„Lauf zu Christus!“

„Es ist unmöglich, Bruder, daß du in diesem Leben so vollkommen wirst, daß dein Leib hell leuchte ohne Makel wie die Sonne, nein, du behältst Runzeln und Fehler und bist dennoch ein Heiliger. Aber du sagst: Wie kann ich da ein Heiliger sein, wenn ich Sünde habe und fühle? Daß du deine Sünde fühlst und erkennst, ist gut, sage Gott Dank und verzweifle nicht. Es ist der eine Schritt zur Gesundheit, wenn der Kranke seine Krankheit erkennt und bekennt. Aber wie werde ich befreit werden von der Sünde? Lauf zu Christus, glaube; wenn du glaubst, bist du gerecht, weil du Gott die Ehre gibst, daß er sei allmächtig, barmherzig, wahrhaftig etc. Du rechtfertigst und lobst Gott, Summa: du gibst ihm die Gottheit und alles. Was in dir an Sünde übrig ist, wird nicht zugerechnet, sondern dir wegen Christus geschenkt, an den du glaubst, der völlig und vollkommen gerecht ist: seine Gerechtigkeit ist dann deine und deine Sünde ist seine.“

Martin Luther zu Galater 3,6: „So hat doch »Abraham Gott geglaubt, und es wurde ihm gerechnet zur Gerechtigkeit« (1. Mose 15,6).

Klug investieren

In Zeiten von Niedrig- und Negativzinsen fragt sich so mancher, wo er überhaupt noch sein Geld investieren soll. Interessant ist, dass auch Jesus darüber spricht, was eine kluge Investition ist. So heißt es in Mt 6,19-20: 19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.  20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.

Eins vorneweg: Jesus redet hier nicht über unseren Umgang mit den lebensnotwendigen Dingen, die wir brauchen, sondern es geht eben um unseren Umgang mit den materiellen Dingen, die wir über das Lebensnotwendige hinaus haben.

Hier gibt es nach Jesus nur zwei Möglichkeiten: entweder sammelt man Schätze auf Erden oder man sammelt sie im Himmel. Entweder ich suche nach einer Investitionsmöglichkeit im irdischen oder im himmlischen Bereich. Übersehen wir folgendes nicht: Jesus fordert hier nicht dazu auf, gar keine Schätze zu sammeln. Nein, das Gegenteil ist richtig: er befiehlt es sogar! Jesus sagt bloß: Hört auf, sie am falschen Ort zu sammeln und fangt endlich an, sie an der richtigen Stelle zu sammeln.

Jesus sagt also nicht, dass das Anhäufen von Reichtum unmoralisch ist. Reichtum an sich wird überhaupt in der Bibel nicht so negativ bewertet, wie es häufig in unserer Gesellschaft üblich ist. Auch viele fromme Menschen der Bibel waren sehr reich (man denke nur an Abraham oder Hiob). Also Jesus verurteilt den Reichtum nicht als unmoralisch.

Jesus erinnert uns vielmehr daran, dass materielle Dinge auf Dauer nicht bestehen werden, weil sie vergänglich sind: Der Neuwagen, der schon in dem Moment die Hälfte seines Wertes verliert, wenn ich vom Parkplatz des Händlers fahre und spätestens 20 Jahre später nur noch Schrottwert hat oder das neue Iphone, bei dem dieser Prozess noch viel schneller geht. Und selbst die Dinge die wirklich wertbeständig sind (meinetwegen Gold) muss ich spätestens beim Tod zurücklassen. Der Herr gibt uns hier also den guten Rat, nicht falsch zu investieren, d.h. nicht in die vergänglichen Dinge zu investieren, die ihren Wert verlieren oder die wir verlieren!

Stattdessen können wir „Schätze im Himmel“ sammeln. Für den Umgang mit unserem Geld bedeutet das also, dass wir die Möglichkeit haben, dieses vergängliche Gut (was auch noch der Inflation unterliegt) in Ewiges zu investieren, man könnte auch sagen einzutauschen. Das ist Schätze-Sammeln im Himmel!

Wenn wir das wirklich glauben – und wir sollten es glauben, weil es die zuverlässigen Worte unseres Herrn Jesus Christus sind – dann ist es kein scheußlicher Zwang mehr, etwas von meinem Geld abgeben zu müssen. Ich verliere dadurch ja nichts! Vielmehr ist eine attraktive Gelegenheit, etwas Unvergängliches zu sammeln, d.h. etwas von ganz großem Wert zu gewinnen. Wir bekommen dann auch einen ganz anderen Blick auf das Geld und eine andere Perspektive dafür, was Geben bedeutet. Ich frage mich dann nicht mehr: Was muss ich abgeben, um ein gehorsamer Christ zu sein, sondern: Was kann ich investieren in meinen ewigen Schatz im Himmel?

Machen wir’s nochmal konkret. Angenommen, du erlebst morgen einen unerwarteten Geldsegen (z.B. eine Steuerrückzahlung): Eine Summe, mit der du nicht gerechnet hast und die du auch nicht benötigst, um deine laufenden Kosten zu bestreiten. Normalerweise ist unser erster Gedanke in solchen Situationen: „Was gönne ich mir jetzt davon? Soll ich mir ein neues Handy kaufen? Oder lieber diese schicke Couch, die ich neulich im Katalog gesehen habe? Oder sollten wir einfach mal einen Kurzurlaub am Wochenende machen?“

Wenn wir aber Jesu Lehre aus diesen Versen bedenken, stellen wir uns hoffentlich eine andere Frage: „Was ist jetzt eigentlich die klügste Investition für diese Summe?“

Nun, ich denke nicht, dass die Antwort hier immer sein muss, das Geld wegzugeben und in das Reich Gottes zu investieren. Es kann sein, dass es in diesem Moment tatsächlich klüger ist, das Geld in einen erholsamen Kurzurlaub zu stecken. Ich kann dann ausruhen und auftanken und in meinen alltäglichen Arbeiten und Pflichten dem Herrn wieder mehr die Ehre geben. Es wird aber auch tatsächlich oft der Fall sein, dass die klügere Investition nicht das neue Smartphone oder irgendein anderer Luxusgegenstand ist. Sondern, dass es klüger ist, beispielsweise in die theologische Ausbildung in Südamerika zu investieren, in Gemeindegründungsarbeit in Frankreich oder die eigene Ortsgemeinde. Wenn ich hier investiere, bekomm ich schließlich etwas Ewiges und Unverlierbares!

Anmerkung: Dies ist der zweite Beitrag zum Thema „Geld und Glaube“. Den ersten Beitrag findest du hier.

PREDIGTEN: Am Evangelium ausrichten…

In christlichen Gemeinden ist es manchmal gar nicht so einfach. Denn hier treffen ganz unterschiedliche Menschen aufeinander. Menschen, die sich sonst gar nicht unbedingt begegnen würden: Alte und Junge, Akademiker und Arbeiter, kreative und eher bodenständige Menschen, Verheiratete und Singles, Angehörige unterschiedlicher Nationen usw… Das ist gut und soll so sein!

Aber unterschiedliche Menschen bringen natürlich auch unterschiedliche Vorstellungen darüber mit, wie Gemeinde sein sollte. Das kann bereichernd sein, aber häufig ist es auch anstrengend und manchmal kommt es sogar zum Streit. Gal 2,11-14 berichtet uns eine ziemlich heftige Auseinandersetzung zwischen den zwei Aposteln Paulus und Petrus. Paulus ist über das Verhalten des Petrus so erbost, dass er ihn in aller Öffentlichkeit zur Rede stellt (übrigens zu Recht). Nichts wird hier unter den Tisch gekehrt, nein, es gibt einen großen Knall. Streit in Gemeinden und unter Christen ist also nichts Neues…

Wie geht man nun aber um mit solchen Unterschieden oder gar mit zerstörerischen Uneinigkeiten? Wie kann man in einer Gemeinde echte Einheit leben?

Als Menschen versuchen wir das meistens durch Kompromisse, ein aufeinander-zugehen, vermitteln, wir schauen, dass möglichst alle zu ihrem Recht kommen (und das ist sicherlich auch richtig).

Im ganzen zweiten Kapitel des Galaterbriefs macht Paulus nun aber deutlich, dass die tiefste Ursache für Uneinigkeiten, die zu Spaltungen führen, ein mangelndes Verständnis des Evangeliums ist. Wir werden solche zerstörerischen Uneinigkeiten nicht überwinden können, wenn wir uns als Gemeinden und Einzelne nicht konsequent am Evangelium ausrichten. Wir brauchen also nicht zuallererst mehr Arbeitskreise, in denen wir uns darüber austauschen, wie der eine oder andere dies oder jenes sieht (obwohl es gut ist, miteinander zu reden). Wir brauchen auch nicht in erster Linie mehr Menschen, die in Gemeinden geschickt zwischen den verschiedenen Interessen vermitteln können (obwohl auch das positiv sein kann). Nein, in erster Linie müssen wir das Evangelium besser verstehen und auf unser persönliches Leben anwenden.

Man könnte noch viel mehr dazu schreiben…, aber ich verweise einfach mal auf die letzten beiden Predigten, die ich über Galater 2 gehalten habe:

Nur das Evangelium stiftet echte Einheit (Galater 2,1-10)

Nur das Evangelium soll unser ganzes Leben prägen (Galater 2,11-21)

Was steckt hinter der Bibelkritik?

Die Bibelkritik hat sich längst auch in den klassischen Freikirchen bzw. im Evangelikalismus breitgemacht. Ron Kubsch, Dozent am Martin Bucer Seminar, hat ein kleines Büchlein veröffentlicht, indem er Hintergründe und geschichtliche Entwicklungen der Bibelkritik erläutert.

In der Buchbeschreibung heißt es:

„Der niederländische Theologe Herman Bavinck sagte vor rund 100 Jahren über seine Kollegen Folgendes: „Oft haben sie nichts mehr zu predigen,weil die [Kritik] ihnen Kraft und die Herrlichkeitdes Evangeliums geraubt hat … Unzufrieden mit ihrer Lage, suchen viele einen Ausweg, indem sie sich in die Politik, in die Diakonie oder in humanitäre Projekte einbringen und in genau diesem Maße aufhören, Diener des Wortes und Verwalterder Geheimnisse Gottes zu sein.“ Die Bibelkritik hat die Verkündigung des Evangeliums in der Tatenorm geschwächt. Viele Prediger glauben nicht mehr an die Kraft des göttlichen Wortes und verkündigen deshalb ihre eigenen Gedanken und zielen auf Weltverbesserung, Lebenshilfe und billigenTrost ab. In diesem Booklet skizziert Ron Kubsch die Entwicklung der neuzeitlichen Bibelkritik von den Anfängen bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts und geht dabei ebenfalls auf aktuelle Versuche ein, zwischen Vertretern und Gegnern der Bibelkritik zu vermitteln. Er meint: „Überheblichkeit gegenüber dem göttlichen Wort führt immer in eine Sackgasse. Es gibt gute Gründe dafür, der Heiligen Schrift zu vertrauen.““
Dieses kurze Büchlein ist jedem Christen sehr zu empfehlen! Denn nur wer die Hintergründe kennt und versteht, kann gut begründet auch eine andere Position vertreten 🙂
Man kann das kleine Büchlein hier kostenlos als PDF downloaden.

Geld und Glaube

Das Thema „Geld und Glaube“ hat mich schon immer interessiert. Mein Vater war viele Jahre Kassenverwalter in meiner Heimatgemeinde, so dass ich da schon einiges zu diesem schwierigen Thema mitbekommen konnte. Auch meinen ersten größeren Dienst hab ich in diesem Bereich getan. „Wie der Vater so der Sohn“, dachte sich mein damaliger Jugendleiter, und machte mich zum Verwalter unserer Jugendkasse. Eine verantwortungsvolle Aufgabe – immerhin hatten wir schon damals jedes Jahr deutlich vierstellige Umsätze.

„Geld und Glaube“ ist also ein Thema zu dem ich schon lange persönlichen Bezug habe. Aber es ist auch ein Thema, das Vielen sehr unangenehm ist und über das große Unkenntnis und Verwirrung herrscht. Und – auch das habe ich über die Jahre festgestellt und es schockiert mich immer wieder – es ist tatsächlich ein Punkt, an dem bei manchem Schluss ist mit dem Frommsein. „Bei Geld hört die Freundschaft auf“, sagt der Volksmund und ich muss hinzufügen: Bei manchem hört beim Geld leider auch der Glaube auf.

All das ist Grund genug, dass ich in den nächsten Wochen an dieser Stelle immer mal wieder den einen oder anderen biblischen Aspekt zu diesem Thema darlegen möchte. Ich werde das in lockerer Reihenfolge und auch nicht streng systematisch tun. Aber ich hoffe, dass es dem einen oder anderen eine Hilfe ist… Gespannt bin ich auch – gerade bei diesem Thema – auf Fragen und Meinungen meiner Leser… also nur Mut, die Kommentarfunktion zu nutzen!

„Weil der Mittler Jesus für uns eintritt, müssen alle Sünden keine Sünde sein.“

„Die Sünde ist wirklich da und die Frommen fühlen sie, aber sie wird von Gott übersehen und ist bei Gott verdeckt, weil der Mittler Jesus Christus für uns eintritt; weil wir ihn im Glauben ergreifen, müssen alle Sünden keine Sünde sein. Wo aber Christus und der Glaube nicht ist, da ist keine Vergebung der Sünden, keine Erbarmung, da ist lauter Zurechnung der Sünde und Verwerfung. So will Gott seinen Sohn verherrlichen und will selbst verherrlicht werden an uns durch den Sohn.

Nachdem wir den Glauben an Christus gelehrt haben, lehren wir auch von den guten Werken. Weil du im Glauben Jesus Christus angenommen hast, durch den du gerecht wirst, so gehe hin und liebe Gott und den Nächsten, rufe ihn an, sage Dank, predige, lobe, bekenne Gott, tue wohl und diene dem Nächsten, tue deine Pflicht. Das sind wahrhaft gute Werke, die aus diesem Glauben und aus der empfangenen Heiterkeit des Herzens fließen, da wir umsonst die Vergebung der Sünden durch Christus haben.“

Martin Luther zu Galater 2,16: „Doch weil wir wissen, daß der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.“

„Hier steht das Wort Gottes im Mittelpunkt“

Vor einiger Zeit bekam ich von jemandem, der schon seit längerer Zeit regelmäßig unsere Gottesdienste besucht, ein unverhofftes Lob: „Hier steht das Wort Gottes im Mittelpunkt. Das find ich gut!“ Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass mein Gesprächspartner bisher in anderen Kirchen andere Erfahrungen gemacht hatte. Dort gab es von den Kanzeln wohl überwiegend Kommentare zur Tagespolitik zu hören. „Wenn ich was zur Politik wissen will, kauf ich mir den Focus oder eine andere Zeitung“, fuhr mein Gesprächspartner fort, „aber in der Kirche da will ich was aus der Bibel hören und hier bei euch ist das so!“

Kann man sich als Pastor ein schöneres Lob vorstellen? Wohl kaum… Natürlich hat das Wort Gottes auch etwas zu politischen Fragen zu sagen – das Evangelium ist in dem Sinne nicht unpolitisch. Aber Aufgabe eines Predigers ist es nicht, die Tagespolitik mit seinen persönlichen Einschätzungen zu kommentieren. Die Aufgabe eines Predigers ist es, den Menschen Christus zu predigen, ihnen das Wort Gottes treu auszulegen, so dass sie durch und durch in ihrer ganzen Person erneuert werden (vgl. Röm 12,2).

Also liebe Prediger, habt Mut einfach das Wort Gottes zu predigen. Die Menschen wollen es hören und sie erwarten, dass sie es von euch in der Kirche hören!

Und liebe Predigthörer: ermutigt eure Pastoren und Prediger, wenn sie das tun! Ermutigung können auch sie sehr gut gebrauchen 🙂

PREDIGT-Tipp: Das Evangelium in 4. Mose

Wer noch ein bisschen Zeit hat und was für sein geistliches Leben tun will, dem sei diese lange, aber sehr sehr gute, Predigt von Ligon Duncan wärmstens empfohlen. Er spricht über 4. Mose 5,1-4. Klingt erstmal überhaupt nicht spannend oder relevant… Aber die Predigt hat es wirklich in sich!!

Ligon Duncan wird übrigens auch einer der Redner auf der nächsten Evangelium21-Konferenz in Hamburg sein.

Der Glaube achtet allein auf Jesus Christus

„Die menschliche Vernunft hat als Gegenstand das Gesetz: Das habe ich getan, das habe ich nicht getan. Der Glaube aber, wenn er in seinem eigentlichen Werk ist, hat keinen anderen Gegenstand als Jesus Christus, den Sohn Gottes, hingegeben für die Sünde der Welt. Der Glaube achtet nicht auf die Liebe, sagt nicht: was habe ich getan, was habe ich gesündigt, was habe ich verdient?, sondern was hat Christus getan, was hat er verdient? Da sagt die Wahrheit des Evangeliums: Er hat dich von der Sünde erkauft, vom Teufel, von dem ewigen Tod. Der Glaube erkennt an, daß er an der Person Jesu Christi Vergebung der Sünden und ewiges Leben habe. Wer diesem Gegenstand ausweicht, hat nicht den wahren Glauben, sondern den geschminkten Glauben und eigene Meinung und wendet die Augen von der Verheißung zum Gesetz, das ihn erschreckt und in die Verzweiflung bringt.“

Martin Luther zu Galater 2,4f:Es hatten sich aber einige falsche Brüder eingedrängt und eingeschlichen, um auszukundschaften unsere Freiheit, die wir in Christus Jesus haben, und uns so zu knechten. Denen wichen wir auch nicht eine Stunde und unterwarfen uns ihnen nicht, auf dass die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe.“

 

Ziel erreicht und Gott vergessen

In meiner persönlichen Bibellese bin ich vor einigen Tagen auf einen Vers gestoßen, der mir hängengeblieben und noch länger durch den Kopf gegangen ist: Als aber das Königtum Rehabeams sich gefestigt hatte und er mächtig war, verließ er das Gesetz des HERRN und ganz Israel mit ihm.” (2Chronik 12,1)

Hier hat jemand sein Ziel erreicht. Rehabeam, König von Juda und Nachfolger Salomos, hat sein Königtum gefestigt und seine Macht ist gesichert. Er hat das erreicht, wonach alle Könige streben und das in der schwierigen Zeit nach der Teilung von Israel in Nord- und Südreich für ihn sicherlich ganz besonders wichtig war. Ziel erreicht, wunderbar, ein Grund zum Danken, könnte man meinen. Und doch ist es bei Rehabeam mit der endgültigen Abwendung vom Herrn und seinem Wort verbunden. Zugegeben, Rehabeam ist ein König, der auch vorher in der Bibel nicht besonders gut wegkommt. Anders als sein Vater Salomo trifft er eben keine weisen Entscheidungen, sondern sorgt durch seine Politik mit dafür, dass Israel in Nord- und Südreich zerfällt (1Könige 12-14 berichten über Rehabeams Leben). Trotzdem bedenkenswert: ein Mensch erreicht ein großes Ziel und vergisst Gott darüber. Gibt es das auch noch heute?

Ich denke ja! Da hat vielleicht jemand das große Ziel, das Studium erfolgreich abzuschließen, eine Familie zu gründen oder sich beruflich zu etablieren. Gute Ziele und Dinge, die uns nicht in den Schoß fallen. Und dann ist es endlich geglückt – wie wunderbar! Aber mit der Erleichterung, die sich verständlicherweise breit macht, geht dann auf einmal ein Gefühl der Selbstsicherheit einher: „Ich hab es geschafft!“ Man fühlt sich jetzt unabhängig, man hat ja alles im Griff, man hat das Leben gemeistert…

Das Schlimme bei Rehabeam ist, dass nicht nur er selbst von Gott abkommt, sondern dass er sein ganzes Volk mitreißt.

Ich will nicht so sein wie Rehabeam. Nein, auch im Erfolg, wenn Ziele erreicht sind, wenn ich froh und erleichtert bin, wenn alles gesichert erscheint, will ich Gott nicht vergessen. Denn er ist es, der jeden Erfolg geschenkt hat. Er ist es auch, der diese ganze Welt – also auch dich und mich – erhält. Ohne ihn geht gar nichts. Wie dumm, so zu tun, als bräuchte man ihn nicht. Möge Gott uns in seiner Gnade vor diesem törichten Irrtum bewahren!