Dankbarkeit lernen

Und David sprach: Ist noch jemand übriggeblieben von dem Hause Sauls, damit ich Barmherzigkeit an ihm tue um Jonatans willen?  2 Es war aber ein Knecht vom Hause Sauls, der hieß Ziba; den riefen sie zu David. Und der König sprach zu ihm: Bist du Ziba? Er sprach: Ja, dein Knecht ist es.  3 Der König sprach: Ist da noch jemand vom Hause Sauls, damit ich Gottes Barmherzigkeit an ihm tue? Ziba sprach zum König: Es ist noch ein Sohn Jonatans da, lahm an den Füßen.  4 Der König sprach zu ihm: Wo ist er? Ziba sprach zum König: Siehe, er ist in Lo-Dabar im Hause Machirs, des Sohnes Ammïls.  5 Da sandte der König David hin und ließ ihn holen von Lo-Dabar aus dem Hause Machirs, des Sohnes Ammïls.  6 Als nun Mefi-Boschet, der Sohn Jonatans, des Sohnes Sauls, zu David kam, fiel er auf sein Angesicht und huldigte ihm. David aber sprach: Mefi-Boschet! Er sprach: Hier bin ich, dein Knecht.  7 David sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, denn ich will Barmherzigkeit an dir tun um deines Vaters Jonatan willen und will dir den ganzen Besitz deines Vaters Saul zurückgeben; du aber sollst täglich an meinem Tisch essen.  8 Er aber fiel nieder und sprach: Wer bin ich, dein Knecht, daß du dich wendest zu einem toten Hunde, wie ich es bin?  9 Da rief der König den Ziba, den Knecht Sauls, und sprach zu ihm: Alles, was Saul gehört hat und seinem ganzen Hause, hab ich dem Sohn deines Herrn gegeben.  10 So bearbeite ihm nun seinen Acker, du und deine Söhne und deine Knechte, und bring die Ernte ein, damit es das Brot sei des Sohnes deines Herrn und er sich davon nähre; aber Mefi-Boschet, der Sohn deines Herrn, soll täglich an meinem Tisch essen. Ziba aber hatte fünfzehn Söhne und zwanzig Knechte.  11 Und Ziba sprach zum König: Ganz so, wie mein Herr, der König, seinem Knechte geboten hat, wird dein Knecht tun. Und Mefi-Boschet, sprach David, esse an meinem Tische wie einer der Königssöhne.  12 Und Mefi-Boschet hatte einen kleinen Sohn, der hieß Micha. Und alle, die im Hause Zibas wohnten, dienten Mefi-Boschet.  13 Mefi-Boschet aber wohnte hinfort in Jerusalem, denn er aß täglich an des Königs Tisch. Und er war lahm an seinen beiden Füßen. (2Samuel 9) 

  1. Dankbarkeit von David lernen – wir können reich beschenken

Versetzen wir uns mal in die Lage von David hinein. Endlich war es soweit: David war nun endlich König von Israel geworden. Schon vor Jahren war er vom Propheten Samuel zum König gesalbt worden. Doch der alte König, Saul, wollte sein Amt nicht einfach aufgeben. Er wollte die Macht und sein Königtum unbedingt festhalten – auch wenn Gott es anders beschlossen hatte. Und so verfolgte er David, den eigentlichen von Gott eingesetzten König und so musste David über viele Jahre ein ziemlich unstetes Leben führen. Mit einer Streifschar von Kriegern war er unterwegs, lebte in der Wüste, teilweise bei den Feinden im Philisterland – eine schwierige Zeit für David und sicherlich nicht würdig für einen König.

Glücklicherweise gab es aber Jonatan. Jonatan war der älteste Sohn von König Saul und erkannte schon früh, dass Gott David zum König erwählt hatte. Er und David wurden enge Freunde und sie schlossen einen Bund miteinander. Mehrere Male bewahrte Jonatan David vor seinem Vater, der David umbringen wollte. Doch jetzt, nach vielen Jahren – Saul war gestorben, seine Söhne, auch Jonatan, waren gestorben – jetzt nach vielen Jahren, war es endlich so weit: Die Regierung Davids war etabliert, endlich herrschte er über das ganze Land, so wie Gott es versprochen hatte, endlich hatte er das Sagen. Das ist die Situation aus der uns jetzt 2Sam 9 berichtet.

Was würde David jetzt als erstes tun, wo seine Herrschaft etabliert ist? Die Steuern kräftig erhöhen? Sich einen großen Palast bauen? Nein, nichts dergleichen. Sein Blick geht als erstes zurück auf die Vergangenheit. David schaut zurück und er erkennt, dass er ganz großen Grund zur Dankbarkeit hat. Ganz besonders kommt ihm dabei offenbar Jonatan in den Sinn – es heißt ja in V. 1: „Und David sprach: ist noch jemand übriggeblieben von dem Hause Sauls, damit ich Barmherzigkeit an ihm tue, um Jonatans willen?“ Jonatan kommt ihm ganz besonders in den Sinn! Er erinnert sich an die intensive Freundschaft, die es zwischen beiden gab. Diese Freundschaft, die Jonatan mehr wert war, als familiäre Beziehungen – z.B. zu seinem Vater. Diese Freundschaft, die Jonatan mehr wert war, als die Aussicht selbst einmal – als der älteste Sohn Sauls – König zu werden. Diese Freundschaft zwischen Jonatan und ihm, die in guten und besonders auch in schlechten Zeiten hielt. David schaut zurück – und erkennt, dass er Grund zur Dankbarkeit hat. Er erkennt: Da gibt es jemanden, der hat mir soviel Gutes getan!

Wie oft schaust du eigentlich zurück? Wie oft hältst du Rückschau? Am Ende eines Jahres vielleicht? Oder noch seltener? Vielleicht wenn ein besonderer Lebensabschnitt zu Ende geht? Wenn die Kinder ausziehen, wenn du dein Studium beendet hast, wenn du die Arbeitsstelle wechselst, wenn du umziehst? Ich frage mich, wieviel Gutes wir in unserem Leben wohl übersehen, weil wir nicht zurückschauen, weil wir nicht darüber nachdenken. Dankbarkeit beginnt in unserem Herzen zu wachsen, indem wir zurückschauen und die Dinge, die Personen, die Ereignisse entdecken, die gut waren – für die wir einfach nur dankbar sein können! Auch in der Stunde des Triumphs schaut David zurück und wird dankbar. Wann schaust du das nächste Mal zurück?

David schaut zurück, er wird dankbar und er wird dann aktiv. Er wird aktiv, indem er selbst „Danke“ sagt, indem er einen anderen reich beschenkt. Wir können hier vier Dinge am Text beobachten, vier Aspekte, die Davids Dankbarkeit kennzeichnen, vier Aspekte die wirklich bemerkenswert sind und wo wir von David lernen können, wie auch wir andere reich beschenken können und ihnen dadurch unsere Dankbarkeit zeigen können.

David forscht nach

David ist es so wichtig Dankbarkeit „um Jonatans willen“ zu zeigen, dass er aktiv wird. Er nimmt die Sache selbst in die Hand, er fragt nach, er lässt Nachforschungen anstellen. So heißt es in V. 1: „Und David sprach: ist noch jemand übriggeblieben von dem Hause Sauls, damit ich Barmherzigkeit an ihm tue um Jonatans willen?“ David hätte die Sache auch einfach auf sich beruhen lassen können, aber er tut es nicht, sondern er wird aktiv. Das ist das erste was wir hier lernen. Wer „Danke“ sagen will, muss aktiv werden. Dankbarkeit zeigt sich nicht automatisch, sie ist kein Selbstläufer. Nein, wer Dankbarkeit zeigen will, muss selbst die Initiative ergreifen.

David gibt „Gottes Barmherzigkeit“ weiter

Das sehen wir in V. 3. Ziba, der Knecht Sauls ist inzwischen gefunden, und ihm gegenüber wiederholt David seine Frage und spricht: „Ist da noch jemand vom Hause Sauls, damit ich Gottes Barmherzigkeit an ihm tue?“ David sieht sein Handeln als Gottes Handeln oder anders gesagt: er möchte für Gottes Barmherzigkeit der menschliche Kanal sein. Er weiß, das alles Gutes, was er tun kann, letztendlich von Gott kommt. Seine barmherzige, liebevolle Haltung erwächst ganz klar aus seinem gläubigen Herzen, aus seiner Beziehung zu Gott. Etwa Tausend Jahre später bringt der Apostel Johannes dieses Geheimnis auf den Punkt, wenn er schreibt: 7 Ihr Lieben, laßt uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott.” (1Joh 4,7). Wenn wir Liebe, Barmherzigkeit üben, echte Dankbarkeit zeigen, dann ist das etwas, was aus unserem Glauben und aus der von Gott geschenkten Lieben erwachsen muss. David ist sich darüber im Klaren: er will explizit Gottes Barmherzigkeit weitergeben.

David lässt sich seine Dankbarkeit etwas kosten

David sagt zu Mefi-Boschet nicht nur lapidar „Danke, und übrigens es tut mir leid, was mit deiner Familie passiert sind, und dass sie alle tot sind und dass auch du behindert bist…“ Er drückt ihm auch nicht nur einen Gutschein für die nächste königliche Party in die Hand. Nein, David lässt sich seine Dankbarkeit richtig etwas kosten. Wir lesen davon in V. 9-10: 9 Da rief der König den Ziba, den Knecht Sauls, und sprach zu ihm: Alles, was Saul gehört hat und seinem ganzen Hause, hab ich dem Sohn deines Herrn gegeben.  10 So bearbeite ihm nun seinen Acker, du und deine Söhne und deine Knechte, und bring die Ernte ein, damit es das Brot sei des Sohnes deines Herrn und er sich davon nähre; aber Mefi-Boschet, der Sohn deines Herrn, soll täglich an meinem Tisch essen. Ziba aber hatte fünfzehn Söhne und zwanzig Knechte.

Drei Dinge also tut David. Er gibt Mefi-Boschet richtig viel Besitz, denn Saul und seiner Familie wird als Königsfamilie sehr viel gehört haben. Auf alles das verzichtet David als der Nachfolger Sauls und er gibt es Mefi-Boschet. Mefi-Boschet wird also hier auf einen Schlag sehr sehr reich. Und zweitens: David gibt Mefi-Boschet mit Ziba, seinen Söhnen und Knechten richtig viel Personal um diesen Besitz zu bewirtschaften. Und drittens: David beschenkt ihn mit der Ehre tagtäglich am königlichen Tisch zu speisen – mit der königlichen Familie, den Ministern und anderen wichtigen Leuten. David versorgt ihn also nicht nur materiell, sondern er wertet ihn auf. David speist Mefi-Boschet nicht pflichtbewusst und schnell ab. David lässt sich seine Dankbarkeit richtig etwas kosten

David beschenkt jemanden, der es nicht verdient hat

Jonatan war es gewesen, der zu David so eine tiefe Freundschaft hatte. Er war es gewesen, der ihn mehrfach vor den Tötungsversuchen Sauls bewahrt hatte. Mefi-Boschet – sein Sohn – hatte damit nichts zu tun. Weder positiv noch negativ – Mefi-Boschet war einfach völlig unbeteiligt. Und so hätte man es auch gut verstehen können, wenn David nach Jonatans Tod einfach die Sache auf sich hätte beruhen lassen. Derjenige, dem er Dankbarkeit schuldig gewesen wäre, war ja tot – er war nicht mehr da. Aber David tut es nicht: er erweist seine Barmherzigkeit, seine Dankbarkeit, seine Liebe jemandem, der es nicht verdient hat.

Das ist die höchste Form der Dankbarkeit – jemanden zu beschenken, bei dem man sich nicht lediglich revanchieren will, jemandem etwas Gutes zu tun, der es nicht verdient hat. Denn hier scheint etwas Großartiges durch von Gottes Wesen, von seinem Handeln, der immer Menschen beschenkt, die es nicht verdient haben.

Und wir?

Vier bemerkenswerte Aspekte, die wir von David lernen können, wie wir Dankbarkeit leben können. Welcher ist für dich der Wichtigste? Welcher der überraschendste? Welchen willst du ganz besonders für dich mitnehmen? Erstens gilt es, überhaupt aktiv zu werden, so wie David aktiv wurde. Dankbarkeit „geschieht“ nicht einfach irgendwie, sondern wir müssen die Initiative ergreifen. Zweitens gilt es, sich bewusst zu machen, dass wir „Gottes Barmherzigkeit“ weitergeben können. Großzügigkeit, reiches Beschenken, Liebe, Dankbarkeit gegenüber anderen ist möglich, weil Gott uns reich beschenkt hat. Drittens gilt es, sich Dankbarkeit etwas kosten zu lassen, so wie David sich seine Dankbarkeit etwas kosten ließ. Und viertens, die Krönung ist, wenn wir Dankbarkeit sogar denen erweisen, die es gar nicht verdient haben. Wenn wir das leben, sind wir Nachahmer Gottes, wie wir jetzt noch sehen werden.

  1. Dankbarkeit an Mefi-Boschet lernen – wir sind reich beschenkt

Versetzen wir uns als zweites mal in die Lage von Mefi-Boschet. Da wird er eines Tages völlig überraschend zum König gerufen und wird von ihm mega-mäßig reich beschenkt – wie ein 6er im Lotto. Was für ein Glückspilz muss dieser Mefi-Boschet gewesen sein! Ja, wirklich?

Ja und nein! Nein, weil die Vorgeschichte von Mefi-Boschet wirklich traurig ist. Er war einer der Söhne Jonatans gewesen. In den kriegerischen Auseinandersetzungen hatte er seine ganze Familie verloren. Ja, es heißt hier ja, dass er der letzte Nachkomme der Familie Sauls, also seines Großvaters, gewesen war. Alle anderen waren umgekommen. Außerdem war er „lahm an den Füßen“, wie es hier heißt. Die Bibel erklärt uns an anderer Stelle, dass Mefi-Boschet als 5jähriger von seiner Amme fallengelassen wurde, als sie sich mit ihm auf der Flucht befindet. Dadurch zog er sich so schwere Verletzungen zu, dass er Zeit seines Lebens behindert war. Körperlich behindert zu sein, war in der damaligen Zeit ein noch schwierigeres Schicksal als es das heute ist. Es bedeutete, dass er sozial und ökonomisch von anderen abhängig ist. Dass er sich nur bedingt selbst helfen konnte, dass er gar nicht in der Lage war, für sich richtig zu sorgen und Geld zu verdienen. Und so verwundert es nicht, dass im AT Behinderte immer wieder in einem Atemzug mit Armen, Witwen und Waisen erwähnt werden und dass Gott in seiner Liebe und Barmherzigkeit sogar Schutzgesetze für sie erlassen hatte. Das ist ganz bemerkenswert und sehr fortschrittlich gewesen – so etwas gab es damals nur in Israel! Und dennoch ist die Lebensgeschichte von Mefi-Boschet bis hierhin wirklich eine traurige Geschichte.

Aber auf der anderen Seite: Ja, er ist ein Glückspilz, weil es dann eben die große Wende gibt! David erweist Mefi-Boschet die Freundlichkeit Gottes um seines Vaters Jonatans willen. Und hierin bildet die Geschichte von Mefi-Boschet in wunderbarer, anschaulicher Weise das Evangelium selbst ab. Mefi-Boschet ist ein Bild auf den Menschen als Sünder und auf den Zustand, in dem er sich befindet. Mefi-Boschet war ja hilflos, an beiden Füßen lahm, alles andere als selbstständig. Das erinnert uns an den Fall des Menschen und an den hilflosen Zustand, in den die Sünde den Menschen gebracht hat. Daher konnte Mefi-Boschet auch nicht zu David kommen – nein David ließ ihn holen – er musste in die Gegenwart des Königs gebracht werden. Auch der Mensch als Sünder kann nicht von selbst zu Gott kommen – nein Gott muss ihn aufspüren, sich zu ihm auf den Weg machen, ihm nahekommen, ihm nachgehen. Und David wollte ihm dann „Gottes Barmherzigkeit“ erweisen um Jonatans willen. Genau so ist auch die Barmherzigkeit und Menschenliebe Gottes uns Menschen erschienen. Ja, Gott erweist uns sündigen Menschen seine große Freundlichkeit nicht weil wir es verdient haben, sondern um Jesu Christi willen.

Mefi-Boschet bedeutet übersetzt übrigens „aus dem Mund von Schande.“ Als dieser Mann mit dem nicht sehr schmeichelhaften Namen – den er übrigens erst nach seiner Behinderung bekam, vorher hieß er Merib-Baal – aus Davids Mund vernimmt, welch großes Los er gezogen hat, welche Freundlichkeit ihm der König erweisen will, bekennt er mit seinem Mund seine eigene Nichtigkeit: „Wer bin ich, dein Knecht, dass du dich wendest zu einem toten Hunde, wie ich es bin?“ (V. 8) Und was für freundliche Worte, was für Worte der Gnade kommen dann von den Lippen Davids! Hier wird in der Tat die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes vollkommen offenbar! Mefi-Boschet wird auch seiner niedrigen Stellung der Schande erhoben, um einen Platz an der Tafel des Königs einzunehmen, ganz so „wie einer der Königssöhne“ (V. 11) Es ist dieselbe Freundlichkeit Gottes, wie sie uns auch im Evangelium von Jesus Christus begegnet. Dass Gott seinen Sohn auf die Welt sendet, um zu suchen „was verloren ist“, die Menschen zu Gott zurückzubringen. Ihnen den Weg zur Gemeinschaft mit Gott zu ebnen, dass sie als seine Kinder adoptiert werden, ja, dass sie selbst Erben werden, und dereinst in seiner Gegenwart mit für immer in vollkommener Freude leben werden. Das ist die gute Nachricht, das Evangelium von Jesus Christus, das hier in der Geschichte von David und Mefi-Boschet deutlich wird: Einer, der es nicht verdient hat, wird durch Gnade überreich beschenkt und hoch erhoben.

Wenn du dich einen Christen nennst und mit Jesus lebst, dann hast du erlebt, was Mefi-Boschet erlebt hat: du bist reich beschenkt worden! Ja, im Grunde genommen hast du noch Besseres, noch Größeres erlebt. Du bist nicht zur mit zeitlichen Segnungen beschenkt worden. Du bist nicht nur mit irdischen Segnungen beschenkt worden. Nein, im Evangelium von Jesus Christus an das du glaubst, bist du mit allem geistlichen und ewigem Segen von Gott, deinem Vater, dem Allmächtigen, beschenkt worden. Wie Eph 1,3 es schreibt: 3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.” Im Evangelium von Jesus Christus bist du mit allem geistlichen und ewigen Segen beschenkt. Du bist reich – nein, überreich – beschenkt!

Im Grunde gibt’s nur eine Reaktion darauf, nämlich wie Mefi-Boschet zu sagen: „Gott, wer bin ich, dein Knecht, dass du dich wendest zu einem toten Hunde, wie ich es bin?“ Aber Gott hat es in seiner Liebe und Freundlichkeit getan. Er hat sich uns zugewendet, wir haben unverdient viel Gutes von Gott bekommen. Wir sind überreich beschenkt – Gott sei Dank!

Und es gibt noch eine zweite Reaktion darauf und da sind wir im Grunde wieder bei unserem ersten Gedanken. Nämlich: Diese Dankbarkeit, die wir Gott gegenüber empfinden, an andere in Form von Liebe und Freundlichkeit weiterzugeben. Denn Gottes Güte und Liebe uns gegenüber ist die eigentliche Motivation anderen Dank und Gutes zu erweisen. Ich glaube auch, dass das der eigentliche Grund bei David war, warum er so großzügig sein konnte. Natürlich hatte er mit Jonatan einen erstklassigen menschlichen Freund gehabt, gegenüber dem er Dank empfunden hat. Aber noch viel mehr hat David die Freundschaft zu Gott geprägt, dass er den Allmächtigen auf seiner Seite hatte, dass er sich von ihm geliebt und geleitet und versorgt wusste. David wusste sich überreich beschenkt, deswegen konnte er auch Mefi-Boschet reich beschenken. Dankbarkeit gegenüber unserem Nächsten ist die Frucht der Dankbarkeit Gott gegenüber – für seine große Gabe, für seine Liebe zu uns in seinem Sohn Jesus Christus. Wie der Apostel Johannes es in 1Joh 4,19 sagt: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“

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Der Sieg des Königs

8 Die Erde bebte und wankte, und die Grundfesten der Berge bewegten sich und bebten, da er zornig war.  9 Rauch stieg auf von seiner Nase und verzehrend Feuer aus seinem Munde; Flammen sprühten von ihm aus.  10 Er neigte den Himmel und fuhr herab, und Dunkel war unter seinen Füßen.  11 Und er fuhr auf dem Cherub und flog daher, er schwebte auf den Fittichen des Windes.  12 Er machte Finsternis ringsum zu seinem Zelt; in schwarzen, dicken Wolken war er verborgen.  13 Aus dem Glanz vor ihm zogen seine Wolken dahin mit Hagel und Blitzen.  14 Der HERR donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seine Stimme erschallen mit Hagel und Blitzen.  15 Er schoß seine Pfeile und streute sie aus, sandte Blitze in Menge und jagte sie dahin.  16 Da sah man die Tiefen der Wasser, und des Erdbodens Grund ward aufgedeckt vor deinem Schelten, HERR, vor dem Odem und Schnauben deines Zornes. (Psalm 18,8-16)

Was David hier in markigen, bildhaften Worten beschreibt ist das Gericht Gottes über Davids Feinde. Das ist, was David erlebte. Dass der Herr gegen seine Feinde gewaltsam vorging und ihn selbst so rettete.

Bei Jesus dagegen ist es etwas Entscheidendes ganz anders! Als Jesus am Kreuz stirbt, wird es auf einmal dunkel – gegen 12 Uhr – mitten am Tag also. Ein Zeichen für das Gericht Gottes. Als Jesus stirbt, übt Gott Gericht für alle Grausamkeiten, alle Schuld, jedes Verbrechen – soweit die Gemeinsamkeiten mit David.

Aber über wen kommt das Gericht Gottes in diesem Moment? Kommt Gott in seiner Gewalt und Macht und tilgt sie alle davon, die Feinde Jesu? Die römischen Soldaten, die ihn verlacht und ans Kreuz geschlagen hatten? Die Pharisäer und Schriftgelehrten, die Hohenpriester, die sich so für seine Kreuzigung eingesetzt hatten? Die große Menschenmenge, die sich hat aufstacheln lassen und „Kreuzige ihn“ schrien? Kommt Gott in seiner Gewalt und tilgt sie davon, die Feinde Jesu?

Gott übt Gericht auch bei Jesus, auch an Karfreitag. Aber Gott übt das Gericht nicht an den Feinden, um so den Unschuldigen – Jesus – zu retten. Gottes Gericht kommt über das unschuldige Opfer – über Jesus – er trägt das Gericht! Gottes Gericht geht an Karfreitag auf Jesus herab – nicht auf die Feinde Jesu – um die Feinde, um uns, zu retten. Was für ein wunderbarer Gegensatz zu David. Er war das Opfer und Gott richtete seine Feinde. Später war Jesus, der Sohn Gottes, das Opfer und wir seine Feinde – und Gott richtet seinen Sohn, um uns, die Feinde zu retten.

In V. 17-20 lesen wir, wie David, der unschuldig Verfolgte, diese wunderbare Rettung aus der Not empfand: 17 Er streckte seine Hand aus von der Höhe und faßte mich und zog mich aus großen Wassern. 18 Er errettete mich von meinen starken Feinden, von meinen Hassern, die mir zu mächtig waren;  19 sie überwältigten mich zur Zeit meines Unglücks; aber der HERR ward meine Zuversicht.  20 Er führte mich hinaus ins Weite, er riß mich heraus; denn er hatte Lust zu mir. Jesus war derjenige, der überhaupt keine Schuld hatte – nicht mal ein bisschen. Er ist das unschuldige Opfer schlechthin. Und doch gilt, was wir eben gelesen haben, nicht mehr dem unschuldigen Opfer, sondern es gilt jetzt uns, den schuldigen Feinden, den Verfolgern Jesu. Wir werden gerettet! Die schuldigen Verfolger werden gerettet! Denn ja, wir sind schuld am Tode Jesu – auch wenn wir nicht direkt beteiligt waren. Auch wenn andere die direkte Verantwortung tragen. Aber es war deine und meine Schuld, die Christus ans Kreuz gebracht hat. Es war das Gericht, das du und ich hätten erleben müssen, was Christus durchlitten hat. Der Sieg des Königs am Kreuz, besiegelt durch seine Auferstehung, bewahrt uns vor dem Gericht und schenkt uns – den Feinden – die Rettung. Jesus Christus spricht: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.” (Joh 5,24)

Meine ganze Predigt, die ich an Ostersonntag über Psalm 18 gehalten habe, findest du hier: Der Sieg des Königs

Psalm 22 – Jesu Leidenspsalm?

Ich sitze zur Zeit an meiner Karfreitagspredigt über Psalm 22, der gemeinhin als Psalm des Gekreuzigten bzw. Jesu Leidenspsalm gilt. Nicht zuletzt, weil Jesus selbst aus diesem Psalm am Kreuz zitierte und auch die Evangelisten an mehreren Stellen auf diesen Psalm Bezug nahmen. Ursprünglich ist dieser Psalm allerdings ein davidischer Psalm. In welchem Verhältnis steht nun die ursprüngliche Situation anlässlich der David diesen Psalm dichtete und die Passion Jesu? Dürfen wir überhaupt Jesu Leidensgeschichte von diesem Psalm her deuten?

Franz Delitzsch erklärt:

„Daß David, der von Samuel gesalbte, ehe er zum Throne gelangte, einen Leidensweg zu gehen hatte, der dem Leidenswege Jesu, des von Johannes getauften Davidssohnes, gleicht, und daß dieses typische Leiden Davids für uns in den Ps. wie in Spiegelbildern fixiert ist, das ist eine Veranstaltung göttlicher Mach und Gnade und Weisheit. Aber Ps. 22 ist doch  nicht bloß ein typischer. Denn in dem Wesen des Typus liegt der Abstand vom Antitypus. In Ps. 22 aber steigt David mit seinen Klagen in eine Tiefe hinab, die jenseits der Tiefe seines Leidens liegt, und steigt mit seinen Hoffnungen in eine Höhe hinau, die jenseits der Höhe seines Leidenslohnes liegt. Mit anderen Worten: die Redefigur der Hyperbel, ohne welche die poetische Diktion in den Augen des Semiten matt und fahl wäre, steht hier im Dienste des Geistes Gottes. Das hyperbolische Element wird dadurch zum prophetischen. Diese Steigerung des Typischen zum Prophetischen ist auch psychologisch nicht so unbegreiflich (…). Seit David mit dem Öle der Königsweihe und zugleich mit dem h. Geiste, dem Amtsgeiste des Königtums der Verheißung, gesalbt ist, sieht er sich selbst als Messias Gottes an, auf welchen die Verheißungen zielen, und vermöge dieser Selbstanschauung im Lichte des höchsten heilsgeschichtlichen Berufs idealisiert sich ihm die historische Wirklichkeit seiner Erlebnisse, und sowohl was er erlebt als was er erhofft gewinnt dadurch eine in die Geschichte des schließlich und wahrhaftigen Christus Gottes hinausreichende Tiefe und Höhe des Hintergrundes. Wir behaupten damit kein Überschwanken von seiner eignen Person zu der des künftigen Christus. Nein, sich selbst als den Christus Gottes ansehend, sieht er sich, wenn wir es erfüllungsgeschichtlich ausdrücken, in Jesu Christo an. Er unterscheides sich nicht von dem Künftigen, sondern sieht in sich selber den Künftigen, dessen Bild erst später sich von ihm ablöst und dessen Geschichte mit dem Überschwenglichen seiner Aussagen sich decken wird. Denn wie Gott der Vater die Geschichte Jesu Christi ratschlußmäßig gestaltet, so gestaltet sein Geist darauf hin auch die Selbstaussagen Davids, des Typus des Künftigen. Durch diesen Geist, welcher der Geist Gottes und des künftigen Christus zugleich ist, hat Davids typische Geschichte, wie er sie in seinem Ps. und bes. diesem aussagt, jene ideale Vertiefung, Verklärung und Potenzierung erhalten, vermöge welcher sie weit über ihren typischen Thatbestand hinausgeht, bis zu dessen ratschlußmäßiger Wurzel durchdringt und zum Worte der Weissagung erwächst, so daß sich gewissermaßen mit Recht sagen läßt, Christus rede hier durch David, inwiefern der Geist Chrisi durch ihn redet und das vorbildliche Leiden seines Ahns zum Darstellungsmittel seines künftigen eignen macht. Ohne Anerkennung dieses unumstößlichen Sachverhalts kann Ps. 22 weder verstanden noch nachempfunden werden.“

Von David beten lernen

EIN PSALM DAVIDS, VORZUSINGEN, BEIM SAITENSPIEL.  2 Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit, der du mich tröstest in Angst; sei mir gnädig und erhöre mein Gebet!  3 Ihr Herren, wie lange soll meine Ehre geschändet werden? Wie habt ihr das Eitle so lieb und die Lüge so gern! SELA.  4 Erkennet doch, daß der HERR seine Heiligen wunderbar führt; der HERR hört, wenn ich ihn anrufe.  5 Zürnet ihr, so sündiget nicht; redet in eurem Herzen auf eurem Lager und seid stille. SELA.  6 Opfert, was recht ist, und hoffet auf den HERRN.  7 Viele sagen: »Wer wird uns Gutes sehen lassen?« HERR, laß leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!  8 Du erfreust mein Herz, ob jene auch viel Wein und Korn haben.  9 Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, daß ich sicher wohne. (Psalm 4)

Ein paar Gedanken zu diesem kurzen Psalm Davids:

  1. David betete voller Ernst und Erwartung

Erhöre mich, wenn ich rufe“, sagt David hier in V. 2.Wir spüren aus diesen Worten echten Ernst und eine aufrichtige Erwartungshaltung beim Gebet heraus. David rechnet in der Tat damit, dass Gott ihn erhört, wenn er zu ihm ruft.Er betet voller Ernst und Erwartung.

Man denkt vielleicht: „Das ist ja nichts Besonderes, das macht Gebet doch aus, dass man zu Gott spricht, damit er uns hört und unser Gebet auch erhört.“ Ja natürlich, das ist der Sinn von Gebet und das wissen wir an sich. Und dennoch kann ich, wenn ich mal nur von mir spreche, hier wieder neu von David lernen mit echtem Ernst und echter Erwartung zu beten. Denn wie leicht rutscht man rein in ein Beten aus reiner Gewohnheit.Man tut es halt, weil man es als Christ so tut. Man tut es vielleicht auch, weils einem selbst gut tut – Dinge vor Gott auszusprechen, loszuwerden und einfach mal gesagt zu haben. Aber erwarten, dass Gott wirklich uns erhört, dass er also in irgendeiner Form reagiert, etwas tut, eingreift oder verändert – damit rechnet man vielleicht gar nicht mehr.

Auf der anderen Seite ist das vielleicht auch der Grund, warum es bei uns so mangelt an Gebet – warum unser Leben so gebetsarm ist. Als Christ, der der Bibel glaubt, weiß ich natürlich, dass Gott gebeten werden möchte und Beten wichtig ist usw. – klar, viele von uns haben das schon ganz früh gelernt. Aber dass Gott mich wirklich erhört, wenn ich zu ihm rufe, dass er also in irgendeiner Form reagiert, etwas tut, eingreift oder verändert – damit rechne ich vielleicht gar nicht, diese Erwartung hab ich vielleicht gar nicht mehr. Warum also dann noch beten? Wozu? Wenn ich doch eh – vielleicht nicht denke, aber manchmal fühle – das nichts passiert?

David betet hier voller Ernst und Erwartung „Erhöre mich, wenn ich rufe!“ Er ist sich im Klaren: wenn er betet, steht er vor Gott.Beim Gebet tritt er in die Gegenwart des Allmächtigen, des Schöpfers von Himmel und Erde, der die ganze Welt geschaffen hat und alles in seiner Hand hält und kennt – von Mount Everest dem höchsten Berg der Welt bis zur kleinen Pfütze in unserem Garten, vom Blauwal dem größten Säugetier der Welt bis hin zum kleinsten Insekt. Vor diesen Gott, der alles hört, der alles sieht, alles überblickt, alles lenkt und an jedem Ort der Welt gegenwärtig ist und dessen Macht unbeschränkt ist, vor diesen Gott tritt David im Gebet.

Und vor diesen Gott treten auch wir, wenn wir als Jünger Jesu zu unserem Vater im Himmel beten. Wir treten vor genau diesen Gott: Der unbeschreiblich groß ist, der allmächtig ist, der uns liebt und uns als der gute Vater, der uns liebt, gerne gibt – Jesus hat das immer wieder in seinen Predigten und Gleichnissen uns beschrieben. Vor diesen Gott treten wir im Gebet – und kein Gebet geht bei ihm verloren oder irgendwie unter – die Offenbarung beschreibt uns, dass jedes Gebet eines jeden Christen, sorgsam bei Gott aufbewahrt wird.Er nimmt es ernst und es ist ihm ganz wichtig, wenn wir zu ihm beten. Vor diesen Gott trittst du, wenn du im Namen Jesu betest.

Ist uns das immer klar? Wahrscheinlich nicht. Ich möchte für mein Gebetsleben von David lernen, mit vollem Ernst und großer Erwartung zu betet. „Erhöre mich, wenn ich rufe“ – Unser Gott ist in der Lage und willens unsere Gebete zu hören und zu handeln.

  1. David betete gut begründet

Er betet: „Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit.“ „Gott meiner Gerechtigkeit“ – das ist die Begründung, die David Gott nennt, warum er ihn erhören soll. David sagt damit aus, dass Gott Inhaber und Urheber aller Gerechtigkeit ist – Gott ist gerecht und Gott handelt gerecht und Gott macht gerecht. Wie wir, so hat es auch David schon erlebt, dass Gott uns durch seine Gnade für gerecht erklärt hat. Und David sagt aus, dass er von Gott her Gerechtigkeit auch für sich und seine Situation erwartet. Denn seine Situation ist ein bisschen schwierig, wir haben das beim ersten Lesen des Psalms schon vernommen. David wird offenbar verfolgt – viele Ausleger meinen, dass der Psalm entstanden ist, als Davids Sohn Absalom mit seinen Gefolgsleuten seinen eigenen Vater verfolgte, und ihm das Königtum streitig gemacht hat. David musste vor seinem eigenen Sohn fliehen, weil er David als dem legitimen und von Gott erwählten König das Amt wegnehmen wollte.Und in dieser Situation der ungerechten Verfolgung unter der David zu leiden hatte, betete er hier um Hilfe. Und die Begründung die er nennt, ist Gottes Gerechtigkeit: „Gott, du bist doch gerecht, du schaffst Gerechtigkeit, greif ein, bewahre mich vor dieser ungerechtfertigten Verfolgung!“„Ich erwarte von dir Gott, dass du es so lenkst, dass mir Gerechtigkeit widerfährt, denn du bist doch ein gerechter Gott!“ David betet hier also gut begründet.

Und das ist ein Prinzip, dass sich durch die ganze Bibel zieht. Immer wieder wenn Menschen zu Gott beten, nennen sie Gründe, warum Gott antworten und ihr Gebet erhören sollte. Sie berufen sich auf den Charakter Gottes, so wie David hier – „Gott du bist doch ein gerechter Gott“ oder „Du bist doch ein barmherziger und gnädiger Gott, darum…“ Oder sie berufen sich auf Gottes Treue in der Vergangenheit: „Herr, du hast schon so oft in Not geholfen, darum bitte greif doch auch in dieser Notlage wieder ein…!“ Oder sie begründen ihr Gebet mit ihrer Position vor Gott: „Gott, ich bin dein Kind, du hast für mich deinen Sohn geopfert, darum bitte greif jetzt ein…“

Gut begründet beten – das ist sicherlich nicht darum wichtig, um Gott irgendwie zu überzeugen oder zu überreden. Nein, ich denke, dass es eine gute Gewohnheit ist, um auch herauszufinden, ob mein Gebet, ob meine Bitte mit dem Willen Gottes übereinstimmt, ob es im Sinne Jesus ist – oder ob es vielleicht eher sehr egoistisch ist. Ein gutes Beispiel ist die Situation in 2Mose 32, als Mose auf dem Berg Sinai ist und dort die Gesetzestafeln von Gott empfängt und währenddessen das Volk Israel sich das Goldene Kalb gießt und dieses Kalb nun als Gott verehrt. Mose kehrt dann zurück und sieht das und Gott sagt zu Mose, dass der das Volk Israel als Strafe jetzt vernichten will und stattdessen Mose und seine Nachkommen zu einem großen Volk machen will. Und was tut Mose? Er hält Fürbitte für sein Volk und bittet Gott um Barmherzigkeit und Gnade. Und er begründet das auch. Er sagt nicht: „Gott, das kannst du doch jetzt nicht tun – dann wäre meine ganze Arbeit dieses Volk bis hierhin zu führen doch völlig umsonst gewesen.“ Er sagt auch nicht: „Gott, das kannst du mir doch nicht antun – dann verlier ich ja auch meinen Bruder Aaron, an dem ich so hänge…“ Mose begründet es anders – er sagt: „Gott, sei diesem Volk gnädig, damit dein Name groß gemacht und du verherrlicht wirst, damit alle Welt erkennt, dass du ein mächtiger Gott bist, der sein Volk befreit und in das gelobte Land führt.“

Gut begründet zu beten, bewahrt uns vor selbstsüchtigen und egoistischen Gebeten. Es hilft uns, im Gebet die Ehre Gottes und das Wohl anderer im Blick zu behalten. Ich will von David lernen, meine Gebete gut begründet vor meinen Vater im Himmel zu bringen.

  1. David betete in der Erinnerung an Gottes Taten

Wir sehen das hier in V. 2 wo es heißt: „Gott meiner Gerechtigkeit, der du mich tröstest in Angst“, etwas genauer übersetzt müsste es allerdings noch heißen „der du mich getröstet hast in Angst.“ David blickte schon auf viele Jahre mit Gott zurück, auf zahlreiche Erfahrungen mit ihm. David hatte es schon erlebt, dass Gott in sein Leben eingegriffen hat, ihm Trost geschenkt hat. Gerade in seinen ersten Jahren als König, war Davids Herrschaft alles andere als gesichert – er war ein König, der permanent sein Amt verteidigen musste, er war in unzähligen Kriegen persönlich im Einsatz gewesen, hatte viele Gefahrensituationen erlebt. Im Rückblick auf solche Situationen kann er sagen: Gott du hast mich getröstet in meiner Angst, du warst so oft für mich da, wenn ich dich gebraucht habe.

Wenn wir schon länger als Christen mit Jesus leben, können wir – da bin ich ganz sicher – auch auf viele Erfahrungen mit Gott zurückblicken. Wo er uns bewahrt hat vor echten Gefahren, wo er eine aussichtslose Situation noch gewendet hat, wo aus einer ganz schlechten Erfahrung doch noch was Gutes gewachsen ist. Wir haben es erlebt, dass wir zu Gott gebetet haben, und er diese Gebete erhört hat. Er ist dagewesen.

Von David will ich lernen in der Erinnerung an Gottes Taten zu beten. Das heißt, im Gebet zunächst einmal Gott zu danken, für das was er mir schon Großartiges geschenkt hat. Vielleicht kurz innezuhalten und zu überlegen, wofür kann ich dankbar sein? Die Gedanken schweifen zu lassen: Wo hat Gott mich gesegnet? Wo hat er geholfen? Wo hat er mir seine Güte erwiesen? Das will ich mehr und mehr lernen – damit ich sehe, wie reich mich Gott beschenkt, damit mein Glaube wächst, und damit ich dann auch mit größerer Zuversicht und mehr Glauben, Gott meine Bitten bringen kann.

  1. David erlebt Gottes Antwort auf sein Gebet

Hierzu müssen wir uns die V. 3-4 genauer anschauen. In V. 3 heißt es:  „Ihr Herren, wie lange soll meine Ehre geschändet werden? Wie habt ihr das Eitle so lieb und die Lüge so gern!“ David wendet sich hier vermutlich an die Leute um Absalom – jedenfalls an Menschen, die die Ehre Davids, des legitimen, rechtmäßigen und von Gott erwählten Königs von Israel in den Staub ziehen wollten, ihm das Amt streitig machen wollten. Das ist die eine Seite, das sind die Gegner Davids. Und dann heißt es in V. 4 folgendermaßen: Erkennet doch, daß der HERR seine Heiligen wunderbar führt; der HERR hört, wenn ich ihn anrufe.“ David sagt – mal mit meinen Worten gesagt: „Ich gehöre zu Gott, ich bin ein von ihm erwähltes Kind Gottes – und weil das so ist, rufe ich Gott nicht vergebens an, sondern mein Gebet findet bei ihm Gehör!“ Das ist die Position von David vor Gott und das ist Position von jedem Kind Gottes vor Gott. Hier wird also ein Gegensatz aufgebaut, zwischen David der Gott auf seiner Seite hat, einen Gott der ihn erhört und zwischen seinen Gegnern, den Gottlosen, bei denen das nicht so ist. David sagt quasi, dass wir wenn wir zu Gott gehören, ein Privileg haben: als Kinder Gottes dürfen wir uns sicher sein, dass Gott unser Gebet beantworten. Wir wissen das: nicht immer so wie wir wollen, und auch nicht immer so schnell, aber unsere Gebete finden definitiv vor dem Vater im Himmel immer Gehör.

Und das ist ein großes Vorrecht, was wir als Kinder Gottes haben: Einen Vater, der uns hört, der uns erhört. Wir dürfen Gebet darum nicht trivialisieren. Es gibt so Redewendungen wie z.B. „Da hilft nur noch beten“ – und man meint damit eigentlich „Da hilft gar nichts mehr.“ Nein, Gebet sollten wir nicht trivialisieren und unterschätzen. Für uns als Kinder Gottes ist es eine heilige, intime Sache – ein großes Vorrecht, dass unser Vater im Himmel unser Gebet hört und wir erleben dürfen, dass er antwortet.

Das ist übrigens auch ein guter Grund, diese persönliche Beziehung zu Jesus Christus zu suchen. Denn „seine Heiligen“, also die die zu ihm gehören, führt der Herr wunderbar – für sie gilt dieses Vorrecht. Darum ist es wichtig, zu Jesus und damit zu Gott unserem Vater zu gehören. D.h. zu erkennen, dass ich als Mensch ein Geschöpf Gottes und ihm verantwortlich bin.Dass ich aber von Natur aus mehr oder weniger offensichtlich in Rebellion gegen Gott lebe, selbstbestimmend mein Leben führen möchte, Gott nicht Gott sein lasse. Und dass ich Vergebung für diese Schuld brauche, dass ich einen Mittler zwischen mir und Gott brauche. Dass ich Jesus Christus brauche, der dieser Mittler ist – der als wahrer Mensch und wahrer Gott völlig sündlos war und zur Vergebung meiner Schuld am Kreuz gestorben ist. Er will mir dadurch neues Leben geben und wenn ich als Mensch zu ihm umkehre, meine Schuld bekenne, dann kann ich ein neues Leben mit Jesus und mit Gott beginnen. Dann gehöre ich zu Gott, dann bin ich ein „Heiliger Gottes“ – ein Heiliger Gottes, der wunderbar geführt vom Herrn wird und auf dessen Gebet Gott antwortet. Darum: wenn du noch nicht so ein „Heiliger Gottes“ bist – du kannst es werden, indem du zu Jesus umkehrst und mit ihm ein Leben beginnst!

Und dann ist V. 4 eine große Verheißung – und übrigens auch ein guter Anfang für jedes Gebet, wie ich finde: Erkennet doch, daß der HERR seine Heiligen wunderbar führt; der HERR hört, wenn ich ihn anrufe. Und auch das möchte ich hier lernen, nämlich zu vertrauen, dass Gottes Antwort auf mein Gebet kommen wird, weil ich sein Heiliger bin.