Psalm 113: Den einzigartigen und uns erlösenden Gott loben!

„Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN, lobet den Namen des HERRN! 2 Gelobt sei der Name des HERRN von nun an bis in Ewigkeit! 3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN!

4 Der HERR ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist. 5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, im Himmel und auf Erden?

6 Der oben thront in der Höhe, der herniederschaut in die Tiefe, 7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz, 8 daß er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes; 9 der die Unfruchtbare im Hause zu Ehren bringt, daß sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja! Halleluja!“ (Psalm 113)

Ps 113 gehört zu den sogenannten Hallel-Psalmen (Lobpsalmen), genauer gesagt zum Ägyptischen Hallel. Diese Psalmen wurden zu den großen Festen gesungen und hatten besonders beim Passah ihren festen Platz. Ps 113 und 114 sang man vor dem Mahl, Ps 115-118 nach dem Mahl.

In den ersten drei Versen finden wir den wiederholten Aufruf Gott zu loben. Gott Lob darzubringen, ist die Aufgabe der Menschen, die sich ihm zugehörig fühlen – sie sind seine Knechte (V. 1). Dieses Lob kennt keine zeitliche Beschränkung – „von nun an bis in Ewigkeit“ (V. 2) soll es erklingen. Noch kennt dieses Lob eine geographische Beschränkung: „vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang“, d.h. auf dem ganzen Erdball soll das Lob Gottes erklingen.

Gott wird gelobt, um seiner selbst willen (V. 4-5). Er ist der souveräne Herrscher über alle Völker (V. 4a), ja über die Völker und die Erde hinaus (V. 4b). Die Einzigartigkeit seines Wesens (V. 5) ist Grund genug ihn zu loben.

Aber Gott wird nicht nur um seiner selbst willen gelobt, sondern auch aufgrund seines erlösenden Handelns (V. 6). Der Gott, der so erhaben ist, schaut in seinem Erbarmen auch auf den Geringen herab. Unwillkürlich denkt man an Christus, den es immer wieder „jammerte“, wenn er die verlorenen Menschen sah (Mt 9,36). Aber Gott schaut nicht nur auf den Geringen herab und lässt ihm geringe Linderung widerfahren. Nein, er, der selbst in der Höhe thront, erhöht auch den Geringen (V. 7b), indem er z.B. Gebete in Notlagen erhört (V. 8-9 zitieren aus dem Lobgesang der Hanna, vgl. 1Sam 2,8). Aber ultimativ erhöht er die Geringen, indem der Gottessohn Jesus Christus, uns zu Söhnen des Vaters (Gal 3,26) und seinen Brüdern (Hebr 2,11) macht.

  1. Gott ist der souveräne Herrscher (V. 4) – was bedeutet das für mein alltägliches Leben, für meine Weltsicht, für meinen Umgang mit guten und schlechten Erlebnissen?
  2. Welche Eigenschaften Gottes – neben seiner Souveränität – führen mich noch ins Gotteslob?
  3. Kann ich die V. 6-9 im Hinblick auf meine eigene, in Christus geschenkte, Erlösung so mitbeten? Warum oder warum nicht? Muss ich ggf. den Blick auf meine Erlösung anpassen?

Warum Beten so etwas Großes ist

„Für Paulus ist Beten nicht so sehr eine Methode, immer mehr Gaben von Gott zu bekommen, sondern immer mehr von Gott selbst zu bekommen.“

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016, S. 29

„Wenn ich Gottes Stimme hören könnte…“

„Wenn ich Gottes Stimme persönlich hören würde und er zu mir sprechen würde, dann würde ich gerne an Gott glauben“, hat schon so mancher zweifelnder Zeitgenosse gesagt. Und auch mancher Christ denkt: „Ja, wenn ich Gottes Stimme so persönlich hören würde, das wäre doch eine grandiose geistliche Erfahrung und mit Sicherheit ganz toll.“ Wenn wir so denken, wissen wir nicht, worum wir eigentlich bitten…

Als Gott dem Volk Israel die Zehn Gebote gibt (2Mose 20), spricht Gott direkt zu den Menschen. Seine Stimme ist von allen zu hören. Live, akustisch, echt. Und was ist die Reaktion des Volkes? Sie sind nicht vor Begeisterung entzückt, sie jubeln auch nicht über diese einzigartige geistliche Erfahrung. Nein, sie bekommen es mit der Angst zu tun und rennen nur noch weg (2Mose 20,18). Und sie äußern Mose gegenüber eine Bitte: „Rede du mit uns, wir wollen hören; aber lass Gott nicht mit uns reden, wir könnten sonst sterben.“ (2Mose 20,19)

Gottes Stimme zu hören ist für die Menschen fast unerträglich. Warum? Ich denke, weil in der göttlichen Stimme Gott selbst gegenwärtig ist – mit seiner ganzen Autorität und Macht…!

Übrigens: Wenn wir die Bibel lesen, begegnet uns hier genauso Gottes Wort. Es ist nicht weniger wert oder weniger autoritativ, als Gottes Stimme, die die Israeliten damals akustisch und wahrnehmbar vernehmen konnten.