„Wir sehen die gewaltigsten Früchte des Evangeliums…“

„Wir aber, die wir glauben, sehen die gewaltigsten und unzählige Vorteile und Früchte des Evangeliums, wiewohl wir äußerlich zeitweise durch unzählige Übel niedergedrückt werden, Verachtung leiden, ausgeraubt, verlästert und verdammt werden und der Unrat aller sind, in den Tod gegeben und inwendig durch Gewissensangst über der Sünde geängstigt und durch die Dämonen gequält werden. Aber in Christus leben wir, in ihm und durch ihn sind wir Könige und Herren über Sünde, Tod, Fleisch, Welt, Hölle und alle Übel, durch ihn treten wir schließlich mit Füßen jeden Drachen und Basilisken, der der König der Sünde und des Todes ist. Und wie? Im Glauben, denn unser Gut ist noch nicht geoffenbart, wir erwarten es in der Zwischenzeit mit Geduld und dennoch halten wir es im glauben schon fest in den Händen.“

Martin Luther zu Galater 4,29: „Aber wie zu jener Zeit der, der nach dem Fleisch gezeugt war, den verfolgte, der nach dem Geist gezeugt war, so geht es auch jetzt.“

„Denn die reich werden wollen, die fallen in Versuchung….“ – und die Alternative der Genügsamkeit

Gott warnt uns in der Bibel vor den Gefahren des Reichtums. Nicht dass Reichtum, Geld, Wohlstand und Besitz grundsätzlich abzulehnen sind – nein so eine negative Sicht finden wir in der Bibel nicht. Dennoch ist die Bibel sehr realistisch und schildert uns die Gefahren, die es in diesem Zusammenhang zweifellos gibt. Z.B. in 1Tim 6,6-10:  Dort geht es um die Gefahr, die aus dem Wunsch nach materiellen Dingen erwächst und um den Vorteil der Genügsamkeit.

Das erste wovon Paulus hier spricht, ist Genügsamkeit, Zufriedenheit, mit dem was man hat: Die Frömmigkeit aber ist ein großer Gewinn für den, der sich genügen läßt.” Aber – und das kennen wir alle – Genügsamkeit, Zufriedenheit ist etwas, was sehr leicht zu verlieren ist. Wie schnell denken wir: wenn ich noch etwas mehr habe, dann bin ich zufrieden. Und wenn wir dann etwas mehr haben, denken wir ganz schnell wieder: wenn ich das und das noch habe, dann bin ich wirklich zufrieden…

Denken wir an ein junges Paar, das heiratet –  vielleicht beide noch Studenten oder in der Ausbildung. Sie haben nicht viel Geld und ziehen darum zusammen in eine kleine, alte Wohnung irgendwo in einer günstigen und nicht so schicken Gegend. Alles ein bisschen ab vom Schuss, so dass sie, wenn sie mal wohin müssen, mit dem Fahrrad oder Bus fahren müssen. Und natürlich wünschen sie sich, irgendwann eine größere schönere Wohnung zu beziehen. Und eines Tages ist es auch soweit, sie verdienen Geld und können in eine größere Wohnung umziehen und ein Auto konnten sie inzwischen auch anschaffen und sie sind ganz zufrieden. Und dann bekommen sie einige Zeit später ein Kind und sie wünschen sich – logisch und verständlich – eine noch größere Wohnung mit Balkon oder am besten ein kleines Häuschen mit Garten. Das ganze aber möglichst doch in einer guten Gegend, man ist ja auch um das soziale Umfeld besorgt, in dem die Kinder aufwachsen, mit wem sie zur Schule gehen usw… Und sie sagen sich: „wenn wir das haben, unser eigenes kleines Häuschen mit Garten in einem schönen Wohngebiet, dann werden wir glücklich sein, da werden wir zufrieden sein.“ Und sie sind sich ganz sicher: „da werden wir bleiben bis an unser Lebensende – mehr wollen und mehr brauchen wir nicht!“

Sicher?

Ich will keinen dieser Wünsche verurteilen, sie sind alle verständlich und legitim. Und trotzdem lauert da auch eine Gefahr und wir müssen uns eine Frage stellen: Wieviel ist eigentlich genug? Und wieviel ist zu viel?

Jemand hat mal die Gefahr des „Immer-mehr-Wollens“ mit der Situation verglichen, in der sich ein abgestürzter Bergsteiger befindet, der den steilen Abhang immer weiter herunterrutscht. Aufgrund der Schwerkraft rutscht er ganz von selbst immer weiter herunter. Das passiert von ganz alleine, dazu muss er nichts tun. Entscheidend ist jetzt nicht, an welchem Punkt des Abhangs er seinen Pickel in den Berg haut, sondern dass er es überhaupt irgendwann mal tut. Entsprechend sagt uns die Bibel nicht, wieviel Reichtum oder Wohlstand erlaubt ist. Wohl aber warnt sie uns vor den Gefahren des Materialismus! Und wir tun gut daran, für uns persönlich zu überlegen, an welchem Punkt wir den Pickel einhauen… Wieviel ist also genug? Und wieviel ist zu viel? Darüber lohnt es sich wirklich mal in Ruhe nachzudenken…

Zufriedenheit mit dem, was hier haben, ist jedenfalls etwas, was extrem leicht zu verlieren ist. Paulus schreibt in Phil 4, dass er zufrieden ist, wenn er wenig hat und wenn er viel hat. Er ist zufrieden, unabhängig von dem, was er hat.

Wie geht das? Nun auch bei den griechischen Philosophen zur Zeit von Paulus war das ein hoher Wert, es war eine Tugend genügsam und zufrieden zu sein mit den eigenen Lebensumständen. Man musste lernen, unabhängig von allen Dingen und Menschen zu werden und man musste die Stärke entwickeln, die eigenen Wünsche zu verleugnen.

Bei Paulus ist das anders: Er ist nicht aus eigener Kraft in allen Lebensumständen zufrieden, es ist keine Selbstgenügsamkeit bei ihm, es ist nicht sein starker Wille der jedem äußeren Druck widersteht. Nein, Paulus ist von den äußeren Lebensumständen nicht abhängig, nicht weil er selbstgenügsam ist, sondern weil er „Gott-genügsam“ ist. Es ist Jesus, der ihm die Kraft gibt, es ist Jesus der seine wahren Wünsche stillt. Unsere Zufriedenheit soll auf etwas gegründet sein, das die aktuellen Umstände übertrifft. Das ist ganz entscheidend, sonst wird der Wunsch nach „Mehr“ uns immer wieder erfassen

Zurück zu 1Tim 6. In V. 7 nennt Paulus dann einen Grund, warum wir zufrieden und genügsam mit unseren Lebensumständen sein sollen: Denn wir haben nichts in die Welt gebracht; darum werden wir auch nichts hinausbringen. Er sagt also: wenn wir uns auf die materiellen Dinge verlassen, machen wir einen schlechten Schachzug, weil diese Dinge vergänglich sind. In V. 8 macht er dann noch deutlich, dass die materiellen Sachen unterschiedlich notwendig sind: Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so wollen wir uns daran genügen lassen. Kleidung und Essen stehen stellvertretend für das, was wir brauchen. Es gibt ganz selbstverständlich viele Ausgaben, die wir tätigen müssen, das versteht Paulus auch. Wir sollen ja z.B. für unsere Familien sorgen – das fordert Paulus auch anderer Stellen in seinen Briefen. Aber nicht alles ist eben gleich notwendig – und daran müssen wir immer wieder denken.

In einem zweiten Teil werden wir dann noch auf die drastischen Gefahren schauen, die uns Paulus in V. 9-10 beschreibt.

„Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich!“

4 HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige!  5 Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.  6 Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.  7 Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen!  8 Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg.  9 Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.  10 Die Wege des HERRN sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Gebote halten.

Psalm 25,4-10

„Als Werner Kahmann mit dem Studium beginnt, ist Willy Brandt noch deutscher Bundeskanzler, AC/DC gründen sich, und man debattiert über die Watergate-Affäre. Seit diesem Sommer hat die Hochschule Köln-Deutz nun einen Langzeitstudenten weniger: Kahmann, 61, ist endlich fertig mit dem Studium und darf sich nach 63 Semestern „Ingenieur für Technische Gebäudeausrüstung“ nennen.“ So berichtete die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel vom 2.10.2012 über einen außergewöhnlichen Studenten. Manch einer wird – wenn er das liest – entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sich fragen, wie jemand nur so lange sein Studium nicht abschließen konnte. Mancher wird vielleicht auch beeindruckt sein, dass sich dieser Mann über einen so langen Zeitraum nicht von seinem Ziel – dem Studienabschluss – abbringen ließ. Und wieder andere könnten sagen, dass dieser Mann doch ein wunderbares Vorbild dafür ist, was es heißt, lebenslang zu lernen.

Als Christen sind wir in der Tat Menschen, die lebenslang lernen sollen. Wir sind Jünger, d.h. Lernende und gehen während unserer gesamten Lebensspanne in die göttliche Schule. Nie sind wir fertig, und niemals kommen wir an den Punkt, an dem es für uns nichts mehr zu lernen gibt.

Schon König David wusste um diese Wahrheit, als er Psalm 25 dichtete. In dem kurzen Abschnitt, der oben abgedruckt ist, finden wir drei Mal das Wort „lehren“, dazu zwei Mal das Wort „leiten“ und je einmal die Wörter „zeigen“ und „weisen.“ David wusste also, dass er Lehre und Leitung brauchte und er wusste wo er sie finden konnten. Das ist der erste wichtige Punkt, der in diesen Versen deutlich wird: Wir brauchen Gott, dass er uns lehrt und leitet. Wir lernen nicht ausreichend aus eigener Erfahrung heraus, nicht genug von anderen Menschen oder aus anderen Quellen. Nein, wir brauchen unbedingt Gott, dass er uns lehrt und leitet. Gott soll unser Lehrer und Leiter für unser Leben sein!

Außerdem wird deutlich, dass es etwas ganz besonderes – ein wertvolles Geschenk nämlich – ist, dass Gott uns lehrt und leitet. David betet in V. 8: Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg.“  Hier wird deutlich, dass wir keinen Anspruch darauf haben, dass Gott uns den Weg weist. Nein, es wäre vollkommen verständlich, wenn Gott uns als Sünder weiter unseren selbstgewählten Weg in die Irre gehen lassen würde. Aber Gott tut es nicht. Er ist bereit und willens, uns zu lehren und zu leiten. Darum danken wir Gott, dass er uns lehrt und leitet. Wir danken ihm, dass wir die Bibel haben, die uns Gottes Orientierung für unser Leben gibt. Dass er geistliche Lehrer in die Gemeinde hineinstellt, die uns sein Wort erklären. Und dass er uns den Heiligen Geist geschenkt hat, der uns in alle Wahrheit leiten wird (vgl. Joh 16,13).

Als letztes erinnert uns David daran, dass Gott uns immer recht lehrt und gute Wege weist: „Die Wege des HERRN sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Gebote halten.“ (V. 10). Seiner Leitung und Lehre folgen zu können, ist keine negative Einschränkung der eigenen Freiheit. Nein, von Gott geleitet und gelehrt zu werden, ist äußerst lohnenswert und segensreich für das eigene Leben: Ja, „glücklich sind die, die im Weg ohne Tadel sind, die im Gesetz des HERRN wandeln.“ (Ps 119,1) Wir wollen Gott auch loben, dass er uns lehrt und leitet!

„Wir stützen uns auf das, was außerhalb unser ist…“

„Unser Fundament ist dies: das Evangelium befiehlt uns, nicht unsere Wohltaten und unsere Vollkommenheit anzusehen, sondern den Gott der Verheißung, Jesus Christus, den Mittler. Dagegen befiehlt der Papst, nicht auf den Gott der Verheißung, auf Christus, den Hohepriester, zu schauen, sondern auf unsere Werke und Verdienste. Daraus kommt dann notwendig der Zweifel und die Verzweiflung. Bei unserer Evangeliumsauffassung kommt Gewißheit und Freude des Hl. Geistes, weil ich an Gott hänge, der nicht lügen kann; er sagt nämlich: Sieh, ich geb meinen Sohn in den Tod, daß er dich mit seinem Blut erlöse von den Sünden und vom Tod. Da kann ich nicht zweifeln, wenn ich Gott nicht völlig verleugnen will. Und das ist der Grund, warum unsere Theologie Gewißheit hat: Sie reißt uns von uns selbst weg und stellt uns außerhalb unser, so daß wir uns nicht auf unsere Kräfte, Gewissen, Sinn, Person, auf unsere Werke stützen, sondern auf das, was außerhalb unser ist, nämlich auf die Verheißung und Wahrheit Gottes, der nicht täuschen kann.“

Martin Luther zu Galater 4,6: „Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!“

PREDIGT: „Was soll dann das Gesetz?“

Ansich würde (hoffentlich) jeder Christ zustimmen, dass wir Menschen allein aufgrund von Gottes Gnade durch Glauben vor Gott gerecht werden. Dass es nicht die Werke, die guten Taten, das vorbildliche Verhalten ist, das vor Gott zählt. Sondern, dass er uns allein durch den Glauben an Jesus Christus erlöst. Das ist das einzigartige am Evangelium! Das ist, was den christlichen Glauben – richtig verstanden – ausmacht! Er, Gott, tut alles – wir tun nichts, nehmen seine Gnade nur noch dankbar im Glauben an.

Und doch regt sich häufig wenn man darüber spricht, eine gewisse Skepsis oder echter Widerstand. Gerade auch im Gespräch mit frommen Leuten ist das so…: Kann das wirklich so sein? Ist das tatsächlich wahr, dass Gott uns allein aus Gnade und Glauben annimmt? Ist das nicht zu einfach, zu billig? Sind nicht gute Taten auch wichtig? Heißt das jetzt, dass wir Gottes Geboten – seinem Gesetz – gar nicht gehorchen brauchen? Dass wir einfach tun und lassen können, was wir wollen? Und wenn meine Errettung einzig und allein daran hängt, was Christus für mich getan hat, warum sollte ich dann überhaupt noch danach streben ein heiliges Leben zu führen?

Kurz gesagt: Sind wir als Christen Gottes Gesetz eigentlich noch in irgendeiner Form verpflichtet? Über dieses spannende und wichtige Thema habe ich am letzten Sonntag gepredigt und wer möchte, darf sich meine Predigt gern anhören: Nur das Evangelium bringt das Gesetz zur rechten Geltung (Gal 3,15-25).

Auch die Predigt von der Woche zuvor ist online und kann nachgehört werden: Nur das Evangelium stets vor Augen halten (Galater 3,1-14) oder wie man auf Abrahams Spuren wandeln kann 😉

Petition gegen massenhafte Abtreibungen

Schon vor einer Woche hatte ich darüber geschrieben, dass ein christlicher Chefarzt beschlossen hatte, in seiner Abteilung keine Abtreibungen nach der sogenannten Beratungsregelung mehr durchzuführen. Nach großer öffentlicher Empörung, wo auch mancher von einem „Recht auf Abtreibung“ sprach (das es gar nicht gibt), musste er schließlich seinen Hut nehmen.

Erfreulicherweise hat sich Idea dieses Themas angenommen. Es wurde nicht nur ein sehr guter Kommentar zu dem Vorfall veröffentlicht, sondern auch eine Petition an den Deutschen Bundestag gestartet. Der Bundestag wird dazu aufgefordert „dafür zu sorgen, dass gemäß dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts das Leben ungeborener Kinder wieder umfassend geschützt wird.“ Ich empfehle unbedingt, diese Petition zu unterstützen.

Durch Idea wurde auch bekannt, dass es sich bei dem betreffenden Chefarzt um einen Christen aus dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden handelt. Als Pastor dieses Gemeindebundes freut mich das besonders 🙂 Das wäre eine gute Gelegenheit, dass auch die Leitung unseres Gemeindebundes eine klare, öffentliche Stellungnahme zum Schutz des ungeborenen Lebens abgibt! (Die Evangelische Allianz hat es ja schon längst getan).

Wozu das Gesetz gegeben wurde

„So ist es das wahre Amt und der hauptsächliche und eigentliche Gebrauch des Gesetzes, daß es dem Menschen seine Sünde, Blindheit, Elend, Gottlosigkeit, Unwissenheit, Haß, Gottesverachtung, Tod, Hölle, Gericht und verdienten Gotteszorn offenbar macht. (…) Gott will niedertreten und zermalmen jene Ungeheuer und jene wütende wilde Tier, nämlich die Meinung, sich Gerechtigkeit verdienen zu können, und da ist er gezwungen auf dem Berg Sinai ein neues Gesetz mit solchem Aufwand an schrecklicher Herrlichkeit zu geben, daß das ganze Volk vor Schrecken niedergeworfen worden ist. Weil die menschliche Vernunft in ihrer Einbildung eigener Gerechtigkeit übermütig wird und sich mit ihrer eigenen Gerechtigkeit bei Gott einen Platz einbildet, muß Gott einen schicken, der ein Herkules ist, das Gesetz also, das gegen das Ungeheuer menschlicher Einbildung anstürmt, es niederwirft und erledigt. Daher hat es das Gesetz auf diese Bestie allein abgesehen, auf nichts anderes. (…) Solange die Einbildung eigener Gerechtigkeit im Menschen bleibt, bleibt auch bestehen unbegreiflicher Hochmut, Anmaßung, Sicherheit, Gotteshaß, Verachtung der Gnade und des Erbarmens, Unwissenheit der Verheißungen und Christi. Und in ein solches eigengerechtes Herz dringt keine Predigt von der geschenkten Gnade und von der Sündenvergebung; der gewaltige Fels, die eisenharte Mauer der menschlichen Eigengerechtigkeit, mit der das Menschenherz gegürtet ist, hinderts. Wenn das Gesetz anklagt und das Gewissen erschreckt: das hättest du tun sollen und hast es nicht getan, darum bist du schuldig des Zornes Gottes und des ewigen Todes!, dann ist es in seinem eigentlichen Werk und Amt. Da wird das Herz bis zur Verzweiflung gebracht. Daher ist das Gesetz der Hammer, der Felsen zerschmeißt, das Feuer und jenes große und starke Beben, das die Berge umstürzt.“

Martin Luther zu Galater 3,19: „Was soll nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt – bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt -, angeordnet durch Engel in der Hand eines Mittlers.“

Geld strategisch einsetzen

Eins der schwierigsten Gleichnisse, die Jesus erzählt, finden wir in Lukas 16,1-8. Es ist das Gleichnis vom „unehrlichen Verwalter“. Und auch dieses Gleichnis lehrt uns etwas Wichtiges darüber, wie wir als Christen mit Geld umgehen sollen. Kurzgesagt: wir sollen uns nicht davon einfach fernhalten, sondern es strategisch und durchdacht einsetzen.

Aber schauen wir zunächst näher auf das Gleichnis. Jesus erzählt hier von einem Verwalter, quasi einem Manager, der für einen reichen Mann einen Teil seines Besitzes verwaltete. Vermutlich wohnte dieser einfach zu weit weg oder hatte andere Dinge zu tun. Solche Verwalter hatten damals große Freiheiten: sie konnten mit dem Besitz wirtschaften, Geld verleihen, Land verpachten uvm. Und natürlich konnten sie auch selbst gut daran verdienen. Solange sie das treu und erfolgreich machen und der Profit für den Eigentümer stimmte, war alles in Ordnung.

Eines Tages bekommt der reiche Mann im Gleichnis Informationen darüber, dass sein Verwalter in irgendeiner Form – das wird hier offen gelassen – untreu gehandelt hat. Er lässt ihn rufen, stellt ihn zur Rede, der Verwalter kann die Vorwürfe offensichtlich nicht ausräumen, er ist wahrscheinlich tatsächlich schuldig und so wird der Verwalter gefeuert. Er hat allerdings noch einige Tage Zeit, bis die Kündigung wirksam wird. Und der Verwalter fragt sich: „Was soll ich tun? In wenigen Tagen bin ich arbeitslos, ich weiß nicht mehr wovon ich leben soll, ich will keine harte Arbeit annehmen und betteln will ich auch nicht. Womit soll ich dann in Zukunft meinen Lebensunterhalt verdienen?“ Ziemlich schnell hatte der durchtriebene Verwalter einen raffinierten Plan: „Ich weiß, was ich tun werde: ich muss meine jetzige Stellung noch ausnutzen und mir Freunde verschaffen, die mich aufnehmen, sobald ich meinen Schreibtisch hier endgültig räumen muss!“

Nacheinander ruft er nun alle Schuldner zu sich und erkauft mit seiner Großzügigkeit ihre Dankbarkeit. Er fragt sie nach ihrer Schuld, und wenn sie dann kleinlaut die immense Summe nannten, dann erließ er ihnen willkürlich und überhaupt nicht nachvollziehbar einen erheblichen Teil davon.

Aber passiert hier wirklich das, was man auf den ersten Blick denkt? Reduziert hier der Verwalter tatsächlich die Schulden der Schuldner, um sich beliebt zu machen? Tut er das einfach so – obwohl es zum Schaden seines Herrn ist, für den er ja nur noch kurze Zeit tätig ist? Das nennt man doch Betrug! Passiert hier also wirklich ein Betrug und wie kann das sein, dass Jesus dann dieses Verhalten lobt? Oder müssen wir das irgendwie anders verstehen?

In der Auslegungsgeschichte dieses Gleichnisses sind tatsächlich immer wieder auch andere Erklärungsmöglichkeiten vorgeschlagen worden, um dem Gleichnis diese Anstößigkeit zu nehmen, dass Jesus hier ein betrügerisches Verhalten lobt. Manche haben vorgeschlagen, dass der Verwalter ursprünglich einen viel zu hohen Zinssatz genommen hat und dass er diesen nun auf ein faires Maß reduziert. Andere haben angenommen, dass der Verwalter die Schulden hier reduzieren kann, weil er auf seinen Anteil, der ihm als Provision sozusagen zustand, verzichtete. Mich überzeugt das alles nicht. Nein, dieser Verwalter tut genau das, wonach es aussieht: Er betrügt seinen Herrn, der ihn entlassen hat, indem er die Schulden der Schuldner drastisch reduziert, damit er deren Wohlwollen gewinnt! Er tut das, weil er sich für die Zukunft erhofft, dass sie ihm dankbar sind, dass sie sich bei ihm revanchieren, wenn er ohne Arbeit ist. Und Jesus lobt dieses Verhalten auch noch!

Warum? Wie kann das sein?

Wir müssen bedenken, dass Gleichnisse immer einen Vergleichspunkt haben. Nicht aus jeder Kleinigkeit so einer Beispielgeschichte darf man eine Anwendung für uns ableiten wollen. Nein, es gibt immer einen Vergleichspunkt, eine Sache also, die Jesus ganz deutlich machen will. Und das ist hier nicht der Betrug, sondern das ist die kluge Vorausschau des Verwalters. Er wusste, dass er bald seinen Job verlieren würde und dann mittellos dastehen würde. Deshalb verwendet er solange es geht die Ressourcen seines Herrn um sich Freunde zu machen, die ihn später mit Freuden in ihre Häuser „aufnehmen“ würden.

Jesus verdeutlicht das durch seine Worte in V. 8b: „Die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.“ Jesus stellt die Ungläubigen (die Kinder dieser Welt) den Christen (Kinder des Lichts) gegenüber. Und er sagt quasi: „wenn’s ums liebe Geld geht, dann stellen sich die Ungläubigen, die die gar keine moralischen Maßstäbe kennen, wirklich sehr geschickt an – von denen könnt ihr euch noch eine Scheibe abschneiden und viel von ihnen lernen!“ Wohlgemerkt: natürlich nicht von ihrem Sinn für Betrügereien, wohl aber von ihren klaren Sicht auf die eigene Zukunft und ihrem großen Einsatz für ihre eigene Zukunft. Dass sie nämlich ganz entschlossen ist – koste es, was es wolle – das Beste für sich rauszuholen! Jesus meint also: Wenn’s ums Geld geht, wenn’s um den eigenen Vorteil geht, haben die Ungläubigen ihre Zukunft fest im Blick und geben alles dafür, um ihre Zukunft positiv zu gestalten. Und Jesus wählt dieses drastische Beispiel, was aufhorchen lässt, auch gerade deshalb um die Lektion für uns als Jünger Jesu umso deutlicher zu machen: Auch ihr als Christen sollt eure Zukunft im Blick haben, ihr sollt die Ewigkeit im Blick haben.

Jesus fordert also nicht dazu auf, dass sich Christen vom Geld („dem ungerechten Mammon“) fernhalten sollen (das geht auch sowieso nicht), sondern dass wir es strategisch einsetzen können. Oder anders formuliert: Geld kann für Christen ein nützliches Werkzeug sein. Und Jesus möchte, dass wir das Geld das uns anvertraut ist, als solches klug benutzen – quasi bevor unsere Dienstzeit auf Erden zu Ende ist.

Daraus ergeben sich einige persönliche Fragen:

  • Habe ich meine Zukunft – und Jesus meint damit nicht unser Rentenalter, sondern die Ewigkeit – klar im Blick?
  • Was könnte mir helfen, damit ich meinen Alltag mit einer stärker ausgeprägten Ewigkeitsperspektive lebe?
  • Machst du dir Gedanken darüber, wie du deine finanziellen Mittel nutzt – und wenn ja, kommen Gott, Glaube und Ewigkeit in deinen Überlegungen vor?
  • Wie kann ich das, was Gott mir finanziell anvertraut hat, strategisch (im Hinblick auf die Ewigkeit) nutzen?
  • „Freunde machen mit dem ungerechten Mammon“ heißt es in V. 9. Was kann das praktisch bedeuten?
  • Und zum Weiterdenken: Was bedeutet es eigentlich, dass vor dem Gleichnis vom „unehrlichen Verwalter“ das berühmte Gleichnis vom „verlorenen Sohn“ steht?

Anmerkung: Dies ist der dritte Beitrag zum Thema „Geld und Glaube“. Hier findest du den einführenen Beitrag und hier den zweiten Beitrag zum Thema „Klug investieren.“

Was uns das Leben von Joasch lehrt

Wie schon in diesem Beitrag erwähnt, lese ich zur Zeit unter anderem 2Chronik. Dort begegnen einem die Lebensgeschichten vieler Könige. Es gibt gute und schlechte Könige und einige, bei denen es beides – Licht und Schatten – gibt. Über die Lebensgeschichte von König Joasch (2Chronik 24), die ich schon vor einigen Tagen las, musste ich noch länger nachdenken. Man kann eine Menge daraus lernen:

  1. Auf wen höre ich? Wer sind meine Ratgeber?

Der Einfluss anderer Menschen auf Joasch ist groß – und zwar sein ganzes Leben lang. Ich denke, dass es so im Grunde bei uns allen ist. Mancher meint zwar: ich bin ein selbstständiger Denker, ein freier Geist, aber letztendlich ist es doch eine Illusion. Jeder Mensch lässt sich massiv von anderen beeinflussen. Ob man es jetzt merkt oder nicht, aber andere Menschen prägen uns.

Die Frage ist also nicht: lass ich mich überhaupt beeinflussen, sondern von wem lasse ich mich beeinflussen?

Bei Joasch war das unterschiedlich. Jojada, der fromme Hohepriester, beeinflusste ihn gerade in seinen jungen Lebensjahren sehr positiv. Seine späteren Ratgeber schmeichelten dem König zwar , aber bringen ihn vom guten Weg ab. Wieder etwas später sendet Gott Propheten, auf die er nicht hört. Schlussendlich lässt er sogar Secharja umbringen, der ihm die unbequeme Wahrheit sagt.

Wer beeinflusst dich? Und ist der Einfluss positiv? Und hörst du auch auf Worte, die erstmal unbequem sind, die aber die Wahrheit sind?

  1. Was tue ich eigentlich, wenn mich keiner sieht?

Joasch ist ein guter König, solange Jojada lebt und er ein Auge auf ihn hat. Als er stirbt, ist von seinem frommen Wandel nicht mehr viel übrig. Das wirft die Frage auf: Wie verhältst du dich eigentlich, wenn dich keiner sieht, du keiner sozialen Kontrolle unterliegst? Wie verhältst du dich, wenn du nicht von frommen Freunden oder anständigen Kollegen umgeben bist?

Man sagt, dass unser Verhalten wenn wir alleine und unbeobachtet sind, unseren wahren Charakter offenbart! Aber bedenken wir hier auch, dass wir immer vor Gottes Angesicht leben. Das muss uns nicht erschrecken, sondern kann uns motivieren: er sieht, wenn wir im Kleinen treu sind, wenn wir auch dann auf seinen Wegen bleiben, wenn es keiner sieht, wenn wir kein Lob dafür kriegen oder wenn es uns auch nicht so wichtig erscheint.

  1. Wen kann ich positiv prägen?

Der Priester Jojada prägt Joasch sehr positiv, er hat wirklich guten Einfluss auf ihn. Das erinnert uns daran, dass auch wir Einfluss auf andere Menschen haben. Du kannst vielleicht keinen König oder anderen Mächtigen beeinflussen (obwohl wer weiß 😉 ), aber du kannst Menschen beeinflussen – und jeder einzelne zählt. Überleg doch mal, wer das sein könnte – ein Freund, ein Kollege, jemand aus deiner Verwandtschaft, jemand aus der Gemeinde – wem kannst du helfen Gott näher zu kommen oder im Glauben zu wachsen.

  1. Wie wird das Volk auf Joasch Herrschaft zurückgeblickt haben?

Joasch hatte eine außergewöhnlich lange Herrschaft: 40 Jahre! Wie werden die Bewohner des Südreichs wohl auf diese Herrschaftszeit zurückgeblickt haben? Nun, 2Chr 24 schildert uns ja eindrücklich, dass es Licht und Schatten gab. Aber wir lesen auch, dass Joasch nicht bei den Königen begraben wurde. Ein deutlicher Hinweis, dass sie seine Herrschaft ingesamt negativ beurteilt haben.

Wie gut, dass wir als Christen unter der Herrschaft eines vollkommenen Königs leben. Wie gut, dass Jesus Christus unser König ist. Er macht keine Fehler, er ist immer treu!

Es gibt kein Recht auf Abtreibung

Wie in den letzten Tagen bekannt wurde, hatte ein christlicher Chefarzt beschlossen, dass in seiner Abteilung keine Abtreibungen mehr nach der sogenannten Beratungsregelung durchgeführt werden (Bericht z.B. hier). Als Chefarzt ist es sein gutes Recht, solche Rahmenbedingungen für seine Abteilung vorzugeben. Wie zu erwarten war, ließ die öffentliche Empörung der Abtreibungs-Lobby nicht lange auf sich warten. Pro Familia, die Organisation mit dem wohl unpassendsten Namen überhaupt (das ist so, als würde sich der örtliche Schlachthof als Tierschutzorganisation bezeichnen), zeigte sich „entsetzt“ und die SPD-Gesundheitsministerin von Niedersachsen drohte dem betroffenen Krankhaus unverhohlen mit finanziellen Nachteilen. Obwohl die Klinikleitung die Entscheidung des Chefarztes mittrug und dieser seine Position auch vor seiner Einstellung mitteilte, kam es, wie es zu befürchten war: der christliche Chefarzt wird letztendlich die Klinik verlassen (Bericht hier).

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht aus biblischer Sicht auf dieses Thema eingehen, obwohl es da sehr viel zu sagen gäbe… über das menschliche Leben, über Christen in Welt usw.

Nein, ich möchte nur auf eine Tatsache hinweisen. Abtreibung ist in Deutschland nach wie vor eine Straftrat. Abtreibung bleibt lediglich unter bestimmten Bedingungen straffrei. Die Abtreibungs-Lobby möchte auch hier der Öffentlichkeit weismachen, dass es ein Recht auf Abtreibung gäbe. Das gibt es aber nicht. Es ist ein riesiger Skandal, wenn ein Chefarzt oder eine Klinik hier von Lobbyisten und sogar durch Regierungsmitglieder (!) unter solch massiven Druck gesetzt werden, rechtswidrig zu handeln! Dass solche Menschen keinen Respekt vor Gottes Wort haben, sollte einen nicht wundern. Aber dass hier nicht mal mehr die Gesetzeslage respektiert wird, ist schon erschreckend.

Die Deutsche Evangelische Allianz hat zu diesem Vorgang übrigens eine gute Stellungnahme verfasst, die hier zu finden ist.