Warum ich fortlaufende Bibeltexte predige II

In diesem Beitrag habe ich bereits einen Grund genannt, warum ich vorwiegend fortlaufend ganze Bibelbücher oder größere Bibelabschnitte predige. Damit nämlich nicht nur populäre Lieblingsstellen zur Sprache kommen, sondern der ganze Ratschluss Gottes (vgl. Apg 20,27) gepredigt wird.

Fortlaufendes Predigen entspricht dem Charakter der Schrift

Ein weiterer Grund, warum ich das fortlaufende Predigen (man nennt das lectio continua) favorisiere, besteht darin, dass man damit dem Charakter der Bibel am ehesten gerecht wird. Denn die Bibel ist zum allergrößten Teil keine lose Sammlung zufällig zusammengestellter Sprüche. Die Bibel ist auch kein Lexikon mit kurzen thematisch in sich abgeschlossenen Artikeln. Nein, die Bibel ist ein Buch das Erzählungen, Poesie, Briefen und manche literarische Gattung mehr enthält. Gemeinsam ist aber fast allen Texten, dass ein Gedankengang über einen längeren Abschnitt entwickelt wird. Paulus hat den 1. Korintherbrief nicht geschrieben, damit wir heute 1Kor 13,4 („Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf“) herausgreifen und alles andere in diesem langen Brief ignorieren. Auch wenn Jesus dazu auffordert „zuerst nach dem Reich Gottes zu trachten“ (Mt 6,33), ist es von entscheidender Bedeutung seinen ganzen Gedankengang zu beachten. Bei alttestamentlichen Erzählungen ist die Sache noch wichtiger: Was sagt uns die Geschichte von der Versöhnung zwischen Jakob und Esau (1Mose 33)? Ich bin überzeugt, wir werden sie missverstehen, wenn wir uns nicht den gesamten Jakob-Zyklus (1Mose 25-35) anschauen.

Die großen Linien verstehen

Wenn ich also fortlaufend längere Bibelabschnitte predige, tue ich das auch, um es der Gemeinde zu ermöglichen, einen längeren Gedankengang in der Bibel zu verstehen. Ja, mein Ziel ist es vor allem, dass sie die großen Linien verstehen. Nicht nur den Gedanken in einem Abschnitt von 4-5 Versen, sondern z.B. einen ganzen Brief. Um dieses Ziel zu erreichen, ist das fortlaufende Predigen die beste Methode. Denn so baut Predigt für Predigt aufeinander auf. Denn seien wir ehrlich, nur eine einzelne Perikope in der Annahme herauszugreifen, die Zuhörer könnten diesen Text in den großen Zusammenhang schon einordnen, ist wohl in den seltensten Fällen realistisch.

Warum ich fortlaufende Bibeltexte predige

Wer mich kennt, weiß, dass ich vorwiegend fortlaufend ganze Bibelbücher oder größere Bibelabschnitte predige. So habe ich das in Vergangenheit u.a. mit Kolosser, Markus, Maleachi, Philipper, Judas, Elia (1Könige 17-21) oder Galater getan. Aktuell befinde ich mich gerade in einer Reihe über das Leben Jakobs (1Mose 25-35 – über die Weihnachtszeit pausiere ich allerdings).

Jeder Bibeltext ist wichtig

Es gibt viele Gründe, warum ich mich an diesem sehr alten Brauch (man nennt das lectio continua) orientiere. Z.B. wird durch dieses Vorgehen verdeutlicht, dass jeder Bibeltext wichtig ist. Es werden nicht nur die populären Lieblingsstellen herausgepickt, sondern es kommen auch die weniger bekannten Texte zwangsläufig zur Sprache.

Das Beispiel des Philipperbriefs

Ich will das mal am Beispiel des Philipperbriefs verdeutlichen: Ich bin mir sicher, dass ein Prediger, der in den Paulusbriefen zu Hause ist und sie liebt (so wie ich die Paulusbriefe liebe), bestimmt über kurz oder lang über folgende Texte predigen würde: Phil 1,12-26 (mit dem Spitzensatz: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn“), Phil 2,1-11 (der berühmte Christushymnus) oder Phil 3,12ff („Ich vergesse, was dahinten ist….“) Würde man aber auch über Phil 2,19-30 predigen (die Lutherbibel hat als Überschrift: Sendung des Timotheus und Rückkehr des Epaphroditus)? Klingt auf den ersten Blick jetzt nicht so super-spannend, von dem schwierigen Namen mal ganz abgesehen… Und doch entgeht uns viel, wenn wir diese Texte nie ausgelegt bekommen. Vor allen Dingen ist es ein Problem, wenn wir gar meinen, diese Texte seien nicht so wichtig.

Und nebenbei bemerkt: in anderen biblischen Büchern ist der Anteil der Texte die auf den ersten Blick nicht sehr zugänglich oder relevant erscheinen, noch viel viel größer als im Philipperbrief. Ist das wirklich alles unnützer Ballast? Hätte uns gar eine Bibel gereicht, die nur 1/4 Umfang hat? Mit Sicherheit nicht! Gott hat uns die ganze Bibel mit ihren 66 Büchern und 1189 Kapiteln gegeben, weil jeder Text wichtig ist. Ich predige vorwiegend fortlaufend durch Bibelbücher oder längere Abschnitte, um genau das meinen Hörern deutlich zu machen!

Wie Gott in unserem Leben wirkt

Ein Mann ging eines Tages im Frühsommer spazieren. Da kam er an einem Haus vorbei mit einem kleinen Vorgarten und einem großen Apfelbaum darin. Vor der Tür stand eine Frau, schaute missmutig auf den Boden und sagte zu ihm: „Ach, sehen Sie, es gibt dieses Jahr wieder nichts. Alles fällt herunter!“ Und tatsächlich – wenn man auf den Boden schaute – lag da alles voll von abgefallenen Fruchtansätzen. Doch der Mann sagte zu ihr: „Ja, aber schauen Sie doch auch mal da hinauf, was da noch alles draufhängt!“ Und wirklich, als der Mann einige Zeit später wieder an diesem Haus vorbeiging, hing der Baum voll schöner, dicker, roter Äpfel.

Diese kleine Geschichte zeigt uns nicht nur, dass wir die Tendenz haben, oft nur auf das Negative, Fehlende und Schlechte zu schauen, und dabei das Positive zu übersehen.Diese Geschichte lehrt uns noch etwas anderes: Hätten sich die hängen gebliebenen Fruchtansätze wirklich so schön entwickeln können, wenn nichts heruntergefallen wäre? Wahrscheinlich nicht. Es brauchte die Ausdünnung, damit die anderen Fruchtansätze sich so wunderbar entwickeln konnten. Ganz ähnlich trauern wir als Menschen unseren unerfüllten Wünschen nach und bedenken gar nicht, wozu es gut war, dass sie sich nicht erfüllt haben. Wir sind verärgert über unsere Misserfolge und Niederlagen und kommen gar nicht auf die Idee, dass sie auch eine gute Seite haben. Wir erleben Zank und Streit, sind mit schwierigen Personen konfrontiert, müssen durch unangenehme Kontroversen hin durch und kommen gar nicht auf die Idee, in alledem ein Anzeichen von Gottes Wirken in unserem Leben zu sehen.

In der Tat ist es aber anders. Gott wirkt in unserem Leben auf zweierlei Weise: Gott wirkt in unserem Leben, indem er uns segnet und leitet. Diese Art von Gottes Wirken erkennen wir leichter, die mögen wir, die finden wir gut. Gott wirkt aber auch in unserem Leben, indem er uns erzieht und verändert – und dann eben auch mit schwierigen Dingen konfrontiert. Darin erkennen wir oft nicht so Gottes Wirken – und das finden wir auch nicht immer so toll. Trotzdem – auch so wirkt Gott in unserem Leben.

Wenn du mehr über diese zwei Wirkweisen Gottes erfahren möchtest, dann hör hier in meine letzte Predigt über 1Mose 29,1-30 rein: „Betrogener Betrüger – oder: wie Gott Jakob segnet und erzieht“. In dieser Geschichte können wir erkennen, dass Jakob diese beiden Weisen des Wirken Gottes erlebt. Er erlebt Gottes Leitung und Segen, dass sein Leben gelingt und ganz viel Positives. Und er erlebt Gottes Erziehung und Veränderung à eben auch schwierige Umstände, die ihn wirklich herausfordern.

„Diesem Gott verschreib ich mich mit Haut und Haaren!“

In Bethel macht Jakob ein eindrucksvolle Gottesbegegnung (1Mose). Er sieht im Traum eine Leiter (vermutlich war es eher eine Treppe), auf der die Engel zwischen Himmel und Erde auf- und niedersteigen. Ja, oben an der Treppe steht sogar der Herr selbst, der ihn anspricht und sich ihm als der Bundesgott offenbart und die Verheißungen an Jakob erneuert. Eine Gotteserfahrung, die eindrucksvoller kaum sein könnte. Und ein Erlebnis, das Jakobs Leben stark verändern sollte:

Jakob gibt diesem Gott, der ihm so gnädig begegnet ist, nicht nur ein einmaliges Opfer, nein, er gibt ihm sein ganzes Leben hin. Nein, in V. 20-21 heißt es: „Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen 21 und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der HERR mein Gott sein.“ Man kann hier den Eindruck bekommen, dass Jakob einen Kuhhandel mit Gott abzuschließen versucht. „Behütest du mich und sorgst du für mich, dann bin ich auch bereit, dich als meinen Gott anzunehmen“ Aber ich glaube nicht, dass wir den Text so richtig verstehen. Denn bedenken wir, was Gott dem Jakob im Traum in der Nacht – aber auch durch den Segen seines Vaters Isaak – versprochen hatte. Das waren doch genau diese Dinge: Schutz auf dem Wege, Versorgung – ja einfach seinen guten Segen! Jakob versucht also hier nicht in einem Kuhhandel Gott irgendetwas abzuluchsen. Nein, Jakob macht seinen Eid gerade auf Grundlage der Dinge, die Gott ihm zugesprochen hatte ganz sicher tun – denn es hieß ja in V. 15 „Ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.“ Jakob nimmt Gott also beim Wort und bindet sich selbst und sein ganzes Leben daran: „Weil du so wunderbar mit mir umgehst, darum will ich dir mein ganzes Leben hingeben“ Das ist hier die Reihenfolge, das ist hier der Gedanke, der da hintersteht! Gott verspricht ohne Vorbedingungen seinen Segen, gibt Jakob diesen „Blanko-Scheck“ und Jakob ist so überwältigt, dass er aus tiefstem Herzen sagt: „Ja, diesem Gott verschreibe ich mich mit Haut und Haaren. Er soll mein Gott sein!

Ich kann nicht anders, als jetzt sofort an Jesus Christus zu denken und das, was er uns im Evangelium geschenkt hat. Sind wir nicht ebenso beschenkt und gesegnet wie Jakob es war? Sind wir nicht eigentlich noch viel mehr beschenkt und gesegnet als er es war? Vergebung, Gotteskindschaft, ewiges Leben, den Herrn als unseren Fürsprecher auf unserer Seite, immer zur Stelle… Sollten wir nicht ebenso sagen: „Ja, diesem Gott verschreibe ich mich mit Haut und Haaren. Er soll mein Gott sein! Komme was da wolle, nichts will ich ihm vorenthalten?“

Meine ganze Predigt „Unerwartete Begegnung – oder: wie Gott sich Jakob offenbart“, kannst du hier nachhören.

Wenn Menschen mit Lug und Trug Erfolg haben

Die biblischen Gestalten sind alles andere als fehlerlose Helden. So betrügt z.B. Jakob seinen Vater Isaak, um sich den besonderen väterlichen Segen zu sichern. Und das ganze gelingt und es scheint sogar so, als würde Gott über diese Unehrlichkeit hinwegsehen. Am vergangenen Sonntag habe ich über diese spannende Geschichte aus 1Mose 27,1-28,5 gepredigt:

Der Plan von Rebekka und Jakob geht auf und der Betrug gelingt. Es ist wichtig, dass wir verstehen, dass Gott den Betrug in diesem Fall zwar nutzt, aber ihn nicht duldet oder bejaht. Und so werden wir noch sehen, wie schmerzhafte Konsequenzen dieses hinterhältige Verhalten für Jakob und Rebekka haben wird. Hier aber sehen wir zunächst, wie Menschen mit unlauteren Methoden Erfolg haben. Wir beobachten, wie ein Betrug gelingt, wie das hinterlistige Vorgehen die beiden zum Ziel führt. Ja, in diesem Moment scheint es so, als würde sich das unehrliche Verhalten der beiden auszahlen.

Das genau ist oft genau der Eindruck, den wir auch bekommen, wenn wir diese Welt und unsere Umwelt betrachten. Dass es sich – genau wie hier – auszahlt, unehrlich zu sein, egoistisch auf sich fixiert zu sein, zu betrügen, zu lügen, andere zu hintergehen, Intrigen zu spinnen, sich einfach zu nehmen, was man will. Alle diese unlauteren Methoden haben doch so oft Erfolg. Ja, Gott duldet das alles nicht – und doch sieht es zunächst ganz danach aus.

Wir, liebe Geschwister, müssen einen Moment lang glauben, dass Gott das wirklich nicht duldet. Wir sind herausgefordert einen Moment lang zu glauben – entgegen der offensichtlichen Realität – dass sich solches Verhalten eben nicht auszahlt. Wir müssen da Gott vertrauen, dass es anders ist als zunächst erscheint. Einen Moment lang – und dieser Moment kann lange sein, er kann sogar unser ganzes irdisches Leben dauern – müssen wir vertrauen, dass sich Lug und Trug nicht auszahlen. Dazu fordert uns Gott heraus!

Meine ganze Predigt über 1Mose 27,1-28,5 „Erzwungener Segen – oder: wie eine ganze Familie Gott zu manipulieren versucht“, kannst du hier nachhören.

Verschleudere nicht deinen größten Schatz!

Am letzten Sonntag habe ich über den Text gepredigt, in dem uns berichtet wird, wie Esau sein Erstgeburtsrecht für eine warme Mahlzeit verkaufte:

Das Verhalten Esaus hier ist uns als Warnung gegeben. Gottes Wort ruft uns hier zu: Achtung, wenn du impulsiv und unbedacht handelst, um deine Begierden zu befriedigen. Sei nicht wie Esau, der das Wertvollste was er besaß – das Erstgeburtsrecht – verachtete und für eine warme Mahlzeit verschleuderte. Nimm nicht das Wertvollste, was du hast – als Christ ist es deine Gotteskindschaft, diese persönliche, vertrauensvolle Beziehung zum allmächtigen Gott durch Jesus Christus – um es einfach zu verschleudern. Gib das nicht auf, nur weil du unter Druck stehst, weil du einen Moment der Schwäche oder Anfechtung erlebst.

Bei Esau war es der Hunger, die Müdigkeit, die Abgespanntheit. In diesem Moment der Schwäche gab er das Wertvollste weg, was er hatte, um etwas sehr Vergängliches – eine warme Mahlzeit – zu erhalten. Bei dir sind es vermutlich andere Situationen, in denen du schwach und angefochten bist. Situationen, in denen die Versuchung auf einmal groß wird, den einfachen Weg zu gehen. Gegebenheiten, in denen das Warten so unerträglich schwierig wird und es so verlockend erscheint, sich selbst – auch gegen Gottes Gebot hin – zu nehmen, was man so dringend zu brauchen meint.

Die Frage ist: wie handelst du dann? Handelst du dann noch deinem Glauben gemäß, verhältst du dich dann noch wie ein Kind Gottes? Oder machst du es wie Esau, lässt dich einfach von deinen Impulsen und Begierden leiten und sprichst: „Was soll ich mit meiner Gotteskindschaft, wenn ich mir jetzt nicht das schöne neue Auto leisten kann, wenn ich keine sexuelle Erfüllung finde, wenn ich ausgelacht und abgelehnt werde oder wenn ich Krankheit ertragen muss? Was soll ich da mit meiner Gotteskindschaft, wenn mir das alles fehlt? Ich will das jetzt, sofort, auf der Stelle, diese anderen Dinge in meinem Leben. Und egal was es kostet, egal was ich dafür muss, egal auch, ob ich dafür meinen Glauben an den Rand stellen oder ganz verleugnen muss, ich tue es jetzt. Denn ich will das jetzt, ich brauch das jetzt!“

Esaus Beispiel warnt uns hier: Achtung, wenn du so handelst! Absolute Vorsicht, wenn du impulsiv handelst, um deine Begierden zu befriedigen. Verschleudere doch nicht das Wertvollste das du hast, um deine Begierden zu stillen.

Meine ganze Predigt über 1Mose 25,27-34 „Verachtetes Vorrecht – oder: wie Esau sein Erstgeburtsrecht verschleuderte“ kannst du hier nachhören.

Es braucht Gottes souveränes Eingreifen!

Isaak und Rebekka können keine Kinder bekommen. Das ist nicht nur eine persönliche Tragödie. Nein, es zieht auch Gottes Verheißung in Zweifel. Denn er hatte doch Abraham versprochen, dass er ihm durch Isaak eine unzählbare Nachkommenschaft schenken würde. In meiner ersten Predigt über das Leben Jakobs bin ich auf die Frage eingegangen, darum Rebekka und Isaak erst nach Gebet und Gottes Eingreifen, Kinder geschenkt wurden:

Dadurch wird eins mehr als deutlich: Um Gottes Segenslinie fortzuschreiben, reicht Menschliches nicht aus! Um diesen Empfänger der Verheißung, diesen Nachkommen, ins Leben zu rufen, reicht es nicht aus, dass Isaak und Rebekka wie Mann und Frau zusammenkommen. Nein, Gott selbst muss souverän eingreifen, um seine Segenslinie fortzuschreiben. Gott selbst muss etwas tun, um den Empfänger seiner Verheißung ins Leben zu rufen! Es bedarf Gottes souveränen Eingreifens – das wird hier deutlich!

Und übrigens: Das ist das Muster, das bis auf den heutigen Tag gilt. Wir alle, die wir an Christus glauben, sind ja – so sagt es das NT – weil wir glauben, geistliche Nachkommen Abrahams. Und so wie damals Abrahams Nachkommen – hier sein Enkel – nicht „natürlich“ zustande kam, sondern erst durch das übernatürliche Eingreifen Gottes, genauso ist es auch noch heute. Darum schreibt Petrus: Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt. (1Petr 1,23) Damit ein Mensch zum Glauben kommt, muss er wiedergeboren werden. Gott selbst muss also in sein Leben treten, der Allmächtige selbst muss eingreifen, der Schöpfer von Himmel und Erde muss einen Geistlich Toten neues Leben einhauchen. Gott muss eingreifen, damit ein Mensch zum Glauben kommt und er darin ein Nachkomme Abrahams wird. Auch unsere Erfahrung bestätigt das ja, dass wir es nicht machen können, dass jemand zum Glauben kommt. Du kannst jemandem immer wieder von Jesus erzählen, ihm die besten Argumente vorbringen, von deinen größten Gebetserhörungen berichten – und trotzdem – wenn Gott nicht eingreift, passiert da gar nichts. Nein, es bedarf Gottes souveränen Eingreifens.

Meine ganze Predigt über 1Mose 25,19-26 „Gefährdete Verheißung – oder: wie Gott seine Pläne souverän verwirklicht“, kannst du hier nachhören.

Neue Predigtreihe: JAKOB

Nachdem ich in diesem Jahr in meiner Gemeinde schon durch den Galaterbrief gepredigt habe, sowie meine Reihe durch das Markusevangelium fortgesetzt habe (hier bin ich noch lange nicht am Ende), beginne ich am kommenden Sonntag nun eine neue Predigtserie. Es ist mal wieder das Alte Testament dran und so werde ich mich dem Leben Jakobs (1Mose 25-35) widmen. In den vergangenen Wochen habe ich mich mit diesen Kapiteln schon beschäftigt und je intensiver ich mit diesen Texten gearbeitet habe, desto größer ist meine Vorfreude auf diese Reihe geworden.

Ich freue mich auf diese Reihe, weil Jakob so eine spannende Figur ist. Er ist nicht unbedingt ein Glaubensheld und doch wählt Gott ihn in seiner Gnade als denjenigen aus, über den seine Verheißungslinie weiterlaufen soll. In Jakob begegnet uns also ein Patriach, bei dem wir neben Licht auch eine Menge Schatten sehen. Das macht ihn so sympathisch. Und es ist so mutmachend, dass Gott Menschen wie Jakob – und darum auch dich und mich – gebraucht. Jakob ist auf der anderen Seite zeitlebens ein Kämpfer. Das fängt bei der Geburt der Zwillinge Jakob und Esau an, setzt sich fort in der schwierigen Beziehung zu seinem Onkel Laban und erreicht seinen Höhepunkt als er in 1Mose 32 mit Gott kämpft. Jakob meint, sich den Segen erkämpfen zu müssen. Und doch sehen wir wiederholt in diesen Erzählungen, dass das, was Jakob meint sich erkämpft zu haben, ihm letztendlich von Gott geschenkt wurde. Mit Jakob sind auch wir aufgerufen, das Wesen von Gottes Gnade wirklich zu verstehen. Etwas, was wirklich schwerer ist, als man zunächst denkt…

Wer mag, ist eingeladen, in den kommenden Wochen mal reinzuhören. Die Predigten werden – wie eigentlich immer – hier im Predigtarchiv meiner Gemeinde zum Download angeboten. Und hier ist die Übersicht, was ich bisher geplant habe:

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Nicht mal Zeit zum Essen…

Bei meiner Predigtreihe durch das Markusevangelium bin ich auf ein interessantes Detail gestoßen. Nachdem Jesus die zwölf Apostel als Zweier-Missionsteams ausgesandt hatte (Mk 6,7-13) und durch ihren Dienst Jesus immer populärer wurde (darum ist in 6,14-29 auch die Perikope über Johannes den Täufer eingearbeitet, weil erst durch ihren Dienst Jesus auch Herodes Antipas bekannt wurde, der Johannes hinrichten ließ), kommen diese völlig erschöpft zu Jesus zurück. Nicht nur Jesus selbst stand jetzt im Fokus, sondern auch seine Jünger. In 6,31 heißt es deutlich: „Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie [die Jünger] hatten nicht Zeit genug zu essen.“ Sie waren offenbar von ihrem Dienst so eingenommen, dass sie nicht mal dazu kamen, eine vernüftige Mahlzeit einzunehmen. Der Dienst für Jesus forderte sie und ging vor!

Danach schließt sich in 6,35-44 sofort die berühmte Speisung der 5000 an. Hier fungieren die Jünger wiederum als Mitarbeiter Jesu. Sie verteilen ja nicht nur das Essen wie Kellner in einem Restaurant an die Menschen, nein, sie sammeln hinterher die Reste auch wieder ein. So heißt es in V. 43 : „Und sie sammelten die Brocken auf, zwölf Körbe voll, und von den Fischen“ Die Jünger dienen, indem sie die Menschen bedienen und auch noch wieder aufräumen. Nur davon, dass sie selbst etwas essen, lesen wir nichts – ganz im Gegenteil heißt es in V. 45, dass Jesus sie „alsbald“ dazu trieb ins Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren. Hier setzt sich also fort, was wir eben schon sahen. Der Dienst Jesu forderte sie so, dass sie weiterhin, dass sie selbst zurückstecken mussten. Nach wie vor kamen sie nicht mal dazu, selbst eine vernünftige Mahlzeit einzunehmen.

Erst in Mk 7,2 (nach der nächtlichen Überfahrt über den See, bei der ihnen Jesus auf dem Wasser laufend begegnete), lesen wir davon, dass sie Jünger – dann allerdings mit ungewaschenen Händen (vielleicht weil sie so hungrig waren) – das übriggebliebene Brot aßen. Und dort wird das dann eben zum Anlass einer Kontroverse zwischen Jesus und den Pharisäern über wahre Reinheit und Unreinheit.

Es wird also deutlich:Die Jünger stecken in enormem Maße zurück, weil der Dienst sie so fordert. Und doch beschweren sie sich nicht, sie meckern nicht, sie protestieren nicht – sie sind mit Hingabe und ganzem Einsatz dabei. Ich glaube, dass es solche Zeiten im Dienst nach wie vor gibt. Zeiten, die anstrengend und fordernd sind, wo wir zurückstecken, die teilweise auch mal über unsere Kräfte gehen. Ich weiß aber auch, dass das Zeiten sind, in denen wir aber dennoch erfüllt, zufrieden und voller Freude sind. Weil auch der Dienst für Jesus erfüllt und wir für den besten Herrn mit der besten Botschaft unterwegs sein dürfen.

Wenn du meine ganze Predigt über Mk 6,30-44 hören willst, so findest du sie hier.

Kein anderes Evangelium

Am vergangenen Sonntag habe ich die letzte Predigt einer 12-teiligen Predigtserie unter dem Titel „Kein anderes Evangelium“ (nach Gal 1,7) durch den Galaterbrief gehalten. Es war für mich als Prediger aber auch für die Gemeinde eine sehr herausfordernde Zeit, denn der Galaterbrief ist ja nicht an allen Stellen so einfach. Insbesondere muss man als Prediger die Übertragung schaffen, von den merkwürdig anmutenen Problemen damals (Judaisierer, die die Beschneidung forderten) und unserem heutigen Kontext. Aber ich denke schon, dass es sich gelohnt hat. Es liegt großer Segen darauf, sich gerade im Reformationsjahr diesem Brief zu widmen, der so eindrücklich wie wenige Schriften im NT, die Grundwahrheiten des Evangeliums darlegt. Hier nochmal die einzelnen Predigten im Überblick:

Nur das Evangelium ist Gottes einzigartige Offenbarung (Galater 1,1-10)

Nur das Evangelium zeigt Gottes erstaunliche Gnade (Galater 1,11-24)

Nur das Evangelium stiftet echte Einheit (Galater 2,1-10)

Nur das Evangelium soll unser ganzes Leben prägen (Galater 2,11-21)

Nur das Evangelium stets vor Augen halten (Galater 3,1-14)

Nur das Evangelium bringt das Gesetz zur rechten Geltung (Galater 3,15-25)

Nur das Evangelium macht uns zu Gottes Söhnen (Galater 3,26-4,7)

Nur das Evangelium verändert unseren Dienst (Galater 4,8-20)

Nur das Evangelium ist Hoffnung für jedermann (Galater 4,21-31)

Nur das Evangelium macht uns wirklich frei (Galater 5,1-15)

Nur das Evangelium bringt gute Frucht hervor (Galater 5,16-25)

Nur das Evangelium verändert unsere Beziehungen (Galater 5,26-6,18)

Manchen interessiert vielleicht noch mit welchen Ressourcen ich mich hauptsächlich vorbereitet habe. Da wären als Kommentare zu nennen: der Klassiker von Martin Luther (hier springt vor allem seine Leidenschaft und Begeisterung für das Evangelium aus jeder Zeile!), der ziemlich neue Kommentar von Douglas Moo (exzellent) und der von F. F. Bruce. Für homiletische Überlegungen war mir „Galatians for you“ von Tim Keller eine große Hilfe.