Gottes Herrlichkeit loben

 „Wenn Gott das Schönste und Größte überhaupt ist, das Wunderbare hinter allem Wunderbaren, dann bedeutet ihn zu loben und zu bewundern schlicht, ‚dass man wach ist, dass man in der wirklichen Welt angekommen ist‘“. (209)

 „Ich glaube, wir loben deshalb gerne, was und Freude bereitet, weil der Lobpreis die Freude nicht nur ausdrückt, sondern vervollständigt; er ist die ihr bestimmte Vollendung“ (209, C. S. Lewis)

 „Gott loben heißt, ihn anzubeten für das, was er in sich selber ist; Gott danken heißt, ihn für das zu preisen, was er getan hat.“(213) 

„Verstehen sie jetzt, warum Gott Undank so ernst nimmt? Weil er bedeutet, dass wir uns der Illusion hingeben, uns geistlich selbst zu genügen. Undank bedeutet, dass wir Dinge als unsere eigene Leistung betrachten, die in Wirklichkeit Geschenke sind.“ (214)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016

Dogmatische Korrektheit reicht nicht

Weil Tim Keller Gebet als echte Begegnung mit Gott versteht, darum ist es so unverzichtbar. Keller warnt:

„Wir müssen uns unsere Glaubensüberzeugungen nicht nur intellektuell, sondern auch existenziell zu Eigen machen; sie müssen in unserem Alltag praktisch werden. Dogmatische Korrektheit, die wir nicht auch im Herzen erfahren, führt zum Namenschristentum und letztlich in den Unglauben. Traurig aber wahr: Ausgerechnet viele konservative, um die rechte, gesunde Lehre bemühte Christen vernachlässigen das Gebet und bemühen sich nicht darum, Gott in ihrem Herzen zu erfahren; am Ende ist es dann manchmal auch um die gesunde Lehre geschehen.“

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016, S. 197f.

Prüfsteine des Gebets

Timothy Keller stellt in seinem Buch über das Beten einige „Prüfsteine“ vor, „mit denen wir testen können, inwieweit unsere Gebete Gott ehren und uns in seine Nähe bringen.“ (134). Hier die wichtigsten Aussagen:

Was Beten ist

„Beim Beten ist Beharrlichkeit angesagt. Paulus bittet die Christen in Rom, „dass ihr mir kämpfen helft durch eure Gebete für mich zu Gott“ (Röm 15,30). Beten ist eine Arbeit, die wir tun, egal, wie gut oder schlecht wir uns gerade fühlen.“ (135)

Was Beten erfordert

„Unser Beten muss in dem klaren, dankbaren Wissen darum erfolgen, dass unser Zugang zu Gott, dem Vater, ein reines Gnadengeschenk ist, das Jesus, der wahre Sohn Gottes, uns durch sein Opfer am Kreuz erkauft hat und das der Heilige Geist in uns lebendig macht, indem er uns die innere Gewissheit schenkt, dass wir Gottes Kinder sind.“ (138)

 Was Beten uns gibt

„Wir wird all das, was wir glauben und was Christus uns erworben hat, zu der großen Kraft in unserem Leben? Durch das Gebet! Das Gebet ist das Mittel, durch das Gottes Wahrheit in unserem Herzen Wurzel fasst und neue Instinkte, Reflexe und Neigungen schafft.“ (146)

 Wohin Beten uns führt

„Beten erfordert nicht nur das Bekenntnis konkreter Sünden und Fehlhandlungen, sondern auch das Offenlegen der inneren Einstellungen, Sichtweisen und Begierden, die hinter unseren kleinen und großen Sünden liegen. Tatsache ist: Je mehr wir uns der höchsten Schönheit, Weisheit und Reinheit nähern, umso mehr werden wir uns unserer eigenen Hässlichkeit, Trägheit und Unreinheit bewusst. (…) Wer Gott besser kennenlernen will, kommt nicht daran vorbei, sich selbst besser kennenzulernen. Und auch das Umgekehrte gilt: Wenn ich die Augen vor meiner Schwachheit und Sünde verschließe, kann ich auch die Größe und Herrlichkeit Gottes nicht sehen.“ (148f)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.

Mit Gott reden

„‘Wir sind Empfänger von Sprache. Sprechen lernen kann nur der, mit dem gesprochen wird. Unsere Geburt wirft uns in ein Meer der Sprache hinein (…) Und dann, langsam, Silbe um Silbe, erlangen wir die Fähigkeit, zu antworten: Mama, Papa, Trinken, Decke, ja, nein. Kein einziges dieser Worte war ein erstes Wort (…). Alles Reden ist antwortendes Reden. Wir alle wurden, bevor wir sprachen, erst angesprochen.‘ (…) Es ist daher für unser Beten unverzichtbar, dass wir das erkennen, was Peterson das ‚überwältigende Vorangehen des Redens Gottes vor unseren Gebeten‘ nennt. Dieses theologische Prinzip hat sehr praktische Konsequenzen. Es bedeutet nämlich, dass unsere Gebete aus unserer Beschäftigung mit der Bibel folgen sollten.“ (64f)

„Diese Verbindung von Bibel und Gebet ist der Anker, der mein Leben in dem realen Gott gründen lässt.“ (66)

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.

Geistliche Leere und Gebet

„Die erste Lektion in der Schule des Gebets ist die Erkenntnis unserer geistlichen Leere und diese Lektion ist ein Muss. Wir sind es so gewohnt, leer zu sein, dass wir diese Leere gar nicht merken – bis wir versuchen zu beten.“

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016, S. 32f.

Über die Gefahren des Pastorendienstes

Tim Keller schreibt in einem Beitrag, dass der Pastorendienst die Versuchung birgt, stolz und eingebildet zu werden. Es ist nicht nur theologisches Wissen, dass zur Arroganz führen kann. Nein, wir stehen auch in der Gefahr uns selbst etwas über unsere Gottesbeziehung vorzumachen. Keller erklärt:

„When you speak to people about God, you have two options: commune with God or act like you commune with God. Since the minister’s job is to tell people how great God is and how wonderful the Christian life can be, his life needs to reflect it. So you either have to be close to God as you minister or you have to act close to God. Either you truly learn how to commune with God or you learn how to fake it. You talk as if you’re a lot closer to God than you actually are. And not only do people start to think that, but you start to think it, too. (…)

But here’s where hypocrisy starts. Ministry is either going to make you a far better Christian or a far worse Christian than you would have been otherwise. It’s going to make you a hard pharisaical hypocrite or it’s going to turn you into a softer, more tender person because it forces you to go to the throne of grace and to beg the Lord for help in your weakness. The ministry will either drive you to him or drive you away from him.“

Hier kann man den ganzen Artikel nachlesen.

Was man nicht trennen sollte

„Wir müssen uns nicht zwischen einem geistlichen Leben der Wahrheit und der rechten Lehre und einem der Kraft des Heiligen Geistes entscheiden, sondern beides gehört zusammen. Meine Aufgabe war es nicht, meine Theologenstube zu verlassen und endlich jemand zu werden, der Erlebnisse mit Gott hatte, sondern den Heiligen Geist zu bitten, mir zu helfen, meine Theologie zu erleben.“

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016, S. 24