sich. Und dennoch kann ich, wenn ich mal nur von mir spreche, hier wieder neu von David lernen mit echtem Ernst und echter Erwartung zu beten. Denn wie leicht rutscht man rein in ein Beten aus reiner Gewohnheit.Man tut es halt, weil man es als Christ so tut. Man tut es vielleicht auch, weils einem selbst gut tut – Dinge vor Gott auszusprechen, loszuwerden und einfach mal gesagt zu haben. Aber erwarten, dass Gott wirklich uns erhört, dass er also in irgendeiner Form reagiert, etwas tut, eingreift oder verändert – damit rechnet man vielleicht gar nicht mehr.

Auf der anderen Seite ist das vielleicht auch der Grund, warum es bei uns so mangelt an Gebet – warum unser Leben so gebetsarm ist. Als Christ, der der Bibel glaubt, weiß ich natürlich, dass Gott gebeten werden möchte und Beten wichtig ist usw. – klar, viele von uns haben das schon ganz früh gelernt. Aber dass Gott mich wirklich erhört, wenn ich zu ihm rufe, dass er also in irgendeiner Form reagiert, etwas tut, eingreift oder verändert – damit rechne ich vielleicht gar nicht, diese Erwartung hab ich vielleicht gar nicht mehr. Warum also dann noch beten? Wozu? Wenn ich doch eh – vielleicht nicht denke, aber manchmal fühle – das nichts passiert?

David betet hier voller Ernst und Erwartung „Erhöre mich, wenn ich rufe!“ Er ist sich im Klaren: wenn er betet, steht er vor Gott.Beim Gebet tritt er in die Gegenwart des Allmächtigen, des Schöpfers von Himmel und Erde, der die ganze Welt geschaffen hat und alles in seiner Hand hält und kennt – von Mount Everest dem höchsten Berg der Welt bis zur kleinen Pfütze in unserem Garten, vom Blauwal dem größten Säugetier der Welt bis hin zum kleinsten Insekt. Vor diesen Gott, der alles hört, der alles sieht, alles überblickt, alles lenkt und an jedem Ort der Welt gegenwärtig ist und dessen Macht unbeschränkt ist, vor diesen Gott tritt David im Gebet.

Und vor diesen Gott treten auch wir, wenn wir als Jünger Jesu zu unserem Vater im Himmel beten. Wir treten vor genau diesen Gott: Der unbeschreiblich groß ist, der allmächtig ist, der uns liebt und uns als der gute Vater, der uns liebt, gerne gibt – Jesus hat das immer wieder in seinen Predigten und Gleichnissen uns beschrieben. Vor diesen Gott treten wir im Gebet – und kein Gebet geht bei ihm verloren oder irgendwie unter – die Offenbarung beschreibt uns, dass jedes Gebet eines jeden Christen, sorgsam bei Gott aufbewahrt wird.Er nimmt es ernst und es ist ihm ganz wichtig, wenn wir zu ihm beten. Vor diesen Gott trittst du, wenn du im Namen Jesu betest.

Ist uns das immer klar? Wahrscheinlich nicht. Ich möchte für mein Gebetsleben von David lernen, mit vollem Ernst und großer Erwartung zu betet. „Erhöre mich, wenn ich rufe“ – Unser Gott ist in der Lage und willens unsere Gebete zu hören und zu handeln.

  1. David betete gut begründet

Er betet: „Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit.“ „Gott meiner Gerechtigkeit“ – das ist die Begründung, die David Gott nennt, warum er ihn erhören soll. David sagt damit aus, dass Gott Inhaber und Urheber aller Gerechtigkeit ist – Gott ist gerecht und Gott handelt gerecht und Gott macht gerecht. Wie wir, so hat es auch David schon erlebt, dass Gott uns durch seine Gnade für gerecht erklärt hat. Und David sagt aus, dass er von Gott her Gerechtigkeit auch für sich und seine Situation erwartet. Denn seine Situation ist ein bisschen schwierig, wir haben das beim ersten Lesen des Psalms schon vernommen. David wird offenbar verfolgt – viele Ausleger meinen, dass der Psalm entstanden ist, als Davids Sohn Absalom mit seinen Gefolgsleuten seinen eigenen Vater verfolgte, und ihm das Königtum streitig gemacht hat. David musste vor seinem eigenen Sohn fliehen, weil er David als dem legitimen und von Gott erwählten König das Amt wegnehmen wollte.Und in dieser Situation der ungerechten Verfolgung unter der David zu leiden hatte, betete er hier um Hilfe. Und die Begründung die er nennt, ist Gottes Gerechtigkeit: „Gott, du bist doch gerecht, du schaffst Gerechtigkeit, greif ein, bewahre mich vor dieser ungerechtfertigten Verfolgung!“„Ich erwarte von dir Gott, dass du es so lenkst, dass mir Gerechtigkeit widerfährt, denn du bist doch ein gerechter Gott!“ David betet hier also gut begründet.

Und das ist ein Prinzip, dass sich durch die ganze Bibel zieht. Immer wieder wenn Menschen zu Gott beten, nennen sie Gründe, warum Gott antworten und ihr Gebet erhören sollte. Sie berufen sich auf den Charakter Gottes, so wie David hier – „Gott du bist doch ein gerechter Gott“ oder „Du bist doch ein barmherziger und gnädiger Gott, darum…“ Oder sie berufen sich auf Gottes Treue in der Vergangenheit: „Herr, du hast schon so oft in Not geholfen, darum bitte greif doch auch in dieser Notlage wieder ein…!“ Oder sie begründen ihr Gebet mit ihrer Position vor Gott: „Gott, ich bin dein Kind, du hast für mich deinen Sohn geopfert, darum bitte greif jetzt ein…“

Gut begründet beten – das ist sicherlich nicht darum wichtig, um Gott irgendwie zu überzeugen oder zu überreden. Nein, ich denke, dass es eine gute Gewohnheit ist, um auch herauszufinden, ob mein Gebet, ob meine Bitte mit dem Willen Gottes übereinstimmt, ob es im Sinne Jesus ist – oder ob es vielleicht eher sehr egoistisch ist. Ein gutes Beispiel ist die Situation in 2Mose 32, als Mose auf dem Berg Sinai ist und dort die Gesetzestafeln von Gott empfängt und währenddessen das Volk Israel sich das Goldene Kalb gießt und dieses Kalb nun als Gott verehrt. Mose kehrt dann zurück und sieht das und Gott sagt zu Mose, dass der das Volk Israel als Strafe jetzt vernichten will und stattdessen Mose und seine Nachkommen zu einem großen Volk machen will. Und was tut Mose? Er hält Fürbitte für sein Volk und bittet Gott um Barmherzigkeit und Gnade. Und er begründet das auch. Er sagt nicht: „Gott, das kannst du doch jetzt nicht tun – dann wäre meine ganze Arbeit dieses Volk bis hierhin zu führen doch völlig umsonst gewesen.“ Er sagt auch nicht: „Gott, das kannst du mir doch nicht antun – dann verlier ich ja auch meinen Bruder Aaron, an dem ich so hänge…“ Mose begründet es anders – er sagt: „Gott, sei diesem Volk gnädig, damit dein Name groß gemacht und du verherrlicht wirst, damit alle Welt erkennt, dass du ein mächtiger Gott bist, der sein Volk befreit und in das gelobte Land führt.“

Gut begründet zu beten, bewahrt uns vor selbstsüchtigen und egoistischen Gebeten. Es hilft uns, im Gebet die Ehre Gottes und das Wohl anderer im Blick zu behalten. Ich will von David lernen, meine Gebete gut begründet vor meinen Vater im Himmel zu bringen.

  1. David betete in der Erinnerung an Gottes Taten

Wir sehen das hier in V. 2 wo es heißt: „Gott meiner Gerechtigkeit, der du mich tröstest in Angst“, etwas genauer übersetzt müsste es allerdings noch heißen „der du mich getröstet hast in Angst.“ David blickte schon auf viele Jahre mit Gott zurück, auf zahlreiche Erfahrungen mit ihm. David hatte es schon erlebt, dass Gott in sein Leben eingegriffen hat, ihm Trost geschenkt hat. Gerade in seinen ersten Jahren als König, war Davids Herrschaft alles andere als gesichert – er war ein König, der permanent sein Amt verteidigen musste, er war in unzähligen Kriegen persönlich im Einsatz gewesen, hatte viele Gefahrensituationen erlebt. Im Rückblick auf solche Situationen kann er sagen: Gott du hast mich getröstet in meiner Angst, du warst so oft für mich da, wenn ich dich gebraucht habe.

Wenn wir schon länger als Christen mit Jesus leben, können wir – da bin ich ganz sicher – auch auf viele Erfahrungen mit Gott zurückblicken. Wo er uns bewahrt hat vor echten Gefahren, wo er eine aussichtslose Situation noch gewendet hat, wo aus einer ganz schlechten Erfahrung doch noch was Gutes gewachsen ist. Wir haben es erlebt, dass wir zu Gott gebetet haben, und er diese Gebete erhört hat. Er ist dagewesen.

Von David will ich lernen in der Erinnerung an Gottes Taten zu beten. Das heißt, im Gebet zunächst einmal Gott zu danken, für das was er mir schon Großartiges geschenkt hat. Vielleicht kurz innezuhalten und zu überlegen, wofür kann ich dankbar sein? Die Gedanken schweifen zu lassen: Wo hat Gott mich gesegnet? Wo hat er geholfen? Wo hat er mir seine Güte erwiesen? Das will ich mehr und mehr lernen – damit ich sehe, wie reich mich Gott beschenkt, damit mein Glaube wächst, und damit ich dann auch mit größerer Zuversicht und mehr Glauben, Gott meine Bitten bringen kann.

  1. David erlebt Gottes Antwort auf sein Gebet

Hierzu müssen wir uns die V. 3-4 genauer anschauen. In V. 3 heißt es:  „Ihr Herren, wie lange soll meine Ehre geschändet werden? Wie habt ihr das Eitle so lieb und die Lüge so gern!“ David wendet sich hier vermutlich an die Leute um Absalom – jedenfalls an Menschen, die die Ehre Davids, des legitimen, rechtmäßigen und von Gott erwählten Königs von Israel in den Staub ziehen wollten, ihm das Amt streitig machen wollten. Das ist die eine Seite, das sind die Gegner Davids. Und dann heißt es in V. 4 folgendermaßen: Erkennet doch, daß der HERR seine Heiligen wunderbar führt; der HERR hört, wenn ich ihn anrufe.“ David sagt – mal mit meinen Worten gesagt: „Ich gehöre zu Gott, ich bin ein von ihm erwähltes Kind Gottes – und weil das so ist, rufe ich Gott nicht vergebens an, sondern mein Gebet findet bei ihm Gehör!“ Das ist die Position von David vor Gott und das ist Position von jedem Kind Gottes vor Gott. Hier wird also ein Gegensatz aufgebaut, zwischen David der Gott auf seiner Seite hat, einen Gott der ihn erhört und zwischen seinen Gegnern, den Gottlosen, bei denen das nicht so ist. David sagt quasi, dass wir wenn wir zu Gott gehören, ein Privileg haben: als Kinder Gottes dürfen wir uns sicher sein, dass Gott unser Gebet beantworten. Wir wissen das: nicht immer so wie wir wollen, und auch nicht immer so schnell, aber unsere Gebete finden definitiv vor dem Vater im Himmel immer Gehör.

Und das ist ein großes Vorrecht, was wir als Kinder Gottes haben: Einen Vater, der uns hört, der uns erhört. Wir dürfen Gebet darum nicht trivialisieren. Es gibt so Redewendungen wie z.B. „Da hilft nur noch beten“ – und man meint damit eigentlich „Da hilft gar nichts mehr.“ Nein, Gebet sollten wir nicht trivialisieren und unterschätzen. Für uns als Kinder Gottes ist es eine heilige, intime Sache – ein großes Vorrecht, dass unser Vater im Himmel unser Gebet hört und wir erleben dürfen, dass er antwortet.

Das ist übrigens auch ein guter Grund, diese persönliche Beziehung zu Jesus Christus zu suchen. Denn „seine Heiligen“, also die die zu ihm gehören, führt der Herr wunderbar – für sie gilt dieses Vorrecht. Darum ist es wichtig, zu Jesus und damit zu Gott unserem Vater zu gehören. D.h. zu erkennen, dass ich als Mensch ein Geschöpf Gottes und ihm verantwortlich bin.Dass ich aber von Natur aus mehr oder weniger offensichtlich in Rebellion gegen Gott lebe, selbstbestimmend mein Leben führen möchte, Gott nicht Gott sein lasse. Und dass ich Vergebung für diese Schuld brauche, dass ich einen Mittler zwischen mir und Gott brauche. Dass ich Jesus Christus brauche, der dieser Mittler ist – der als wahrer Mensch und wahrer Gott völlig sündlos war und zur Vergebung meiner Schuld am Kreuz gestorben ist. Er will mir dadurch neues Leben geben und wenn ich als Mensch zu ihm umkehre, meine Schuld bekenne, dann kann ich ein neues Leben mit Jesus und mit Gott beginnen. Dann gehöre ich zu Gott, dann bin ich ein „Heiliger Gottes“ – ein Heiliger Gottes, der wunderbar geführt vom Herrn wird und auf dessen Gebet Gott antwortet. Darum: wenn du noch nicht so ein „Heiliger Gottes“ bist – du kannst es werden, indem du zu Jesus umkehrst und mit ihm ein Leben beginnst!

Und dann ist V. 4 eine große Verheißung – und übrigens auch ein guter Anfang für jedes Gebet, wie ich finde: Erkennet doch, daß der HERR seine Heiligen wunderbar führt; der HERR hört, wenn ich ihn anrufe. Und auch das möchte ich hier lernen, nämlich zu vertrauen, dass Gottes Antwort auf mein Gebet kommen wird, weil ich sein Heiliger bin.

Warum das Evangelium eine gute Nachricht auch für Gläubige ist

Evangelium 21 hat vor einigen Tagen einen kurzen, guten Artikel von Jared Compton in deutscher Sprache veröffentlicht. Er erläutert darin, warum das Evangelium eine gute Nachricht auch für schon langjährige Gläubige ist und was das für die Nachfolge Jesu bedeutet:

„Wir dürfen nicht die große Lüge des Teufels glauben, der zufolge der christliche Glaube mit seinem Wachstum in der Tugend voller Entmutigung, zu schwer oder unmöglich und nicht für den gewöhnlichen Christen gedacht ist. Eines unserer größten Probleme als Christen ist, dass wir nicht das wahre Evangelium glauben, sondern in der Tendenz eine kleinere, domestizierte Fälschung davon. Welchen Unterschied macht dieses wahre Evangelium heute also? Lassen Sie mich zwei Beispiele anführen. Nehmen wir einmal an, Sie haben mit Zorn zu kämpfen. Es gibt heute eine gute Nachricht für Sie. Das Evangelium sagt Ihnen, dass Sie trotz dem, was ihr Fleisch – dieser noch nicht ganz erlöste Teil von Ihnen – oder was der Teufel auch schreit, die Mittel haben, jede Versuchung, die Beherrschung zu verlieren, aushalten können. Und jede Befriedigung, die Satan durch einen Wutanfall oder einen wohl platzierten Faustschlag verspricht, ist ein ziemlich leerer Eimer Befriedigung verglichen mit dem Freudenmeer, das aus gerechtem, den Schöpfer ehrendem Verhalten und nicht zuletzt aus dem Lächeln Ihres barmherzigen Gottes und Ihrem Bruder und Heiland Jesus Christus resultiert. Und das Evangelium tut noch mehr mit der Lüge des Teufels. Es erinnert Sie, wie hoch der Preis war, den Jesus bezahlt hat, um Ihnen die Macht zu geben, nicht auszurasten. Zweitens: Nehmen wir an, Sie haben mit Fleischeslust zu kämpfen. Es gibt heute eine gute Nachricht für Sie. Das Evangelium sagt Ihnen, dass Sie trotz dem, was Ihr teufelbewohntes Fleisch sagt, dem Papiertiger Lust keinen Zentimeter entgegenkommen müssen, wenn er gegen Sie stichelt und Sie angreift. Oder, um eine andere Metapher zu nehmen: Das Evangelium entblößt die Versucherin und hinterlässt eine verschrumpelte, warzige, zynische, verbitterte alte Hexe an ihrer Stelle zurück. Das Evangelium stürzt den Götzen der Fleischeslust, indem es Sie daran erinnert, dass dieser Weg zur Freude eine Sackgasse der Enttäuschung ist. Nichts wirklich Freudvolles wird dort gefunden – sondern nur ein grausamer Sklavenhalter, der sein Eigentum um jeden Preis zurück will. Und das Evangelium erinnert Sie, dass Jesus gestorben ist, damit Sie nicht mehr von der Fleischeslust genarrt werden müssen. Es hat Jesus sein Leben gekostet, das möglich zu machen.“

Hier geht es zum ganzen Artikel.

PREDIGT: „Was ist Freiheit?“

Was ist eigentlich Freiheit?

Viele von uns denken, Freiheit ist dann, wenn wir machen können, was wir wollen. Freiheit empfindet z.B. der Abiturient, der zwischen Schulabschluss und Studium 4-5 Monate frei hat, keine Verpflichtungen hat, den ganzen Tag das tun kann, was ihm gerade in den Sinn kommt.Wir denken, Freiheit hat der Millionär, der keinen Gedanken daran verschwenden muss, ob er sich dies oder jenes noch leisten kann oder nicht.Wir denken, Freiheit hat derjenige der so voller Selbstbewusstsein ist, dass ihm egal ist, was seine Mitmenschen über ihn denken und er darum frei heraus sagen kann und tun kann, was er will. Wir verstehen unter Freiheit immer eine Freiheit von gewissen Dingen: Die Freiheit von der Arbeit, die Freiheit von finanziellen Zwängen, die Freiheit von anderen Menschen. Aber diese Freiheit von gewissen Dingen ist gar keine Freiheit. Sie ist keine Freiheit, weil es soetwas wie einen vollständig freien und autonomen menschlichen Willen gar nicht gibt.Wir meinen das, aber das gibt’s gar nicht. Und weil es diesen vollkommen freien und autonomen menschlichen Willen gar nicht gibt, führt diese „Freiheit von gewissen Dingen“, schneller als man glaubt in eine neue Form der Unfreiheit: Derjenige der es genießt, seine Zeit komplett für sich selbst zur Verfügung zu haben, wird vielleicht schon bald von seiner Lieblingsbeschäftigung geknechtet sein.Er kann dann gar nicht mehr anders, als sich jeden Tag mehrere Stunden dieser einen Sache zu widmen. Wer seine finanzielle „Freiheit“ genießt, wird schnell abhängig von seinen Finanzen – ohne oder mit weniger ist er nicht mehr glücklich usw. Diese „Freiheit von etwas“ ist keine Freiheit. Sie ist eine Illusion von Freiheit und führt uns nur in eine neue Knechtschaft.

Christliche Freiheit ist darum nicht einfach Autonomie, nicht einfach machen was man will. Nein, wenn man das so versteht missbraucht man die Freiheit und verliert letztendlich auch die Freiheit. Denn Christus befreit uns nicht nur „von etwas“, sondern immer auch „zu etwas“. Und was das ist lesen wir in Gal 5,13: „Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; – und jetzt kommts – sondern durch die Liebe diene einer dem anderen.“ Dazu hat Christus uns also befreit: dass wir einander durch die Liebe dienen können. Freiheit als vollkommene Autonomie gibt es nicht – das ist eine Illusion. Die Freiheit zu der Christus uns befreit, ist die Freiheit das zu sein, das zu werden, wozu Gott uns ursprünglich geschaffen hat. Nämlich in selbstaufopfernder Liebe einander und ihm zu dienen.

Mehr dazu in meiner Predigt vom Sonntag „Nur das Evangelium macht uns wirklich frei“ zu Galater 5,1-15

Frei zum Dienen

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

Martin Luther, Von der Freiheit eines Christenmenschen

„Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, daß ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern.“

Der Apostel Paulus, Galater 5,13

Der Römerbrief wurde für DICH geschrieben!

Ich hab mich in den letzten Tagen ein wenig mit dem Römerbrief beschäftigt. Dabei stieß ich auf diese interessanten Zeilen von Walter Lüthi, einem schweizer Pfarrer, der in den 30er bis 60er Jahren in Basel und Bern wirkte:

„Der Römerbrief steht im Gerücht, für die Gemeinde besonders schwer zugänglich zu sein und sich aus diesem Grunde nicht besonders für den Predigtgottesdienst zu eignen. Dieser üblen Nachrede stehen zwei Tatsachen entgegen: Wie aus dem letzten Briefkapitel hervorgeht, dachte Paulus nicht entfernt daran, hier eine Vorlesung für Akademiker zu schreiben. Die allerersten Leser dieses Briefes sind Leute, die in ihrer überwiegenden Mehrheit aus dem Volke stammten, darunter auffällig viele Frauen, Freigelassene und Sklaven. So hat es gleich von Anfang an unter den Lesern des Römerbriefs „nicht viel Weise nach dem Fleisch“ gegeben. Die seltsame Theorie, daß eine Predigt so niveau-arm, so billig und so angepaßt wie möglich sein müsse, stimmt eben hinten und vorn nicht, auch nicht im Blick auf die heutige Christengemeinde. (…) Übrigens auch das Theater, wenigstens da, wo es nicht nur die undiskutierbaren klassischen Platten abspielt, sondern sich ernsthaft aufs Glatteis der Zeitprobleme hinausbegibt, verlangt vom Besucher ein Stück nachdenkender Mitarbeit. Es ist nicht einzusehen, warum das ausgerechnet in der Kirche nicht so sein soll. In christlichen Gottesdiensten treffen wir zur Zeit des Paulus wie heute zwar nicht immer gelehrte, aber doch nachdenkliche Menschen. (…)

Die eigentlichte Schwierigkeit des Verständnisses liegt aber beim Brief an die Römer nicht in der Form, sondern in der Sache. Die Sache des Römerbriefes selber, die Gnade ist es, die sowohl bei „Juden wie Griechen“ nicht ohne weiteres Anklang und Eingang findet. Anders lägen die Dinge bei der Gesetzes- oder gar Moral-Predigt.“

(Walter Lüthi, Der Römerbrief, aus dem Vorwort.)

Also nur Mut, sich mit dem angeblich so schweren Römerbrief zu beschäftigen! Sehr schön, wie Lüthi das schreibt, dass er eigentlich nicht ein Brief an die Theologen ist, sondern an die ganze Gemeinde, an alle, die an Jesus glauben. Der Römerbrief wurde für dich geschrieben!

Trotzdem kann eine Einführung in diesen langen und wichtigen Brief, die einem einen guten Überblick gibt, nur hilfreich sein. In diesem Zusammenhang passt es sehr gut, dass das Bibelprojekt genau in diesen Tagen auch das zweite Video zum Römerbrief fertiggestellt hat. In beiden etwa 8-minütigen Videos werden Aufbau und die großen Themen des Briefes gut und unterhaltsam erklärt. Sehr zu empfehlen…..!

„Wir sehen die gewaltigsten Früchte des Evangeliums…“

„Wir aber, die wir glauben, sehen die gewaltigsten und unzählige Vorteile und Früchte des Evangeliums, wiewohl wir äußerlich zeitweise durch unzählige Übel niedergedrückt werden, Verachtung leiden, ausgeraubt, verlästert und verdammt werden und der Unrat aller sind, in den Tod gegeben und inwendig durch Gewissensangst über der Sünde geängstigt und durch die Dämonen gequält werden. Aber in Christus leben wir, in ihm und durch ihn sind wir Könige und Herren über Sünde, Tod, Fleisch, Welt, Hölle und alle Übel, durch ihn treten wir schließlich mit Füßen jeden Drachen und Basilisken, der der König der Sünde und des Todes ist. Und wie? Im Glauben, denn unser Gut ist noch nicht geoffenbart, wir erwarten es in der Zwischenzeit mit Geduld und dennoch halten wir es im glauben schon fest in den Händen.“

Martin Luther zu Galater 4,29: „Aber wie zu jener Zeit der, der nach dem Fleisch gezeugt war, den verfolgte, der nach dem Geist gezeugt war, so geht es auch jetzt.“

„Wir stützen uns auf das, was außerhalb unser ist…“

„Unser Fundament ist dies: das Evangelium befiehlt uns, nicht unsere Wohltaten und unsere Vollkommenheit anzusehen, sondern den Gott der Verheißung, Jesus Christus, den Mittler. Dagegen befiehlt der Papst, nicht auf den Gott der Verheißung, auf Christus, den Hohepriester, zu schauen, sondern auf unsere Werke und Verdienste. Daraus kommt dann notwendig der Zweifel und die Verzweiflung. Bei unserer Evangeliumsauffassung kommt Gewißheit und Freude des Hl. Geistes, weil ich an Gott hänge, der nicht lügen kann; er sagt nämlich: Sieh, ich geb meinen Sohn in den Tod, daß er dich mit seinem Blut erlöse von den Sünden und vom Tod. Da kann ich nicht zweifeln, wenn ich Gott nicht völlig verleugnen will. Und das ist der Grund, warum unsere Theologie Gewißheit hat: Sie reißt uns von uns selbst weg und stellt uns außerhalb unser, so daß wir uns nicht auf unsere Kräfte, Gewissen, Sinn, Person, auf unsere Werke stützen, sondern auf das, was außerhalb unser ist, nämlich auf die Verheißung und Wahrheit Gottes, der nicht täuschen kann.“

Martin Luther zu Galater 4,6: „Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!“

PREDIGT: „Was soll dann das Gesetz?“

Ansich würde (hoffentlich) jeder Christ zustimmen, dass wir Menschen allein aufgrund von Gottes Gnade durch Glauben vor Gott gerecht werden. Dass es nicht die Werke, die guten Taten, das vorbildliche Verhalten ist, das vor Gott zählt. Sondern, dass er uns allein durch den Glauben an Jesus Christus erlöst. Das ist das einzigartige am Evangelium! Das ist, was den christlichen Glauben – richtig verstanden – ausmacht! Er, Gott, tut alles – wir tun nichts, nehmen seine Gnade nur noch dankbar im Glauben an.

Und doch regt sich häufig wenn man darüber spricht, eine gewisse Skepsis oder echter Widerstand. Gerade auch im Gespräch mit frommen Leuten ist das so…: Kann das wirklich so sein? Ist das tatsächlich wahr, dass Gott uns allein aus Gnade und Glauben annimmt? Ist das nicht zu einfach, zu billig? Sind nicht gute Taten auch wichtig? Heißt das jetzt, dass wir Gottes Geboten – seinem Gesetz – gar nicht gehorchen brauchen? Dass wir einfach tun und lassen können, was wir wollen? Und wenn meine Errettung einzig und allein daran hängt, was Christus für mich getan hat, warum sollte ich dann überhaupt noch danach streben ein heiliges Leben zu führen?

Kurz gesagt: Sind wir als Christen Gottes Gesetz eigentlich noch in irgendeiner Form verpflichtet? Über dieses spannende und wichtige Thema habe ich am letzten Sonntag gepredigt und wer möchte, darf sich meine Predigt gern anhören: Nur das Evangelium bringt das Gesetz zur rechten Geltung (Gal 3,15-25).

Auch die Predigt von der Woche zuvor ist online und kann nachgehört werden: Nur das Evangelium stets vor Augen halten (Galater 3,1-14) oder wie man auf Abrahams Spuren wandeln kann 😉