Warum ist Psalm 2 Psalm 2?

In unserer Bibelstunde haben wir uns diese Woche mit Psalm 2 beschäftigt. Aber warum ist Psalm 2 eigentlich Psalm 2? Oder anders gefragt: Hat es eine Bedeutung, dass dieser Psalm gerade an zweiter Stelle im Psalter steht und nicht beispielsweise an 95. Stelle?

Psalm 2 schließt gedanklich an Psalm 1 (und dass dieser Psalm wiederum grundlegenden Charakter hat und in den gesamten Psalter einführt, sollte offensichtlich sein) an. Er zeigt uns, dass es tatsächlich mal eine Welt ohne Gottlose (Ps 1,6) geben wird. Während also Psalm 1 den Einzelnen anspricht und ihn ermuntern will, den richtigen Lebensweg einzuschlagen, geht es in Psalm 2 um das große Ganze. Der zweite Psalm zeigt uns, wie die Weltgeschichte einmal enden wird. Wir sollen verstehen, dass einmal alles dem Messias und seiner guten Herrschaft unterworfen sein wird. Auch dadurch werden wir ermutigt, tatsächlich den Weg der Gerechten zu beschreiten, wie es Psalm 1 fordert.

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Warum man auch mal „Richter“ lesen sollte

Wenn man eine Statistik über die am wenigsten gelesenen oder gepredigten Bücher der Bibel anfertigen würde, wäre das Buch Richter zweifellos dabei. So findet man in der  Perikopenordnung der Evangelischen Kirchen nicht einen Predigttext aus diesem Buch und auch ich persönlich kann mich nicht erinnern, mal in einem Gottesdienst eine Predigt zu einem Richter-Text gehört zu haben.

In unserer Bibelstunde haben wir uns vor einiger Zeit (über insgesamt 14 Wochen) mit dem ganzen Richter-Buch beschäftigt. Und auch wenn die Bibelstunde bei uns in erster Linie von langjährigen Christen besucht wird, gab es für alle eine ganze Menge Neues zu entdecken.

Warum lohnt es sich, auch die unbekannteren und nicht so beliebten biblischen Bücher – und das Buch Richter im Speziellen – zu studieren?

  1. Die ganze Bibel ist das Wort Gottes und als solches „nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung…“ (2Tim 3,16f).

Das ist eine richtige und ganz wichtige Überzeugung! Aber ob wir sie wirklich glauben und danach handeln, zeigt sich erst, wenn wir wirklich Interesse an der ganzen Bibel haben. Wie sieht es also aus mit deinem Interesse am Buch Richter? Oder am Buch Numeri, an den Chroniken-Büchern, am Propheten Zefanja oder am Judasbrief?

Übrigens: wir haben bei jedem einzelnen Text einige sehr konkrete Anwendungen für uns und unsere heutige Zeit gefunden – was 2Tim 3,16f sagt, stimmt also wirklich 😉

  1. Wir verstehen den großen Zusammenhang der biblischen Heilsgeschichte besser

Wer seine Aufmerksamkeit immer nur auf einzelne Verse oder Kapitel konzentriert, kann nur sehr schwer ein Gesamtbild von der Bibel bekommen. Weil die Bibel aber nicht nur eine Sammlung von 66 Büchern ist, sondern auch ein Buch, darum erzählt sie auch eine Geschichte. Jedes einzelne biblische Buch trägt zum Gesamtbild seinen Anteil bei.

Das Buch Richter zeigt uns einerseits, warum Israel das von Gott verheißene Land nicht vollständig eroberte, obwohl es Mose und Josua doch zugesagt war (Ri 1,1-2,5). Es bereitet uns ferner auf die Könige-Zeit vor, indem immer wieder deutlich gemacht wird, dass aufgrund der Abwesenheit eines Königs das Volk im Chaos versinkt (Ri 17,6 u.a.). Und vor allem bereitet es uns auf das Kommen des vollkommenen Königs und Retters Jesus Christus vor. So wird in jeder Erzählung und bei jedem einzelnen Richter deutlich, wie begrenzt und unvollkommen doch die geschenkte Rettung ist und dass es einen besseren und größeren Retter braucht.

  1. Das Buch Richter zeigt uns, wie eine gottlose Gesellschaft aussieht

„So ein grausames Buch, warum soll ich das lesen…?“, fragt mancher, wenn er vom Buch Richter hört. Und in der Tat schildert uns das Buch Richter schreckliche Gewalt und viele grausame Geschichten (Jeftah, ein gläubiger Mann, der seine Tochter opfert in Ri 11, ein Mann der seine Nebenfrau vergewaltigen lässt in Ri 19 usw.) Es zeigt uns in schonungsloser Offenheit, wozu Menschen fähig sind. Die Erklärung im Buch Richter ist äußerst beunruhigend: Zu der Zeit war kein König in Israel, und jeder tat, was ihn recht dünkte (Ri 17,6). Wir lernen: wenn wir Menschen tun, was wir persönlich für richtig halten, endet das im Fiasko. Wir brauchen jemanden, der uns sagt was gut ist, der uns Grenzen setzt und Weisung gibt. Letztendlich brauchen wir Gott und seine gute Herrschaft.

  1. Das Buch Richter zeigt uns, dass Gott trotz allem Chaos souverän ist

„Wo ist Gott?“, mag man sich angesichts des großen Chaos im Buch Richter fragen (und man kann sich das genauso gut angesichts des großen Chaos in unserer heutigen Welt fragen). Das Buch Richter lehrt uns, dass Gott – trotz allem – stets souverän ist und alles unter seiner Kontrolle hält. Ein gutes Beispiel ist der Simson-Zyklus in Ri 13-16. Simson, obwohl von Gott berufener Richter, lädt jede Menge Schuld auf sich. Er ist nicht immer gehorsam und sicher nicht in jeder Situation ein Glaubensvorbild. Trotz allem wirkt Gott gerade durch diesen Mann und seine oftmals sündigen Handlungen. (erhellend ist Ri 14,4: Aber sein Vater und seine Mutter wußten nicht, daß es von dem HERRN kam; denn er suchte einen Anlaß gegen die Philister.)

  1. Das Buch Richter zeigt uns, wie groß Gottes Gnade ist

Immer und immer wieder heißt es im Buch Richter, dass die Israeliten „taten, was dem Herrn missfiel“. Immer und immer wieder heißt es aber auch, dass die Israeliten zum Herrn schrien und der Herr sie errettete. Wer gibt so viele Chancen? Nur Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Das Buch Richter macht den Gott der Gnade groß!