Was uns das Leben von Joasch lehrt

Wie schon in diesem Beitrag erwähnt, lese ich zur Zeit unter anderem 2Chronik. Dort begegnen einem die Lebensgeschichten vieler Könige. Es gibt gute und schlechte Könige und einige, bei denen es beides – Licht und Schatten – gibt. Über die Lebensgeschichte von König Joasch (2Chronik 24), die ich schon vor einigen Tagen las, musste ich noch länger nachdenken. Man kann eine Menge daraus lernen:

  1. Auf wen höre ich? Wer sind meine Ratgeber?

Der Einfluss anderer Menschen auf Joasch ist groß – und zwar sein ganzes Leben lang. Ich denke, dass es so im Grunde bei uns allen ist. Mancher meint zwar: ich bin ein selbstständiger Denker, ein freier Geist, aber letztendlich ist es doch eine Illusion. Jeder Mensch lässt sich massiv von anderen beeinflussen. Ob man es jetzt merkt oder nicht, aber andere Menschen prägen uns.

Die Frage ist also nicht: lass ich mich überhaupt beeinflussen, sondern von wem lasse ich mich beeinflussen?

Bei Joasch war das unterschiedlich. Jojada, der fromme Hohepriester, beeinflusste ihn gerade in seinen jungen Lebensjahren sehr positiv. Seine späteren Ratgeber schmeichelten dem König zwar , aber bringen ihn vom guten Weg ab. Wieder etwas später sendet Gott Propheten, auf die er nicht hört. Schlussendlich lässt er sogar Secharja umbringen, der ihm die unbequeme Wahrheit sagt.

Wer beeinflusst dich? Und ist der Einfluss positiv? Und hörst du auch auf Worte, die erstmal unbequem sind, die aber die Wahrheit sind?

  1. Was tue ich eigentlich, wenn mich keiner sieht?

Joasch ist ein guter König, solange Jojada lebt und er ein Auge auf ihn hat. Als er stirbt, ist von seinem frommen Wandel nicht mehr viel übrig. Das wirft die Frage auf: Wie verhältst du dich eigentlich, wenn dich keiner sieht, du keiner sozialen Kontrolle unterliegst? Wie verhältst du dich, wenn du nicht von frommen Freunden oder anständigen Kollegen umgeben bist?

Man sagt, dass unser Verhalten wenn wir alleine und unbeobachtet sind, unseren wahren Charakter offenbart! Aber bedenken wir hier auch, dass wir immer vor Gottes Angesicht leben. Das muss uns nicht erschrecken, sondern kann uns motivieren: er sieht, wenn wir im Kleinen treu sind, wenn wir auch dann auf seinen Wegen bleiben, wenn es keiner sieht, wenn wir kein Lob dafür kriegen oder wenn es uns auch nicht so wichtig erscheint.

  1. Wen kann ich positiv prägen?

Der Priester Jojada prägt Joasch sehr positiv, er hat wirklich guten Einfluss auf ihn. Das erinnert uns daran, dass auch wir Einfluss auf andere Menschen haben. Du kannst vielleicht keinen König oder anderen Mächtigen beeinflussen (obwohl wer weiß 😉 ), aber du kannst Menschen beeinflussen – und jeder einzelne zählt. Überleg doch mal, wer das sein könnte – ein Freund, ein Kollege, jemand aus deiner Verwandtschaft, jemand aus der Gemeinde – wem kannst du helfen Gott näher zu kommen oder im Glauben zu wachsen.

  1. Wie wird das Volk auf Joasch Herrschaft zurückgeblickt haben?

Joasch hatte eine außergewöhnlich lange Herrschaft: 40 Jahre! Wie werden die Bewohner des Südreichs wohl auf diese Herrschaftszeit zurückgeblickt haben? Nun, 2Chr 24 schildert uns ja eindrücklich, dass es Licht und Schatten gab. Aber wir lesen auch, dass Joasch nicht bei den Königen begraben wurde. Ein deutlicher Hinweis, dass sie seine Herrschaft ingesamt negativ beurteilt haben.

Wie gut, dass wir als Christen unter der Herrschaft eines vollkommenen Königs leben. Wie gut, dass Jesus Christus unser König ist. Er macht keine Fehler, er ist immer treu!

Ziel erreicht und Gott vergessen

In meiner persönlichen Bibellese bin ich vor einigen Tagen auf einen Vers gestoßen, der mir hängengeblieben und noch länger durch den Kopf gegangen ist: Als aber das Königtum Rehabeams sich gefestigt hatte und er mächtig war, verließ er das Gesetz des HERRN und ganz Israel mit ihm.” (2Chronik 12,1)

Hier hat jemand sein Ziel erreicht. Rehabeam, König von Juda und Nachfolger Salomos, hat sein Königtum gefestigt und seine Macht ist gesichert. Er hat das erreicht, wonach alle Könige streben und das in der schwierigen Zeit nach der Teilung von Israel in Nord- und Südreich für ihn sicherlich ganz besonders wichtig war. Ziel erreicht, wunderbar, ein Grund zum Danken, könnte man meinen. Und doch ist es bei Rehabeam mit der endgültigen Abwendung vom Herrn und seinem Wort verbunden. Zugegeben, Rehabeam ist ein König, der auch vorher in der Bibel nicht besonders gut wegkommt. Anders als sein Vater Salomo trifft er eben keine weisen Entscheidungen, sondern sorgt durch seine Politik mit dafür, dass Israel in Nord- und Südreich zerfällt (1Könige 12-14 berichten über Rehabeams Leben). Trotzdem bedenkenswert: ein Mensch erreicht ein großes Ziel und vergisst Gott darüber. Gibt es das auch noch heute?

Ich denke ja! Da hat vielleicht jemand das große Ziel, das Studium erfolgreich abzuschließen, eine Familie zu gründen oder sich beruflich zu etablieren. Gute Ziele und Dinge, die uns nicht in den Schoß fallen. Und dann ist es endlich geglückt – wie wunderbar! Aber mit der Erleichterung, die sich verständlicherweise breit macht, geht dann auf einmal ein Gefühl der Selbstsicherheit einher: „Ich hab es geschafft!“ Man fühlt sich jetzt unabhängig, man hat ja alles im Griff, man hat das Leben gemeistert…

Das Schlimme bei Rehabeam ist, dass nicht nur er selbst von Gott abkommt, sondern dass er sein ganzes Volk mitreißt.

Ich will nicht so sein wie Rehabeam. Nein, auch im Erfolg, wenn Ziele erreicht sind, wenn ich froh und erleichtert bin, wenn alles gesichert erscheint, will ich Gott nicht vergessen. Denn er ist es, der jeden Erfolg geschenkt hat. Er ist es auch, der diese ganze Welt – also auch dich und mich – erhält. Ohne ihn geht gar nichts. Wie dumm, so zu tun, als bräuchte man ihn nicht. Möge Gott uns in seiner Gnade vor diesem törichten Irrtum bewahren!