Zehn Ausreden, die eigene Gemeinde nicht finanziell zu unterstützen

Gott fordert uns in seinem Wort dazu auf, dass wir als Christen freigiebig und mit Freude auch unser Geld für die Förderung seines Reiches einsetzen. Zuallerst sind wir dabei dazu verpflichtet, die Gemeinde zu der wir gehören, finanziell angemessen zu unterstützen. Über die mehr als 15 Jahre, die ich über dieses Thema inzwischen nachdenke und mit Geschwistern darüber spreche, sind mir eine Vielzahl an mehr oder minder originellen Ausreden zu Ohren gekommen, warum mancher meint, dies nicht tun zu müssen:

1. „Ich kann mir das einfach nicht leisten.“

Ja, es gibt Menschen, die sehr wenig Geld zum Leben haben. Aber weder Gott noch irgendein Gemeindeverantwortlicher erwartet beispielsweise von einem Arbeitslosen oder einem Schüler hohe Spendenbeträge. Es geht um einen den eigenen Verhältnissen angemessen Beitrag (vgl. 2Kor 8,3). Falsch ist es jedoch, wenn man meint, sich gänzlich aus der Verantwortung ziehen zu können. Ja, auch Bezieher von Sozialleistungen, Studenten oder Geringverdiener sollten sich nach ihren Möglichkeiten beteiligen (vgl. das Beispiel von der Witwe, Lk 21,1-4).

Hinzuzufügen ist, dass mir diese Ausrede auch schon bei Menschen normalen Einkommens begegnet ist. Man behauptet tatsächlich, von den Ausgaben für Wohnung, Auto, Lebensmittel, Studium der Kinder, Urlaub etc. so sehr belastet zu sein, dass man sich keinen Beitrag für die Gemeinde mehr leisten könne….

2. „Ich will mich ja beteiligen, aber momentan bin ich noch zu knapp bei Kasse.“

Im Unterschied zur ersten Ausrede ist hier die grundlegende Bereitschaft zur Unterstützung der Gemeinde vorhanden. Aber man meint vor einem unüberwindbarem Hindernis zu stehen, dass einem das jetzt einfach nicht ermögliche: „Wenn der Kredit fürs Auto abbezahlt ist…“, „wenn ich endlich eigenes Geld verdiene…“, „wenn die Kinder mit dem Studium durch sind…“, „wenn ich meine Zahnbehandlung finanziert habe…“ – dann kann endlich auch die Gemeinde finanziell unterstützt werden.

Es gibt ein gravierendes Problem an dieser Stelle: Der Tag, an dem die Gemeinde wirklich finanziell unterstützt wird, wird mit großer Wahrscheinlichkeit nie kommen. Denn nachdem das Auto abbezahlt ist und die Zahnbehandlung finanziert wurde, muss vielleicht eine neue Küche angeschafft werden oder am Auto muss eine dringende Reparatur vorgenommen werden. Kurz gesagt: Wer diese Einstellung hat, auf denen werden immer neue Dinge zukommen, die bezahlt werden müssen und die wichtig und unaufschiebbar erscheinen.

Deshalb sollten wir es mit der Unterstützung der Gemeindearbeit machen, wie mit der monatlichen Miete. Sie wird als erstes von dem Geld, was wir monatlich zur Verfügung haben, bezahlt. Bei der Miete steht nicht auch gar nicht zur Debatte, ob man sie diesen Monat zahlt oder vielleicht mal ausfallen lässt. Nein, sie wird treu Monat für Monat als erstes bezahlt. Sie hat höchste Priorität. So sollte es auch mit unserer finanziellen Unterstützung unserer Gemeinde sein.

3. „Mein Beitrag wäre eh viel zu klein und ist doch unerheblich.“

Ob ein Schüler nun jeden Monat fünf Euro für die Gemeinde spendet oder nicht ist bei einem sechsstelligen Gemeindehaushalt, den viele Gemeinden haben, doch belangslos oder?

Jesus ist da anderer Meinung. Er kommentiert die Spende der armen Witwe von – auf unsere Verhältnisse übertragen – 2 Cent in Lk 21,3-4 mit den Worten: “ Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt. Denn diese alle haben etwas von ihrem Überfluß zu den Opfern eingelegt; sie aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie zum Leben hatte.“ Egal, wie klein dein Beitrag wäre, für Jesus ist deine Gabe die von Herzen kommt, alles andere als unerheblich!

Zu diesem geistlichen kommt auch noch ein pädagogischer Aspekt. Wer nicht frühzeitig – z.B. als Schüler – damit beginnt, etwas von seinem Geld zu spenden, wird sich auch sehr schwer tun, etwas zu spenden, wenn er irgendwann 5.000 Euro verdient.

4. „Ich spende doch an andere christliche Organisationen, die es viel nötiger haben.“

Ohne Zweifel ist es gut, Missionsgesellschaften, Bibelschulen oder diakonische Initiativen zu unterstützen. Ich selbst tue das auch seit vielen Jahren. Und es gibt soviele gute Organisationen, dass ich gerne noch viele mehr unterstützen würde.

Dennoch gilt unsere Hauptverantwortung stets der Ortsgemeinde, der wir angehören. Wenn wir diese angemessen und großzügig unterstützen, und wir dann immer noch Luft haben, dann ist es gut, unsere finanzielle Unterstützung auch auf andere Organisationen auszuweiten.

Ich würde auch hinterfragen, ob es andere Organisationen wirklich nötiger haben, als die lokale Gemeinde. Natürlich ist z.B. die materielle Not in vielen afrikanischen Ländern erschreckend groß. Wenn wir allerdings die geistliche Not betrachten, ist diese in oftmals Deutschland größer als in vielen Ländern Afrikas. Es ist auch ungemein wichtig, den Gemeindebau in Deutschland zu stärken, damit auch hierzulande Menschen das Evangelium hören und von Jesus Christus gerettet werden.

Im Übrigen: würden alle Mitglieder der Gemeinden hierzulande ihrer finanziellen Verantwortung für ihre Gemeinde gerecht werden, so könnten die Gemeinden auch einen größeren Teil ihres Budgets wiederum in die Mission geben.

5. „Ich spende an andere christliche Organisationen, weil mit meinem Geld dort viel mehr erreicht werden kann.“

Mit 100 Euro in einem armen asiatischen Land kann der dortige Pastor vielleicht zwei Monate bezahlt werden oder der ganzjährige Schulunterricht für mehrere Kinder. Mit 100 Euro in Deutschland werden vielleicht gerade mal die monatlichen Kopierkosten einer Gemeinde gedeckt. Ist es dann nicht sinnvoll, das Geld dorthin zu geben, wo man mehr mit diesem Geld erreichen kann?

Nun, Gottes Reich funktioniert nicht nach Rendite-Gesichtspunkten Wir sind aufgefordert, das zu tun, was Gott von uns möchte – ungeachtet dessen, was aus unserer Sicht mehr Ertrag verspricht. Außerdem: Natürlich hat es irgendwie mehr Charme, wenn mit den eigenen Spendengeldern die Schulausbildung afrikanischer Kinder finanziert wird, statt der öden Heizkosten der örtlichen Gemeinde. Eins ist aber klar: Wenn jeder so denken und handeln würde, gäbe es schon bald kein Gemeindeleben mehr in Deutschland.

6. „Ich bin nicht damit einverstanden, wofür meine Gemeinde das Geld ausgibt.“

Soll man einen Jugendpastor anstellen, neue Musikinstrumente anschaffen oder eine große evangelistische Veranstaltung planen? Klar ist: Gemeinden haben vielfältige Möglichkeiten ihre Gelder auszugeben und naturgemäß gehen die Meinungen darüber auseinander, welche Schwerpunkte man setzen sollte.

Der Gemeinde allerdings die eigene finanzielle Unterstützung zu entziehen, wenn sie sich für etwas anderers entscheidet als ich das persönlich für gut halte, ist nicht in Ordnung. So ein Verhalten zeugt von einem völlig fehlgeleiteten Verständnis vom Geben und grenzt schon an Erpressung.

Denn Geben (oder Spenden) ist etwas anderes als Einkaufen. Beim Einkaufen bestimme ich, ob ich mir eine Hose oder einen Pullover kaufen möchte. Ich kann auswählen aus verschiedenen Farben, Formen, Qualitätsstufen und unzähligen Herrstellern. Ich kann mich genau für das entscheiden, was meine individuellen Bedürfnisse am besten erfüllt. Geben (Spenden) ist etwas völlig anderes. Ich gebe von dem Geld, das Gott mir zur Verfügung gestellt hat, einen Teil weg. Und zwar bedingungslos und ohne Kontrolle ausüben zu wollen. Es geht hier nicht um mich und meine Wünsche, sondern um Gott und sein Werk. Zum Geben gehört folglich nicht nur, das Geld abzugeben, sondern auch die Kontrolle über mein Geld (was genau soll damit geschehen) abzugeben. Nicht ICH entscheide, was im Einzelnen damit geschieht, sondern WIR entscheiden als Gemeinde gemeinsam, was damit geschieht.

7. „Ich gebe nur etwas, wenn der Herr mir das persönlich direkt aufs Herz legt.“

Diese Ausrede klingt hoch geistlich. Hier wartet jemand auf einen besonderen Impuls vom Hl. Geist, damit er etwas hierhin oder dorthin spendet. Und natürlich gibt es das manchmal. Da ist vielleicht ein Missionar in unserer Gemeinde zu Gast und wir sind sehr bewegt von der Arbeit, die er tut. Und wir haben dieses tiefe Anliegen in uns, diese Arbeit zu unterstützen und legen darum eine große Summe in den Kollektenkorb. So weit, so gut.

Allerdings ist es nicht richtig, nur auf einen direkten Impuls Gottes hin etwas zu geben. Die Bibel lehrt es anders. So schreibt Paulus in 1Kor 16,2: „An jedem ersten Tag der Woche lege ein jeder von euch bei sich etwas zurück und sammle an, soviel ihm möglich ist, damit die Sammlung nicht erst dann geschieht, wenn ich komme.“ Paulus legt Wert darauf, dass regelmäßig und auch geplant gespendet werden soll. Darüber hinaus ist es gar nicht nötig, auf einen besonderes Impuls des Geistes zu warten. Schließlich hat uns Gott in seinem Wort doch bereits zum Geben aufgerufen.

8. „Es heißt doch, dass die Linke nicht wissen soll, was die Rechte tut. Also mache ich mir gar keine Gedanken darüber, wieviel ich wohin gebe.“

Diese Ausrede – vorgebracht gegen eine regelmäßige und verlässliche Unterstützung der eigenen Ortsgemeinde – beruft sich auf Mt 6,3: „Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.“

Allerdings bedeutet dieser Vers gar nicht, dass man sich keine Gedanken darüber machen sollte, wieviel man wohin spendet. Der Kontext macht deutlich, dass Jesus sich viel mehr dagegen wendet, dass Menschen in der Öffentlichkeit herausstellen, wie großzügig sie doch für dieses oder jenes gegeben haben. Darum ist es in Gemeinden auch zurecht unüblich, bei der Verwirklichung größerer Projekte die Großspender besonders hervorzuheben.

9. „Ich kann (noch) nicht fröhlich geben. Also spende ich lieber nichts.“

Diese Ausrede nimmt Bezug auf 2Kor 9,7. Dort schreibt Paulus zum Thema Geben: „Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Weil jemand noch nicht fröhlich geben kann, sondern ihm das schwerfällt, gibt er lieber nichts. Schließlich will er kein Heuchler sein. Ist das so richtig? Soll man das Spenden tatsächlich sein lassen, wenn es einen manchmal Überwindung kostet?

Nun, Gott wünscht sich ganz allgemein, dass wir ihm fröhlich dienen und seinen Geboten gerne folgen. Dennoch entbindet die manchmal nicht vorhandene Freudigkeit an einem Gebot Gottes nicht von dessen Befolgung. Allerdings weist uns unser Unbehagen in so einem Fall schon auf ein tieferliegendes Problem hin. Dass wir nämlich offenbar Schwierigkeiten haben, Gott ganz – auch in materiellen Angelegenheiten – zu vertrauen. Statt auf das Geben zu verzichten, sollten wir lieber Gott um Hilfe und Veränderung unseres Herzens bitten. Und gerade der Vertrauensschritt – etwas zu Geben, obwohl es Überwindung kostet – kann auch dazu dienen, dass wir in diesem Punkt reifen und unser Gottvertrauen wächst.

10. „Ich gebe zwar nichts, aber dafür arbeite ich sehr engagiert in der Gemeinde mit.“

Ja, diese Ausrede gibt es tatsächlich. Fakt ist allerdings, dass Gott von uns Beides erwartet: Dass wir unsere Zeit und Gaben in Form ehrenamtlicher Mitarbeit einbringen, aber auch, dass wir einen angemessenen und großzügigen Teil von den materiellen Gütern, die Gott uns anvertraut hat, in unsere Gemeinde vor Ort investieren. Weder kann man sich von der Mitarbeit durch hohe Spenden „freikaufen“, noch kann man sich umgekehrt durch engangierte Mitarbeit seiner finanziellen Verantwortung entziehen.

Ein Wunsch für die Zukunft!

Dieser Beitrag ist naturgemäß etwas kritischerer Natur. Umso wichtiger ist mir, mit einem positiven Wunsch zu schließen: Wie wunderbar und segensreich wäre es, wenn alle Mitglieder ihre Gemeinden angemessen und großzügig unterstützen würden. Nach meiner Vermutung würden die Einnahmen der meisten Gemeinden um 50-100% höher ausfallen als heute.

Man stelle sich vor, was man mit diesen finanziellen Ressourcen Gutes für das Reich Gottes tun könnte! Ob es der Beginn einer neuen Gemeindearbeit in der Nachbarstadt wäre, motivierende und lehrreiche Schulungen für die engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter oder die Aussendung neuer Missionare… Es könnte soviel Gutes getan werden! Denn Fakt ist, dass heute leider viele gute Projekte und Ideen mangels finanzieller Mittel nie umgesetzt werden.

Und im Übrigen gilt: Wer für seine Gemeinde spendet, verliert nichts. Im Gegenteil: er investiert in einen Schatz im Himmel (vgl. Lk 12,33; Phil 4,17). Geben ist darum im Grunde keine lästige Pflicht, sondern die Gelegenheit zur besten Investition deines Lebens.

Buchempfehlung zu dem Thema: Randy Alcorn, Geld, Besitz und Ewigkeit, 3L Verlag.

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Ein Gedanke zu „Zehn Ausreden, die eigene Gemeinde nicht finanziell zu unterstützen

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